Die Zeiten des Gran Hotels Florida sind schon lange vorüber. Eingezwängt zwischen Felswand und neuer Schnellstraße, die Erdöllagertanks der staatlichen Raffinerie nicht weit, ist es von weitem einem altmodischen Gewächshaus nicht unähnlich — sofern der ehrwürdige Palast am Südrand von Santa Cruz aus einem vorbeieilenden Fahrzeug überhaupt wahrgenommen wird. Denn die üppige Pflanzenwelt des einstigen Hotelgartens überwuchert allmählich die verlassenen Gemäuer. Auf altem Großgrundbesitz—die Finca an der Playa de Bajamar war durch die Hände so illustrer Namen wie Sotomayor, Massieu und Abreu gegangen. ließ ein gewisser Felipe de Paz Perez Ende des 19. Jh. ein Herrenhaus im für La Palma recht ungewöhnlichen Kolonialstil errichten. Viel Glas, Ziegel und filigranes Mauerwerk fanden Verwendung. 1934 wurde das private Anwesen von seinem neuen Besitzer Manuel Rodriguez Acosta auf Drängen einheimischer Geschäftsleute in ein Hotel umgewandelt. Bis dahin hatte es auf La Palma nur schlichte Pensionen gegeben. In den 30er Jahren, als die Inselwirtschaft dank des Bananenexports florierte, begann man das Fehlen eines Hotels erster Kategorie schmerzlich zu spüren. Zu einem solchen entwickelte sich das Gran Hotel Florida nun rasch. Bedeutende Persönlichkeiten stiegen im »Florida« ab. Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, auch Admiral Dönitz, der in den letzten Kriegstagen die Nachfolge Hitlers antrat, habe sich in das Gästebuch eingetragen, als sein Kriegsschiff kurz nach der Eröffnung des Hotels im Hafen von Santa Cruz Station machte. Vor allem aber waren es die Passagiere britischer Kreuzfahrtschiffe, die die Hallen des Gran Hotels belebten. Alle 14 Tage legten die Dampfer der berühmten Cunard-Line in Santa Cruz an: Den Landgang verbrachten die Gäste auf den Tennisplätzen und an den Swimmingpools des »Florida«, wo sie auch pünktlich um 5 Uhr ihren Tee nahmen. Noch heute soll es auf La Palma Leute geben, die sich an die rauschenden Ballnächte im Park des Gran Hotels erinnern. Dazu fanden sich nicht nur die Hotelgäste ein, sondern jeder in Santa Cruz, der etwas auf sich hielt. Abrupt beendete der Ausbruch des Bürgerkriegs 1936 den kometenhaften Aufstieg des »Florida«. Die Besitzerfamilie wurde wegen ihrer republikanischen Gesinnung von den Anhängern Francos verfolgt; das Hotel mußte seine Pforten schließen. Halbherzige Versuche, es nach Beendigung der Kriegswirren wiederzueröffnen, waren zum Scheitern verurteilt. 1965 erfolgte das endgültige Aus. Wenn es auch am Geld fehlt, um das Haus zu renovieren, so wird doch zumindest dafür gesorgt, daß es nicht völlig verkommt. Es ist als Glücksfall zu betrachten, daß die heutigen Besitzer sich über die kulturhistorische Bedeutung des Palastes im klaren sind. So setzten sie sich Anfang der 80er Jahre erfolgreich gegen Pläne der Inselregierung zur Wehr, die Schnellstraße von Santa Cruz gen Süden quer durch das Anwesen zu legen. Das Gebäude blieb erhalten, 20 000 m2 Land mußten allerdings geopfert werden. Zukunftsmusik bleibt vorerst, das Haus einer neuen Nutzung zuzuführen und vor allem den Park der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, der zu den schönsten und vielfältigsten der Insel zählt. Die zwei Araukarien gelten als die höchsten ihrer Art auf den Kanarischen Inseln. Außerdem wachsen hier Lorbeerbäume und Magnolien, Myrthen und Eugenien, Maulbeerbäume, Jambus und uralte Palmen . . .
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