Besuch in einer Bananenpackerei: Vier kräftige Männer stopfen unentwegt plätanos (wie man die Bananen auf den Kanaren nach südamerikanischer Art nennt) in große Kartons. Ein Lächeln, ein freundlicher Wink bedeuten, man möge näher treten. Nur selten verirrt sich ein Fremder hierher, obwohl doch das Fischlokal unten am Puerto de Espfndola und der nahegelegene Charco Azul vielbesuchte Attraktionen sind. Mit ein paar Brocken Spanisch kommt man leicht ins Gespräch. Nein, verschifft wird von Puerto de Espindola schon lange nicht mehr. Heute werden die Kisten in Lkw’s zum Hafen von Santa Cruz gefahren. Probleme gebe es, sagen die Männer, man stehe kurz vor dem Ruin. Um die Jahrhundertwende, als Weinanbau, CochenilleZucht und Zuckerproduktion in einer tiefen Krise steckten, ja, da waren Bananen die Rettung für die Inselwirtschaft.
1896 legte Antonio Herrera Rodrfguez in Los Sauces die erste, nur 100 m2 große Bananenplantage an. Noch im selben Jahr folgten andere seinem Beispiel. Englische Firmen, allen voran Wolfson & Fyffe, pachteten riesige Ländereien im Nordosten und im Aridane-Tal, terrassierten die Hänge, verbesserten das Bewässerungssystem und pflanzten Bananen. Auch für den Absatz sorgten englische Firmen, die ihr Mutterland mit den nahrhaften Früchten belieferten. Doch schon bald gab es Rückschläge. Die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise, der Bürgerkrieg brachten enorme Einbußen. In den 50er Jahren eroberten dann innerhalb weniger Jahre billige lateinamerikanische »Dollarbananen« die europäischen Märkte. Die Engländer verloren das Interesse. Palmeros, die in Venezuela Geld verdient hatten, traten an ihre Stelle, ohne zu merken, daß der Zug schon abgefahren war. Der Bananenanbau wurde immer unrentabler, doch Subventionen sicherten noch den spanischen Markt. 1972 erließ die Franco-Regierung sogar ein Importverbot für ausländische Bananen. Schuld an der heutigen Absatzkrise sei die Europäische Union, meinen die Bananenpacker. Seit es den Binnenmarkt gibt, können die Dollarbananen über andere Staaten der EU ungehindert nach Spanien gelangen. Zwar beschloß man in Brüssel Einfuhrbeschränkungen für Bananen aus Drittländern. Eine endgültige Lösung ist das jedoch nicht. In acht Jahren soll in der GATT-Runde aufs Neue über die Zollschranken der EU verhandelt werden. Bis dahin hoffen die Canarios, ihre dünnschalige, fleckige, schwer zu vermarktende Zwergbanane durch die größere, feste Sorte »Giant Cavendish« ersetzt zu haben. Letztere gedeiht jedoch nur unter Plastikplanen, die — so befürchten Umweltschützer — das Landschaftsbild La Palmas verschandeln werden. Die Abhängigkeit der Inselwirtschaft von den Bananen ist erschrekkend: Sie haben einen Anteil von 98% am Gesamtexport La Palmas. Auch neue Sorten werden nichts an der Tatsache ändern, daß ein kanarischer Arbeiter wesentlich mehr Lohn verlangt als sein Kollege in Guatemala oder Costa Rica. Doch nur vereinzelt denkt man über Alternativen nach. Auch die Bananenpacker von Puerto de Espfndola wollen davon nichts wissen. Gutgelaunt reichen sie dem Besucher zum Abschied eine >Hand< goldgelber plätanos.
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