Hauptort der Gemeinde Garafia, deren rund 2000 Einwohner sich auf 14 Siedlungen verteilen, ist Santo Domingo. Bis in die 60er Jahre hinein, als die erste Straße von Los Llanos nach Garaffa gebaut wurde, lebten die Menschen hier in fast völliger Abgeschiedenheit. Die anderen Inselteile waren nur zu Fuß oder auf dem Esel über beschwerliche Pfade zu erreichen. Lastenverkehr wurde vorwiegend über See abgewickelt, doch war dieser Transportweg äußerst wetterabhängig. Garafia weist seit Jahrzehnten die höchste Abwanderungsquote der Insel auf. Die Verbliebenen, meist alte Leute, arbeiten vorwiegend in der Landwirtschaft. Es lohnt sich, von Las Tricias die untere Straße nach Santo Domingo de Garafia zu wählen. Sie ist kürzer und landschaftlich reizvoller als die obere Verbindung über Hoya Grande. Zwischen den Feldern und bei den Bauernhöfen sieht man dort immer wieder Drachenbäume stehen. Das Zentrum von Santo Domingo wird von der Plaza Baltazar Martin markiert, dem Treffpunkt der Männer des Ortes. Dort gibt es eine Bar und ein Restaurant. Ganz in der Nähe erhebt sich die Iglesia Nuestra Setiora de la Luz, die Unserer Lieben Frau des Lichts geweiht ist. Das Hauptschiff stammt von 1552, das linke und einzige, fast gleichgroße Seitenschiff wurde 1664 fertiggestellt. Im Innenraum erkennt man den Unterschied jedoch an der im Hauptschiff besonders aufwendig geschnitzten, hölzernen Mudejar-Kassettendecke. Die geometrischen Muster sind schlicht gehalten, doch gerade deshalb besonders wirkungsvoll. Der barocke Hauptaltar stammt aus dem Jahre 1673.Einige wilde Exemplare des Drachenbaums wachsen im Barranco de la Luz, der Santo Domingo im Nordosten begrenzt. Man verläßt die Plaza zu Fuß an der hinteren Seite auf einer schmalen Straße, die in einen Pflasterweg übergeht. Dieser führt in den Barranco hinunter. In Santo Domingo stehen noch zwei Windmühlen, eine an der Straße nach Hoya Grande, die andere im Südwesten an der Straße nach Las Tricias. Früher, als noch viel Getreide angebaut wurde, mahlten die Einwohner hier den Gofio; heute aber sind die Mühlen stillgelegt. Auf La Palma entstand im 18. Jh. ein besonderer Windmühlentypus, der bald auch auf den Nachbarinseln Verwendung fand. Er stellte gegenüber den traditionellen Windmühlen, die aus der spanischen Mancha auf die Kanarischen Inseln gekommen waren, eine erhebliche technische Verbesserung dar: Die Flügel wurden nicht mehr mit Segeltuch bespannt, sondern mit hölzernen Schaufeln angetrieben. Das filigrane Mühlengestell bestand ebenfalls aus Holz und saß einem flachen Gebäude auf, in dem der Müller seine Wohnstatt hatte. Garafra gilt wegen der zahlreichen prähistorischen Funde, die im Gemeindegebiet gemacht wurden, als Hauptsiedlungszentrum der Auaritas. Eine besonders eindrucksvolle Fundstätte, das Petroglyphenfeld El Calvario, befindet sich südwestlich von Santo Domingo, in der Nähe des Friedhofs. Man folgt der Straße nach Las Tricias und biegt nach etwa 500 m rechts ab, wo »Puerto« und »Cementerio« ausgeschildert sind. Auf einer gedachten Linie zwischen der unteren Ecke des Friedhofs und einem markanten Felsen im Meer, noch bevor die Straße eine Rechtskurve beschreibt, zweigt rechts ein schmaler Trampelpfad ab und führt durch aufgelassene Terrassenfelder zu einer kleinen Kuppe. Dort stehen mehrere aufrechte Felsblöcke, in die spiralförmige Muster graviert sind. Die drei schönsten Steine wurden 1992 zur Weltausstellung nach Sevilla geschickt. Seit ihrer Rückkehr werden sie in der »Casa de la Cultura« von Garafra aufbewahrt. Der Fahrweg führt weiter bergab zum Puertito de Santo Domingo, dem kleinen Hafen des Ortes. Die letzten 10 Minuten müssen zu Fuß auf einem steilen Pflasterweg zurückgelegt werden. Am Meer findet der Besucher einige nur im Sommer genutzte Fischerhütten, ein paar winzige Fischerboote, die vor der Flut geschützt in einer Höhle hoch über dem Wasser aufbewahrt werden, und eine von der Brandung zerstörte Hafenmole. Der Fischfang hatte für die Bewohner von Garafia nie große Bedeutung, da die Küste als gefährlich gilt. Doch stellte der Hafen bis zum Bau der ersten Straßenverbindung beinahe die einzige Verbindung zur Außenwelt dar. Ein Lastenaufzug diente zum Be- und Entladen, während die Boote hinter der wenig Schutz bietenden Mole in den Wellen auf- und abtanzten.