Aug 8

Etwa 2 km von Tazacorte entfernt liegt direkt am Meer der dazugehörige Hafen. Die Bucht an der Mündung des Barranco de las Angustias galt schon bei den Eroberern als bester Ankergrund in den Gewässern um La Palma. Alonso Fernändez de Lugo landete hier am 29. September 1492, dem Tag des hl. Michael, um die Conquista einzuleiten. Später bestimmte man daher den Erzengel zum Schutzpatron der Insel, deren vollständiger Name seither San Miguel de La Palma ist. Früher wurden die Bananen des Aridane-Tals von Puerto de Tazacorte aus verschifft. Eine nicht mehr in Betrieb befindliche Lastenseilbahn transportierte die Früchte von den nördlich angrenzenden Anbaugebieten die Felswand zum Barranco de las Angustias hinunter. Heute ist in Puerto de Tazacorte die größte Fischereiflotte der Insel stationiert. Etwa 90 Prozent der Fänge werden hier angelandet. Neben einigen Kuttern liegen vorwiegend kleine, offene Fischerboote im Hafen, den eine hohe Betonmauer gegen die Brandung schützt. Über ein kleines Werftgelände gelangt man, eine Reihe von Fischerhütten passierend, in denen Netze und Geräte aufbewahrt werden, zur Playa El Roque. Die Hafenmole hält die Brandung von dem winzigen, dunklen Sandstrand fern. Das Baden ist verboten! Nördlich grenzt an den Hafen ein längerer kiesiger Strand, hinter dem allerdings direkt die Küstenstraße verläuft. Im Bereich der Barranco-Mündung, an der einige nüchterne Appartementhäuser errichtet wurden, sollte eine große, künstliche Badelandschaft entstehen. Das Projekt scheiterte, die halb fertiggestellte Anlage verfällt. Am Nordrand der Bucht befand sich früher der Hafen. Hier liegt der alte Ortskern von Puerto de Tazacorte mit ein paar einfachen, für fangfrischen Fisch bekannten Restaurants. Seit den 60er Jahren vervierfachte Puerto de Tazacorte seine Einwohnerzahl auf heute etwa 1600 Menschen. Im Talgrund des Barranco de las Angustias wurden Sozialwohnungsblöcke für die zahlreichen Arbeitskräfte errichtet, die in den Bananenplantagen rund um Tazacorte und Los Llanos beschäftigt sind. Ein Teil dieser nicht mehr zeitgemäßen Wohnhäuser wird derzeit abgerissen und durch moderne Bauten ersetzt. Ein alter Pflasterweg führt in Serpentinen die steile Felswand zur Höhe von El Time hinauf. Der Einstieg befindet sich im alten Ortskern gegenüber vom Kiosco Tenegufa. Am Anfang ist der Weg recht häßlich, doch sobald man etwas höher steigt, wird die Aussicht immer beeindruckender.

Aug 8

Im wichtigsten Bananenanbaugebiet La Palmas liegt Tazacorte (2500 Einw.). Vor allem in den 70er Jahren, als die Bananenwirtschaft florierte und zahlreiche Arbeitskräfte aus ärmeren Gebieten der Insel zuzogen, kam es im Ort zu einem gewissen Aufschwung. Die zu Wohlstand gekommenen Bürger begannen, sich nach der neuesten Mode zu kleiden; Geschäfte, Kneipen und Diskotheken eröffneten, und man sprach bereits von »El Paris Chiquitito« (Klein-Paris). Doch die Bananenkrise der letzten Jahre ist auch an Tazacorte nicht spurlos vorübergegangen. Tazacorte war die erste spanische Siedlung auf palmerischem Boden und wurde schon 1492 gegründet, noch bevor die Insel endgültig erobert war. Viel Atmosphäre besitzt die Altstadt mit ihren schmalen Gassen und typisch kanarischen Häusern. Abends trifft man sich auf der Avenida de la Constituciön, einer halbrunden, nur einseitig bebauten Promenade, von der aus man über Bananenfelder zum Meer blickt. Oberhalb der Avenida liegt die Plaza de Esparia mit der Iglesia San Miguel Arcängel, die auf eine Gründung der Conquistadores (Eroberer) zurückgeht und dem Erzengel Michael geweiht ist. Eine hölzerne Skulptur auf dem Hauptaltar zeigt den Erzengel mit dem Teufel (16. Jh.). Moderne Umbauarbeiten haben das
Äußere der Kirche nicht gerade zu ihrem Vorteil verändert. Sehr schön ist aber der von Bougainvillea überrankte, mit bunten Fliesen verkleidete Laubengang neben dem Kirchplatz, wo sich zur Siesta-Zeit die älteren Männer des Ortes treffen. Aus der Zeit, als das Zuckerrohr auf La Palma eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielte, sind noch drei Herrenhäuser in Tazacorte erhalten. Sie stehen unterhalb des alten Ortskerns in der Calle Perez Galdos, die nicht weit vom Kirchplatz von der Hauptstraße abzweigt. Das Haus Nr. 5 auf der lin- ken Seite wurde vermutlich im 17. Ih. von der Familie Monteverde erbaut. Vielleicht gehörte es aber auch dem Admiral Diaz Pimienta, an den vor der Kirche ein Denkmal erinnert. Gegenüber steht das Haus Nr. 9, das Nicolas Massieu Van Dalle und seiner Frau Angela Monteverde y Ponte gehörte. Das Barockportal mit dem Familienwap- pen ist außerordentlich prachtvoll. Weiter unten steht ein dreistöckiges Herrenhaus, das die Familie Monteverde im 16. Jh. errichtete. Von Tazacorte führt eine Straße Richtung Los Llanos. Zur Rechten liegt gleich oberhalb des Ortes das Anwesen »La Florida«, dessen ungewöhnliches Portal aus Holzstämmen zusammengesetzt scheint; in Wirklichkeit handelt es sich jedoch um raffiniert verarbeiteten Beton, eine Form der Materialverfremdung, deren sich der Modernismus (die spanische Variante des Jugendstils) gerne bediente.