Auf Majuro, der Hauptinsel des Landes, ist heute außer im Alele-Museum nicht mehr viel von den kulturellen Traditionen der Mikronesier zu merken. Bis zur Mitte des Jahrhunderts war die Bevölkerung hauptsächlich auf den Inseln der Westseite angesiedelt. Nachdem die Amerikaner einen Luftwaffenstützpunkt am Ostende angelegt hatten, verlagerte sich langsam das demographische Schwergewicht auf diese Seite: Arbeitsmöglichkeiten, Stromversorgung und die Existenz von Geschäften dienten als Magnet. Von den ca. 60 Inselchen des Atolls wurden schließlich die der südlichen Hälfte durch Aufschüttung von Straßendämmen zu einer 50 km langen Fahrstraße zusammengeschlossen. Heute leben von den etwa 40 000 Marshallesen etwa 20 000 auf den Inseln des Majuro-Atolls. Die Bevölkerungsdichte im Gebiet des Hauptzentrums D-U-D (Abkürzung der Inselnamen Delap, Uliga und Darrit) ist extrem hoch, und es geht dort für Südseeverhältnisse sehr hektisch zu. Wem die Strände in Stadtnähe zu überfüllt und verschmutzt sind, sollte die 30 Meilen von Rita (Darrit) nach Laura fahren (die Ortsnamen stammen aus der Zeit der Stationierung der Amerikaner). Der Ausblick auf das bewegte offene Meer auf der einen und die stille Lagune auf der anderen Seite ist eine gute Einführung in das Leben auf einem Atoll. Wem die Hauptinsel auch an ihrem ruhigen Ende zu belebt ist, der kann einen Flug oder eine Schiffsreise auf eine der äußeren Inseln buchen. Majuro ist nur eines der 29 Atolle der Marshalls, die sich in zwei Hauptgruppen, die RatakKette (der Name bedeutet >in Richtung der Morgendämmerung<) und die Ralik-Kette (>in Richtung des Sonnenuntergangs<) aufteilen. Viele der äußeren Inseln sind sehenswert und bieten herrliche Strände mit ausgezeichneten Tauchmöglichkeiten. Auf den Marshalls wird ganz besonders die Kehrseite der >Inselparadiese< deutlich: Zum Staatsgebiet der Marshall-Inseln gehört auch der Bikini-Atoll, auf dem »zum Wohle der Menschheit und um alle Weltkriege zu beenden« zwischen 1946 und 1958 23 Atombomben gezündet wurden, und Eniwetok mit 43 Atomversuchen zwischen 1948 und 1958. Mit der Einstellung der Nuklearversuche auf ihren Atollen endete das Leid der Bewohner von Bikini und Eniwetok keineswegs: Wiederholt wurden sie umgesiedelt, vergessen, auf ihre noch verseuchten Atolle rückgesiedelt, wieder abgeholt, anderswo neu angesiedelt, so daß sie heute völlig wurzellos sind. Die Vereinigten Staaten sehen im nahe bei Asien gelegenen Mikronesien vor allem ein strategisches Interesse, das sie auch mit der Auflösung des Treuhandterritoriums nicht aufzugeben gewillt sind. Auf Kwajalein, dem größten Atoll der Welt, unterhalten sie weiter eine große Militärbasis, deren Existenz für viele Probleme in der Gesellschaft der Marshalls direkt oder indirekt verantwortlich ist.
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