Last Minute Spanien - Die ersten spanischen Expansionszüge blieben bescheiden. Man traute sich nicht recht vom Festland weg, weite Wege übers Meer waren tabu. Also ging es immer entlang der Küste, der afrikanischen nämlich. Dabei eroberten die Spanier zunächst die Kanarischen Inseln, wobei ‚erobern“ zwar stimmt aber die dort lebenden Guanchen konnten nur bescheidenden Widerstand leisten. Und so richtig nach Afrika rein, in das Hinterland des dunklen Kontinents, traute man sich auch nicht. Also blieb man in Küstennähe.
Die Porlugiesen, nicht weniger expansionsfreudig, besetzten 1415 ein kleines Nest auf afrikanischem Boden namens Ceuta. 1580 fiel eben Jene Stadt an der marokkanischen Küste dann an Spanien, doch so recht wußte man nicht, was man damit anfangen sollte. Also behielt man sie einfach. 1497 hißten die Spanier dann ihr Banner in einer zweiten Stadt auf afrikanischem Boden, Melilla geheißen
Dann kam Kolumbus. Der traute sich erstmals über das offene Meer und erreichte Nuevas Indias (Neu-Indien), wie der amerikanische Kontinent zuerst hieß, aufgrund der irrigen Annahme, in Asien gelandet zu sein. Binnen weniger Jahre hatten die Spanier beinahe den gesamten Kontinent im Griff bauten ein Kolonialreich auf, das von Kalifornien und Florida bis hinunter nach Feuerland reichte. Einige karibische Inseln nahm man so im Vorbeigehen mit: Jamaica, Purto Rico, Hispaniola, Kuba. Auch in Asien wurden die Spanier aktiv. Um 1571 wehte die spanische Flagge über den Philippinen. Keine Frage, die Spanier regierten tatsächlich ein Weltreich, suchten aber zuallererst nur nach Gold und Silber. Die indianische Urbevölkerung Amerikas wurde derart rasch dezimiert durch Krankheiten, Kriege und brutale Frondienste, daß alsbald „Ersatz‘ her mußte: schwarze Sklaven aus Afrika.
Das konnte nicht lange gutgehen. Mit Simdn Bolfvar tauchte Anfang des 19. Jh. ein starker Mann auf, der die südamerikanischen Länder befreien wollte und auch konnte. Ein Land nach dem anderen erkämpfte die Unabhängigkeit. Zwischen 1011 und 1824 lösten sich nach und nach die südamerikanischen Uberseekolonien vom spanischen Mutterland, 1821 erklärte sich Mexiko für unabhängig, damit hatte das hispano-amerikanische Reich auf dem Kontinent aufgehört zu existieren, mit Ausnahme einiger Karibikinseln, Aber auch das blieb nicht von Dauer, Jamaica war schon 1655 an die Briten übergegangen und um Hispaniola stritt man sich mehrfach erfolglos mit den Franzosen. Ende des 19. Ih. kam ein verhängnisvoller Krieg mit den USA, da Sisanten als Kolonialmacht Kubas Unabhängigkeit verhindern wollte bnd ausgerechnet die Amerikaner genau diese unterstützten. Das Ergebnis: Spanien verlor den Krieg, und Kuba, Puerto Rico und die Philippinen wurden den USA überlassen. Ein einschneidendes Ereignis, für vieLe Spanier einem Schock gleichkommend. Noch heute gibt es ein Sprichwort: „Mäs se perdiö en Cuba“ (noch mehr verlor man in Kuba), wenn Jemand viel Pech hatte und getröstet werden solt. Schlimm, schlimm, aber vergiß nicht, was uns mit Kuba passiert ist, oder so ähnlich,
Als das Weltreich nun an allen Ecken und Enden erst bröckelte und dann zusammenkrachte, suchte man das Heil in neuen Zielen, in Afrika. Kurzfristig waren Teile der Sahara, Spanisch-Guinea (AquatorialGuinea) und Tanger unter spanischer Hoheit. Es half alles nichts, Ende der 60er Jahre des 20. Jh. wurden die tetzten Flaggen eingeholt, die Spanier zogen ab, Geblieben sind zwei kleine Städtchen aus den Anfängen der Eroberung, die hartnäckig verteidigt werden: Ceuta und Melilla, nebst einer Handvoll winziger Inselchen vor Marokkos Küste. Marokko und Spanien streiten sich schon seit Jahren darum, die Spanier sollen gehen, wollen aber bleiben, Verquere Logik, immerhin fordert Maddid von den Briten nichts anderes, nämlich, daß sie Gibraltar endlich verlassen und den Spaniern übergeben. Schließlich täge doch 4er Felsen auf spanischen Territorium.