Waldbrände verwüsten alljährlich große Flächen des Gemeindegebiets von Garafra. Nirgendwo sonst auf La Palma brennt es so häufig wie hier, und - wie jeder weiß - das Feuer wird absichtlich gelegt. Viehhirten wollen den Baumwuchs zurückdrängen und Platz für den Geißklee schaffen, einen ginsterähnlichen Strauch, den sie tagasaste nennen und der ihren Ziegen als Futter dient. Oberhalb des besiedelten Gebietes, wo von Natur aus der Lorbeerwald und - in größeren Höhen - die Kanarische Kiefer wachsen, dehnt sich heute weithin Buschland aus. Garafra ist die Hochburg der Ziegenhaltung. Für fast alle Landwirte des Ortes ist Viehzucht die Lebensgrundlage. Ein knebelndes Steuersystem aus dem 16. Jh. drängte die Bauern in diese Wirtschaftsform, die der Landschaft im Nordwesten La Palmas großen Schaden zufügt. Nach der Eroberung blieb der nordwestliche Inselteil lange unbesiedelt. Unzählige Schluchten zerschneiden das Gebiet in schmale, schwer zugängliche Bergrücken. Fehlende Wasserresourcen machten diese Landstriche für die spanischen Eroberer uninteressant. So verblieben riesige Waldgebiete in königlichem Besitz. Als in der zweiten Hälfte des 16. Jh. Einwanderer in großer Zahl von der Iberischen Halbinsel nach La Palma strömten, entschloß sich die spanische Krone 1576, die sogenannten baldfos ()Brachland‹) zur Urbarmachung zu verteilen. Bis zu 7 ha konnte jede Familie pachten, dafür war der quinto real (<königlicher Fünfter() zu entrichten. Damit standen sich die quinteros viel besser als die Pächter auf Privatland, die an ihre Grundherren immerhin die Hälfte der Ernte abzuliefern hatten. Zunächst finanzierte sich der Inselrat aus dem Quinto, später durften die Rathäuser die Pacht einziehen. Um den lästigen Zahlungen zu entgehen, bedienten sich die Bauern einer List. Nur auf Feldfrüchte (Getreide, Hülsenfrüchte, Wein usw.) hatte der König den Quinto gefordert. So wich man, soweit dies möglich war, auf Baumkulturen aus, erntete Äpfel und Mandeln. Daran erinnern noch heute die Obstplantagen, die so typisch für den Nordwesten La Palmas sind. Als im 19. Jh. in Spanien liberalere Zeiten anbrachen, verzichteten andere Inselgemeinden auf die Zahlung des Fünften und übertrugen den Pächtern das Land. Nur im entlegenen Garaffa wollte man davon nichts wissen. Weiterhin mußte der Quinto entrichtet werden. Vier von fünf Bauern waren betroffen, zuletzt noch 1222 Quinteros auf etwa 2130 ha Land. 1955 schlossen sich die betroffenen Landwirte zusammen, um mit vereinten Kräften Druck auf die Gemeindeverwaltung auszuüben - zunächst ohne Erfolg. Zahlreiche Bewohner Garafias wanderten in den 60er Jahren nach Venezuela aus oder gin- gen als Landarbeiter auf die Bananenplantagen bei Los Llanos. Die Verbliebenen verlegten sich fast ausschließlich auf die abgabenfreie Viehhaltung, die Felder blieben immer häufiger unbestellt. Erst 1987 konnten die Bauern endlich einen Erfolg verbuchen. Die Kanarische Regierung setzte ein Abkommen mit der Gemeinde Garaffa durch. Das Land ging in das Eigentum derjenigen über, deren Familien es seit Jahrhunderten bewirtschaftet hatten. Nun hofft man auf eine Wiederbelebung des Ackerbaus, was nicht zuletzt auch dem durch Waldbrand und Viehverbiß geschundenen Wald zugute kommen dürfte.