Okt 9

Rund um den Bahnhof (Estaciön Central de Ferrocarriles) eröffnen sich weitere kleine Besuchsziele. Dazu rechnen Reste der alten Stadtmauer am Parque de los Agrimensores (zwischen Avenida de Belgica und Agramonte), die Gebäude der geschichtsträchtigen Tabakfabriken „Calitxo Löpez” und „Pedro Murias” (beide an der Calle Agramonte) und der Palacio de Balboa (Avenida de Belgica Nummer 606). Nicht vergessen darf man das Geburtshaus des Nationalhelden Jos e Marti (vgl. dazu unter „Museen”). Rund um die Plaza Vieja am Südrand Alt-Havannas liegt die von den Straßen Brasil, Mercaderes, Muralla und San lgnacio begrenzte Plaza Vieja, die bereits im 16. Jahrhundert angelegt wurde und in den beiden darauffolgenden Jahrhunderten ein urbanes Zentrum ersten Ranges war. Zu jener Zeit entstanden mächtige Herrenhäuser im Einzugsbereich des Platzes, zu denen die Casa de las Hermanas Cärdenas, die Casa de Juan Rico de Mata, die Casa de los Condes de Jaruco, die Casa de los Franchi Alfaro, die Casa de Martin Felix de Arrate, die Casa del Conde de Lombillo sowie die Casa del Conde de San Esteban de Cahongo zählten. Die meisten solcher Paläste und Herrenhäuser werden heutzutage anderweitig genutzt und sind nicht zur Besichtigung von innen freigegeben. Seine einstige Bedeutung besitzt der „Alte Platz” längst nicht mehr. Eine Vielzahl an mehr oder weniger erhaltenen Palästen und Herrenhäusern findet sich verstreut im Stadtgebiet. Zu diesen Bauwerken zählen: Palacio de Aldama (Mitte 19. Jahrhundert; Avenida de Bolivar Nummer 1 nahe dem Parque de la Fraternidad), die restaurierte Casa del Conde Barreto (1732; Oficios Nummer 362), Casa de Aröstegui (1754-59; Tacön Nummer 4), Palacio del Arzobispado (erste Hälfte 19. Jahrhundert; Habana Nummer 152), Casa de Tacön (17. und 1 8. Jahrhundert; Tacön Nummer 12), Palacio de Villalba (1874-79; Avenida de Belgica Nummer 504), Palacio Zuazo (18. Jahrhundert; Compostela Nummer 651) sowie der Palacio Velasco (Jahrhundertwende; Cärcel Nummer 1), in dem heute Spaniens Botschaft untergebracht ist. Weitere historisch bedeutsame militärische Festungsbauten sind der Castillo de Santo Domingo de Atares (Calle Fäbrica, zwischen Arroyo und Gancedo), der Castillo de Santa Dorotea de Luna de la Chorrera (Calzada y 20, Vedado), der Castillo de Principe (Calle F, Vedado) und die kleine Festung von Cojimar.

Okt 9

Eine der landschaftlich schönsten Gegenden der Insel eröffnet sich rund 180 Kilometer südwestlich von Havanna um die Provinzhauptstadt Pinar del Rio und das von Tabakanbau geprägte Tal von Virales. Ab Havanna hat man Gelegenheit, an einer organisierten Tagestour (Preis 39 US$ pro Person) teilzunehmen; samstags und sonntags sollte man auf die preiswerten Exkursionen (US$ 30) verzichten, da dann der Besuch einer Tabakfabrik entfällt. Tabaksaison ist generell zwischen Mai und Oktober. Manche Touren in den Westen Kubas schließen Abstecher nach Soroa (Kaffeeanbaugebiet, Heilbäder, Wasserfall, beeindruckender Orchideengarten), in den La-Güira-Nationalpark (reiche Waldareale) und in den Schwefelquellenort San Diego mit ein. An den Ausläufern der Sierra de los Organos ist die rund 130.000 Einwohner zählende Provinzhauptstadt Pinar del Rio gelegen, die touristisch von geringem Interesse ist. Bekannteste Bauwerke sind der Palacio Guasch (hier Naturwissenschaftliches Museum) und das Teatro Jos e Jacinto Milanes in der Calle Marti. Durchaus interessant ist ein Besuch des Tabakmuseums; vom 18. Jahrhundert an hatte die Gegend um Pinar del Rio große Bedeutung beim Tabakanbau. Ab Pinar del Rio führt die Route Richtung Norden und tief hinein in die Sierra de los Organos, deren landschaftliche Wahrzeichen die „mogotes” genannten Kalksteinkegel sind. Experten meinen, im Viriales-Tal werde der beste Tabak der Welt angebaut — Grundstock für die Produktion der bekannten „Havannas”. Sehenswürdigkeiten im Viriales-Tal sind — neben den Tabakfabriken — das Heilquellenörtchen San Vincente, die Cueva del Indio („Indio-Höhle”) mit ihrem unterirdischen Fluß (Bootsfahrt), die Cueva de San Miguel („San-Mi- guel-Höhle”) und der Mural prehistörico („Mauer der Vorgeschichte”) mit seinen im Auftrag der Akademie der Wissenschaften bemalten Motiven. Wer ab Havanna nur den Besuch einer Tabakfabrik bevorzugt, braucht nicht so weit zu fahren. Man kann an einer dreistündigen Tour zur Tabakfabrik „Partagas” westlich von Alt-Havanna (Industria, zwischen Barcelona und Dragones) teilnehmen; der Richtpreis liegt bei US$ 15 pro Person.

Okt 8

Plaza de la Revoluciön — Marti-Monument und Ge- denksäule — Nationalbibliothek — Nationaltheater — Postmu- seum/Philateliemuseum — Estadio Latinoamericano — „Kolumbus- Friedhof” (Cementerio de Colön) mit Grabpalästen und Marmormausoleen Einige Kilometer südlich von Vedado stoppt man bei Stadtrundfahrten immer an der Plaza de la Revoluciön im gleichnamigen Stadtviertel. Der Revolutionsplatz mit dem Jose-Marti-Monument und der über 100 Meter hohen Gedenksäule symbolisiert das moderne Havanna. Die Plaza de la Revoluciön ist Schauplatz von Massenveranstaltungen, und Reden des „mäximo lider” Fidel Castro haben immer wieder Zehntausende Menschen auf den ansonsten recht „toten Platz” gelockt. In den gewaltigen Baublocks rund um die Plaza sind unter anderem der Regierungspalast und verschiedene Ministerien untergebracht. Beachtung finden die Bauten der mit über einer halben Million Exemplaren bestückten Nationalbibliothek (Biblioteca Nacional) sowie des kubanischen Nationaltheaters (Teatro Nacional de Cuba). Ganz in der Nähe ist auch das Postmuseum/Philateliemuseum zu finden (siehe unter „Museen”). Einen Kilometer östlich der Plaza de la Revoluciön befindet sich mit dem Estaclio Latinoamericano ein bekanntes Sportstadion, das auch kubanische Leichtathletikgrößen wie den Läufer Alberto Juantorena und den Hochspringer Javier Sotomayor erlebt hat; die 1991 in Havanna ausgetragenen Panamerikanischen Spiele fanden allerdings in den neuerbauten Sportkomplexen östlich der Stadt (Richtung Cojimar) statt. Ein Besuch der Plaza de la Revoluciön läßt sich mit dem nahegelegenen „Kolumbus-Friedhof” (Cementerio de Colön) kombinieren. Der riesige Friedhof geht auf das 19. Jahrhundert zurück, und man besucht ihn heute in erster Linie wegen der gewaltigen Grabpaläste und der Marmormausoleen. Bekannte kubanische Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Alejo Carpentier haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Okt 8

Unter dem Namen Playas del Este versteht man jene Strände, die sich östlich von Havanna erstrecken und bis zum rund 60 Kilometer entfernten Jibacoa reichen. Die bekanntesten der lohnenswerten Strände bis dorthin heißen Bacuranao, El Megano, Santa Maria de) Mar, Boca Ciega, Guanabo, Jibacoa und Träpico. Organisierte Touren ab Havanna leiten vor allem zur Playa Santa Maria del Mar; ein Halbtagestrip kostet pro Person zehn US$. Nahe der Sandstrände und Orte, die man auch unter dem Begriff „Circuito Azul” (Azurblauer Umkreis) zusammenfaßt, stößt man auf vielfältige touristische Einrichtungen wie Hotels, Ferienkolonien, Restaurants, Cafeterias, Bars, Nachtklubs, Tauchschulen und Sportanlagen. Autoverleih („Havanautos”) ist an folgenden Stellen möglich: Hotel Marazul (Tel. 0-687-30 93), Hotel Itabo (Tel. 0-687-25 81), Villa Panamericana (Tel. 33 81 13), Villa Träpico (Tel. 5-692-83 612) sowie Villa Tararä (Tel. 81 42 67 und 33 50 28). Das Gebiet wird von den beiden Flußläufen des Itabo und des Guanabo durchschnitten; im Hinterland liegen die Lagunen La Coca, La Zarza, Cobre (auch Santa Maria del Mar) und Veneciana. In der Küstenvegetation kommen Kokospalmen und Mangroven vor. Die Jahresdurchschnittstemperatur an den Playas del Este liegt bei 25 Grad. Die Qualität der Strände kann mit der in Varadero konkurrieren. Besonders die nahe Havanna liegenden Strände (Bacuranao, El Megano und Santa Maria del Mar) werden auch stark von den Kubanern frequentiert. In den fünfziger Jahren wurden die Playas del Este von der Bourgeoisie als exklusive Ferienzonen entdeckt und „Privatstrände” angelegt, deren Betreten den Einheimischen verboten war. Nach der Revolution 1959 wurden solche Maßnahmen für elitäre Grüppchen rückgängig gemacht. Im März 1993 wurden auch die Playas del Este von den schweren Stürmen heimgesucht. Bacuranao, im Jahre 1762 Landeplatz englischer Invasoren, ist 15 Kilometer von Havanna entfernt an einer kleinen Bucht gelegen. Hier gibt es die Feriensiedlung „Villa Bacuranao” und den Freiluftclub „Los Caneyes”. Es werden Tauchausflüge zu Resten von gesunkenen Schiffen angeboten. Sieben Kilometer östlich von Bacuranao beginnt eine langgestreckte Strandzone mit den Orten und gleichnamigen Stränden El Megano und Santa Maria del Mar. In El Megano existieren die beiden Feriensiedlungen „Los Pinos” und „Megano”; nahe der Avenida Las Terrazas kann man sich Fahrräder und Mofas ausleihen; für eine Stunde Fahrradausleihe bezahlt man zwei US$, für eine Stunde mit dem Mofa fünf US$. Santa Maria del Mar ist der größte, bekannteste und am meisten besuchte Strand der Playas del Este. Santa Maria del Mar hat einige Hotels wie „Marazul” und „Atläntico” sowie die Feriensiedlung „Las Brisas” zu bieten, die rund einen halben Kilometer vom Strand entfernt liegt und von wo aus man Panoramablicke in Richtung Meer hat. Bekannt sind die Nachtklubs bzw. Bars „Mi Cayito”, „Pinomar” und „Havana Club”. Am östlichen Ortsrand (Übergang Richtung Boca Ciega) stößt man auf die romantische Laguna del Cobre, auch bekannt unter dem Namen Laguna Santa Maria del Mar (Ruderbootverleih). Hinter der Mündung des Itabo-Flusses ins Meer beginnt der Strand von Boca Ciega, der dann übergeht in den Strand von Guanabo. Der populäre Küstenort Guanabo kann mit Nachtklubs und einfachen, kleinen Hotels aufwarten, die traditionell von den Kubanern belegt werden. Verläßt man den ursprünglichen Fischerort Guanabo gen Osten, gelangt man etwa 60 Kilometer hinter Havanna an den Strand von Jibacoa, nachdem man an schroffer Küstenszenerie vorbeigefahren ist. Man stößt hier auf eine Ferienkolonie und einen Campingplatz sowie auf einen Fahrradverleih nahe der Flußbrücke. Östlich von Jibacoa gelangt man zum kleinen, aber feinen Strand von Tröpico (Arroyo Bermejo), der von einem grünen Hügel begrenzt wird. Die Feriensiedlung „Träpico” bietet Unterkunft. Es ist möglich, Wassersportgerät und Pferde auszuleihen. Ab Havanna werden auch „Seafaris” Richtung Playa del Este angeboten, Bootsausflüge mit Angel- und Schnorchelmöglichkeiten in Küstennähe. Für eine sechsstündige Tour (z.B. ab „Marina Venecia- na”) muß man mit rund 50 US$ pro Person rechnen.

Okt 7

Besuchsziele: Malecön — Hotel „Nacional” — Hotel „Habana Libre” und Aussicht — Calle 23 (La Rampa) — „Cubatur”-Büro — „Coppe- lia”-Eispalast — Gedenkstätte Jos6 A. Echeverria — Gedenkstätte Julio Antonio Mella — Universität von Havanna — Napoleonisches Museum — Montane-Völkerkundemuseum — Museum der Dekorativen Künste Westlich des Zentrums erstreckt sich der neue Stadtteil Vedado, in dem man heutzutage eine große Anzahl an Hotels, Restaurants, Geschäftshäusern, Niederlassungen von Fluglinien, Ministerien und anderen Regierungsinstitutionen findet. Die Vorort-Skyline mit Gebäuden wie dem Hotel „Nacional” am Ende der Uferstraße Malecön, dem Hotel „Habana Libre” und dem ,,Focsa” wird man von weitem gewahr; innerhalb Vedados kann man sich immer an solchen Bauriesen orientieren. Einen guten Blick über Havanna sollte man sich von den beiden obersten Stockwerken des Hotels „Habana Libre” aus verschaffen. Beim altehrwürdigen „Hotel Nacional” am Malecön beginnt die bekannte Calle 23, deren unterer Teil den Namen „La Rampa”trägt. Das kubanische Zentralbüro von „Cubatur”befindet sich in der Calle 23 Nummer 156. Geht man rund 200 Meter weiter hinauf, liegt linker Hand das „Habana Libre”, und rechter Hand blickt man auf den riesigen und im Grünen gelegenen Speiseeispalast „Coppelia”. Wann immer in Kuba etwas zum freien Verkauf ansteht, wie bei solchen Eisgeschäften, bilden sich auch dort riesige Schlangen. Auf ein Eis wartet man dann schon ‘mal zwei Stunden. Damit sich das Warten lohnt, kaufen viele Kubaner direkt zwei oder drei Eistüten auf einmal, und bald sieht man solch Gierige im Kampf und Balanceakt mit ihrem Eis — verständlich bei knapp 30 Grad im Schatten zur Mittagszeit… Über die Straße L gelangt man von der 23 aus an den Gedenkstätten zu Ehren von Jos ö A. Echeverria und von Julio Antonio Mella vorbei und befindet sich am Rande des Geländes der Universität von Havanna. Eine breite Treppe führt zum palastgleichen Hauptgebäude der Universität hinauf; leider werden an den Wochenendtagen Touristen von Wachtposten dort weggetrieben. Die historischen Wur zeln der Universität gehen auf das Jahr 1728 zurück.
In unmittelbarer Nähe des Haupteingangs zur Universität gelangt man zum Napoleonischen Museum (vgl. unter „Museen”) und zum Montane-Völkerkundemuseum (Museo Antropolögico Montane im Edificio Felipe Poey an der Calle Ronda). Ein weiteres Museum in Vedado ist das Museum der Dekorativen Künste (Museo de Artes Decorativas; vgl. unter „Museen”).

Okt 7

Festung El Morro — Leuchtturm — Ausstellungssäle — „Bateria de los Doce Ap6stoles — “Bateria de la Divina Pastora” — Festung San Carlos de la Cabaria — Ausstellungssäle — Kanonen- schußzeremonie täglich um 21 Uhr Riesige Mauern und vorgebaute Wachttürmchen, lange Gänge und tiefe Gräben, Kanonen und herrliche Blicke auf Altstadt, Zentrum und die Skyline von Vedado: Die El-Morro-Festung ist einer der faszinierendsten Besuchspunkte in Havanna. Der Fahrzeugverkehr in Richtung der Forts und auch in Richtung Habana del Este, Colimar und Playas del Este rollt ab dem Altstadtrand durch den unter der Hafenzufahrt angelegten Tunnel. In den Jahren zwischen 1589 und 1630 wurde die Festung El Morro — die spanische Langversion heißt Castillo de los Tres Santos Reyes Magos del Morro — an der Buchteinfahrt unter Leitung von Juan Bautista Antonelli und später unter dessen Neffen Cristöbal de Roda errichtet. Diese Festung war Zentrum des Widerstandes während des Angriffs und der Belagerung von Havanna durch die englische Kriegsflotte 1762. Der Leuchtturm, eines der Wahrzeichen der Hauptstadt, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wichtig zu wissen für Teilnehmer an organisierten Touren: Die recht hohen Eintrittspreise wie bei der El-Morro-Festung sind in der Regel nicht im Gesamtpreis enthalten. Innerhalb der Festungsanlage stößt man auf einige Ausstellungssäle (Museo de la Navegaciön, Museo del Faro, Museo del Morro). Man sollte es nicht versäumen, im Anschluß an den „Morro”-Besuch hinabzugehen zu der Reihe von historischen Geschützen, die unter den Namen „Bateria del Sol” und „Bateria de Ios Doce Apöstoles” bekannt ist. Wenige Hundert Meter vom „Morro” entfernt erstreckt sich die Festung San Carlos de la Cabaria über einen Hügel oberhalb der Wasserstraße Richtung Bucht und Hafen. Auf dieser anderen Seite er — aufgrund des spärlichen Verkehrs — keineswegs hektischen Hauptstadt fühlt man sich trotzdem in wohligem Abseits. Angenehm st auch ein Spaziergang sowohl unterhalb der Fortmauern (hier roßer Parkplatz, Restaurant „La Pastora”, die Geschützreihe „Bote- ria de la Divina Pastora”und lohnenswerter Aussichtspunkt) als auch Richtung des Hauptzugangs, den man durch Torbögen und über ‘eine alte Zugbrücke erreicht. Stilvoll: Im einstigen Burggraben gedeihen zahlreiche Anbaukulturen. Einige Monate nach dem Abzug der englischen Invasoren im ahre 1763 wurde mit dem Bau der Fortaleza San Carlos de la Cabaiia begonnen. 1 774 beendete man eine der größten spanischen Festungsbauten in der „Neuen Welt” mit einer imposanten Länge von rund 700 Metern. Das Fort wirkt wie eine kleine Stadt, und im Innern bieten sich kleine Besuchsziele an: Plaza de Armas, Museo de la Cabaria sowie Mose° de Fortificaciones y Armas (Ausstellungssäle). Eine alte Tradition hat sich bis heute erhalten: Täglich um 21 Uhr sor- gen Männer in historischen Trachten hoch droben auf der Festung und in Anwesenheit von Besuchern — es werden organisierte Touren über Cubatur angeboten — für den Kanonenschuß (Ceremonia tradicional del carionazo). Einst war der Donnerschlag das Signal, die Stadttore zu schließen. Heute nimmt man den Böller automatisch als Anlaß zur Kontrolle der Armbanduhr.

Okt 6

Parque Central — Marti-Monument — Dachterrasse . „Plaza"-Hotel — Hotel „Inglaterra" — Großes Theater von Havanna — Kapitol mit „Salönde los Pasos Perdidos" und Naturwissenschaftlichem Museum Felipe Poey — Königliche Tabakfabrik Partagas — Parque de la Fraternidad — „Fuente de la India" — Paseo de Marti — Parque Central — Hemingway-Bar „El Floridita" — Marti-Prome- nade — Palacio de los Matrimonios — Monument „Estudiantes de Medicina" — Monument Mäximo Gömez — Avenida del Puerto — Festung San Salvador de la Punta — Malecön — Avenida del Puert — Parque Anfiteatro — Palacio de la Artesania — „Archäologischer, Park" und Stadtmauerreste — Nationalmuseum der Musik — 13 de Marzo — Präsidentenpalast — Revolutionsmuseum — „Memorial Granma" — Nationalmuseum — Parque Central
Im Übergangsbereich zwischen der Altstadt und dem zentralen Viertel (Centro Habana) liegt der palmenreiche Parque Central, angelegt nach dem Abriß fast aller Stadtmauern Havannas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bereits 1905 wurde in der Parkmitte ein Denkmal zu Ehren des kubanischen Freiheitskämpfers Jos e Marti errichtet. Von der Dachterrasse des Hotels „Plaza" aus (dort auch Postamt) bieten sich gute Blicke über einen Teil der Stadt - und damit auch auf einen kompletten Ruinenblock direkt am Parque Central. Eindrucksvoll hingegen sind die Fassaden des Hotels „Inglaterra" und des Großen Theaters von Havanna (Gran Teatro de la Habana), die mit geschmackvollen Laternen lohnenswerte Fotomotive bieten. Das Theatergebäude wurde auf Betreiben der zahlenmäßig starken Kolonie galizischer Einwanderer gemeinsam mit einem Gesellschaftshaus (Centro gallego) in neobarockem Stil zwischen 1907 und 1915 errichtet. Das Gebäude ist mit zahlreichen Bildhauerarbeiten und Skulpturen ausstaffiert, wobei die Marmorkunstwerke von Giuseppe Moretti besonders hervortreten. Das „Inglaterra"-Hotel ist aus dem einst besten Cafe der Stadt („El Louvre"; 19. Jahrhundert) hervorgegangen; 1879 hielt Jose Marti hier eine bekannte Rede für die Unabhängigkeit des Landes. Insbesondere rund um den überschaubaren Parque Central wird man als Tourist häufig von Kindern (Stichworte Kaugummi und Kulis) und dubiosen Händlern (Stichwort Havanna-Zigarren) angesprochen. Auf Gespräche und Handel mit jenen Gesellen sollte man sich nicht einlassen — es sei denn, man will billige Zigarren erstehen, deren „Innenleben" aus welken, wertlosen Blättern bestehen kann… In Sichtweite des von weiteren, weniger wichtigen Bauwerken umstandenen Zentralparks (Teatro Payret, Antiguo Centro Asturiano, Antiguo Instituto de La Habana) liegt das mächtige Kapitol (Capitolio Nacional). Der monumentale Bau mit seinem gewaltigen Treppenaufgang ist dem Kapitol in Washington nachempfunden und wurde 1929 als Sitz des Repräsentantenhauses und des Senats fertiggestellt. Bei Konstruktion und Ausgestaltung wurden unter anderem Stahl, Marmor und Bronze verwendet. Unter der Kuppel befindet sich der große Saal „Salär) de los Pasos Perdidos" mit einer Länge von 48, einer Breite von 15 und einer Höhe von knapp 20 Metern. Um das Innere zu fotografieren bzw. filmen zu dürfen, muß man Extragebühren für Kameras entrichten. Wichtig zu wissen ist auch, daß das Kapitol gegenwärtig Sitz der Akademie der Wissenschaften, der wissenschaftlich-technischen Bibliothek sowie des Naturwissenschaftlichen Museums Felipe Poey ist. Nahe der Rückfront des Kapitols gelangt man in der Calle Industria an das altehrwürdige Gebäude der Königlichen Tabakfabrik Partagas (Real Föbrica de Tabacos Partagas). Der Bau geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück; die Zigarrenfabrik hat bis heute ihre Bedeutung behalten, und man kann an organisierten Führungen teilnehmen. Wenn man von der Zentraltreppe des Kapitols aus nach rechts schreitet, kommt man kurz darauf zum kleinen Parque de la Fraternidad und — auf einer grünen „Verkehrsinsel" — zu dem im Jahre 1837 aufgestellten Marmorbrunnen „Fuente de la India" (auch „Noble Habana"). Dort befindet man sich gleichzeitig am Ende des bekannten Paseo Marti, jener Promenade, die im Volksmund auch unter dem Namen „Prado" firmiert. Die „Fuente de la India" gilt als eines der Wahrzeichen Havannas. Die in Carraramarmor von Giuseppe Gaginni geschaffene Statue zeigt ein junge Indiofrau, die in der rechten Hand ein ovales Wappen der Stadt hält. Ab der „Fuente de la India" kann man nun, vorbei an Kapitol und Parque Central, dem gesamten Paseo de Marti bis zu den an der Hafeneinfahrt gelegenen Resten der Festung San Salvador de la Punta folgen. Am Parque Central kann man ein kurzes Kontrastprogramm einschieben. Vorbei am Marti-Denkmal und durch die Calle San Rafael ist es nur ein Block bis zur berühmten Hemingway-Bar „El Floridita", ein traditionsreicher Nobelschuppen, in dem die Touristen spielend leicht eine Handvoll Dollar und noch mehr ausgeben können (vgl. dazu auch das Kapitel „Hemingway und Havanna"). Geht man vom Parque Central aus auf der gegenüberliegenden Seite durch Nebenstraßen wie Neptuno, San Rafael und San Miguel, wird man — fernab von Exklusivität — mit Havannas trister Wirklichkeit konfrontiert. Und die heißt: Schmutz in den Straßen, Schlange- stehen mit Lebensmittelkarten („libretas"), Verfall von Häusern und gähnende Leere in dem, was man einst unter „Schaufenstern" verstanden haben mag… Dem Prado in Madrid ist die baumbestandene Marti-Promenade nachempfunden. Im Schatten sieht man gelegentlich Abc-Schützen beim Gymnastikunterricht unter freiem Himmel. Längs der Promenade sollte man an beiden Seiten auf kunstvoll gestaltete Fassaden echten, und sogar der ein oder andere Anstrich hat in jüngster Zeit stattgefunden. Manche Gebäude allerdings sind dem Verfall preisgegeben worden. Die Menschenmassen am Ende der Promenade warten auf Stadtbusse, und auch hier erblickt man staatliche Straßeninspektoren in gelben Overalls, die Fahrzeuge stoppen, um so gelegentlich in Militärjeeps, Transportern und auf Lkws den Wartenden Mitfahrgelegenheiten zu verschaffen.angeklagt waren und im November 1871 dort erschossen wurden. Unübersehbar ist auf der großen Freifläche das nahe Monument zu Ehren von Maxim° Gömez (1836-1905), einer der Streiter und Vor reiter für die kubanische Unabhängigkeit. Überquert man die Avenicla del Puerto (auch Avenida Carlo Manuel de Cespedes), gelangt man zu den Überresten der zwischen 1589 und 1600 erbauten Festung San Salvador de la Punta, die an der Hafeneinfahrt dem Leuchtturm und dem El-Morro-Fort (in längerer Form heißt es Castillo de los Tres Santos Reyes Magos del Morro) gegenüberliegt. Alleine der Ausblicke wegen sollte man auf der riesigen Freifläche bis zur Mauer an der Meeresfront gehen — aller dings nicht bei Sturm, da dann die Wellen überschwappen können Wendet man sich nach links, treten die berühmte Uferstraße Malecarl (Avenida Antonio Maceo) und die Skyline des modernen Stadtteils Vedado ins Blickfeld. Der Festungsplatz ist alles andere als gepflegt. An der Festung San Salvador de la Punta hat man nun mehrere Möglichkeiten, den Bummel fortzusetzen. Eine erste besteht darin, den Malecön in Richtung Vedado entlangzuschlendern, wobei man am Antonio-Maceo-Monument und am alten San-Lözaro-Wachtturm vorbeikommt. Der Gestank von altem Öl begleitet einen auch, wenn man ab der Festung in die Gegenrichtung längs der Avenida del Puerto geht. Als Ausgleich wird man mit wunderschönen Blicken auf die Hafenzufahrt, die Forts El Morro und San Carlos de la Cabaha sowie auf die überdimensional große Christus-Statue belohnt. Eindrucksvolle Kontraste bieten Fischerbötchen und gelegentlich einlaufende Frachtschiffe. An der Avenida del Puerto entlang ist bald die Festung Real Fuerza erreicht (vgl. dazu das Kapitel „Rund um die Plaza de Armas"). Parallel zur Avenida del Puerto verlaufen die kleinen Park- anlagen Luz Caballero und Anfiteatro. In der ersten Häuserreihe hinter dem Parque Anfiteatro steht der Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Palacio Pedroso, der heute den Palacio de la Artesania (Palast des Kunsthandwerks) beherbergt. Nach meinem Empfinden lohnt sich dort eine Rast im Patio; gelegentlich stehen Folkloredarbietungen auf dem Plan. Im Palacio de la Artesania kann man einem Zigarrendreher über die Schulter schauen und in den kleinen Shops Bücher; Shirts, Musikinstrumente und weitere kunsthandwerkliche Gegentände erwerben. Gegenüber dem Palast sieht man am „Archäologischen Park" Reste von Havannas alter Stadtmauer. Über die Calle Cuba läßt sich der Weg vom Palacio de la Artesania aus leicht in Richtung Gömez-Denkmal fortsetzen. Linker Hand hinter einer lokalen Busstation befindet sich die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaute Casa de Perez de la Riva mit dem Nationalmuseum der Musik (vgl. unter dem Stichwort „Museen"). Der letzte Teil dieses Streifzugs führt vom Musikmuseum auf die benachbarte Plaza 13 de Marzo. Das Gönnez-Denkmal im Rücken, bewegt man sich nun auf weitere Stadtmauerreste und auf den gewaltigen Präsidentenpalast zu. Jener Antiguo Palacio Presidencial wurde im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erbaut. Das berühmte New Yorker Haus „Tiffany’s" wurde seinerzeit mit der Innenaustattung beauftragt. Im März 1957 war das Palais Ziel eines Angriffs junger Revolutionäre, die es auf Diktator Batista abgesehen hatten. Heute ist in dem Gebäude bezeichnenderweise das Revolutionsmuseum untergebracht (vgl. unter dem Stichwort „Museen"). An das Revolutionsmuseum schließt sich unter freiem Himmel das „Memorial Granma"an (siehe auch hier unter „Museen"). Außer der berühmten Yacht erinnern dort noch Kriegsfahrzeuge, wie zum Beispiel Panzer, an die kubanischen Revolutionbewegungen im Vorfeld von 1959. Die Calle Trocadero trennt die Erinnerungsstätte vom Palacio de Bellas Artes mit seinem Nationalmuseum (vgl. unter dem Stichwort „Museen"). Vom Palast der Schönen Künste aus sind es auf der Straße Agramonte (auch Zulueta) nur wenige Gehminuten zurück zum Ausgangspunkt dieses Stadtbummels, dem Parque Central. Bei all den Monumenten und Museen sollte man aber nicht den Blick verlieren für die alltägliche Straßenszenerie: all die freien Parkflächen in der City (gemessen an mitteleuropäischen Verhältnissen ein Traum), all die Fahrradfahrer (an Wochenenden dient ein einziges Velo mitunter als Ausflugsmobil für eine vierköpfige Familie), all die hoffnungslos überquellenden Stadtbusse (sofern welche fahren)

Okt 5

Besuchsziele: Kathedrale — Kolonialbauten — Casa de los Marqueses de Agua Clara („El Patio”) — Casa de Luis Chacön — Museum der Kolonialkunst — Palacio del Marques de Arcos — Casa de Lom- Itillo — Museum der Erziehung — Hemingway-Bar „La Bodeguita lel Medio” — Museum Alejo Carpentier
Ein sorgsam gepflasteter Boden, Säulengänge, schmiedeeiserne Ralkongitter, Profanarchitektur aus der Kolonialzeit und alles beherrschend die beiden ungleichförmigen Türme der Kathedrale: Havannas Plaza de la Catedral ist einer der schönsten Plätze in der Stadt. Gelegentlich wirkt die Plaza mangels Menschenmasse verwaist, doch das ändert sich zumindest jeden Samstag, wenn dort und in der benachbarten Gasse San Ignacio ab elf Uhr der Kunsthandwerkermarkt angesetzt ist. Im Gegensatz zu bunten Märkten in anderen lateinamerikanischen Staaten wirkt dieses Marktgeschehen in Havanna relativ blaß. Der letzte innerhalb der Stadtmauern angelegte Platz wurde ursprünglich Plaza de la Cienaga (Platz des Sumpfes) genannt, da er sich auf morastigem Terrain befand, das in den Monaten der Regenzeit regelmäßig überflutet wurde. Nach der Trockenlegung wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts hier ein Wasserspeicher errichtet, der zur Aufstockung von Wasservorräten der Schiffe diente. Mit dem Bau der Kathedrale begannen die Jesuiten Mitte des 18. Jahrhunderts. Nach deren Vertreibung im Namen des spanischen Königs (1767) sowie erheblichem Geldmangel konnte die Kathedrale erst 1788 eingeweiht werden. An der aus Kalkstein bestehenden Oberfläche hat der Zahn der Zeit genagt, so daß der Sakralbau älter, aber — nach meinem Empfinden — auch eindrucksvoller wirkt. Hinter der barocken Fassade verbirgt sich, bis auf den Hochaltar, ein vergleichsweise schlichtes Inneres; hier sollen vorübergehend die sterblichen Überreste von Christoph Kolumbus untergebracht gewesen sein. Samstags ist die Kathedrale für Besucher geschlossen. Die Plaza de la Catedral ist von Kolonialbauten umstanden, die in erster Linie aus der Mitte des 18. Jahrhunderts datieren. Steht man mit dem Rücken zur Kirchenfassade, sieht man rechter Hand die zwischen 1751 und 1775 erbaute Casa de los Marqueses de Aguas Claras, in dem heute das Restaurant „El Patio” untergebracht ist. Wirklich sehenswert ist der Innenhof, der auch die Szenerie bietet für  tegelmäßig stattfindende Folkloreshows. In angenehmem Ambiente kann man in „El Patio” speisen. Auf der Gegenseite der Kathedrallassade steht die Casa de Luis Chacön, das älteste Gebäude am Platz. Das Haus geht auf das 17. Jahrhundert zurück und wurde 1720 von seinem neuen Eigentümer Luis Chacön rekonstruiert. In dem einstigen Wohnpalast mit bemerkenswertem Patio ist heute das Museum der Kolonialkunst (vgl. unter „Museen”) untergebracht. In unmittelbarer Nachbarschaft der Casa de Luis Chacön liegt der ,Palacio del Marques de Arcos (1746) mit wertvollen barocken Details. Auf der Plaza-Gegenseite von „El Patio” sieht man die ebenfalls auf das 18. Jahrhundert zurückgehende Casa de Lombillo; heute dienen die Räume als Museum der Erziehung, doch sehenswerter sind auf dieser Seite des Platzes die Arkaden. An der Plaza und im angrenzenden Gäßchen Callejön del Chorro befinden sich mehrere Künstlerläden (Gemälde, Keramik). Von der Plaza-Ecke mit dem „Patio”-Restaurant aus geht man zwei Minuten durch die Calle Empedrado zur bekannten Hemingway-Bar „La Bodeguita del Medio” (vgl. dazu das Kapitel „Hemingway und Ha- vanna”). In der Calle Empedrado 215 ist in der um 1820 konstruier- ten Casa de la Condesa de la Reuniön das Museum Alejo Carpentier (auch Centro de Promociön Cultural Alejo Carpentier; vgl. unter „Museen”) untergebracht.

Okt 4

Imposant sind die klobigen Mauern, der Turm und der Wassergraben. Auf dem Vorplatz sind historische Kanonen aufgestellt; das In nere der Festung beherbergt das Museum Castillo de la Fuerza . Zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und del Mitte des 18. Jahrhunderts war die Burg Sitz der spanischen Generalgouverneure. Auf ihrem 1632 errichteten Turm wurde die untet dem Namen „La Giraldilla” bekannte Bronzestatue aufgesetzt, ein Werk des Bildhauers Jerönimo Martinez Pinzön. Vom oberen Teil dei verwinkelten Anlage aus bieten sich lohnenswerte Blicke auf Vorplatz und Wassergraben sowie Teile der Bucht und des Hafens. An der Avenida del Puerto kann man auch das von einigen Palmen umstandene Monument zu Ehren der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Ma rinesoldaten Kubas ausmachen. Verläßt man die Festung Real Fuerza, so geht man die dem Palacio de los Capitanes Generales gegenüberliegende Plaza-Seite entlang. Dort befindet sich das 1828 eingeweihte Gebäude „El Templete”, das an Havannas Stadtgründung, die erste Messe und die erste „Stadtratssitzung” im Jahre 1519 unter einer Ceiba erinnert. Vom „Templete” aus geht man am Palacio de los Condes de Santovenia (Ende 18. Jahrhundert) vorbei zum heimeligen Freiluftcafe und -restaurant „El Patio Colonial”(hier auch gelegentlich Folkloreshows). In angenehmer Atmosphäre lohnt sich hier eine Rast beim Stadtbummel. Direkt neben dem Patio gelangt man an der Ecke Obispo/Baratillo zur „Tabema del Galeön”; hinter dem unscheinbaren Eingang verbirgt sich ein „Rum-Palast”, in dem man kosten und zu wirklich günstigen Preisen Hochprozentiges einkaufen kann. Auch im kleineren Barraum im Obergeschoß kann man eine Rast in der Altstadt einlegen. Im nahen Umkreis der Plaza de Armas — nicht weiter als zwei Blocks entfernt — gelangt man zu weiteren Besuchszielen. In der Calle Oficios Nummer 8 kommt man zur Casa del Obispo (Haus des Bischofs), zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert Havannas Bi- schofsresidenz; dort findet man auch das Münzmuseum. Ganz in der Nähe stößt man auf die Kollegs San Fran- cisco de Sales (17. Jahrhundert) und San Ambrosio (18. Jahrhun- dert) sowie auf die Casa de los Arabes (Haus der Araber; vgl. unter „Museen”), ein Kolonialbau aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in dem ein Museum Aufschluß gibt über die musulmanischarabische Kultur. Wer die Calle Oficios einige Blocks weiter hinabgeht, kommt an die Plaza de San Francisco und an die 1730 begonnene Kirche San Francisco de Asis. Schlägt man an der Plaza de Armas die Calle Obispo ein, sieht man gegenüber der Seitenfront des Palacio de los Capitanes Generales die aus dem 17. Jahrhundert datierende Casa de Obispo (Haus des Bischofs; nicht zu verwechseln mit der Casa del Obispo in der Calle Oficios). An der Ecke Obispo/Mercaderes liegt das bekannte Hotel „Ambos Mundos”, in dem man das Hemingway-Zimmer besichtigen kann (vgl. dazu das gesonderte Kapitel „Hemingway und Havanna”). Geht man von der Plaza de Armas aus kommend die Calle Mercaderes hinab, sind die Casa de la Obrapia (Calle Obrapia Nummer 158; Bürgerhaus mit Ursprüngen im 17. Jahrhundert) und die Casa de Africa („Afrika-Haus”; Calle Obrapia, zwischen Mercaderes und San Ignacio; vgl. unter „Museen”) rasch erreicht. Durch die heute nur für Fußgänger bestimmte Calle Obispo gelangt man von der Plaza de Armas aus nach weniger als zehn Gehminuten an die Hemingway-Bar „El Floridita” (vgl. dazu das gesonderte Kapitel „Hemingway und Havanna”) und an den weiteren großen Besuchsbereich um den Parque Central und den Paseo Marti. Ein Bummel rund um die Plaza de Armas läßt sich zunächst noch besser mit den nahen Besuchszielen rund um die Plaza de la Catedral (Platz der Kathedrale) kombinieren. Ab der Plaza de Armas geht man zwei Blocks durch die Calle O’Reilly und schlägt dann den Weg ein in ein Gäßchen namens San Ignacio; bald kommt einer der beiden Kathedraltürme ins Blickfeld.

Okt 4

Ein Stück kubanische Wirklichkeit liegt in den Altstadtstraßen zwischen Plaza de Armas und Parque Central. Schon am frühen Morgen ist es über zwanzig Grad warm, noch liegt Schatten über den Warteschlangen aus Menschen. Gewartet werden muß überall, und die Geduld scheint vor den Ausgabestellen staatlicher Lebensmittelzuteilung groß und routiniert zu sein. Waren gibt es nur auf „libreta”, auf Schein. Angesichts all der wirtschaftlichen Mißstände muß die ma kellose Kleidung der Menschen erstaunen. „Lieber hungern als schlecht angezogen vor die Türe treten” — so hat es mir einige Tage später eine kubanische Lehrerin erklärt.
Wir sind verabredet mit dem Verantwortlichen für Havannas Zeitungsarchiv, treffen ihn in seinem Büro an der Calle Obispo, ein durch Neonlicht erhellter Raum ohne Fenster. Auch er ist gut gekleidet und gibt uns bereitwillig Auskunft zu staatlichen Bemühungen auf dem Erziehungssektor. Er lobt sein System in höchsten Tönen, schwenkt dann auf die Vorzüge des Gesundheitswesens über und spielt damit die größten Trümpfe pro Sozialismus aus. Sein Kommentar zur aktuellen Lage? Ein Verbaltanz um den heißen Brei. Immerhin gebe es negative Seiten, läßt er sich entlocken, wird aber nicht konkret. Angst vor den Abhöraktionen des staatlichen Geheimdienstes? Nun, bevor wir uns freundlich verabschieden, werden die Fehler im System pauschal entschuldigt. Schuld, ja Schuld, trügen im Grunde nur die USA mit ihrem Embargo. Wir treten wieder hinaus auf die Obispo, erkunden die Parallelstraßen Richtung Parque Central. Wir fühlen uns unwohl, nein, nicht bedroht, sondern es stinkt erbärmlich nach Moder, nach Fäkalien, nach den offenen Müllcontainern an den Ecken. Als wir einen halbverwesten Hund auf der Straße sehen, drehen wir ab und gehen zurück auf die Obispo. Wieder Schlangen vor den Läden; die Schaufensterauslagen in einem Schuhgeschäft sind erbärmlich. Gedränge vor einer „Casa Comisionista”, wo zum Beispiel Kleidung auf Kommission verkauft wird. Deprimierend ist allein die Beleuchtung in solchen Häusern; schummrigtristes Neonlicht flackert, mehr lassen der Energiemangel und die täglichen Stromsperren nicht zu. Wir erreichen den Parque Central. Einige Kinder wollen sich Kaugummis und Kulis erbetteln — ein Zeichen zumindest, daß die staat- liche Versorgung noch funktioniert und niemand Hunger leiden muß. Doch scharf auf solche „Luxusartikel” sind viele, da nützen all die sozialistischen Gleichheitsparolen nichts. Wir durchstreifen die Straßen hinter „Inglaterra”-Hotel und großem Theater. Man sieht zusammengebrochene Häuser, von den nur noch die Fassaden stehen. „Supermercados” (Supermärkte) sind nicht mehr als staatliche Zuteilungslager. Natürlich kann man auch als Tourist nichts kaufen — Bäckereien, Obststand, Fleischerei, es gibt nichts. Für den Touristen nicht, für den Kubaner nicht. Später gehen wir den Paseo de Marti Richtung Meer hinab und werden einige dekorative Fassaden gewahr mit kunstvoll ausstaffierten Balustraden, mit Topfblumen auf den Balkons und Wäscheleinen vor Stuckarbeiten. Doch dann sieht man wieder Bauten im Übergangszustand zu Ruinen, Putz blättert von den Wänden, Farbe ist seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetragen worden. Es mangelt an allem, an Geld, an Farbe, an Pinseln. Als Kubaner freut man sich allgemein über Kleinigkeiten: Deo, Seife, Creme, Toilettenpapier. Seinen Gästen kann man allenfalls Kaffee anbieten. Den gibt es in manchen „Cafeterias” an der Straße literweise zum Mitnehmen — für den, der die eigenen Behältnisse mitbringt und ein bis zwei Stunden Zeit zum Anstehen. Von der Marti-Promenade aus gehen wir am Gömez-Denkmal vorbei zum Palacio de la Artesania. Ein Mädchen spricht uns an, es mag sechs Jahre alt sein. Versteckt in der Hand hält es Intur-Geld, Blechmünzen, mit denen man offiziell in den Intur-Shops kaufen kann. Sie drückt uns das Geld fast in die Hand. „Huevitos de choco- late, seis bolsitas”, sagt sie geradezu befehlsmäßig und gibt uns zu verstehen, wir sollten im Intur-Shop sechs Tütchen Schokoladeneier kaufen. Denn: Kubaner kommen nicht rein in diese Geschäfte. In der zur Kathedrale führenden Gasse San Ignacio werden uns Tage dar- auf zwei Frauen mit ähnlichem Vorhaben ansprechen: Seifenkauf im Intur-Shop. Die Geschäfte werden vom Türsteher bewacht, der gelegentlich seine Landsleute wie räudige Hunde mit abwertenden Gesten davonjagt. Am Zugang zum Patio des Palacio de la Artesania geht es vergleichsweise „human” zu. Doch ob Seife oder Scho- koladeneier: Wir lehnen ab. Man mag sich jetzt empören. Doch wir sind einfach wütend und schockiert darüber, daß man uns wie selbstverständlich als „privilegierte Menschen erster Klasse” ansieht. Rassentrennung übelster Sorte — da liegt ein Fehler im System, den man nicht kitten kann mit Seife oder Schokoladeneiern. Das Bedürfnis in der Bevölkerung ist da. Ein wenig mehr Luxus für sich und seine Geschmacksnerven — wer wollte das nicht? Was, wenn die Touristen als große Solidargemeinde auftreten und jeder sich weigert, Botengänge in Intur-Shops zu unternehmen. Verstärkt sich solche kubanische „Lust auf Luxus” nicht auf Dauer, macht unzufrieden über den Tag hinaus, macht rebellisch gegen sinnlose Dekrete „von oben”…? All die Widersprüche stehen gegeneinander, und der größte begleitet einen von Rechnung zu Rechnung zwischen Reisebeginn und Reiseende: Verlangt werden harte US-Dollar, das Geld von Kubas größtem Klassenfeind. Am Nachmittag haben wir einen Termin bei der Nationalen Tourismusbehörde im „Focsa”-Gebäude im Stadtteil Vedado. Wir gehen — wie so oft — zu Fuß, diesmal nicht über den Malecön am Meer entlang, sondern durch farb- und trostlose Straßenzüge der Aveni- das Simön Bolivar und Salvador Allende. Havanna könnte eine faszinierende Stadt mit Stil sein, denn die Substanz ist da: wunderschöne Fassaden und Arkaden über Arkaden. Durch viele der malerischen Säulenreihen traut man sich indes kaum durch. Denn immer wieder werden die Bauten durch wenig vertrauenerweckende Holzgerüste gestützt und vor dem Einsturz bewahrt — vorläufig. Vor unserem Termin schieben wir eine Rast im Foyer des noblen Hotels „Habana Libre” ein, kommen mit einem Spanier ins Gespräch, der an der Uni studiert. Er beschwört uns, bei allem in Kuba Geduld zu bewahren. Seit Monaten ist er in Havanna, wertet den Unterricht positiv, doch möchte er einmal raus aus der Hauptstadt, aber wie? Und wie zurück, denn dieses Transportproblem sei mindestens genauso groß? Eine halbe Stunde später sitzen wir drei kubanischen Touristikchefs gegenüber. Falsche Freundlichkeit, Ausfragetaktik und Mißtrauen sind im Spiel. Sie suchen das Interview zum Tourismus auf eine bestimmte Schiene zu lenken, halten uns vielleicht für radikale Politjournalisten, wollen manipulieren und schönreden, wo es nur geht. Und über den Dreck in den Straßen wolle ich doch bestimmt nichts schreiben in meinen Buch, oder…? Vor Sonnenuntergang sind wir zurück in „unserem” Hotel „Caribbean” am Paseo de Marti. Als wir Licht im Zimmer machen, springen einige Kakerlaken vom Bettlaken. Später drehen wir eine schnelle Runde zu Fuß. Die Dunkelheit in den Straßen der Hauptstadt ist unheimlich, viele Laternen bleiben ausgeschaltet. Liebespaare schlendern über den Paseo, finstere Gestalten huschen vorbei. Fast lautlos bewegen sich Radler auf ihren unbeleuchteten Velos durch die Nacht. Der Lichtstrahl eines Autos hat Seltenheitswert. In der Ferne dröhnt ein schwerer Diesel. Wie gut, daß wir keinen ausgedehnten Verdauungsspaziergang nötig haben, denn zu verdauen gibt es wenig: Die Fleischreste rund um ein müdes Hühnerbein, Reis, ein Tellerchen Kohlsalat und eine Wassersuppe. Ich denke an den Konsum daheim, an randvolle Geschäftsauslagen in Vitrinen, an verstopfte Straßen, dann an die Verkehrsöde Havannas mit hoffnungslos über- füllten Gelenkbussen, an denen sich in der Mitte Menschen in dieser „Gummi-Ziehharmonika” krampfhaft festkrallen. Hat man Grund unzufrieden zu sein bei uns daheim, in diesem unserem Lande, wo die Kälte Mühe hat, sich in überfüllte Kühlschränke zu zwängen…?

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