Stattliche Paläste zeugen in Santa Cruz vom Glanz vergangener Zeiten. 1492, ein Jahr vor der Eroberung La Palmas, hatte Kolumbus Amerika entdeckt. Und schon bald brach für Santa Cruz eine heute fast unvorstellbare Zeit der Blüte und des Reichtums an. Eine der größten Handelsflotten Spaniens war hier stationiert, die ansässigen Kaufleute erwarben binnen kürzester Zeit große Vermögen. Zwar besaß die königliche Handelskammer in Sevilla das Monopol im Amerikahandel: Sie teilte den einzelnen Schiffen Warenkontingente zu, bestimmte die anzulaufenden Häfen und überwachte die Zollabfuhr. Denn die Einnahmen aus dem Warenverkehr mit den neuen Kolonien in Übersee sollte vor allem die Staatskasse füllen. Alle Schiffe hatten sich der königlichen Handelsflotte anzuschließen, die regelmäßig von Sevilla aus in See stach. Viel Spielraum gestand man den Kaufleuten im Amerikahandel nicht zu — zu groß war die Angst der Krone vor in- und ausländischer Konkurrenz. Doch die Kolonien mußten mit Lebensmitteln versorgt werden, und die Kanaren lagen nun einmal sehr viel näher am amerikanischen Kontinent als das spanische Festland. Daher erhielten die Inseln 1508 das Privileg praktisch freien Warenverkehrs. Aber es gab auch Einschränkungen. So durften Sklaven und Frauen nur mit königlicher Genehmigung an Bord genommen werden; der Handel mit Gold und Silber, Pferden und Waffen war verboten. Auf dem Weg über den Atlantik machte nun beinahe jedes Schiff auf den Kanaren Station. La Palma erwies sich als besonders verkehrsgünstig — am Westrand des Archipels gelegen —, und so entwickelte sich Santa Cruz innerhalb weniger Jahre zur drittgrößten Handelsmetropole des spanischen Weltreichs (nach Antwerpen und Sevilla).
Von mindestens ebenso großer Bedeutung wie der legale war der illegale Handel. Ausländischen Schiffen war die Teilnahme am lukrativen Amerikageschäft streng untersagt. Viele Kapitäne versuchten, das Verbot von den Kanaren aus zu umgehen. Schmuggler, Piraten und Betrüger gaben sich hier ein Stelldichein. Der Handelskammer in Sevilla war dies ein Dorn im Auge. 1566 richtete die Krone auf Gran Canaria, Teneriffa und La Palma Registergerichte ein, um die Bestimmungen besser überwachen zu können. Die Inselräte protestierten vergeblich. >Offizielle( Waren, die mit den Kolonien ausgetauscht werden durften, waren ausschließlich Tierhäute, Wein, Getreide, Käse, Obst, Zucker, Vieh und Holz. Mit dem Schmuggel von Gold, Silber, Sklaven und Luxusgütern ließ sich natürlich viel mehr ver- dienen. Jeder war auf La Palma irgendwie in den illegalen Handel verwickelt, und so sah man nun, da die Kontrollen fast lückenlos waren, die Pfründe dahinschwinden. Im 17. Jh. geriet La Palma vollends ins Abseits. Das Wirtschaftszentrum der Kanaren verlagerte sich nach Teneriffa, als dort 1604 ein neuer Hafen eingeweiht wurde. Sechs Jahre später führte die Handels- kammer von Sevilla Exportbeschränkungen für kanarische Waren ein, wobei Teneriffa überdies noch die größten Kontingente zugeteilt bekam. Der schlimmste Schlag traf La Palma allerdings 1657, als das Registergericht in Santa Cruz geschlossen wurde. Alle Schiffe auf dem Weg von und nach La Palma mußten von nun an stets Teneriffa anlaufen. In den vier Jahren danach sollen nur noch zwei Schiffe ihre Waren in Santa Cruz gelöscht haben. Der wirtschaftliche Niedergang war besiegelt.
Handel mit Amerika
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