Für Geographen ist die Karibik schlicht das Mittelmeer der Neuen Welt, für die Amerikaner die Tropen vor der Haustür, und Millionen Europäer sehen in der Inselkette die exakte Realisierung ihrer phantasievollsten Urlaubsträume: feinsandige weiße Strände, Palmen und Farne, smaragdgrüne See und heitere Menschen aller Rassen. Zehn Flugstunden von Europa entfernt liegen im Halbkreis zwischen Florida und Venezuela Hunderte dieser »Sonntagsschöpfungen«, die meisten unbewohnt. Die Großen und Kleinen Antillen schlagen einen Bogen über 2340 Kilometer tropischer Szenerie mit zwölf Monaten Sonnenschein. Die Natur geht verschwenderisch mit ihren Farben um. Immergrüne Gewächse, Hibiskusblüten, Rosen und Orchideen, Bougainvilleen und Kletterwein. Das Auge erfreut sich an zitronengelben Banana Birds, bunt schillernden Kolibris, Doktorvögeln und Flamingos in zartem Rosa. Exotisch sind die Früchte, Guavas, Mangos, Papajas. Die seidenweiche milde Luft ist erfüllt vom Duft der Gewürze, von Muskat, Zimt, Vanille und Ingwer, die hier in Fülle wachsen. Die fremdartige Tropenpracht wird untermalt von der fröhlichstimmenden Musik der karibischen Inselwelt: Calypso, Reggae und Steelband-Klängen. Die Westindischen Inseln wirken wie Perlen auf der Schnur rechts und links von Puerto Rico aufgereiht. Trotz der engen geographischen Verbundenheit sind sie alle total unterschiedlich. Das gilt gleichermaßen für den sozialpolitischen und wirtschaftlichen Bereich wie für Landschaften, Vegetation und Menschen. Im Norden das für den Tourismus wiederentdeckte Kuba, eine Bootstour entfernt, und Jamaica mit den beiden Strandzentren Montego Bay und Ocho Rios.Im Mittelfeld des Karibischen Bogens berauschen die französischen Tropentöchter Martinique und die Doppelinsel Guadeloupe, Blütengärten des Archipels. Aus der Luft sehen die Umrisse von Guadeloupe wie ein Schmetterling aus, dessen ausgebreitete Flügel auf dem leuchtend hellen Grün der karibischen See schwimmen. Barbados, oft als »britischer als die Briten« bezeichnet, ist mit unzähligen Tennis- und Golfanlagen, mit Yachtclubs und ausgezeichneten Fischereimöglichkeiten das Sportparadies. Ganze 40 Flugminuten braucht der winzige Inselhüpfer von Bridgetown, der Hauptstadt, hinüber nach St. Lucia. Fast ununterbrochen weite Palmenstrände umschlingen die Insel wie ein helles Band. Der Große und der Kleine Piton im Südwesten von St. Lucia, zwei erloschene 80 Meter hohe Vulkankegel, sind das Wahrzeichen der südlichen Karibik. Noch aktiv ist dagegen der Soufriere-Krater auf der Nachbarinsel St. Vincent. Die kleine britische Kolonie ist nur 29 Kilometer lang und 15 Kilometer breit. Zwischen dieser polynesisch anmutenden Vulkaninsel im Norden und der Gewürzinsel Grenada im Süden liegt eines der beliebtesten und meistbefahrenen Segelreviere der Welt: die Grenadinen. Nur zehn der 128 zum Teil winzigen Islands sind bewohnt. Leichte, gleichbleibende Winde, immerwährende Sonne und Wassertemperaturen, von denen segelbegeisterte Nordeuropäer nur träumen, schaffen ideale Voraussetzungen für erholsame Törns. Unmittelbar vor der Küste Venezuelas liegt Trinidad, das »Weltzentrum des Calypso«. Die Rhythmen der Steelbands werden von den Sängern stets mit witzigen Versen kombiniert. Sie sind voller politischer Anspielungen und Satire. Für die Einheimischen ist der Calypso der Ersatz für den Stadtausrufer vergangener Zeiten. Er spiegelt die kleine und die große Welt wider, mit ernsten Aussagen und Klatsch. Den größten Touristenansturm erlebt die Insel jedes Jahr im Karneval. Trinidads Fastnachtsfeiern gelten als die wildesten, aufregendsten und farbenprächtigsten, schöner als in Rio und lauter als in Köln. Die Besucher bleiben niemals nur Zuschauer, sie werden in das fröhliche Straßenpalaver mit einbezogen. Wem alle diese bekannten karibischen Touristenzentren mit den klangvollen Namen aber schon zu erschlossen, zu laut und auch zu teuer sind, der kann problemlos von den großen Inseln mit kleinen Flugzeugen oder Schiffen die ursprünglichen, die unberührten und preiswerten Inseln ansteuern (wie St. Eustatius, Saba, Dominica). Quartiere zu finden, macht keine Probleme. Einer weiß immer, wo ein gemütliches Plätzchen zu unverdorbenen Preisen frei ist, der Dorfpfarrer …
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