Okt 3

1965 übernimmt der vormalige Ministerpräsident Fidel Castro das Amt des ersten Sekretärs der neugegründeten Kommunistischen Partei Kubas. 1976 wird Castro Vorsitzender des Staatsrates; im selben Jahr tritt die neue sozialistische Verfassung in Kraft. Mit Hilfe sowjetischer Kredite ist die ökonomische Entwicklung und soziale Umgestaltung des Inselstaates unterstützt worden. Als Haupthandelspartner, Kreditgeber, Zuckerabnehmer und Öllieferant fungiert die UdSSR. Im sozialen Bereich — Stichworte Bildung, Erziehungs- und Gesundheitswesen — erzielt Kuba Fortschritte, doch eine weitere große, politisch motivierte Emigrationswelle im Jahre 1980 kann nicht verhindert werden. Innenpolitische Bemühungen umfassen Alphabetisierung, Vollbeschäftigung, Auf- und Ausbau der Infrastruktur, um so ein modernes lateinamerikanisches Land zu schaffen. In Ergänzung zu ökonomischen Reformen werden eingangs der achtziger Jahre zur Verbesserung des Konsumgüterangebots erstmals wieder freie Märkte zum Verkauf von Überschußprodukten zugelassen, doch die rasche Entwicklung einer privatkapitalistischen Parallelwirtschaft führt 1986 zu einer Kurskorrektur. Die freien Märkte werden verboten und die Anwendung kapitalistischer Mechanismen beim Aufbau des Sozialismus verurteilt.Die Weltwirtschaftskrise, Kubas hohe Auslandsschulden, interne organisatorische Probleme, das Handelsembargo der USA, die für den Inselstaat verheerenden ökonomischen Auswirkungen durch den Zusammenbruch des europäischen Ostblocks, der Preisverfall für Zucker auf dem Weltmarkt: In den neunziger Jahren steht das Land vor gravierenden Problemen. Staatschef Fidel Castro betont es trotzdem immer wieder: Der Kubaner sei stolz darauf, Kommunist zu sein. Das Überleben des sozialistischen Systems und der Ideen sei eine Verpflichtung gegenüber dem Vaterland, so Castro bei einem Interview im Mai 1991. So wie das alte Havanna, so geht auch Kuba insgesamt ohne Reform des Systems zugrunde (vgl. dazu das Sonderkapitel „Kuba in den neunziger Jahren”). 1993 erreicht die Wirtschaftsmisere einen vorläufigen Höhepunkt. Zwischen 1990 und 1993 haben aufgrund von Fabrikschließungen rund 150.000 Kubaner ihre Arbeit verloren. Zwar werden Ernte- und Produktionsdaten beim Zuckerrohr als „neue Erfolge” verkauft, doch wird wohlweislich verschwiegen, daß das Ernteresultat beim Hauptexportprodukt nur unter Aufbietung der letzten Kräfte und durch zusätzlichen Raubbau an der Natur erreicht werden konnte. In naher Zukunft wird das Gros der aus Osteuropa stammenden Erntemaschinen aus Ersatzteil- oder Treibstoffmangel stillgelegt werden müssen. Aufgrund fehlender Devisen kann nur noch ein Bruchteil an erforderlichen Düngemitteln importiert werden, und die Bewässerung scheitert mitunter auch am Treibstoffmangel. An Devisenquellen setzt Kuba auf einen verstärkten Nickelexport und auf den Tourismus; Individualtourismus ist angesichts des Transportchaos jedoch praktisch nicht mehr möglich. US-Präsident Bill Clinton hat betont, er sei an einer friedlichen Entwicklung in Kuba interessiert und halte sich zu Gesprächen bereit. Es liege bei Staatschef Fidel Castro, sich zu entscheiden, auf welche Weise er die Probleme des offensichtlich sterbenden sozialistischen Systems in den Griff bekommen könne. Am 24. Februar 1993 waren in Kuba 7,5 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die Abgeordneten des Parlamentes erstmals seit 1959 wieder direkt zu wählen. Im Regierungsorgan „Granma” — einst eine Tageszeitung, durch den chronischen Mangel an Papier nun zur Wochenschrift verkommen — wurde der Sieg euphorisch gefeiert. Bei einer Wahlbeteiligung von 99,6 Prozent hätten sich laut „Granma” 95,1 Prozent für Kuba entschieden. Vor der Presse wertete Staatschef Fidel Castro die Zahlen als Zeichen „für die Stärke der Revolution”. Ausländische Korrespondenten berichteten allerdings, daß aus Protest gegen die auf der Insel herrschenden Verhältnisse zwischen zehn und zwanzig Prozent der Stimmzettel nicht ausgefüllt oder ungültig gemacht worden waren. Bei einer Pressekonferenz in Santiago de Cuba sagte Castro auf die Frage, ob er in fünf Jahren noch Staatschef sein wolle, er hoffe, daß „seine Kameraden nicht wieder rufen werden”. Doch sei die Revolution das Wichtigste, und deshalb „bin ich bereit, alles zu opfern, auch mein ganzes Leben”, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Nach den Wahlen gab es bei der Neubesetzung des Staatsrates im März 1993 einige Überraschungen. So wurde Castros wichtigster Wirtschaftsberater Carlos Lage zu einem von sechs Vizepräsidenten gewählt. Lage, der als Verfechter eines pragmatischen Kurses gilt, ersetzte Carlos Rafael Rodriguez, der als eine der historischen Figuren der Revolution eine orthodox sozialistische Planwirtschaft vertreten hatte. Ob dahinter tatsächlich der Wille zu echten Reformen steht, wird sich zeigen müssen. Im März 1993 geriet Kuba noch einmal in die Schlagzeilen. Ein schwerer Wirbelsturm zog alleine in der Hauptstadt Havanna rund 30.000 Häuser stark in Mitleidenschaft. Zudem wurden Zehntausende von Kubanern von einer mysteriösen Krankheitswelle heimgesucht, deren Ursachen in der schlechten Ernährung lagen.

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Bereits im vierten Jahrtausend vor der Zeitenwende war Kuba von ethnischen Gruppen wie den Ciboney und den Guanahacabibes besiedelt. In den Küstenbereichen wie der Hicacos-Halbinsel lebten die Ureinwohner hauptsächlich vom Sammeln von Meeresprodukten; in Grotten und Höhlen (Cueva de Ambrosia, Varadero) hinterließen sie in Form von Felsritzzeichnungen ihr künstlerisches Vermächtnis. Ab etwa 1100 n.Chr. drängten die Taino in mehreren Einwanderungswellen aus Südamerika vor und verdrängten die Urvölker. Offiziell „entdeckt” wurde der heutige Zehneinhalb-Millionen-Staat von Christoph Kolumbus bei dessen erster Reise im Jahre 1492riwanzig Jahre später war es Diego de Velazquez, der die Insel für Ure spanische Krone kolonisierte und die Stadt Baracoa im Osten der Insel gründete. Bis 1515 folgten Stadtgründungen von Bayamo, Sancti Spiritus, Trinidad, Puerto Principe (Camagüey), Santiago und Havanna. Man faßt diese Orte unter dem Sammelbegriff „Las primeras siete villas” (Die ersten sieben Ansiedlungen) zusammen. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts    rden die Taino von den Spaniern weitgehend vertrieben und ausgerottet. Um die angelegten Zuckerrohrfelder mit Hilfe von Zwangsarbeitern bewirtschaften zu können, setzte ein Sklavenimport aus Afrika ein. Im Jahre 1552 wurde der Sitz der Hauptstadt von Santiago nach Havanna verlegt. Die Entwicklung in der neuen Kolonie verlief vergleichsweise ruhig, da sich die Spanier mehr für die Reichtümer Mexikos interessierten. Im Jahre 1762 wurde Kuba von den Engländern erobert, ein Jahr darauf jedoch gegen Florida an Spanien wieder abgetreten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Zuckerrohranbau intensiviert. Im 19. Jahrhundert gerieten die politischen Verhältnisse in Bewegung. Von den Kreolen, den fest ansässigen Nachkommen europäischer Einwanderer, ging ein wachsender Widerstand gegenüber den von der spanischen Krone eingesetzten Herrschern auf der Insel aus. Doch mehrere Aufstände zur Erlangung der Unabhängigkeit schlugen fehl. Nach der ersten großen Revolution im Jahre 1868 mit Mäximo Gö- mez und Carlos Manuel de Cöspedes an der Spitze versuchte sich Josä Marti als weiterer Vorkämpfer der kubanischen Unabhängigkeit, doch starb er 1895 in Boca de Dos Rios im Kampf gegen die Spanier. 1897 gestand Spanien der Kolonie weitgehende Autonomie zu, doch innen- und außenpolitische Unruhen ließen nicht nach. Nach der bis heute ungeklärten Explosion des US-amerikanischen Kriegsschiffes „Moine” im Februar 1898 im Hafen von Havanna intervenierten die Vereinig- ten Staaten auf der Insel. Im Frieden von Paris Ende 1898 mußte Spanien die Insel an die USA abtreten. Im Jahre 1902 wurde die kubanische Republik ausgerufen, doch behielten sich die USA das Interventionsrecht vor. Der US-amerikanische Einfluß wurde durch die wirtschaftliche Kontrolle verstärkt. Zucker- und Tabakexporte gingen weitgehend in die Vereinigten Staaten, und die Hauptanteile an der Zuckerindustrie waren in deren Hand. Nach den Wirren der Weltwirtschaftskrise übernahm Diktator Fulgenico Batista y Zaldivar das Kommando, war zwischen 1940 und 1944 offizieller Staatspräsident, ging nach seiner Wahlniederlage ins Exil in die USA, kehrte 1952 nach Kuba zurück, initiierte dort einen Staatsstreich und errichtete eine gewaltsame Herrschaft. 1953 scheiterte ein von dem Rechtsanwalt Fidel Castro gestarteter Putschversuch. Für Castro folgten politische Haft und Exil, ehe er 1956 von Mexiko aus ein bewaffnetes Eingreifen mit Guerillaeinheiten auf Kuba vorbereitete, unter anderem gemeinsam mit dem aus Argentinien stammenden Mediziner Ernesto „Che” Guevara. Castro, Guevara und weitere 81 Mann erreichten im Dezember 1956 mit der Yacht „Granma” vom mexikanischen Hafen Tuxpan aus die Südküste Kubas. Die Rebellen wurden jedoch von Batista-Truppen überrascht; nur fünfzehn Mann überlebten und flüchteten in die Sierra Maestra. Was folgte, war ein zwei Jahre langer Partisanenkrieg, der erfolgreich beendet wurde. Am 1. Januar 1959 zogen die Guerillas in Havanna ein; Diktator Batista floh in die USA. Die junge Revolutionsregierung führte den Sozialismus ein. Es kam zu einer Agrarreform, zur allmählichen Verstaatlichung der Wirtschaft, zur Enteignung und Beschlagnahme US-amerikanischer Ölraffinerien und Zuckerrohrplantagen, was zu einem Exodus der kubanischen Oberschicht sowie zu einem Handelsembargo und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen seitens der USA führte. Auf politischen und wirtschaftlichen Druck der USA reagierte Kuba mit militärischer Aufrüstung und enger Anlehnung an die UdSSR. 1961 scheiterte eine vom US-amerikanischen Geheimdienst unterstützte Invasion von Exilkubanern in der „Schweinebucht”. Höhepunkt des Konfliktes waren die Stationierungen sowjetischer Raketen auf der Insel und die nachfolgende „Kubakrise” im Oktober des Jahres 1962, da der Weltfrieden auf dem Spiel stand. Präsident Kennedy verhängte eine militärische Seeblockade bis zum Einlenken Chruschtschows und dem Abzug der Raketen.