Linde (span. tilo) — so nannten die Conquistadores den Stinklorbeer aufgrund seines weichen Holzes. Er war namengebend für das Waldgebiet von Los Tilos im Nordosten der Insel. Dort ist der stattliche Baum noch recht häufig anzutreffen. Seine deutsche Bezeichnung verdankt er der Tatsache, daß dem frisch geschlagenen Holz ein unangenehmer Geruch entströmt. Der Stinklorbeer ist der Charakterbaum von Los Tijos. Doch trifft man auch andere Pflanzen des Lorbeerwaldes an. Der Lorbeerwald ist ein vom Aussterben bedrohtes Relikt aus der Tertiärzeit, das Biologen gern unter vollständigen Schutz stellen würden. Vor einigen Millionen Jahren war dieser Waldtypus in Süd- und Westeuropa noch weit verbreitet. Während der Eiszeiten, als es dort zu kalt für die empfindlichen Lorbeerarten wurde, starb er bis auf geringfügige Reste — die man im Süden der Iberischen Halbinsel findet— aus. Auf den Inseln im angrenzenden Atlantik blieb das Klima auch dann noch mild, als große Teile Europas von Gletschern bedeckt waren. So konnte der Lorbeerwald auf den Kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren überleben. Heute befindet sich der Lorbeerwald nirgendwo in so gutem Zustand wie im Nordosten La Palmas. Aus diesem Grund wies die UNESCO (Erziehungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen) 1983 im Rahmen des Programms Man and Biosphere (>Mensch und Biosphäre>, MAB) das Biosphärenreservat »El Canal y Los Tilos« aus. 511 ha groß ist das Gebiet oberhalb von Los Sauces, in dem man nicht nur den Schutz intensivieren, sondern auch die Auswirkungen menschlicher Eingriffe in die Natur wissenschaftlich untersuchen will. Ähnliche Ziele verfolgt die ,UNESCO weitweit in rund 260 Biosphärenreservaten. Schwierigkeiten gibt es zur Genüge. Zwar stellte die kanarische Regierung ausgedehnte Waldflächen im Nordosten La Palmas einschließlich des UNESCO-Reservats im Naturpark »Monte de Los Sauces y Puntallana« unter Schutz. Dies bedeutet allerdings keine absolute Sicherheit vor schädlichen Eingriffen. Holzeinschlag und Ziegenhaltung, die bis zum Ende der 70er Jahre der Vegetation schwer zusetzten, sind im Naturpark verboten. Doch die Grenzen des Parks sind im Gelände nicht gekennzeichnet, und so >ernten> viele Bauern weiterhin aus alter Gewohnheit die jungen Bäume ab, um die dünnen Stämme als Stützstangen in den Bananenplantagen zu verwenden. Hauptproblem dürfte jedoch die fortschreitende Austrocknung sein. Oberhalb von Los Tilos, im Gebiet Marcos y Corderos, sprudeln zahlreiche Quellen. Erst zu Beginn des 20. Jh. wurde diese Reserve zu Bewässerungszwecken angezapft. Ein zweiter Kanal kam in den 50er Jahren hinzu. Seither führt der Barranco del Agua, Kernbereich von Los Tilos, nur noch nach starken winterlichen Regenfällen Wasser. Vor allem aber mußte man feststellen, daß die Quellen von Marcos y Corderos allmählich versiegen. Das Kraftwerk El Mulato, dessen Turbinen mit dem Wasser des Kanals angetrieben werden, liefert kaum noch Strom. Zwischen 1955 und 1992 ging der Wasserdurchfluß am Kraftwerk von 5 Mio. m3 auf weniger als 1,5 Mio m«,zurück. Welche Folgen die Erschöpfung der Grundwasserreserven für den Lorbeerwald haben wird, vermag die Wissenschaft heute noch nicht abzuschätzen.