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Doch die Beduinen in Dahab haben im Umgang mit den Touristen
unübersehbar ihre Lebensart gegen eine westlich geprägte ein-
getauscht, und sie haben entdeckt, daß an Touristen viel Geld
zu ver- dienen ist — nicht nur als Führer durch die Wüste oder
als Besitzer eines Kaffeehauses, sondern auch mit Haschisch,
das in Ägypten zwar wie alle Drogen verboten ist, aber auf dem
Sinai, dessen verschlungene Pfade und versteckte Täler und
Hochebenen niemand so kennt wie die Beduinen selbst, kämpft
die Drogenabwehr aus dem fernen Kairo eine verlorene Schlacht:
wird irgendwo bei einer Razzia ein Hanffeld niedergebrannt,
blühen anderswo zwei neue auf. Zu viele verdienen an dem
Geschäft mit. Dennoch sollte man bedenken, daß in Ägypten auf
Gebrauch und Besitz von Drogen nach wie vor Todesstrafe steht
— Razzien sind selbst in Dahab möglich.
Das Hippie-Idyll Dahab wird in wenigen Jahren Vergangenheit
sein. Ende 1996 besuchte Ägyptens Präsident erstmals den Ort,
wobei man ihn nicht einmal in die Nähe der Ghazala Bay
brachte, sondern Mubarak den goldgelben Strand eines
Luxushotels als das Dahab vorführte. Und so verfügte der Mann,
der durch den Tourismus immer höhere Deviseneinnahmen für sein
armes Land erzielen will, daß der Tourismusminister alle
Anstrengungen zu unternehmen habe, damit Dahab schnell auf die
Weltkarte des Massentourismus gelange.
Schon wenige Wochen danach rollten an der Ghazala Bay die
ersten Bulldozer an und schoben alle Hütten und Häuschen in
Grund und Boden, die sich innerhalb eines Streifens von 30 m
nahe dem Meer befanden. Und da die Investoren, die großes Geld
in jeden touristisch nutzbaren Quadratmeter Sinai-Küste zu
investieren bereit sind, schon Schlange stehen, wird die
Ghazala Bay irgendwann in naher Zukunft wohl >gesäubert<
werden. Wo jetzt noch teils schmuddelige Camps und grell
beleuchtete Cafs und staubige Wege Dahab City ziemlich
heruntergekommen erscheinen lassen, da wird in spätestens
einer Dekade wohl ein zweites Sharm el Sheikh entstanden sein.
Saubere Strandpromenade, teure Hotels und Restaurants — kein
Platz mehr für Leute, die Dahab-Hosen tragen wollen.
Einzig das Schild wird wohl bleiben können und müssen, das
die Ortsverwaltung am Strand aufstellen ließ: »Topless
forbidden«. Denn in der Mißachtung der islamischen
Lebensgebote sind sich Pauschal- und Individualurlauber
gelegentlich am ähnlichsten.
Wer sich in der speziellen Atmosphäre von Dahab nicht
heimisch fühlt, dem sei die Weiterfahrt nach Nuweiba
empfohlen. Am Weg liegen einige sehenswerte Abstecher, die
sich ohne Mühe auch von Nuweiba aus als Ausflüge organisieren
und unternehmen lassen.
Lebenden ein Straßen-Denkmal zu setzen, das ist in Ägypten
verpönt. Eigentlich. Die Ausnahme bildet Olin, der in Nuweiba,
im Beduinen- dorf südlich des Hafens schon zu Lebzeiten sein
Standbild hat — an einem Kreisverkehr, dem einzigen weit und
breit. Der Bildhauer hat Olin gleich doppelt in
quietschvergnügter Pose und auf einer Flosse tänzelnd
verewigt, die Körper leuchtend Blau angemalt — Olin ist ein
Delphin, und ihn, den lebenden Meeressäuger, findet man knapp
200 m weiter südlich am Meer, dort wo der Fischer Abdallah und
sei- ne Brüder ein kleines Cafe mit strohgedeckter Pergola
errichtet haben. Denn mittags herrscht hier stets ein kleiner
Auflauf von Touristen, für
ein Beduinendorf erreicht, das sich durch Zisternen
ausreichend Was- ser gesichert hat und schon allein deshalb
als wohlhabend gilt. Viele der Hütten wurden nahe an den
Sandsteinfels gebaut, umgeben von kleinen Gärten. Während die
Frau- en sich um Kinder, Vieh und Gar- ten kümmern, gehen die
Männer am Meer dem Fischfang nach.
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