Kuba Teil 2

1965 übernimmt der vormalige Ministerpräsident Fidel Castro das Amt des ersten Sekretärs der neugegründeten Kommunistischen Partei Kubas. 1976 wird Castro Vorsitzender des Staatsrates; im selben Jahr tritt die neue sozialistische Verfassung in Kraft. Mit Hilfe sowjetischer Kredite ist die ökonomische Entwicklung und soziale Umgestaltung des Inselstaates unterstützt worden. Als Haupthandelspartner, Kreditgeber, Zuckerabnehmer und Öllieferant fungiert die UdSSR. Im sozialen Bereich — Stichworte Bildung, Erziehungs- und Gesundheitswesen — erzielt Kuba Fortschritte, doch eine weitere große, politisch motivierte Emigrationswelle im Jahre 1980 kann nicht verhindert werden. Innenpolitische Bemühungen umfassen Alphabetisierung, Vollbeschäftigung, Auf- und Ausbau der Infrastruktur, um so ein modernes lateinamerikanisches Land zu schaffen. In Ergänzung zu ökonomischen Reformen werden eingangs der achtziger Jahre zur Verbesserung des Konsumgüterangebots erstmals wieder freie Märkte zum Verkauf von Überschußprodukten zugelassen, doch die rasche Entwicklung einer privatkapitalistischen Parallelwirtschaft führt 1986 zu einer Kurskorrektur. Die freien Märkte werden verboten und die Anwendung kapitalistischer Mechanismen beim Aufbau des Sozialismus verurteilt.Die Weltwirtschaftskrise, Kubas hohe Auslandsschulden, interne organisatorische Probleme, das Handelsembargo der USA, die für den Inselstaat verheerenden ökonomischen Auswirkungen durch den Zusammenbruch des europäischen Ostblocks, der Preisverfall für Zucker auf dem Weltmarkt: In den neunziger Jahren steht das Land vor gravierenden Problemen. Staatschef Fidel Castro betont es trotzdem immer wieder: Der Kubaner sei stolz darauf, Kommunist zu sein. Das Überleben des sozialistischen Systems und der Ideen sei eine Verpflichtung gegenüber dem Vaterland, so Castro bei einem Interview im Mai 1991. So wie das alte Havanna, so geht auch Kuba insgesamt ohne Reform des Systems zugrunde (vgl. dazu das Sonderkapitel „Kuba in den neunziger Jahren”). 1993 erreicht die Wirtschaftsmisere einen vorläufigen Höhepunkt. Zwischen 1990 und 1993 haben aufgrund von Fabrikschließungen rund 150.000 Kubaner ihre Arbeit verloren. Zwar werden Ernte- und Produktionsdaten beim Zuckerrohr als „neue Erfolge” verkauft, doch wird wohlweislich verschwiegen, daß das Ernteresultat beim Hauptexportprodukt nur unter Aufbietung der letzten Kräfte und durch zusätzlichen Raubbau an der Natur erreicht werden konnte. In naher Zukunft wird das Gros der aus Osteuropa stammenden Erntemaschinen aus Ersatzteil- oder Treibstoffmangel stillgelegt werden müssen. Aufgrund fehlender Devisen kann nur noch ein Bruchteil an erforderlichen Düngemitteln importiert werden, und die Bewässerung scheitert mitunter auch am Treibstoffmangel. An Devisenquellen setzt Kuba auf einen verstärkten Nickelexport und auf den Tourismus; Individualtourismus ist angesichts des Transportchaos jedoch praktisch nicht mehr möglich. US-Präsident Bill Clinton hat betont, er sei an einer friedlichen Entwicklung in Kuba interessiert und halte sich zu Gesprächen bereit. Es liege bei Staatschef Fidel Castro, sich zu entscheiden, auf welche Weise er die Probleme des offensichtlich sterbenden sozialistischen Systems in den Griff bekommen könne. Am 24. Februar 1993 waren in Kuba 7,5 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die Abgeordneten des Parlamentes erstmals seit 1959 wieder direkt zu wählen. Im Regierungsorgan „Granma” — einst eine Tageszeitung, durch den chronischen Mangel an Papier nun zur Wochenschrift verkommen — wurde der Sieg euphorisch gefeiert. Bei einer Wahlbeteiligung von 99,6 Prozent hätten sich laut „Granma” 95,1 Prozent für Kuba entschieden. Vor der Presse wertete Staatschef Fidel Castro die Zahlen als Zeichen „für die Stärke der Revolution”. Ausländische Korrespondenten berichteten allerdings, daß aus Protest gegen die auf der Insel herrschenden Verhältnisse zwischen zehn und zwanzig Prozent der Stimmzettel nicht ausgefüllt oder ungültig gemacht worden waren. Bei einer Pressekonferenz in Santiago de Cuba sagte Castro auf die Frage, ob er in fünf Jahren noch Staatschef sein wolle, er hoffe, daß „seine Kameraden nicht wieder rufen werden”. Doch sei die Revolution das Wichtigste, und deshalb „bin ich bereit, alles zu opfern, auch mein ganzes Leben”, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Nach den Wahlen gab es bei der Neubesetzung des Staatsrates im März 1993 einige Überraschungen. So wurde Castros wichtigster Wirtschaftsberater Carlos Lage zu einem von sechs Vizepräsidenten gewählt. Lage, der als Verfechter eines pragmatischen Kurses gilt, ersetzte Carlos Rafael Rodriguez, der als eine der historischen Figuren der Revolution eine orthodox sozialistische Planwirtschaft vertreten hatte. Ob dahinter tatsächlich der Wille zu echten Reformen steht, wird sich zeigen müssen. Im März 1993 geriet Kuba noch einmal in die Schlagzeilen. Ein schwerer Wirbelsturm zog alleine in der Hauptstadt Havanna rund 30.000 Häuser stark in Mitleidenschaft. Zudem wurden Zehntausende von Kubanern von einer mysteriösen Krankheitswelle heimgesucht, deren Ursachen in der schlechten Ernährung lagen.

Leave a Comment

Please note: Comment moderation is enabled and may delay your comment. There is no need to resubmit your comment.