Sep 30

Der Schwerpunkt des Staates Pohnpei liegt auf der hohen Vulkaninsel desselben Namens. Sie ist von 25 kleineren Inselchen umgeben, die z. T. ebenfalls vulkanischen Ursprungs sind. Weitere acht Atolle gehören zum Staat Pohnpei, der sich bis 1984 Ponape nannte. Die >Garteninsel< Pohnpei ist außer für ihre Blütenpracht auch für die Pfefferplantagen bekannt, die das beliebte Gewürz vor allem für den amerikanischen Markt produzieren. Rund um die Insel Pohnpei sind zahlreiche Sehenswürdigkeiten angesiedelt. Die 85 km lange Straße rund um die Insel ist stellenweise in so schlechtem Zustand, daß die Strecke nicht in einem Tag zu bewältigen ist. Gleich hinter Kolonia ragt Soheks Rock 152 m über dem Meer auf - Amerikaner vergleichen seine markante Form gern mit Diamond Head in Waikiki. Etwas östlich von Kolonia liegt das Micronesian Cultural Center, in dem den Besuchern traditionelle Handarbeitstechniken und Tänze vorgeführt werden. Die Ruinenstadt Nan Madol ist in einer Lagunenbucht vor der Südostseite von Pohnpei gelegen. Auch hier sind die Reiseveranstalter nicht um einen Namen verlegen: Das >mikronesische Venedig< ist auch ohne diesen eurozentrischen Titel eindeutig die berühmteste Sehenswürdigkeit der Insel und eine der bedeutendsten Bauten Mikronesiens. Der natürlichen Insel Temwen sind auf 60 ha Fläche 92 von Menschenhand geschaffene Inselchen vorgelagert. Sie liegen auf dem Rifflach und sind durch große Basaltblöcke, die wahrscheinlich bis aus der Gegend von Soheks Rock mit Bambusflößen herantransportiert wurden, gegen die offene See hin abgesichert. Die Anlage der Bauten, die zwischen 1100 und 1400 n. Chr. errichtet wurden, kündet von einer blühenden Kultur unter der Saudeleur-Herrscherdynastie. Nan Madol war zur damaligen Zeit ein bedeutendes politisches, administratives, gesellschaftliches und religiöses Zentrum; es scheint erst kurz vor der Ankunft der Europäer um 1820 aufgegeben worden zu sein, da sich damals die älteren Inselbewohner noch an eine lebendige Stadt erinnern konnten. Die östliche Hälfte von Nan Madol, geannnt Madol Powe (Oberstadt), war den Priestern für Rituale vorbehalten, während der westliche Teil, Madol Pah (Unterstadt), Verwaltungszwecken diente. Nan Madol wurde wahrscheinlich aus Gründen der Verteidigung in solch unzugänglicher Lage erbaut: Nur bei Hochwasser ist der Zugang über die See möglich. Es empfiehlt sich auch heute, die Ruinen bei Hochwasser zu besichtigen, da ansonsten die Bewegungsmöglichkeiten der Boote sehr stark eingeschränkt sind. Viele Mikronesier ziehen es vor, die Stätte den Geistern zu überlassen, die dort ihres Glaubens nach noch ansässig sind und die sie durch Besuche nicht stören wollen. Besucher werden Nan Madol nicht verlassen, ohne einige der zahlreichen Legenden und mysteriösen Geschichten über den Ort gehört zu haben, so z. B. die des deutschen Gouverneurs Berg: Er hatte während der Ausgrabungskampagne von 1907 einige Gebeine aus der Gruft entfernt - im Laufe der darauffolgenden Nacht soll ihm der Laut von geblasenen Seemuscheln auf der Insel Temwen in den Ohren geklungen haben, und am nächsten Tag weilte er nicht mehr unter den Lebenden. Sein Tod wurde in den Papieren der deutschen Verwaltung auf das Einwirken der übermäßigen Hitze zurückgeführt, aber traditionsverbundene Pohnpeianer berufen sich auf oben genannte Version.

Sep 30

Kosrae, Pohnpei, Truk in den östlichen Karolinen und Yap in den westlichen Karolinen haben sich zu den Förderierten Staaten von Mikronesien zusammengeschlossen. Im Vergleich zu den anderen mikronesischen Nachbarn verläuft das Leben hier noch in geruhsamen Bahnen, und der ausländische Einfluß - auch der des Tourismus - hält sich bis zum heutigen Tag in Grenzen. Kolonia, die Hauptstadt des Staatenbundes, dessen 100 000 Einwohner sich auf 700 km2 verteilen, liegt in Pohnpei, dem Staat mit der größten Landfläche (345 km2). Kosrae ist eine Vulkaninsel mit über 600 m hoch aufragenden Gebirgsformationen. Ihre außergewöhnliche Schönheit war wegen ihrer Abgeschiedenheit lange Zeit nur wenigen Eingeweihten bekannt. Seit der Anbindung Kosraes an das internationale Flugnetz steigt das Interesse an diesem reizvollen Land (ein Besuch ist jedoch nur Personen anzuraten, die sich auch in einem Land mit kaum existenter oder sehr einfacher touristischer Infrastruktur wohlfühlen). Auf Kosrae können außer den mit dem Meer verbundenen Aktivitäten auch Wanderungen in den Regenwäldern des Landesinneren unternommen werden. Das Gebirge heißt in der einheimischen Tradition >die schlafende Frau>, und ihre Körperformen sind z. B. von der kleinen, dem Hauptort Tofol vorgelagerten Insel Leluh deutlich zu erkennen. Die Ruinen auf der Insel Leluh sind unbedingt eine Besichtigung wert. Auch wenn sie nicht so gut erhalten sind wie die Ruinen von Nan Madol in Pohnpei (es bestehen Projekte einer bes- seren Erschließung der Anlage), sind sie diesen durchaus ebenbürtig. Ein Museum gibt zunächst eine Übersicht über die Bauwerke des Ortes, der wohl seit 1250 bis zum vergangenen Jahrhun- dert bewohnt war. Beeindruckende Mauern aus Korallen und Basaltstein zeigen an, wo sich früher die Versammlungs- und Küchengebäude und die Königsresidenz befanden. An zentraler Stelle der Ruinenstadt liegt die Stätte, an der die Könige nach ihrem Tode eine Zeitlang aufbewahrt wurden, bevor ihre durch Verwesung vom Fleisch befreiten Gebeine dem Meer anvertraut wurden.

Sep 29

Die erste Besiedlung der Region erfolgte vor ca. 3000 Jahren im Rahmen der frühen austronesischen Wanderungen; gegen 1400 n. Chr. scheinen in einer entgegengesetzten Bewegung Gruppen aus Fidschi, Tonga oder Samoa angekommen zu sein und sich mit der bereits ansässigen Bevölkerung vermischt zu haben. Erster europäischer Entdecker war Quirös 1606 (für die Insel Butaritari); die übrigen Inseln wurden erst ca. zwei Jahrhunderte später entdeckt. Ab 1892 waren die Gilbert-Inseln zusammen mit den Ellice-Inseln (dem heutigen Tuvalu) zu einem britischen Protektorat zusammengeschlossen, ab 1916 erhielt das Protektorat den Status einer britischen Kolonie. Am 1. Oktober 1975 wurden die Gilbert-Inseln unter dem Namen Kiribati in die Unabhängigkeit entlassen. Sie behielten die Flagge der ehemaligen Kolonie bei: ein über der Sonne am Horizont auffliegender Fregattvogel, im Vordergrund ist das blaue Meer mit drei weißen Wellen zu sehen, welche die drei Inselgruppen des Landes versinnbildlichen. Das Landesmotto >Te Mauri, Te Raoi, Te Tabomoa< - Gesundheit, Frieden und Ehrbarkeit - wird als Pfeiler der Gesellschaft angesehen. Die materielle Kultur von Kiribati zeigt einerseits mikronesische Züge, besonders auf den südlichen Inseln der Hauptgruppe (z.B. Arorae) ist aber auch polynesischer Einfluß erkennbar. Für die Kultur des Landes sind vor allem die Kriegerrüstungen charakteristisch. Ausgerüstet mit te reere, dem Schwert, dessen Klingen aus Haifischzähnen bestehen, dem Kampfhut aus Stachelfisch und einer dicken Rüstung aus gewundenen Kokosfasern war der Krieger der Vergangenheit sicher für seinen Gegner ebenso gefährlich wie er aussah.
Friedlichen Zwecken dienten die spitz zulaufenden Pandanushüte der Fischer, die Fächer aus Kokosbast der Frauen, Muschelketten für Feste, doppelt gewobene und sehr feine Schlafmatten sowie kite - Flugdrachen -. Drachenflugwettbewerbe waren in Kiribati früher sehr beliebt. Die Kleidermatte, die von den Männern nur zu festlichen Anlässen getragen wurde, band man mit einer 120-240 cm langen Schnur aus Frauenhaar zusammen, die entweder aus altem Familienbesitz stammte oder von Schwestern für ihre Brüder gewebt wurde; zu diesem Zweck schnitten sich die Frauen von Zeit zu Zeit die Haare ab. Während sich im Norden der Hauptgruppe mit Unterstützung der Europäer seit dem 18. Jh. größere Königreiche herausbildeten, wurden im Süden die Inseln von Ältestenräten regiert, die in den großen Versammlungshäusern (maneaba) zusammenkamen. In den Gesellschaften Mikronesiens hat die große Versammlungshalle eine zentrale Bedeutung, so die abai in Palau, die pebai in Yap oder die maneaba in Kiribati. Die maneaba in Kiribati ist heute ein Zeichen für die Lebendigkeit der traditionellen Kultur, wenn auch nicht mehr alle totemisch-symbolischen Aspekte dieses Baus zum Tragen kommen. Bis zum heutigen Tage aber ist die maneaba das Zentrum aller gesellschaftlichen und politischen Aktivitäten und mehr noch, die Verkörperung der Gesellschaft an sich. Kiribati weist eine typische Atollkultur mit einer äußerst kargen Vegetation auf. So entstand hier in früheren Zeiten eine aufs Meer ausgerichtete Gesellschaft, in der sich Schiffsbau und Seefahrt zu einzigartiger Höhe entwickelten - die größeren Segelboote der I-Kiribati erreichen bei guten Bedingungen eine Geschwindigkeit von über 20 Knoten. Heute gehört das Land trotz seiner äußerst begrenzten Ressourcen zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Ozeaniens. Um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, muß so manche alte Sitte revidiert werden. Erst kürzlich kam von einem hohen Politiker die Anregung, die Ländereien noch zu Lebzeiten des Vaters an die Kinder weiterzugeben - und nicht erst traditionsgemäß nach seinem Tode -, um damit eine größere Rentabilität in der Landwirtschaft und besonders bei der Haltung und Anpflanzung von Kokosplantagen im größeren Stil zu erreichen.

Sep 29

Das Land besteht aus 33 Inseln, die sich auf drei Inselgruppen verteilen: die Gilbert Inseln, die Phoenix Inseln und die Line-Inseln. Die Nord-Süd-Erstreckung beträgt 800 km, die Entfernung zwischen der westlichsten und der östlichsten Landesgrenze 3218 km. Durch seine Lage direkt auf dem Äquator herrscht in Kiribati das ganze Jahr über ein feucht- schwüles Klima. Die Tagestemperaturen liegen zwischen 25 ° und 32 °C. 1820 hatte der westlichste Archipel — auf Mikronesisch Tungaru genannt — vom russischen Forschungsreisenden Krusenstern den Namen >Gilbert Islands< erhalten. Die Briten wandten während ihrer Regierungszeit von 1892 bis 1979 den Namen auf alle drei Inselgruppen an. Mit der Wahl des Landesnamens Kiribati — die mikronesische Aussprache von Gilbert — bei Erlangung der Unabhängigkeit wollte man die Einheit des Landes unterstreichen. Von den etwa 65 000 Bewohnern Kiribatis ist die überwiegende Mehrheit mikronesisch, einige Polynesier und Menschen europäischer Abstammung leben ebenfalls auf den Inseln. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf die westliche Gruppe, insbesondere auf die Hauptinsel Tarawa, die bei einer extrem hohen Bevölkerungsdichte von 2500 Einwohner/km2 ein Drittel der gesamten Landesbevölkerung beherbergt. Amtssprachen sind Kiribati, eine mikronesische Sprache, und Englisch; Englisch wird jedoch nur in den Hauptzentren verstanden. Kiribati ist eine Demokratie. Die gesetzgebende Versammlung (Maneaba Ni Maungatabu) besteht aus 35 Mitgliedern; die Legislaturperiode beträgt vier Jahre. Drei oder vier Kandidaten aus der Maneaba stehen zur Wahl, wenn das Volk den Präsidenten (Beretiteni) wählt. Der Beretiteni stellt nach seiner Wahl das zehnköpfige Kabinett zusammen, er ist Staatsoberhaupt und steht der Regierung vor. Es wird überwiegend Subsistenzwirtschaft betrieben, nur geringe Mengen von Kopra und Fisch werden exportiert. Bis zu seiner Einstellung 1978 war der Phosphatabbau auf Ocean Island (Banaba) die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Da ihre Heimatinseln übervölkert waren, mußten viele I-Kiribati nach der Entlassung aus den Minen im Ausland Arbeit suchen. Dank der hervorragenden Marine Training School sind Seeleute aus Kiribati bei internationalen Reedereien sehr gefragt. Etwa 1000 I-Kiribati arbeiten dauernd in Übersee. Ihre Überweisungen und der Erlös aus dem Verkauf von Schiffahrtsrechten (der Vertrag von 1985, der sowjetischen Schiffen die Nutzung der 200-Meilen-Zone erlaubte, hatte bei den >großen< Nachbarn USA, Australien und Neuseeland heftige Proteste ausgelöst) machten gegen Ende der 80er Jahre etwa 5 Mio. australische Dollar aus. Landnot, Mangel an Ressourcen auf nährstoffarmen Böden und Überbevölkerung führen auf einigen der Atolle zu Infektionskrankheiten und Nahrungsmangel. Darüber hinaus entstehen auch soziale Spannungen, die zu einer für den Pazifik relativ hohen Kriminalitätsrate führen. Der Tourismus ist in Kiribati noch nicht sehr entwickelt. Christmas Island zog bis jetzt die meisten Besucher an, da es einmal wöchentlich von Honolulu aus angeflogen wird. Seit Ende der 80er Jahre versucht man, auch die westliche Gruppe für Individualtouristen zu erschließen.

Sep 28

Die Besiedlungsgeschichte Mikronesiens ist heute noch nicht völlig geklärt. Die meisten der Legenden haben ein Jahrhundert der Kolonialherrschaft nicht überlebt und können daher nicht mehr zur Erhellung der Tatsachen beitragen. Mit der Radiokarbonmethode können Siedlungen bis ca. 2000 v. Chr. nachgewiesen werden, man vermutet aber, daß die Inseln der Region schon lange vor dieser Zeit bewohnt waren. Die mikronesischen Sprachen gehören zu den austronesischen Sprachen, sind also mit den Sprachen ihrer Nachbarn im insularen Südostasien, aber auch mit denen der Polynesier und Melanesier verwandt. Die folgende Erklärung der Besiedlungsbewegungen erscheint einleuchtend: »Im Laufe ihrer Wanderungen sind vermutlich Gruppen der Urpolynesier in Mikronesien und besonders in den östlichen Teilen dieses Gebietes zurückgeblieben (ferner haben besonders von Samoa/ Tonga aus Rückwanderungen nach Mikronesien stattgefunden, wie übrigens auf solchen Fahrten auch ei9zelne Randinseln von Melanesien erreicht wurden). Mit einigem Recht darf man deshalb Mikronesien und Polynesien als große kulturelle Einheit betrachten. Abgesehen von austromelaniden Elementen findet man nun aber in Mikronesien, vor allem in seinen westlichen Teilen, auch Kulturerscheinungen, die in Polynesien fehlen, so etwa den Reisbau und die Weberei. Sie müssen auf spätere Einwirkungen von Ostasien, Japan, Formosa und besonders von Indonesien zurückgehen, auf Einflüsse, die alle nach der polynesischen Einwanderung und teilweise sehr spät stattfanden. Durch sie ist auch der in West-Mikronesien besonders starke mongolide Rasseneinschlag bedingt. Die oft betonte, vor allem in bestimmten materiellen Erscheinungen ausgeprägte Einheitlichkeit der mikronesischen Kulturen steht aber weniger mit ihnen im Zusammenhang als mit dem Zwang der sehr prekären Lebensumstände auf den zum großen Teil rohstoffarmen, flachen und unfruchtbaren Koralleninseln. Auch der durch die hochentwickelte Schiffahrt ermöglichte ständige Kontakt zwischen den einzelnen Inselgruppen mag dazu beigetragen haben.«* Einer spanischen Flotte unter dem Portugiesen Fernäo de Magalhäes (Magellan) gelang die erste europäische Pazifikdurchquerung. Die erste Inselgruppe, auf die sie nach dem Umfahren des amerikanischen Kontinents stießen, waren die Marianen (1521), die sie >Diebesinseln< nannten, nachdem deren Bewohner sehr viel Interesse an den materiellen Gütern der Europäer gezeigt hatten. Jahrhundertelang hatten die mikronesischen Inseln in den Augen der Europäer keine Bedeutung, da dort keine Reichtümer zu holen waren, sie benützten sie lediglich als Zwischenstationen auf ihren Routen zwischen Süd- und Mittelamerika und den Philippinen. Erst gegen Ende des 18. Jh. nahm der Einfluß der Europäer (Missionare, Verwalter, Walfänger und Händler) langsam zu. Während des vergangenen Jahrhunderts erlebte Mikronesien den massiven Einfluß deutscher, japanischer und amerikanischer Kolonialisierungsbestrebungen, von deren Auswirkungen es sich nur langsam erholen kann. Unterschiede zwischen den Kulturen in Mikronesien sind außer auf die von Alfred Bühler angesprochenen Wanderungsbewegungen vor allem auf den geographischen Kontext zurückzuführen: Die hohen Inseln mit fruchtbarem Boden konnten mehr Menschen ernähren als die rohstoffarmen Korallenatolle. So bildeten sich auf den Gebirgsinseln eher komplizierte und dauerhafte Gesellschaftsstrukturen hierarchischer Art heraus, in denen die Verteilung der auf den Inseln vorhandenen Reichtümer eine wichtige Rolle spielte. Auf den niedrigen Inseln war das Meer die Hauptnahrungsquelle. Im Angesicht der harten Lebensbedingungen und der fortwährenden Nahrungsknappheit konnte nur ein egalitäres Gesellschaftssystem das Überleben aller Insulaner gewährleisten. Die Mikronesier gerade dieser niedrigen Atolle waren hervorragende Fischer und Seeleute, die auf ihren Hochseekanus regelmäßig Seereisen über Hunderte von Kilometern unternahmen. Dadurch entstand ein Netz von Kontakten in der Region, und es fand ein reger kultureller Austausch statt. Auch heute noch ist eine sprachlich-kulturelle Verwandtschaft gerade zwischen den Atollbewohnern festzustellen. Die mikronesischen Gesellschaften organisieren sich in Großfamilien (Clans), die ihre Herkunft von einem gemeinsamen Vorfahren herleiten. Bis auf Yap herrscht das matrilineare Prinzip vor. Am meisten Prestige auf einer Insel genießt in der Regel der Clan, der seine Vorfahren bis auf die ersten Besiedler der Insel zurückverfolgen kann. Es sind keine Legenden bekannt, welche die Besiedlung Mikronesiens von außerhalb ansprechen.

Sep 28

Der Name >Mikronesien< bedeutet >Kleininselwelt<. Er bezieht sich auf die geringe Landoberfläche der über 2000 Inseln der Region, die zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem Äquator und zwischen 133 ° und 173 ° östlicher Länge verteilt sind. Einer extrem geringen Landoberfläche von 2000 km2 stehen 8 Mio. km2 Meeresoberfläche gegenüber. Die Inseln der Region bilden drei Archipele: die Marshall-Inseln, die Karolinen und die Marianen. Die Inseln im westlichen Mikronesien sind im Regelfall gebirgige Inseln vulkanischen Ursprungs, die im Osten der Region sind flache Atolle. Bis auf Nauru und Kiribati sind die Insel-Staaten ehemalige Treuhandgebiete der Vereinigten Staaten (Guam, die Nördlichen Marianen, Palau, der Mikronesische Staatenbund, die Marshall-Inseln).Die Temperaturen in Mikronesien liegen zwischen 21°C und 32 °C, es sind kaum Schwankungen im Jahresverlauf festzustellen. Die Luftfeuchtigkeit beträgt im Durchschnitt über 70%. Während der Wintermonate (von Dezember bis März) ist es etwas trockener und kühler, und die Regenfälle sind etwas weniger häufig. Während der Sommermonate kann die Region von Taifunen (Hurrikane, die nördlich des Äquators auftreten) heimgesucht werden. Die geringe Vielfalt der Fauna und Flora nimmt mit der Entfernung vom asiatischen Kontinent weiter ab, die Meeresfauna ist reicher als die des Landes. Es werden verschiedene mikronesische Sprachen sowie Englisch gesprochen, außerdem Japanisch von manchen älteren Inselbewohnern. Guam gehört seit 1898, dem Jahr seiner Abtretung durch die Spanier, zu den Vereinigten Staaten (es hat den Status eines >Unincorporated Territory< wie z. B. auch Puerto Rico). Aus dem 1947 von den Vereinten Nationen eingerichtetem >Trust Territory of the Pacific Islands< entwickelte sich zunächst das >Commonwealth of the Northern Marianas<, das sich 1978 für einen engen Anschluß an die USA entschied. Im gleichen Jahr fand eine Abstimmung in den übrigen sechs Distrikten des Treuhandgebietes statt. Vier davon, Pohnpei (ehemals Ponape), Kosrae, Truk und Yap, sprachen sich für eine gemeinsame mikronesische Verfassung aus und bilden seitdem die Föderierten Staaten von Mikronesien (die gemeinsame Verfassung trat im Mai 1979 in Kraft). Die beiden übrigen Distrikte wurden zur Republik der Marshall-Inseln (mit einer Verfassung ebenfalls von Mai 1979) und zur Republik Palau (hier trat die Verfassung am 1. 1. 1981 in Kraft). Die Verfassung Palaus untersagt den Gebrauch, das Testen und die Lagerung von Atomwaffen in seinem Land- und Seebereich, während im zwischen den USA und Palau geschlossenen Pakt diese Möglichkeiten vorgesehen waren. Unstimmigkeiten in diesem Punkt haben nicht nur zu wiederholten Spannungen zwischen den beiden Staaten geführt, sie haben auch den Prozeß der Erlangung einer größeren Unabhängigkeit der anderen mikronesischen Staaten verzögert, da der Kongreß der Vereinigten Staaten und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erst nach Klärung der lokalen Unstimmigkeiten Entscheidungen treffen konnten. Am 1. Juli 1987 wehte zum letzten Mal die Flagge des Treuhandgebietes.
Die USA erkennen heute fünf verschiedene politische Einheiten in Mikronesien an:
-    Die Republik der Marshall-Inseln mit politischem Zentrum in Majuro; die Vereinigten Staaten unterhalten auf Kwajalein Atoll eine ihrer größten Militärbasen in der Region.
-    Die Föderien Staaten von Mikronesien bestehend aus Kosrae, Pohnpei und Truk in der östlichen Karolinengruppe und Yap in den westlichen Karolinen; das politische Zentrum dieses Staates liegt in Pohnpei.
-    Das Gemeinwesen der Nördlichen Marianen mit den Inseln Rota, Tinian, Saipan und den nördlich davon liegenden kleineren Inseln (Hauptstadt Saipan).
-    Das Territorium von Guam.
-    Die Republik Belau (neuer Name für Palau) mit der Hauptstadt Koror. Aufgrund der oben erwähnten Divergenzen konnte bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine endgültige Übereinstimmung zwischen der Republik und den Vereinigten Staaten erzielt werden. So ist sie in den Augen der USA weiterhin Treuhandgebiet und wird durch ein Überbleibsel des Treuhandbüros in Saipan verwaltet. Die Bürger von Guam und die der Nördlichen Marianen haben den Status von US-Bürgern (mit gewissen Einschränkungen) und US-Pässe. Sie entsenden ihre Vertreter ins Kapitol, können jedoch bei den Präsidentschaftswahlen nicht mitwählen. Die Einwohner der anderen mikronesischen Staaten, die sich aus dem Treuhandgebiet entwickelt haben, besitzen die Staatsbürgerschaft ihres jeweiligen Staates. Sie können visafrei in die USA einreisen und dort arbeiten, ohne eine Arbeitsgenehmigung beantragen zu müssen. Die Verwaltungsstrukturen dieser Länder lehnen sich stark an das amerikanische Vorbild an. In der Außenpolitik haben sie theoretisch freie Hand. Alle ehemaligen Angehörigen der Treuhandgebiete sind in starkem Maße von den USA abhängig, da sich im Verlauf der Geschichte die traditionellen Subsistenzwirtschaften immer mehr zu Konsumgesellschaften entwickelt haben, die völlig auf Exporte von außen angewiesen sind. Im US-Budget für 1992 sind für die ehemaligen Treuhandgebiete Finanzhilfen in Höhe von 317 Mio. US-Dollar vorgesehen, 41 Mio. weniger als im Vorjahr. Im Rahmen eines Sieben-Jahre-Vertrages wurden z. B. die Nördlichen Marianen zwischen 1986 und 1992 mit 228 Mio. US-Dollar unterstützt. Die Vereinigten Staaten behalten sich im Ausgleich das Recht dazu vor, Militärbasen im Gebiet zu errichten und zu erhalten. Atomversuche, besonders auf dem Bikini- und dem Eniwetok-Atoll, führten zu einer äußerst gefährlichen radioaktiven Verseuchung auch benachbarter Atolle. Deren Einwohner sind der radioaktiven Strahlung ausgesetzt und leiden häufig unter Strahlenkrebs, ein hoher Anteil der dort geborenen Kinder weist Mißbildungen auf. Heute wird vor allem das Kwajalein-Atoll für Nukleartests genutzt. Abgesehen von den Hochburgen Guam und Saipan/Rota ist der Tourismus in Mikronesien noch relativ wenig entwickelt.

Sep 27

Der Überlieferung nach wurden die Inseln von Polynesiern aus Samoa und Tonga besiedelt. Außer den Einflüssen aus den in der Legende genannten Inseln kann man auch Elemente aus der Kultur der Tokelau-Gruppe und von den Cook-Inseln feststellen (für Tokelau mag die Besiedlung in entgegengesetzter Richtung, nämlich von Tuvalu aus, stattgefunden haben). Von den Winden überraschte Fischer und ausgesetzte Bevölkerungsgruppen wie Aufständische oder bei Landstreitigkeiten Unterlegene aus den weiter im Osten gelegenen Inseln Polynesiens sind wahrscheinlich, von den Passatwinden getrieben, mit ihren Kanus im Gebiet des heutigen Tuvalu gelandet und haben das Land als erste besiedelt. Während seiner Reisen auf der Suche nach den legendären Goldschätzen des Königs Salomo, von deren Existenz die Indianer Lateinamerikas berichtet hatten, sichtete der spanische Entdecker Alvaro de Mendaiia als erster Europäer Inseln der Tuvalu-Gruppe, nämlich Nui im Jahre 1568 und Niulakita auf seiner zweiten Reise 1595. Der nächste Kontakt ließ fast 200 Jahre auf sich warten: Erst 1781 entdeckte der Spanier Francisco Mourelle die nördlich gelegenen Atolle Nanumaga und Nanumea. Kapitän Arent De Peyster und die Besatzung seines Schiffes Rebecca waren 1819 die ersten Europäer, die mit den Bewohnern Funafutis in Kontakt kamen. Sie benannten die Insel nach dem Besitzer ihres Schiffes, Edward Ellice, einem englischen Politiker; dieser Name wurde später vom englischen Hydrographen A. G. Findlay auf die gesamte Gruppe übertragen. Der erste Walfänger, die Independence II unter Kapitän George Barrett, berührte die Inseln im Jahre 1821. Während der nächsten 50 Jahre wurden die Gewässer der Inselgruppe zu häufig angefahrenen Walfanggründen, und der Kontakt mit den Europäern gewann mehr und mehr an Bedeutung, da manche Seeleute von ihren Schiffen desertierten und sich auf den Inseln niederließen - sie wurden oft als beachcombers - Strandgutjäger - bezeichnet. Gleichzeitig wurden einige der Unternehmungslustigeren unter den Inselbewohnern von den Europäern angeheuert. Die auf den Inseln ansässigen Europäer gelangten manchmal als Händler oder als Vertreter ausländischer Handelsfirmen aus Australien, Deutschland und den Vereinigten Staaten zu Ansehen. Ihnen unterstand die Ausfuhr von Kokosöl und später auch von Kopra. Der Kontakt mit den Europäern wurde besonders von den Vorfahren der heutigen Tuvaluaner mit einem hohen Tribut an Menschenleben gezahlt. Zahlreiche Tuvaluaner wurden Opfer der von den Europäern eingeschleppten Epidemien. Ab 1850 wurde die Region von den sogenannten blackbirders, Menschenhändlern, heimgesucht. So wurden etwa in einem Überfall 400 Inselbewohner von Funafuti und Nukulaelae nach Südamerika verschleppt. 1892 wurden die benachbarten Gilbert-Inseln ein britisches Protektorat. Als sich die Bewohner der Ellice-Inseln für denselben Status aussprachen, wurden die beiden Inselgruppen unter dem Namen >Gilben and Ellice Islands Protectorate< zusammengeschlossen. 1916 wurde das Protektorat zur Kolonie.
Obwohl die Ellice-Inseln nicht im Hauptzentrum des Geschehens lagen, brachte der Zweite Weltkrieg auch hier Veränderungen mit sich. Die Amerikaner errichteten 1942 einen Luft- waffenstützpunkt auf Funafuti, und bis zum Abzug der Japaner von den Gilberts im November 1943 wurde die Kolonie von hier aus verwaltet. Von Funafuti ging auch die Flotte aus, die Tarawa befreite. Die Bewohner Tuvalus sind vom Menschentyp, von der Sprache und von der Kultur her polynesisch. Die Grenze znikronesien verläuft zwischen Tuvalu und Kiribati. Mikronesische Einflüsse wurden in der Gesamtkultur des Landes wirksam, und die Insel Nui mit ihren 630 Einwohnern ist überwiegend mikronesisch, ebenso sind auf Niutao starke mikronesische Einflüsse festzustellen (in vergangenen Zeiten wurden Leute aus der Gilbert-Gruppe durch Wind und Strömungen hierher abgetrieben). Die materielle Kultur Tuvalus ist im Vergleich zu anderen polynesischen Regionen eher schlicht. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die Besiedlung durch Abgetriebene, die ihre Reise nicht gezielt auf eine Kolonisation ausgerichtet hatten, erklärt zum Teil den Mangel an mitgebrachten Kulturpflanzen. Die bewußt Ausgesetzten andererseits waren zumeist Angehörige untergeordneter Schichten und hatten wegen ihrer niedrigen Stellung in der Rangordnung keinen Zugang zur Gesamtheit der Kulturpflanzen und -techniken. Zudem bietet die Natur des Archipels nur äußerst begrenzte Möglichkeiten, denn auf den Inseln aus Korallensand und -geröll fehlen geeignete Steine zur Herstellung von Axt- und Beilklingen, und so wichtige pazifische Kulturpflanzen wie der Papiermaulbeerbaum und der Pfefferstrauch wachsen unter den lokalen Bedingungen nicht. Ein weiterer Faktor ist die Genügsamkeit der Insulaner, die im Laufe der Geschichte auch die gegebenen Materialien und ihre Möglichkeiten nicht völlig ausschöpften.

Sep 27

Tuvalu ist einer der kleinsten Staaten der Erde. Etwa 8000 Einwohner verteilen sich auf die 26 km2 Landfläche der neun Atolle, von denen acht andauernd bewohnt sind. Der Name des Landes, >tuvalu>, d. h. >die acht beieinander Stehenden>, bezieht sich darauf. Tuvalu ist seit Oktober 1978 ein unabhängiger Staat und 38. Mitglied des Commonwealth. Zuvor bildete es unter dem Namen Ellice-Inseln zusammen mit den Gilben-Inseln (heute Kiribati) eine englische Kolonie. Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen - die Bevölkerung von Tuvalu ist zu 97% polynesisch, während Kiribati hauptsächlich von Mikronesiern bewohnt ist - führten 1974 zu einem Volksentscheid, der die Grundlage für die Ausbildung zweier unabhängiger Staaten darstellte. Die Nähe zum Äquator ist verantwortlich für durchschnittliche Temperaturen von 27,5 °, Luftfeuchtigkeit mit Werten zwischen 70% und 90% und zahlreiche Niederschläge. Auf allen Inseln der Gruppe regnet es an 200 oder mehr Tagen im Jahr, gleichzeitig verzeichnet Funafuti aber auch 2360 Sonnenstunden. Jahreszeitliche Schwankungen sind kaum zu erkennen, auch Regen- und Trockenzeiten sind nicht deutlich voneinander abgegrenzt. Die Flora von Tuvalu entspricht der typischen, recht kargen Pflanzenwelt eines Atolls. Kokospalmen, Bananenstauden und Brotfruchtbäume stellen das Gros des Pflanzenwuchses. Die Tuvaluaner gehören zu den wenigen, die heutzutage noch Pulaka, ein Atolltaro, in Pflanzgruben anbauen und verzehren - im übrigen Polynesien wurde sein Gebrauch aufgegeben, da man ihm den Geschmack der Tarowurzel vorzog. Auch Kokosfasern und die harten Kerne der Pandanusfrucht werden gekaut, um ein wenig Abwechslung in die variationsarme Kost zu bringen. Gemüse wächst so gut wie nicht auf dem kargen Boden und muß bei hohen Frachtkosten eingeführt werden, die es für die Einheimischen meist unerschwinglich teuer werden lassen. Auch die Tierwelt ist sehr artenarm. Das einzige frei lebende Säugetier ist die polynesische Ratte, und es sind nur 22 Arten von Tag- und Nachtfaltern bekannt (Australien z.B. hat 12 000). Die nutzbare Landfläche in Tuvalu beträgt 2400 ha, die alle im Besitz von Tuvaluanern sind und als Wohnfläche und zur Nahrungsmittelproduktion dienen. Die polynesische Tradition der Erbteilung führte zu einer Aufsplitterung in winzige Parzellen. Landstreitigkeiten sind häufig auf dem Archipel, der von den Ländern des Südpazifiks die zweithöchste Besiedlungs- dichte (nach Nauru) aufweist. Fongafale, die Hauptinsel von Funafuti mit dem Regierungssitz und dem Wirtschaftszentrum des Staates, verzeichnete seit der Unabhängigkeit einen rapiden Bevölkerungsanstieg und zählt heute etwa 1350 Einwohner pro km2. Die zu starke Parzellierung des Landbesitzes ist eines der Haupthindernisse bei Entwick- lungsprojekten im Bauwesen und in der Landwirtschaft. Ein Entwicklungsprogramm der Ver- einten Nationen finanziert die Durchführung einer Katasteraufnahme mit dem Ziel, einen Landnutzungsplan zu erstellen. Gleichzeitig versucht die Regierung der Bevölkerung klar- zumachen, daß eine weitere Aufteilung der Landflächen katastrophale Auswirkungen auf das Land hätte. Auf Vaitupu, der Insel mit der größten Fläche, wurden vor allem Entwicklungsprojekte im agrarischen Bereich durchgeführt, die mehr Landfläche benötigten. In Funafuti dachte man eine Zeitlang darüber nach, Land vom Meer zu gewinnen. Tuvalu und Kiribati sind die einzigen Staaten im Südpazifik, die den Ausbau von Poldern in Erwägung gezogen haben. 1982 wurde eine Untersuchung durchgeführt, welche die Realisierbarkeit eines solchen Projektes prüfen sollte. Wenn das Vorhaben Zustimmung findet - im Augenblick sieht es eher so aus, als wäre niemand an seiner Durchführung interessiert -, könnte die Landfläche der Hauptinsel um 30% erhöht und dadurch eventuell die zum Teil prekäre Wohnlage der 2000 Inselbewohner verbessert werden.
Lange Jahre war das Briefmarkenbüro der größte Arbeitgeber auf der Insel, mit über 90 Ange- stellten, die mehr als 9000 feste Kunden in der ganzen Welt beschickten. Das Briefmarkenbüro hatte jedoch das Unglück, in Händen schlechter Berater zu sein, die ihm zur Herausgabe sogenannter >Bandwurmserien< rieten. Das internationale Publikum wurde durch solche >Raubrittertechniken< (deutsches Börsenblatt) verprellt. Das neue Management versucht nun, seine seriösen Geschäftspraktiken unter Beweis zu stellen, und die Aufträge aus dem Ausland nehmen langsam wieder zu (1991 versorgten die verbliebenen 15 Angestellten des Büros 1500 Abnehmer). In geringem Maße spielen Kopra, Fisch und Handarbeiten im Export eine Rolle. Aufgrund seiner begrenzten Ressourcen ist das Land sehr stark auf finanzielle Hilfe von außerhalb angewiesen (Überweisungen der Seeleute, Entwicklungshilfe). Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten große Teile der Bevölkerung ab, zunächst nach Tarawa in den Gilbert-Inseln, weil dort bessere Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten bestanden, und später in die Phosphatgruben von Nauru und Banaba. Auch auf den Schiffen der internationalen Schiffahrtsgesellschaften, die auf den Weltmeeren verkehren, verdingen sich viele Tuvaluaner, die daheim keine Arbeit finden konnten. Eine mit Entwicklungshilfegeldern finanzierte Marineschule in Amatuku auf dem Funafuti-Atoll bildet junge Tuvaluaner zu qualifizier- ten Seeleuten aus.
Die 200-Meilen-Zone von Tuvalu beträgt 1,3 Mio. km2. Hier liegen möglicherweise Entwicklungschancen. Bis jetzt nutzt das Land seine Gewässer kaum und verkauft Fischereirechte an ausländische Gesellschaften, z. B. aus Korea und Taiwan. Japan versprach 1991 Entwicklungshilfegelder im Wert von 2,9 Mio. $US: Damit soll ein Fischereizentrum auf Vaitupu aufgebaut und eingerichtet werden und somit vor allem den Küstenfischern des Landes eine Einkommens- quelle erschlossen werden. Bis zum Ende der 80er Jahre gab es so gut wie keinen Tourismus auf Tuvalu; die etwa 100 Besucher pro Jahr waren meist Vertreter von Kirchen- oder Entwicklungshilfeorganisationen. 1991 führten die Regierung von Tuvalu und der Tourism Council of the South Pacific Befragungen bei den EinreisendeiSdurch, um deren Wünsche und Ziele besser kennenlernen zu können. Ein kontrollierter Individualtourismus wird von der Regierung langsam gefördert.In Tuvalu wie auch in anderen polynesischen Gesellschaften spielt sich das gesamte soziale Leben um die Pole Familie, Dorf und Kirche ab. Im Regelfall gibt es ein Dorf auf jeder Insel. Die Dörfer sind häufig zweigeteilt, um ein wenig positiven Konkurrenzgeist aufkommen zu lassen. Die Dorfgemeinschaft besteht aus eng miteinander verbundenen Mitgliedern und ist weitgehend autark. Für einen Außenstehenden ist ein Kontakt nur möglich, wenn er die von der Tradition festgelegten Kanäle benützt und die gegebenen Sitten einhält und respektiert. Für den Besucher gelten in etwa dieselben Verhaltensmaßregeln wie auf Samoa. Tuvaluanisch, eine mit dem Samoanischen eng verwandte Sprache, wird im ganzen Land gesprochen. Englisch wird für Geschäftszwecke und in den internationalen Beziehungen verwendet.

Sep 26

Nach Kiribati ist Französisch-Polynesien das Land mit der größten Ausdehnung in der Region - seine Meeresoberfläche entspricht in etwa der Landfläche von Europa. Lange Zeit waren die Bewohner der weit im Meer verstreuten Inselgruppen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. Wahrscheinlich verließen im dritten nachchristlichen Jahrhundert die ersten Polynesier Samoa in Richtung Osten und gelangten auf ihrer Reise in die Marquesas-Inseln. Sie waren die ersten Siedler im Gebiet des heutigen Französisch-Polynesien. Die Marquesas-Inseln entwickelten sich in der Folge zu einem Ausstrahlungszentrum für die weitere polynesische Expansion.Von hier stammten die Menschen, die im 4. Jh. die Gambier-Inseln und die Osterinsel besiedelten, und im 5. Jh. ging von hier die Entdeckung und Kolonisierung der Hawaii-Inseln aus. Im 7. Jh. folgte ein bedeutender Aufbruch in südwestliche Richtung, der die ersten Siedler auf die Inseln in der Gesellschaftsgruppe brachte. Von dort aus kann man die polynesischen Wanderungen weiter bis hin zu den Cook-Inseln verfolgen, von wo die großen Kanureisen nach Neuseeland ausgingen (8. Jh.), mit denen das polynesische Dreieck geschlossen wurde.Erster europäischer Entdecker im Gebiet von Französisch-Polynesien war Magellan, der 1521 die Tuamotu-Inseln streifte. Mendaria entdeckte 1595 eine Inselgruppe, die er dem Vizekönig Perus zu Ehren »Las Islas Marquesas de Mendoza« nannte. Quirös streifte die Tuamotu-Gruppe 1606. Le Maire und Schouten entdeckten 1616 eine ganze Reihe von Inseln (u. a. Rangiroa, Manihi), und 1722, ein Jahrhundert später, kam ihr Landsmann Roggeveen als erster Europäer in Sichtweite der Gesellschafts-Inseln. Gegen Ende des 18. Jh. kann man geradezu von einem >Besucherboom< in der Region sprechen. Der englische Kapitän Wallis landete 1767 auf Tahiti und nahm die Insel im Namen seines Königs Georgs III. in Besitz. Auf ihn folgte ein Jahr später der Franzose Louis de Bougainville, dessen entzückte Beschreibungen der Insel wie die seines Begleiters Philibert de Commerson für den >Mythos Tahiti< verantwortlich sind, der bis heute lebendig ist: »Unter dem schönsten Himmel geboren, sich nährend von den Früchten einer ohne menschliches Zutun fruchtbaren Erde, regiert eher von Familienvätern als von Königen, kennen die Bewohner Tahitis keinen anderen Gott als den der Liebe.« (Philibert de Commerson) Nun hatte Tahiti auch nicht mehr lange auf den unermüdlichsten Entdeckungsreisenden des Pazifiks zu warten: 1769 landete Cook zum ersten Mal auf Tahiti; er kam 1773 und 1777 wieder. 1789 kreuzte die Bounty in den Gewässern der Region. Nach der Epocheneinteilung der Archäologen ist die materielle Kunst der Polynesier zur Zeit der ersten Kontakte mit den Europäern als >neolithisch< - jungsteinzeitlich - einzustufen: Sie stellten ihre Werkzeuge aus Naturmaterialien wie Holz, Stein und Muscheln her. Metalle waren ihnen ebenso unbekannt wie das Rad. Der geringen technischen Entwicklung standen hoch- komplizierte gesellschaftliche Systeme gegenüber, die besonders in Tahiti und auf den gesamten Gesellschafts-Inseln zu einer herausragenden Blüte gelangten. Beim ersten Kontakt mit den Europäern - mit Kapitän Wallis im Jahre 1767 - lebten mehrere zehntausend Polynesier auf der fruchtbaren Gebirgsinsel Tahiti. Der wichtigste zeitliche und soziale Bezugspunkt dieser Menschen waren die Ahnenreihen, deren detaillierte Kenntnis von Generation zu Generation sorgfältig weitergereicht wurde - sie wiesen einem jeden seinen Platz in der Gesellschaft zu. An der Spitze einer meist dreistufigen Hierarchie stand die Gruppe der ari’i, sie leiteten ihre Abstammung von den Göttern her. Ihre Mitglieder und ihre Besitztümer standen unter dem Schutz mächtiger Tabus. Ihnen oblag die Herrschaft über die einzelnen Distrikte, in manchen Fällen konnte ihnen ein >Großhäuptling< vorgesetzt sein, der seine Vor- fahren auf die allerhöchsten Götter zurückführte. Auf der so dicht besiedelten Insel spielte die Verteilung der Ländereien eine sehr wichtige Rolle. Daher war die zweite Klasse der tahitianischen Gesellschaft, die ra’atira genannten Land- verwalter der einzelnen Distrikte, ebenfalls sehr mächtig. Sie arbeitete eng mit den ari’i zusammen. Die Masse der Bevölkerung gehörte zu den einfachen Leuten, den manahune, von denen einige über kleine Stücke Landes als Familienerbe verfügten, während andere landlos waren und direkt im Dienste ihrer adligen Herren standen. Wertvoll geschmückte Kleidung, mächtige Doppelboote und immense Nahrungsvorräte waren allein Besitz der Höherstehenden, während das Volk kein Recht darauf hatte. Auch gesellschaftlich relevante Handwerke wie das Tatauieren, die Heilkunst oder der Fischfang, aber auch der Hausbau und Steinmetzarbeiten waren meist dem Adel vorbehalten. Europäische Beobachter polynesischer Gesellschaften stellten immer wieder mit Erstaunen fest, daß das Volk sich nicht über Ungerechtigkeiten beklagte, sondern vielmehr seine Herrscher liebte. Die marae-Anlagen, heilige, den Göttern geweihte Bauwerke aus verschiedenen Materialien, sind eines der charakteristischsten Merkmale der polynesischen Kultur der Gesellschafts-Inseln. Sie sind räumlicher Ausdruck der sozialen Ordnung, denn jedem ist gemäß seiner Stellung in der Genealogie auch auf dem Marae sein Platz zugewiesen. Die Maraes können sich in Form und Funktion geringfügig zwischen den Inseln unterscheiden; auch in einem Gebiet existieren verschiedene Typen nebeneinander. Am verbreitetsten waren die privaten Maraesmarae tupuna - relativ einfache, rechteckige Anlagen, auf denen aufgerichtete Steine mit symbolischer Bedeutung standen. Sie waren mit der Großfamilie assoziiert, die hier anläßlich ihrer Feste (Hochzeiten, Geburten, Trauerfeiern) den Kontakt mit den Göttern pflegte. Auch die Handwerksmeister verfügten über ihr privates Marae, wo sie Beginn, Ablauf und Früchte ihrer Arbeit in den Schutz der Götter stellten.

Sep 26

Bei Französisch-Polynesien denkt man meist nur an Tahiti, in Wirklichkeit umfaßt das Land jedoch über 115 Inseln, die sich von Norden nach Süden gesehen auf folgende fünf Gruppen verteilen: die Marquesas-Inseln, die Tuamotu-Gruppe, die Gesellschafts-Inseln (mit Tahiti), die Austral-Inseln und die Gambier-Gruppe. 82 davon sind Atolle, die anderen sind gebirgig und vulkanischen Ursprungs. Wir konzentrieren uns in der folgenden Beschreibung auf die Gesellschafts-Inseln mit den >Inseln im Wind< (Iles du vent), die dem Passatwind zugewandten Eilande Tahiti und Moorea, und den >Inseln unter dem Wind< (Iles sous le vent), Huahine, Raiatea, Tahaa, Bora-Bora und Maupiti, da diese per Boot oder Flugzeug leicht zu erreichen sind und eine ausreichende touri- stische Infrastruktur aufweisen. Die meisten Inseln Französisch-Polynesiens liegen in der tropischen Klimazone. Die wärmere und feuchtere Regenzeit fällt in die Sommermonate (von Dezember bis Februar), aber auch die anderen Monate sind nur geringfügig kühler. Auf der den Passatwinden zugewandten Ostseite der Inseln sorgt häufig eine Brise für Abkühlung. Einer artenreichen marinen Fauna steht eine vergleichsmäßig arme terrestrische Fauna gegenüber. Tahiti ist berühmt für seine üppige und dichte tropische Flora. Das besondere Geschick der tahitianischen Gärtnerinnen und Gärtner und das feuchtwarme Klima sind für das außergewöhnliche Gedeihen der Pflanzen verantwortlich. Nationalpflanze ist der Tiare-Busch mit den weißen, stark duftenden Blüten, die von geschickten Händen zu Blumenketten und Blütenkränzen verarbeitet werden. Ende der 80er Jahre belief sich die Bevölkerung von Französisch-Polynesien auf 192 000 Personen. Davon bezeichnen sich 75% als Maoris, 10% als Europäer und 15% als Asiaten, wobei jedoch zu beachten ist, daß die meisten Menschen im Land von verschiedenen ethnischen Gruppen gleichzeitig abstammen und sich nur kulturell zu einer bestimmten Gruppe bekennen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt auf Tahiti. Die offiziellen Sprachen des Landes sind Französisch und Tahitianisch. Die polynesischen Sprachen der anderen Inselgruppen können mitunter sehr stark vom Tahitianischen abweichen. Französisch-Polynesien ist seit 1957 ein französisches Überseeterritorium. Als Folge auf den Ruf nach Unabhängigkeit wurde dem Land 1984 ein >Statut der internen Unabhängigkeit< gewährt. Die Legislative liegt bei der Territorialversammlung (Assemblge territoriale), deren 41 Mitglieder alle fünf Jahre in freien Wahlen gewählt werden. Aus ihren Reihen rekrutieren sich die acht bis zehn Minister, aus denen die Regierung besteht. Ein von Frankreich eingesetzter Hochkommissär ist für die Verbindung mit dem Mutterland verantwortlich. Ihm unterstehen darüber hinaus so wichtige Bereiche wie die Außenpolitik, Finanzen, Außenhandel, Verteidigung, Bürgerrecht, der öffentliche Staatsdienst, die höhere Schulbildung und die Massenmedien Radio und Fernsehen. Der Lebensstandard in Französisch-Polynesien gehört zu den höchsten im Südpazifik; seit einigen Jahren liegt er sogar über dem von Neuseeland. Diese Tatsache ist jedoch nicht auf innere Dynamik zurückzuführen - so decken die Exporte nur 5% der Importe - sondern auf massiven finanziellen Beistand von Seiten Frankreichs. Zu Beginn der 60er Jahre wurde das französische Atomforschungszentrum aus der Sahara nach Französisch-Polynesien verlegt. Seitdem wurden auf den Atollen Moruroa und Fangataufa (Austral-Gruppe) im äußersten Süden des Landes pro Jahr durchschnittlich vier bis fünf Versuche gezündet. Bis 1975 fanden diese Versuche direkt in der Atmosphäre statt, danach führten die Entwicklung der Technik und massive internationale Proteste zu ihrer Verlegung unter die Erdoberfläche. Bis zum heutigen Tag gehen die Versuche weiter, wenn auch in größeren Zeitabständen. Während die offiziellen Vertreter Frankreichs sie für völlig ungefährlich halten oder dies zumindest behaupten, verstummen in der internationalen Presse die Stimmen nicht, die an die Risiken von Atomversuchen und ihre Spätfolgen erinnern. Zahlreiche Kampagnen der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace sind gegen die französischen Atomversuche im Pazifik gerichtet. (Mehr Informationen dazu bei: Greenpeace Pacific Campaign, Private Bag, Wellesley Street, Auckland, New Zealand.) Viele Bewohner von FranzösischPolynesien stehen dem Phänomen mit einer gespaltenen Haltung gegenüber. Die häufigste Einstellung ist wohl eine gleichgültige, in vielen Fällen ist sogar eine schwache Zustimmung zur Existenz des Centre d’Experimentation du Pacifique zu spüren, da dieses im wahrsten Sinne des Wortes den Goldesel für das Land darstellt, nach dessen Abzug ein großer wirtschaftlicher Einbruch vorhersehbar wäre. Trotz seines großen Namens hat Tahiti nur eine verhältnismäßig kleine Zahl an Besuchern zu verzeichnen; so bewegte sich ihre Zahl in den letzten Jahren zwischen 130 000 und 140 000 pro Jahr. Diese Tatsache ist auf eine gezielte Tourismuspolitik zurückzuführen, die sich verstärkt an kleine Gruppen äußerst wohlbetuchter Urlauber aus Übersee wendet - von denen 1992 viele ausblieben. Für weniger finanzkräftige Besucher wird es aufgrund der extrem hohen Preise im Land schwer sein, eine Nische für ihre Bedürfnisse zu finden, und Rucksackreisende sind im Lande völlig verpönt.

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