Auf den 15 Inselgruppen von Truk mit ihren insgesamt 118 km2 Landfläche konzentrieren sich fast die Hälfte aller Bewohner des mikronesischen Staatenbundes. Die Hauptinsel Truk besteht aus 14 gebirgigen Inseln; sie bilden einen riesigen Korallenring, der über 2000 km2 Lagunenfläche umschließt. Heute verläuft das Leben in Truk in ruhigen Bahnen. Zahlreiche bauliche Überreste erinnern jedoch daran, daß die Japaner im Zweiten Weltkrieg die natürlichen Vorteile des Ortes (die Weite der Lagune, die Sicherung durch das Riff, die Tiefe der natürlichen Fahrrinnen und die große Anzahl der Atollinseln) nutzten, um ihre zentrale Marinebasis anzulegen, von der aus sie die Eroberung des Pazifikbeckens voranzutreiben gedachten. Am 18. Februar 1944 führte die US-Marine ihren Angriff auf die Lagune von Truk aus. In einer Attacke, die an Zerstörungskraft die von Pearl Harbor um ein Vielfaches überstieg, wurden 60 japanische Schiffe in der Lagune versenkt. 30 000 japanische Soldaten waren zu dieser Zeit auf dem Land stationiert gewesen. Ihrer Transportmittel beraubt, mußten sie das Ende des Krieges abwarten, bevor sie die Insel als Besiegte verlassen konnten.Heute sind die Überreste der japanischen Flotte ein Paradies für Taucher: Von Geisterschiffen mit perfekter Ausrüstung bis hin zu Skeletten, Korallenformationen in den verschiedensten Farben und Formen und Myriaden von tropischen Fischen wird hier wirklich alles geboten. Die Lagune von Truk zieht immer wieder Filmregisseure und Photographen an. Aufgrund der massiven Einflüsse von außen sterben die Traditionen von Truk aus oder aber ihre Überbleibsel leben nur in der Souvenirindustrie weiter. Dies ist der Fall für die sogenannten >love sticks< (Liebesstäbe), die in früheren Zeiten in Truk in Gebrauch waren. Jeder Jüngling schnitzte sich aus einheimischem Hartholz einen etwa 1 m langen Stab, den er mit meist gelb und schwarz abgesetzten geometrischen Mustern verzierte. Besondere Mühe verwandte er auf die Fertigung der Spitze, denn sie diente ihm als persönliche Visitenkarte. Gefiel ihm ein Mädchen im Dorf, näherte er sich zur Nachtzeit ihrer Behausung, durchstieß mit seinem Stab vorsichtig die geflochtene Hüttenwand und versuchte, sich damit ihrer Schlafmatte zu nähern. Nachdem die mikronesischen Familien die Gewohnheit haben, alle zusam- men auf engem Raum zu nächtigen, war diese Kontaktaufnahme mit einigen Risiken verbunden. Traf der Botenstab tatsächlich die Richtige - die weiblichen Dorfbewohner waren geübt in der Kunst des Lesens der >Visitenkarten< - und war sie an einem Treffen interessiert, so zog sie den Stab etwas näher zu sich heran. Durch diese Geste war der Mut des jungen Mannes gestärkt, und er wagte sich in die Hütte. Ein Zurückstoßen des Stabes bedeutete Abweisung. Die Überlieferung teilt nicht mit, wie oft solche nächtlichen Besucher in eine von der ganzen Familie aufgestellte Falle gingen oder sich auch nur in den Armen einer anderen als der Angebeteten wiederfanden. Da auch in Mikronesien die traditionelle Bauweise aus Naturmaterialien immer mehr aus der Mode kam, ist mit den neuen Bauten aus Beton, Holzplanken und Wellblech auch die Sitte der Liebesstäbe in Vergessenheit geraten. Heute sind sie nur noch als Souvenirs für Touristen in Gebrauch.
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