Für Wanderer und Naturbegeisterte zählt ein Besuch in der Caldera de Taburiente zu den Höhepunkten eines Aufenthaltes auf La Palma. Den riesigen Kessel (span. caldera) — er mißt etwa 7 km im Durchmesser — umgeben ringsum steile Felswände. Nur von Südwesten, durch den Barranco de las Angustias ()Schlucht der Todesängste, ist die Caldera zugänglich. Die nahezu senkrechten Steilabhänge dagegen sind Sperrzone und auch für Kletterer tabu. Ein halsbrecherischer Pfad, der von der Cumbrecita hinabführt, ist zur Zeit gesperrt; es bestehen Pläne, ihn auszubauen und für Wanderer zu öffnen. Der Grund der Caldera de Taburiente steigt von rund 300 m im unteren Bereich, wo der Barranco de las Angustias beginnt, auf etwa 900 m an. Im Westen, Norden und Osten ist der Kessel halbkreisförmig von einem Gebirgszug umgeben, der Höhen um 2000 m erreicht und im Roque de los Muchachos (2426 m), dem höchsten Berg La Palmas, gipfelt. Der Pico Bejenado im Süden, von dem übrigen Caldera-Rand durch den Sattel der Cumbrecita (1287 m) getrennt, ist
Unerklimmbar — die steilen Felswände der Caldera. Beängstigend — die enge Klamm des Barrancos. Still — die Kiefernwälder im Talkessel. Erfrischend — die Quellen. Sonnig — die einsamen Wanderwege. immerhin noch 1875 m hoch. Während sich die umliegenden Höhen im Tagesverlauf oft in Wolken hüllen, ist es in der Caldera selbst, die vor Winden aus allen Richtungen geschützt ist, meist sonnig und trocken. 1954 erklärte die spanische Regierung die Caldera de Taburiente zum Nationalpark, der sich heute auf 4690 ha ausdehnt und den größten Teil des Kessels bis hinauf zu den Bergkämmen, einen Teil des Barranco de las Angustias, die Cumbrecita mit einem Teil des Barranco del Riachuelo und die Südseite des Pico de Bejenado umfaßt. Für die Verwaltung des Parks ist die staatliche Nationalparkbehörde ICONA zuständig. Sie unterhält das Wegenetz und sorgt dafür, daß die Verhaltensregeln — die nicht oft genug angemahnt werden können — eingehalten werden. So ist es verboten, Abfall zu hinterlassen, Pflanzen, Tiere oder Steine zu sammeln, offenes Feuer zu machen oder außerhalb des offiziellen Campinggeländes zu zelten. Auch ist im Nationalpark selbst, der fast völlig von Kiefernwald bestanden ist, die Viehhaltung verboten. Die verwilderten Ziegen, die früher in großer Zahl die Caldera durchstreiften und schwerwiegende Schäden an der Vegetation anrich- teten, wurden von der ICONA abgeschossen. Statt dessen siedelte man Mufflons als Jagdwild an, mußte allerdings feststellen, daß diese dem Pflanzenwuchs ebenfalls nicht unerheblich zusetzen. Durch Abschuß ist die Zahl dieser Tiere mittlerweile stark reduziert worden. Eine Übersichtskarte befindet sich in der hinteren Innenklappe.
Um einen möglichst umfassenden Eindruck zu bekommen, bietet sich die Wanderung von Los Brecitos zur Playa de Taburiente und durch den oberen Teil des Barranco de las Angustias an (etwa 4 Std. Gehzeit). Diese Tour ist nur durchführbar, wenn man sich nach Los Brecitos fahren läßt (s. o.) oder den ca. dreistündigen Anmarsch auf der Piste zu Fuß in Kauf nimmt. Selbstfahrer können die Wanderung in zwei Abschnitte aufteilen. Für die Fahrt nach Los Brecitos auf der Piste mit dem Pkw sollte man mindestens eine Stunde veranschlagen. Die Piste endet bei Los Brecitos an einem Parkplatz, wo ein Wanderweg durch Kiefernwald am Caldera-Hang entlang weiterführt. Fast unmerklich geht es bergab. Man passiert den Bauernhof Casas de Tenerra, auf dem heute noch Tabak angebaut wird. Immer wieder weisen Schilder mit der Aufschrift »Acampamiento« den richtigen Weg. Nach etwa 1 Std. 15 Min. ist eine Gabelung erreicht. Wendet man sich nach rechts, trifft man gleich darauf auf die Playa de Taburiente, einen breiten, geröllbedeckten und von einem Netz von Rinnsalen durchzogenen Talgrund am Zusammenfluß mehrerer Bäche. Je nach Jahreszeit können letztere soviel Wasser führen, daß die Überquerung nicht ganz einfach ist. Auf der anderen Talseite befindet sich im Schatten hoher Bäume das Campinggelände der ICONA mit Tischen und Bänken (1 Std. 30 Min.). Autofahrer kehren sinnvollerweise hier um und wandern nach Los Brecitos zurück. Dabei bietet sich ein Abstecher (ca. 1,5 Std. Gehzeit hin und zurück auf steilem Pfad) über den schroffen Roque del Huso zur Cascada an, einem eindrucksvollen, die Calderawand hinabstürzenden Wasserfall. Dazu quert man wiederum den Talgrund und wendet sich gleich dahinter an der Gabelung bergauf. Richtung Barranco de las Angustias geht es vom Campinggelände auf einem schmalen, beschilderten Pfad aufwärts. Über einen Sattel führt dieser Weg zunächst in den Barranco Almendro Amargo und an dessen steilem Westhang talab. Man erkennt nun schon den spitzen Roque de Idafe, den heiligen Fels der Altkanarier. Bald ist der Talgrund erreicht. Dort befindet sich am Wegrand eine gefaßte Quelle mit einer Inschrift, die besagt, daß an dieser Stelle nach der endgültigen Kapitulation der Auaritas die erste Heilige Messe auf La Palma gelesen wurde. Unterhalb des Roque de Idafe fließen der Barranco Almendro Amargo und der Barranco del Limonero mit seinem gelblich gefärbten Wasser zusammen. Wenig weiter unterhalb mündet beim Wasserwerk von Dos Aguas (1 Std. 10 Min. ab Campinggelände) der Barranco de Taburiente, dessen Überquerung bei starker Wasserführung Probleme bereiten kann. Im weiteren Verlauf ist das Flußbett dann fast ausgetrocknet, da bei Dos Aguas das Oberflächenwasser der Caldera in eine Leitung gespeist wird. Der Weg verläuft abwechselnd im Talgrund oder entlang der Hänge. Im Zweifel helfen Steinpyramiden bei der Orientierung. Stetig geht es durch den engen, stellenweise von steilen Felswänden gesäumten Barranco de las Angustias bergab. Nach etwa 2 Std. 30 Min. Gehzeit ab Campinggelände ist die Piste erreicht, die, von Los Llanos kommend, den Barranco de las Angustias kreuzt. Selbstfahrer, die den Abstieg von der Playa de Taburiente nicht machen konnten, können hier den Wagen abstellen und den Barranco de las Angustias in umgekehrter Richtung beliebig weit erkunden.