Aug 9

Am Hafen steht noch das alte Lagerhaus der englischen Bananenexporteure. Aber in Puerto de Tazacorte legen schon lange keine Bananenfrachter mehr an. Seit wann das Gemäuer verlassen ist, läßt sich ungefähr an dem Autowrack ablesen, das auf dem Grundstück >vergessen( wurde — ohne Zweifel ein Vorkriegsmodell. Ganz ungenutzt ist das Lagerhaus dennoch nicht. Fischer haben hier eine winzige Werft eingerichtet. In der Halle warten ein paar alte Kutter auf bessere Tage, vor der Tür flicken die Männer Netze und reparieren ihre kleinen, offenen Boote — immer und immer wieder, denn für Neubauten fehlt meist das Geld. Die zerfressenen Planken erneuern die Fischer mit billigem Importholz aus Holland; die Lücken verschließen sie mit Baumwollfäden, die mit einer Paste verschmiert werden. Oder man behilft sich, indem man die Bootswände mit einer billigen Kunststoffschicht überzieht — dann sind die Kutter wieder ein paar Jahre wasserdicht. Wie alt ihre Boote sind, das vermögen die Männer nicht zu sagen. Schon ihre Väter sind damit ausgefahren. Allzuviel können die Fischer von Puerto de Tazacorte nicht investieren. Der Fang bringt immer weniger ein, für die knapp 300 Fischer La Palmas langt es kaum zum Leben. Etwa 2 t Fisch landen sie pro Person und Jahr im Schnitt an. Manchmal, im Sommer, wenn der Thunfisch Saison hat, reicht die Kapazität der Kühlhäuser nicht aus; dann muß ein Teil des Fanges vernichtet werden. An den meisten Tagen aber wartet der Laster der Fischereigenossenschaft für drei oder vier Kisten Fisch pro Kutter stundenlang im Hafen. Billige Importware ließ in den 80er Jahren die Preise in den Keller fallen. Die Fischer reagierten, indem sie ihre Fangmengen mit modernen Methoden erhöhten. Nun werden die gefangenen Exemplare immer kleiner — eine Folge der Überfischung in den Inselgewässern. Von den Zeiten, als um die Jahrhundertwende noch jährlich ein hochseetaugliches Segelschiff in La Palma vom Stapel lief und eine große Fischereiflotte zu den reichen Fanggründen vor der afrikanischen Küste auslief, können Bootsbauer und Fischer heute nur noch träumen …