Es scheint ziemlich ungewöhnlich, daß Touristenrouten auch zu Salinen führen, aber tatsächlich besichtigen zahlreiche Ausflügler die Salzbekken von .lanubio (Charco de Janubio) an der Westküste der Insel. Das blendende Weiß des trocknenden Salzes kontrastiert mit dem strahlenden Blau des Himmels und der schwarzen Lava dahinter. Ein weiteres Ausflugsziel an der Westküste, nicht weit von Janubio entfernt, ist El Golfo, eine smaragdgrüne Lagune unterhalb eines Kliffs, das an eine gigantische versteinerte Sturzwelle erinnert. Dies ist der innere Rand eines Vulkankegels, dessen andere Hälfte in der See verschwand. Die Schichten in verschiedenen Farbtönen und die bizarren Formen des Felsens sind ebenso beeindruckend wie der Gegensatz zwischen dem ruhigen Kratersee und dem mächtigen Ozean gleich daneben. Eine andere Lagune lockt Besucher zur Nordostküste der Insel. Jameos del Agua ist eine an beiden Enden offene Grotte mit einem runden Loch in der Decke, durch das Tageslicht Fällt. Schimmernde Lichteffekte lassen das Wasser des kristallklaren Sees aufleuchten, in dem kleine weiße Krebse leben, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen sollen. Gedämpfte Musik und tropische Bepflanzung haben die Atmosphäre von Geheimnis und Poesie, die über diesem Ort schwebt, nicht zerstört. Die nahegelegene Cueva de los Verdes (Höhle der Grünen) wirkt je nach Stimmung gespenstisch oder phantasieanregend. Die Röhre erstreckt sich 7 km lang von einem Vulkan bis zum Meer und entstand durch ausfließende Lava. Bei einer 50minütigen Führung durch etwa 2 km des Höhlengangs werden Ihnen die Ereignisse geschildert, die sich hier zugetragen haben sollen ; dazu kommt eine Ton- und Lichtschau. Vor der Nordküste von Lanzarote liegt eine noch ziemlich unbekannte Insel, die man auf einem Tagesausflug besuchen kann. LA GRACIOSA wird von mehreren hundert Menschen bewohnt, die fast alle vom Fischfang leben. Die Strände der Insel sind besonders schön, aber man kann sie nur mit einem Motorboot vom winzigen Hafen Orzola aus erreichen. Die etwa 40minütige Fahrt wird nur bei ruhiger See durchgeführt. Wenn es Ihnen jedoch hauptsächlich ums Schwimmen geht, brauchen Sie nur nach PUERTO DEL CARMEN ZU fahren, das etwa 10 Minuten vom Flughafen Lanzarote entfernt liegt. Puerto del Carmen ist der neue Name eines Ortes, der früher weniger anziehend La Tifiosa (schmutziger Strand) hieß. Das Fischerdorf ist noch so ursprünglich, daß es eigentlich nur aus der Ferne romantisch wirkt. Die umliegende Gegend wurde für den Fremdenverkehr erschlossen, und zahlreiche Hotels, Feriendörfer und Einkaufszentren sind hier entstanden. Die Besucher kommen hauptsächlich wegen des Badestrandes, der sanft ins ruhige blaue Wasser abfällt. Puerto del Carmen, der frühere »schmutzige« Strand, heißt jetzt PLAYA BLANCA (weißer Strand). Diese aus Werbezwecken erfundene Bezeichnung stiftet allerdings erhebliche Verwirrung, denn es besteht schon ein anderes Playa Blanca, etwa 35 km südwestlich von Arrecife gelegen. Dieser aufstrebende Ferienort wuchs um ein altes Fischerdorf mit einem schmalen geschützten Strand. Einige Kilometer weiter über holprige Wege gelangen Sie zu den malerischen Badebuchten PLAYA MUJERES und PLAYA DE LAS COLORADAS. Das Sportzentrum LA SANTA an der Westküste der Insel kann nur noch mit besonderer Erlaubnis besucht werden. Fragen Sie vorher an, ob Sie sich in den prächtigen Anlagen betätigen dürfen — auf dem einzigen rasenbewachsenen Fußballplatz der Insel oder in den verschiedensten Einrichtungen für Wassersport. Natürlich bleibt Schwimmen eine der beliebtesten Beschäftigungen auf Lanzarote, aber versäumen Sie nicht, die bezaubernden Dörfer im Inselinnern zu besuchen. Die Siedlungen haben seltsame Namen, die sogar für spanische und kanarische Ohren ungewohnt klingen — Soo und Uga und Ye. Viele verraten ihre Guanchen-Herkunft durch ein T am Anfang, wie Tinajo, Tahiche, Teseguite, Tao und die frühere Hauptstadt Teguise. TEGUISE macht den Eindruck einer Stadt, an der die Ge schichte vorübergegangen ist. Seine Straßen sind hübsch, aber es herrscht fast lähmende Stille, und die Löwenstatuen, die den modernen Hauptplatz bewachen, scheinen seltsam überflüssig. Eine Festung auf einem erloschenen Vulkan überragt die Stadt. Das Castillo de Santa Bärbara stammt aus dem 14. Jh., wurde aber seitdem mehrere Male zerstört und wieder neu erbaut. Heute ist Teguise besonders für die hier hergestellten simples bekannt, kleine Gitarren, die in der Volksmusik der Kanarischen Inseln verwendet werden. Den Ort dürfen Sie nicht mit dem neuen Urlauberzentrum um COSTA TEGUISE verwechseln. Die beste Gelegenheit, die charakteristischen Trachten von Lanzarote kennenzulernen, sind Folklore-Veranstaltungen. Die Männer tragen schwarze Hüte, und die Frauen hüllen den Kopf in ein Tuch, über das sie einen breitkrempigen Strohhut stülpen. Dieser Kopfputz wird aus praktischen Gründen getragen: Auf Lanzarote weht nämlich fast immer ein Wind, der viel Staub aufwirbelt.
Lanzarote ist wirklich ein Sieg des Menschen über eine feindliche Umwelt — eine Mondlandschaft mit über 300 Vulkanen. Der Anblick von Zwiebeln, Kartoffeln, Melonen und Trauben, die in der schwarzen Lavaasche gedeihen, ist überraschend und geradezu bewegend. Für den Namen der Insel gibt es mehrere Erklärungen. Wurde die Insel zu Ehren des genuesischen Seemannes Lancelotto benannt, der 1312 hier landete? Oder zu Ehren des französischen Adligen Lancelot, der fast ein Jahrhundert später die ersten Siedler begleitete? Oder könnte es sein, daß der normannische Ritter Jean de B&hencourt, nachdem er die Insel friedlich in Besitz genommen hatte, aus Freude seine Lanze zerbrach, die Stücke in die Luft warf und ausrief »; Lama rola !« (zerbrochene Lanze)? Woher der Name auch kommen mag, jedenfalls steht fest, daß Lanzarote, Europa am nächsten gelegen, als erste der Kanarischen Inseln erobert wurde. ARRECIFE (30 000 Einwohner), der wichtigste Hafen und /s/a Graciosa Mirador del Rio jetzt auch Hauptstadt, ist nicht gerade reich mit Sehenswürdigkeiten gesegnet, und die auf dem Seeweg ankommenden Touristen erblicken diese sogar noch später als die Flugreisenden. Die Schiffe legen nämlich im neuen Hafen an, der etwas nördlich, von der Stadt durch Fabriken für Fischkonserven getrennt, liegt. Der alte Hafen ist nicht tief genug, weshalb nur Fischer- und Vergnügungsboote dort festmachen. Über dem Tiefwasserhafen wacht die Festung San Jose, aber auch der Fischerhafen hat sein eigenes Kastell, San Gabriel, in dem jetzt, wo Piratenangriffe nicht mehr zu befürchten sind, ein kleines archäologisches Museum untergebracht ist. Die schönen Gartenanlagen am Ufer wurden erst kürzlich geschaffen und beleben die Gegend mit grünen Bäumen, farbenprächtigen Blumen und Rasenflächen. Möglich gemacht wird diese Pflanzenpracht durch den städtischen Tankwagen, der die Gärten alle acht Tage ausgiebig bewässert. Wasser ist hier so kostbar, daß es auch für diese Anlage nicht großzügiger verwendet werden kann. Vielleicht wundern Sie sich, wie Lanzarote seine Ernten hervorbringt, denn es regnet fast nie, und Quellen gibt es auch nicht viele. Im Inselinnern gedeihen Früchte und Gemüse in gewundenen Furchen aus Lavaasche. Die schwarze Bodenkrume aus poröser Asche ist zwar nicht fruchtbar, hat aber die Eigenschaft, nachts die Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und sie an die Pflanzen abzugeben. Vielleicht der ungewöhnlichste Anblick auf Lanzarote sind die Weingärten. Jede Rebe gedeiht inmitten
ihres eigenen kleinen Kraters, durch eine niedrige, halbkreisförmige Mauer aus Lavastein vor Wind und Sonnenglut geschützt. Die so gebildeten abstrakten Formen üben auf das Auge eine eigenartige Faszination aus. Aber diese friedliche Landschaft kontrastiert um so schärfer mit dem durch Vulkanausbrüche unfruchtbar gewordenen Gebiet, dem nulljulis, einer trostlosen Ebene, über der sich Vulkanhügel in eigenwilligen Formen und phantastischen Farben erheben.Falls Sie sich während der Ferien auch ein bißchen Sorgen machen möchten - hier sind einige der größeren Vulkanausbrüche auf den Kanarischen Inseln aufgeführt : 1604 Teneriffa 1605 Teneriffa 1704/5 Teneriffa 1706 Teneriffa 1730 Lanzarote 1798 Teneriffa 1824 Lanzarote 1909 Teneriffa 1949 Insel La Palma 1971 Insel La Palma Eines dieser Massive, die Feuerberge (Montanas de Fuego), ist ein beliebtes Ausflugsziel. In 45 Minuten kann man sich von einem Kamel hinauf und wieder hinunter tragen lassen. Aber der Ritt in schwankender Höhe bietet Ihnen kaum Gelegenheit, über die tiefere Bedeutung dieser Mondlandschaft nachzugrübeln, und es ist schwer zu sagen, wer bei diesem Unternehmen mehr leidet, der Tourist oder das Kamel. Über hundert Kamele werden für diese Ausflugsritte eingesetzt. aber sehr viel mehr helfen bei den landwirtschaftlichen Arbeiten. Wer’s genau nimmt, wird sagen, daß diese vierbeinigen Landrover nur einen Höcker haben und also Dromedare sind, aber auf Lanzarote nennt sie jeder Kamele. Die gesamte Gegend wurde in eine Art Naturschutzgebiet der Trostlosigkeit umgewandelt, und die zerklüftete schwarze Landschaft erweckt Weltuntergangsstimmung. Zum Ausgleich tragen die Führer freundliche, rosafarbene Uniformen. Sie zeigen einige verblüffende Experimente, die beweisen, daß das Feuer in dem Vulkanofen unter Ihren Füßen noch nicht erloschen ist. Die Asche, die man nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche auskratzt, ist so heiß, daß man sie nicht berühren kann, und in den Boden gestecktes Reisig fängt innerhalb kurzer Zeit Feuer. Eindrucksvoll ist es auch, wenn der Führer durch eine Röhre Wasser in die Erde leitet und sofort danach heißer Dampf aus dem Do-it-yourself-Geiser schießt. Passenderweise hat das nahegelegene Restaurant Teufel und Bratpfanne als Geschäftszeichen gewählt. Hier kocht man über Vulkanfeuer immer betriebsbereit, umweltfreundlich und gratis.
Bei Ausflügen ins Zentralgebiet von Gran Canaria macht man meistens eine Pause in dem friedlichen Städtchen Teror (das sich mit einem r schreibt und in dein glücklicherweise von Terror nichts zu spüren ist). Die alten, weißgetünchten Häuser, oft um einen schattigen Patio gelegen, haben schöne geschnitzte Balkone. Das wichtigste Bauwerk ist die große, typisch kanarische Basilika Nuestra Seilora del Pino (Unsere Liebe Frau von der Kiefer), die an das Wunder der 1481 in den” Zweigen einer Kiefer gefundenen Madonnenstatue erinnert. Die Jungfrau von Teror ist Gran Canarias Schutzheilige. Am 17. Januar 1975 wurde an dem Standbild der größte Sandstrand oder Felsenküste die Sonne scheint hier überall. Juwelenraub der kanarischen Geschichte verübt. Diebe — es muß sich um Spezialisten gehandelt haben — drangen durch die 200 Jahre alte Decke in die Kirche ein und stahlen die schönsten Diamanten und Saphire sowie Gold- und Silberverzierungen, mit denen die Madonnenstatue geschmückt war. Viele Gegenstände von geringerem Wert oder solche, die unverkäuflich waren, ließen sie zurück. Der Wert der Beute wird auf 10 bis 20 Millionen Peseten geschätzt. Für eine geringe Eintrittsgebühr können Sie den Kirchenschatz und die Schutzheiligen auf ihrem Silberthron aus der Nähe betrachten. Das gebirgige Inselinnere stellt Autofahrer vor Probleme, aber dafür wird man mit herrlichen Ausblicken auf die Kiefernwälder, Mandelhaine, zerklüfteten Felsen und Stcilwände entschädigt. Der beste Aussichtspunkt ist beim Kreuz von Tejeda (Cruz de Tejeda) am höchsten Punkt des Insel-Straßennetzes (1450 m). Von hier aus haben Sie einen grandiosen Blick auf den geheimnisvollen Roque Nublo, einen 80 m hohen Basaltmonolithen, der von den Guanchen angebetet worden sein soll. Auf dem Paß gibt es einen kastellartigen parador (staatliches Touristenhotel). Wenn Sie Einsamkeit lieben, finden Sie hier eine ideale, komfortable Unterkunft in reiner Bergluft. Das fast 4 km entfernte Dorf TFJEDA ist berühmt für seine Mandelblüte im Februar. Wenn Sie ruhig, aber weniger abgelegen wohnen wollen, können Sie sich in SANTA BRIGIDA, einem hübschen Ort auf dem Weg zurück nach Las Palmas, umsehen. Das Klima hier ist besonders milde, und aus diesem Grund haben viele. Kanarier und auch ausländische Dauergäste auf den Hügeln Villen gebaut, deren Gärten besonders schön sind. Eine von Gran Canarias großen Sehenswürdigkeiten ist die Caldera de Bandama, der Krater eines längst erloschenen Vulkans, der einen Durchmesser von 1000 m hat. Die Caldera ist einer der wenigen Krater, die nicht unheilvoll wirken, denn das Innere des Kegels, das einen fast vollkommenen Kreis bildet, ist grün und fruchtbar. Ein Bauernhof, fast 200 m tief auf dem Grund der Caldera erbaut, zeigt, für wie zahm der Vulkan gehalten wird. Vom Aussichtspunkt am Ende der sich um den Kegel windenden Straße können Sie nicht nur in den Krater blicken, sondern Sie überschauen auch fast die Hälfte der Insel. Hier wartet ebenfalls der unvermeidliche Souvenir- laden auf Kundschaft. Sehenswert ist auch TELDE, die zweitgrößte Stadt der Insel (nicht zu verwechseln mit dem Teide, dem mächtigen Berggipfel auf Teneriffa). Telde war die Residenz von Doramas, dem legendären Guanchenfürsten, der 1478 die Invasionstruppen der Spanier zurückschlug. Heute ist es eine wohlhabend wirkende Kolonialstadt mit eleganten Balkonen aus Kiefernholz. Die zweitürmige Johanneskirche ( Iglesia de San Juan) aus dem späten 15. Jh. gilt als die älteste Kirche Gran Canarias. Ihr figurenreicher Altaraufsatz aus vergoldetem Holz ist ein prächtiges Beispiel flämischer Schnitzkunst dieser Epoche. Die Christusfigur über dem Hauptaltar ist vielleicht nicht unbedingt ein Kunstwerk, aber bestimmt eine historische Sehenswürdigkeit und eine Kuriosität. Sie soll im 16. Jh. von Indianern in Mexiko hergestellt worden sein, und zwar aus einer Masse, die nach einem Geheimrezept aus zerstampften Maisstengeln gewonnen wurde. Trotz ihrer Größe wiegt sie nur etwa 7 kg; sie ist eine dauernde Erinnerung an die Rolle der Kanarischen Inseln als Brücke zwischen zwei Kontinenten.