Jun 28

Vietnam bildet den gesamten östlichen Abschluß der Hinterindischen Halbinsel. Der Norden grenzt an China, der Westen an Laos und der Südwesten an Kambodscha. Im Norden Vietnams liegt der Golf von Tonkin. Bis zum südlichen Abschluß, dem weitverzweigten MekongDelta, erstreckt sich die rund 2000 km lange Küste am Südchinesischen Meer. Der Süd- und Südwestküste sind mehrere Inseln vorgelagert (u.a. Con San, im Süden und Phu-Quoc, an der Westgrenze zu Kambodscha). Bis auf den Süden um das Mekong-Delta, besteht das Land aus Faltengebirgen, die im Süden mit Tropenwald, im Norden auch mit Nadelwald bedeckt sind. Von der Waldfläche, die vor dem Vietnamkrieg ursprünglich knapp die Hälfte des Landes bedeckte, sind nur noch rund 50 % übrig. In mittleren Lagen herrschen Monsunwälder vor, an den Küsten Mangroven und Palmen-Sandstrände. Zentrale Siedlungs- und Anbauflächen sind die Gebiete um Hanoi (Mündung des Roten Flusses im Norden) und Saigon mit dem Mekong-Delta. Bereits Anfang des 19. Jh. mischten die Franzosen in Vietnams Innenpolitik mit, um 1858 Südvietnam zu besetzen. Nach der-Eroberung des Nordens kommt es zur Vereinigung der französischen Protektorate Cochinchina (Südvietnam), Tonkin (Nordvietnam, Laos), Annam (Zentralvietnam, Laos) und Kampuchea (Kambodscha) zur Indochina-Union. Im II. Weltkrieg wird Vietnam von Japan besetzt, danach greift Frankreich wieder nach seiner verlorenen Kolonie. 1954 erleidet Frankreich die entscheidende Niederlage bei Dien Bien Phu (Nordwestvietnam). Nordvietnam wird kommunistisch, der Süden hat eine diktatorische Regierung unter Diem, die aus der Kommunistenhysterie der USA Kapital schlägt und unterstützt wird. Durch zahlreiche politische Zwischenfälle gefördert (Ermordung Diems 1963, Angriffe auf US-Kriegsschiffe vor der Küste des Nordens 1964), kommt es zum Vietnamkrieg mit den USA. Im Verlauf des Krieges fallen auf Vietnam (nach 1970/71 auch auf Laos und Kambodscha) mehr Bomben als im gesamten II. Weltkrieg auf Europa. Nach dem endgültigen Ende 1975 (Nordvietnam erobert Saigon) wird aus Nord- und Süd- eine Sozialistische Republik Vietnam gebildet. Das Klima ist tropisch feuchtheiß im Süden und subtropisch im Norden. Die Temperaturunterschiede übers Jahr sind gering, die Winter können um Hanoi allerdings sehr kühl werden. Vietnam ist ein armes Agrarland. Das Mekong-Delta wird intensiv für den Reisanbau genutzt. Die Tierwelt besteht aus Tigern, Leoparden, Büffeln, Rotwild, Schlangen, Krokodilen sowie einer vielfältigen Vogelwelt. Vietnam ist ein Reiseland für Gruppentourismus. Alles wird von Vietnam Tourism organisiert, Individualtouristen haben keine freie Hotelwahl. Die Infrastruktur wurde stark verbessert (Straßenausbau). Es wird noch einige Zeit dauern, bis Vietnam ein Urlauberland wird. Dafür müßte erst eine Hotel- Infrastruktur aufgebaut werden. Je weiter man von Norden nach Süden kommt, um so gelockerter und offener wird allerdings die Atmosphäre. 2/3 der Touristen besuchen den Süden, in Saigon bemüht man sich mittlerweile, dem Individualtourismus entgegenzukommen. Hanoi, die Hauptstadt des seit 1976 wiedervereinigten Landes, hat neben Pagoden und buddhistischen Tempeln als größte Sehenswürdigkeit das Mausoleum des ehemaligen Präsidenten Ho-Chi-Minh (1890-1969). Der Tempel in sozialistisch monumentaler Architektur ist ein Geschenk der Sowjetunion. Eindrucksvoll ist die märchenhafte Landschaft der bewaldeten Berge, Grotten, Buchten, von chinesischen Dschunken befahren, und Inseln an der Nordküste (Along Bay). Angeboten werden auch Gruppenreisen zum legendären Ho-Chi-Minh-Pfad, der vom Norden in den Süden, allerdings die größte Strecke über Laos und Kambodscha, führte. Saigon (Ho Chi Minh), ehemalige Hauptstadt Südvietnams und vor den Vietnam- und Indochinakriegen das “Paris Südostasiens” genannt, ist Vietnams größte und wirtschaftlich aktivste Stadt. Breite Boulevards, großzügige Parks und koloniale Bauten zeigen die französische Vergangenheit der größten Hafenstadt des Landes. Sehenswert sind die neuromanische Basilika (1886), die klassizistische Town Hall von 1908 (heute Quartier des Volkskommitees), das Postgebäude mit dem Tonnengewölbe von Eiffel (1891), der botanische Garten sowie das geschäftige Treiben der Menschen im Chinesenviertel Cholon und auf den Wohnbooten und die Märkte der Stadt. Im Norden wie im Süden leben Fischerfamilien in ihren Wohnbooten, den Pan Ban. Obwohl man im gleichen sozialistischen Staat ist wie Hanoi, gibt es in Saigon alles zu kaufen - allerdings nur gegen harte Dollars! Auf der Straße nach Kambodscha, im grenznahen Ort Tay Ninh, liegt die sehenswerte Basilika der Cao-DaiSekte. Im Zentrum liegt die Hafenstadt Hue. Sehenswert sind die, nach dem Krieg wieder restaurierten Tempel der ehemaligen Kaiserstadt. Auf der Straße entlang der Pazifikküste öffnen sich malerische Buchten, Palmenstrände und Fischerdörfer. Trotz der eindrucksvollen Szenerie lassen sich die Gedanken an die furchtbaren Szenen vor 1975 nicht völlig verdrängen. In Hue tobte der Krieg am schlimmsten. Straßen- und Brückenverbindungen sind nach dem langen Krieg großteils wiederhergestellt. Die beiden Wirtschaftszentren Hanoi und Saigon sind durch die Nationalstraße 1 und eine Eisenbahnlinie miteinander verbunden. Im ganzen Land gibt es zahlreiche Flugplätze und Pisten, die Inlandverbindungen sind allerdings mangelhaft. Hanoi und Saigon sind internationale Flughäfen.