Nov 13

Schon die südlich von Zamboanga gelegene Insel Basilan, eine Provinz mit rund 250.000 Einwohner, leidet unter dem Krisen-Image, seit separatistische Muslime Anfang der 70er Jahre die Waffen gegen die philippinische Regierung erhoben. Die Mehrheit der Bevölkerung, zu der auch Chabacano, Visayas-Siedler und Chinesen zählen, sind friedliebende Yakan, die austronesischen Ureinwohner der Insel, die im 14. Jh. von muslimischen Einwanderern aus Sumatra und Borneo ins Hinterland abgedrängt wurden. Früher Halbnomaden, leben die zum Islam konvertierten Yakan heute als seßhafte Bauern. Bei wichtigen Anlässen tragen sie traditionsbewußt wertvolle Kleidung, die zeigt, daß ihre Webwaren zu den besten Südostasiens zählen. Charakteristisch sind die von Mann und Frau gleichermaßen geschätzten Sinaluan, in dezenten Farben gestreifte Hosen, die unterhalb des Knies sehr eng sind.im Norden der gebirgigen Insel herrscht ein ausgeglichenes Klima mit gleichmäßig verteilten Niederschlägen, während es im Süden zwischen November und April sehr heiß und trocken ist. An landwirtschaftlichen Erzeugnissen hat Basilan einiges zu bieten. Vorrangige Produkte sind Holz und Gummi von Kautschukplantagen, die teilweise mit internationaler Beteiligung bewirtschaftet werden. Kaffee, Kakao, Pfeffer, Abaca, Kopra und Palmöl werden ebenfalls ausgeführt. Reiche Leute aus Basilan, aus den Visayas und Luzon investieren auf der Insel und halten als Großgrundbesitzer die Fäden in der Hand. So bebauen die Yakan nun seit fast 100 Jahren für andere das Land, das sie seit Urzeiten besessen haben. Und die ungerechte Besitzverteilung spielt eine nicht unbedeutende Rolle in den Konflikten, die nach offizieller Lesart nur rein religiöser Natur sein sollen. Isabela, die kleine Hauptstadt von Basilan, liegt an der Nordküste direkt im Windschatten der vorgelagerten Insel Malamaui. Die aus Zamboanga City kommende Fähre fährt vorbei an den Pfahlbauten der Badjao und Samal, die auf der kleinen Satelliteninsel siedeln. Außerdem bietet sie den schönen, privaten White Beach der einflußreichen Allano-Familie, der auch Fremden zugänglich ist. Lamitan, der zweite bedeutende Küstenort auf Basilan, liegt etwa 30 km östlich von Isabela. Interessant ist der hiesige Markt (donnerstags und sonntags), der alle Bevölkerungsgruppen zusammenführt. Ausdruck selbstbewußter Yakan-Kultur ist das alljährlich vom 24.-26. April gefeierte Erntefest Lami-Lamihan. In der Nähe von Lamitan kann man am Palm Beach baden, der Bulingan-Wasserfall liegt 12 km von Lamitan entfernt im Inselinnern. Ob das noch sehr traditionelle Fischerdorf Maluso an der Westküste gefahrlos besucht werden kann, hängt, wie alle Inseltouren, von der aktuellen Situation ab. Im Fühjahr 1993 befand sich Basilan plötzlich wieder im Kriegszustand. Militär bombardierte einige Dörfer, in denen muslimische Banditen vermutet wurden. Diese hatten Monate zuvor einen spanischen Missionar und einen kleinen Jungen entführt, die jedoch ihre Freiheit wiedererlangen konnten.

Nov 13

Dadiangas („Dornenbusch”), wie die im Mündungsgebiet des Buayan-Flusses gelegene Stadt General Santos City auch heißt, läßt sich natürlich auf dem Highway von Davao City über Digos schneller erreichen als über die Halbinsel der Provinz Davao del Sur. Schon ab circa 3500 v. Chr. war die für Seefahrer so einladende Sarangani-Bucht willkommenes Ziel protomalaiischer Einwanderer. Im 15. Jh. ließen sich mit Sharif Kabungsuan von Arabien muslimische Siedler im fruchtbaren Tiefland des südlichen Mindanao nieder. Einige der ansässigen Stämme wie die B’ laan, Tagabili und T’boli zogen in die umliegenden Berge, wo sie die Lehre Mohammeds und anfangs auch das Christentum nicht stören konnte. Dann kamen die Pioniere aus den Visayas und Luzon. Zu Ehren des als „Held des Fortschritts” gepriesenen Generals Paulino Santos, der 1939 den ersten großen Siedlertrupp nach Dadiangas brachte, wurde der Ort 1968 umbenannt. Den Pioniergeist übernahmen auch die Früchtemultis Dole und Stanfilco, die einen Großteil von der Provinz Südcotabato zu exportorientiertem Ananas- und Bananenland einebneten. Die über 200.000 Einwohner zählende Stadt hat ein modernes, etwas nichtssagendes Gesicht, was durch die schachbrettartige, weitläufige Straßenanordnung nur betont wird. Nach Marktbesuch und etwas Erfrischung in einem der mittelmäßigen Strandresorts ist das Besichtigungsprogramm ausgereizt. Über den Ort Polomolok, von wo ein Besuch der umliegenden Dole-Ananasplantagen möglich ist, führt die Straße an den Ausläufern des Mount Matutum (2295 m) entlang nach Koronadal. So nennen die Magindanao die Provinzhauptstadt, Marbel heißt sie bei den B’laan, der anderen hier ansässigen Ethnie. Wer hier Halt macht, sucht eigentlich nur den Anschlußbus oder -Jeepney zum Lake Sebu, der Heimat der T’boli. Umsteigen muß man nochmals in Surallah im Süden des fruchtbaren Alah-Tals.Lake Sehn, der eigentlich aus drei zusammenhängenden Seen — Sebu, Lahit, Siluton — besteht, erstreckt sich inmitten zauberhafter Landschaft. Das satte Grün, die kühle Frische der circa 900 m hoch gelegenen Region, eine spektakuläre siebenstufige Kaskade am Nordausgang des Sees und die erholsame Stille rundherum vermitteln den Eindruck, eine Insel des Friedens im unruhigen Mindanao erreicht zu haben. Lange Jahre war die Welt in den Tiruray-Bergen auch für die rund 150.000 Angehörigen der T’boli in Ordnung. Mit der fortschreitenden Wirtschaftsentwicklung in der Provinz drängen jedoch immer mehr Ilonggos, Bicolanos und Cebuanos ins Hinterland. Sie geben vor, die T’boli zu „zivilisieren”, und kaufen deren Land auf. Seitdem im Umland Gold gesichtet wurde, ist die traditionsreiche Kultur des Bergvolkes noch mehr bedroht. Im Umkreis des Sees und im Ort Lake Sehn, wie der neugegründete Verwaltungssitz heißt, hat sich die ansässige Santa-Cruz-Mission für die Rechte der T’boli stark gemacht. Der Besucher, dem im lang gezogenen Ort nun statt Missionsunterkunft ein öffentliches und mehrere einfache, private Gästehäuser zur Verfügung stehen, kann insbesondere auf Wanderungen um die Seen und in den Bergen noch einiges von der genügsamen, gastfreundlichen Lebensweise der T’boli erfahren. Der Samstagsmarkt beim Ort Lake Sebu ist die beste Gelegenheit der verstreut siedelnden Menschen, Waren und Informationen auszutauschen. Und wenn die T’boli dazu gerne ihre farbenprächtige traditionelle Festtagskleidung anlegen und Betelnüsse kauend miteinander palavern, dann stören die zugewanderten Händler aus dem Tiefland mit ihren Synthetikstoffen, Plastikspielwaren und plärren- den Kassettenspielern besonders. Das Dilemma der kulturellen Anpassung hat auch eine andere Minderheit Südcotabatos auszustehen: die knapp zwei Dutzend Mitglieder des 1971 „entdeckten” Stammes der Tasaday. Die 15 Jahre lang der Weltöffentlichkeit als „letztes Steinzeitvolk” präsentierten Menschen leb(t)en in Höhlen in einer unwegsamen Region der Tiruray-Urwälder westlich des Lake Sebu, die die Marcos- Regierung zu ihrem Schutz zum hermetisch abgeschirmten Reservat erklärte. 1986 wurden sie allerdings Thema einer vorläufig ad acta gelegten Kontroverse über die Authentizität ihrer steinzeitlichen Lebensweise. Den Verlauf der Weiterreise von Surallah oder Koronadal bestimmt weiterhin die momentane Sicherheitslage. Beide Cotabato-Provinzen, die dazwischen liegende Sultan-Kudarat- und die nordwestliche Maguindanao-Provinz sind relativ kritische Gebiete. Einheimische raten den Reisenden gern, die von muslimischen Unternehmen betriebenen Busse und Jeepneys zu besteigen. Denn die würden ja als Ziel der sporadischen Überfälle kaum in Frage kommen…

Nov 12

Nur durch eine schmale Landbrücke zwischen der Pagadian-Bucht im Süden und der Panguil-Bucht im Norden mit Nord-Mindanao verbunden, ragt der Westteil der großen Insel wie ein riesiger Henkel heraus. Die gebirgige Zamboanga-Halbinsel mit den Provinzen Misamis Occidental, Zamboanga del Norte und Zamboanga del Sur ist nur an den Küsten dichter besiedelt. Pagadian City, die Hauptstadt von Zamboanga del Sur, ist seit Jahren von Cotabato City nur mit der Fähre zu erreichen, da die Überlandstraße durch Kämpfe in Lanao del Sur teilweise zerstört ist. Für Reisende hat die hügelige Hafenstadt, gern unzutreffend „Linie Hongkong” genannt, außer der ab hier wieder funktionierenden Busverbindung nach Dipolog, Oroquieta und Zamboanga City nicht viel zu bieten. Allerdings gibt es auf der winzigen vorgelagerten Insel Dao-Dao und im rund 30 km östlich gelegenen Tucuran Badestrände. Höhlen, Seen und Wasserfälle hält das Hinterland bereit. In den Bergen nahe des 40 km südwestlich gelegenen Ortes Lapuyan leben Subanon, die zu den ältesten Ethnien Westmindanaos zählen. Über Ozamiz City, das Wirtschaftzentrum der Provinz Misamis Occidental, führt die Straße in die Provinzhauptstadt Oroquieta City. Im benachbarten Zamboanga del Norte hat das Dakak Beach Resort nahe des Städtchens Dapitan City von sich reden gemacht. Luxuriös und gut geführt, liegt es an einer romantischen Bucht zwischen hohen Felsen. Gute Tauchgründe auf See, Goldwäscher im Hinterland und eine anheimelnde ländliche Umgebung garantieren Abwechslung und Erholung. In Dapitan hielt sich von 1892-96 Jos Rizal auf. Allerdings unfreiwillig, denn die Spanier hatten den ungeliebten Intellektuellen hierhin verbannt. Dafür, daß der geruhsame Ort mit der sehenswerten St.-James- Kirche unter rotfunkelnden Flamboyant- Bäu inen durch ihn bekannt wurde, sind die Bewohner dem Helden noch heute dankbar. Der gepflegte Rizal Shrine, das Haus seiner Exiljahre, ein netter Park und einige nach seinen Romanen benannte Straßen zeugen davon. Unaufdringlich ist auch Dipolog City, die einstige Subanon-Gründung und Hauptstadt von Zamboanga del Norte. Von dort verkehren Auslegerboote zur Insel Aliguay, einem nahen Ausflugsziel für Strand- und Unterwasserfreunde.

Nov 12

Ausgesprochen aufregend, aber touristisch völlig unterentwickelt ist die Region südöstlich von Surigao City. Als Hochburgen der NPA-Rebellen und wegen massiver Militäraktionen haben die beiden Surigao-Provinzen viel Leid und Armut zu ertragen. In bestimmten Gebieten, wie südlich der Goldgräberstadt Placer, um Tandag und Lianga herum, sitzt noch eine andere Macht fest im Sattel: die Lost Commands, eine straff organisierte Privatarmee, die sich größtenteils aus unehrenhaft entlassenen oder desertierten Soldaten und Polizisten rekrutiert. Sie leben in Wehrdörfern mit ihren Familien, und das nicht schlecht. Denn sie kontrollieren die regionale Wirtschaft, sie heuern ganze Dörfer zum Goldschürfen und -waschen an, verdienen am ungesetzlichen Holzschlag, holen ihren Anteil von den Fischern, bestechen die Behörden und sind oft genug die Hintermänner bei Überfällen auf der schlecht befestigten Ostküstenstraße. Nebenbei bekämpfen sie abwechselnd Armee und Rebellen oder beide gleichzeitig. Kein Wunder, daß fremde Besucher in diesem „Wilden Osten” von Mindanao rar sind. Dabei wäre die bizarre Küste mit labyrinthartigen Inselbuchten, einsamen Stränden und dichtem Regenwald an den noch intakten Berghängen ein wahres Erlebnis. Bislang also können die Einheimischen das „Abenteuer”, in dieser Unsicherheit leben zu müssen, für sich allein beanspruchen. Insbesondere die Angehörigen der im Hinterland von Tandag, der Provinzhaupstadt von Surigao del Sur, lebenden Manobo. Seit Jahren sind sie im Kreuzfeuer von Rebellen, Soldaten und Großgrundbesitzern, womit sie die prekäre Lage anderer ethnischer Minderheiten, insbesondere auf Mindanao, teilen. Verkehrstechnisch tut sich zwischen Tandag und Mati, weit im Süden der Provinz Davao Oriental, nicht viel. Auf die Frage, ob ein Fahrzeug auf der miserablen Straße eintrifft oder weiterfährt — immer beschränkt sich die Auskunft auf das Wörtchen siguro — „vielleicht”. Somit hat sich an der Pazifikküste nicht viel geändert, seit hier spanische Seefahrer wie Rui Lopez de Villalobos Mitte des 16. Jh. erste Anlaufhäfen einrichteten. Doch schon ihnen war das Gelände zu rauh und unzivilisiert. Der Reisende kann sich jetzt zumindest an der reizvollen Landschaft erfreuen, wenn es ihn in die isolierte Gegend verschlagen sollte. Dschungel, der um Bislig, dem Zentrum der Holzindustrie, leider sehr bewirtschaftet wird, wechselt ab mit Stränden, Gebirgs- und Mangrovenküsten. Nach der Fahrt durch den „Wilden Ostens” sind saftige Vitaminpakete angebracht: In Mati an der Pujada Bucht dehnen sich wieder einmal Ananasplantagen aus. Von Surigao City aus führt der Highway nach Süden an Butuan City vorbei nach Davao City. Busse absolvieren die rund 350 km lange Strecke durch die Provinz Agusan del Sur nach Davao del Norte gewöhnlich im Eiltempo. Denn diese Nord-Süd-Trasse Mindanaos ist eine der wenigen durchgehend guten Straßen der Philippinen. Viel Zement vor Ort und militärische Anforderungen sind dabei mitverantwortlich. Hin und wieder hält der Bus doch. Mit Sicherheit in Tagum, 50 km vor Davao City, wo scharenweise Passagiere zusteigen, unter ihnen recht verwegen aussehende Gestalten. Was kaum überrascht, denn in der Nähe der Stadt liegen die berühmt-berüchtigten Goldminen von Diwalwal, ein Areal, das Scharen von Glücksrittern durchwühlt haben und das noch immer ansehnliche Mengen des schweren Metalls freigibt. Doch um welchen Preis! Hunderte von Goldgräbern haben im Lauf der Jahre bei Erdrutschen, Stollenbrüchen und Schießereien ihr Leben verloren. Noch so geringfügige Landdispute wurden mit dem Bolo, dem Haumesser ausgetragen, wegen Schnaps und Huren schlug man sich die Schädel ein. Lange Zeit war Diwalwal gleichbedeutend mit Gesetzlosigkeit und roher Gewalt, ganz im Stil des Wilden Westens zur Zeit des großen Goldrausches. Inzwischen ist das Fieber etwas abgeklungen, ein klein wenig Ordnung ist eingekehrt. Zahm ist der Ort allerdings noch immer nicht, und wer handfeste Abenteuer sucht, der ist in Diwalwal genau richtig.

Nov 11

Von Butuan aus erreicht man auf der gut ausgebauten Küstenstraße relativ bald Gingoog City in der Provinz Misamis Oriental. Nordöstlich davon liegt der Fischerhafen Balingoan, wo die Fährschiffe nach Camiguin Island ablegen. Seit die bergige, fruchtbare Insel 1991 via Cagayan de Oro und Cebu ans nationale Flugnetz angeschlossen wurde, hat sich die ehemals sehr beschauliche Atmosphäre etwas modernisiert. Trotzdem hat Camiguin seinen ländlichen Charme bewahrt, den noch bis vor wenigen Jahren nur ein kleine Zahl ausländischer Besucher genoß. Das nur etwa 300 qkm kleine Camiguin bietet vor allem großartige Landschaften. Sieben Vulkane drängen sich im Inselinneren, davon ist der 1332 m hohe Hibok-Hibok der höchste und einer der drei noch nicht erloschenen Feuerberge. Schön und bedrohlich ragt er hinter dem Hauptstädtchen Mambajao auf, das er beim großen Ausbruch von 1951 beinahe ausgelöscht hätte. Genug angerichtet hat er dennoch, denn durch die Eruption, die 160 km weit zu sehen war, und durch eine talwärts herunterrasende Gaswolke sind mindestens 500 Menschen umgekommen. Die daraufhin gegründete nationale Institution der Vulkanbeobachtung hält seither ein wachsames Auge auf den Hibok-Hibok, der als unberechenbar gilt. Eine Besteigung beginnt man also lieber erst nach einem Besuch in der PHILVOLC-Station, die in circa 400 m Höhe am Berg liegt. Von seiner Südwestseite bietet er einen herrlichen Anblick. Überall steht gesunder Urwald, Baumfarne gedeihen in schattiger Kühle, und Quellen sprudeln aus der Erde. Sehr eindrucksvoll ist der Tuwasan-Wasserfall, der aus über 30 m Höhe in einen natürlichen Pool prasselt. Es bleibt zu wünschen, daß das geplante Wasserkraftwerk nicht gebaut wird und man sich mit der per Seekabel aus Mindanao importierten Hydro-Elektrizität begnügen möge. Die 65 km lange Inselrundfahrt läßt sich im Jeepney in wenigen Stunden bewältigen. Doch zu einem längeren Aufenthalt animieren die faszinierende Natur und einige historische Sehenswürdigkeiten, wie verwitterte Kirchenruinen und ein angeblich versunkener Friedhof bei Bonbon, ein 300 Jahre alter Wachturm bei Guinsiliban im Süden oder die prähistorischen Höhlen von Magting — und die fast sprichwörtliche Freundlichkeit der Camigueitos. Ende Oktober sind die leckeren Lanzones-Früchte reif, und ihnen zu Ehren feiert Camiguin dann ein Festival. Mambajao kann eine Reihe netter Hotels und Pensionen vorweisen. Außerhalb des Städtchens locken dunkle Lavastrände, wo sich inzwischen einige, zum Teil schon luxuriöse Bungalowanlagen etabliert haben. Das oft gepriesene White Island, das aus bergiger Höhe wie ein leuchtendes Hufeisen im Blau der Mindanao-See wirkt, ist lediglich eine größere Sandbank mit wenig Schatten und begrenzten Schnorchelgründen. Mehr weißen Sand bietet Mantigue Island, auch Magsaysay Island genannt, an der Ostseite von Camiguin und von Binone oder Mahinog aus zu erreichen, doch leider sind auch hier die Korallenriffe überfischt worden. Umweltschutz tut not, damit der Besucher von Camiguin das beherzigen kann, was der Name der Insel anklingen läßt: „Come again!”

Nov 11

Auf der Karte sieht der äußerste Norden Mindanaos wie ein Zeigefinger aus, der sich anklagend gegen den Rest der Philippinen ausstreckt. An seiner Spitze liegt Surigao City, die Hauptstadt der Provinz Surigao del Norte, Verkehrsknotenpunkt für die gesamte Region und deshalb auch das „Tor zu Mindanao”. Wer um die Jahreswende durch dieses Tor tritt, muß jedoch mit einer sehr feuchten Begrüßung rechnen. Denn von Dezember bis Februar hält Surigao mit 1570 mm den philippinischen Regenrekord. Außerhalb dieser Monate, in die auch Taifune hineinstürmen können, ist die Stadt in der Tat ein Tor zu lohnenswerten Abstechern und Abenteuern. Das lebhafte Treiben auf dem Markt und der Hafen bieten allerlei Abwechslung. Wirklich interessant wird es auf den Inseln im Norden und Osten von Surigao. Auf Dinagat Island, etwa 50 km lang, läßt es sich wunderbar wandern und im sauberen Meer baden. Auf Nonoe Island wird in großem Stil Nickel abgebaut. Die größte östliche Insel ist Siargao Island mit dem Hauptort Dapa. Im Süden der Insel führt die Straße an malerischen Stränden vorbei. Auch Krokodile, einschließlich eines Menschenfressers werden von Siargao gemeldet. Reizvoll ist ein Ausflug in die Mangrovenwälder beim Ort Pilar. In der Umgebung von Surigao City gibt es mehrere Tropfsteinhöhlen zu erkunden, wie die Buenavista Cave, die Mapawa Cave und die Sohoton Cave mit einem unterirdischen Fluß. Eine der beiden Routen von Surigao City nach Süden führt auf gut ausgebauter Straße am reizvoll gelegenen Lake Mainit („Heißer See”) vorbei nach Butuan City, der Hauptstadt der Provinz Agusan del Norte. Hier, an der Mündung des Agusan, Mindanaos zweitlängstem Fluß, hat sich schon vor Jahrhunderten ein wichtiger Hafen und ein bedeutendes Kulturzentrum entwickelt. Berühmt wurde Butuan, als man 1976/77 im Ortsteil Libertad Teile zweier vorspanischer Boote fand. Schnell wurden sie mit den Balanghtii in Verbindung gebracht, dem Bootstyp, den Magellans Chronist Pigafetta 1521 beschrieben hat. Die Fundorte der mindestens 600, möglicherweise über 1000 Jahre alten Planken gaben nicht nur Hinweise auf den Verlauf der einstigen Hafenfront. Zusammen mit später entdeckten Skelettresten, Grabbeigaben, Schmuck und chinesischem Porzellan bestärkten sie die Archäologen in der Vermutung, Butuan sei die älteste Stadtsiedlung und ein bedeutender vorspanischer Hafen der Philippinen. Unbewiesen ist indes die Theorie der Einwohner Butuans, die behaupten, die Spanier hätten ihre erste Messe nicht auf Limasawa gefeiert, sondern in Butuan, das damals Masawa hieß. Gestützt haben die Bootsfunde hingegen die Überzeugung internationaler Seefahrtsarchäologen, daß schon die Austronesier, Vorfahren der Malaio-Polynesier und Madagassen, mit ähnlich konstruierten Schiffen ihre weiten Fahrten über Pazifik und Indischen Ozean durchführten. Zeigen die Butuan-Boote doch die gleiche Technik, mit der nachweislich vom 3. Jh. bis in die Gegenwart Bootsplanken miteinander „vernäht” werden. Ein (teilrestauriertes) Boot ist im Balanghai Shrine am Ausgrabungsort, etwa 5 km außerhalb des Stadtzentrums, zu besichtigen. Einige Funde befinden sich im Regional Museum bei der City Hall in Butuan, die meisten aber im Museum der XavierUniversität in Cagayan de Oro.

Nov 10

Wen wundert’ s, daß Siquijor kaum bekannt ist, wenn der Reisende schon auf Negros und Cebu vor einem Besuch der kleinsten Visayas-Inselprovinz gewarnt wird. Nicht Rebellen seien bedrohlich, nein, Hexerei und Voodoo heiße die Gefahr. Immerhin gilt die Insel als Zentrum Schwarzer Magie. Und das in einem Land, wo der Aberglaube Berge versetzen kann. Ein paar Dutzend der rund 75.000 Siquijodnons werden es schon sein, die als Magbabarang, „schwarze” Hexer oder Hexen, angeblich Unheil und Tod herbeizaubern können. Besser gelitten sind die Mananambals, „weiße” Geistheiler(innen), die Kranke auf wundersame Weise gesunden lassen. Unheimlich war das Eiland schon den Spaniern, die es, von mysteriösem Lichtschein verwirrt, Isla del Fuego tauften. Und eine „Feuerinsel” ist Siquijor auch laut Legendendanach hat sich die Insel urplötzlich mit Blitz und Donner aus dem Meer erhoben. Wer es heute jedoch wagt, von Dumaguete City aus Siquijor anzusteuern, findet sich auf einer völlig friedlichen Insel wieder. Freundliche Menschen winken bei der Landung im Hafen von Larena. Eine größtenteils gute Straße führt entlang der Küste, die oft steil über dem Meer aufragt, um dann wieder Mangroven und einladenden Stränden Platz zu machen. Wie Larena ist auch Siquijor, die Provinzhauptstadt, ein beschaulicher Ort. Bei San Juan, an einem der besten Strände der Insel, lockt das neu errichtete Coco Grove Beach Resort - mit Komfort und einem zuweilen flammenden Sonnenuntergang, der Siquijor und das am Horizont aufragende Negros wahrlich wie Feuerinseln erscheinen läßt. Auch die Strandanlagen bei Palitan, Salag Do-Ong im Osten und Sandugan nördlich von Larena beweisen, daß sich Siquijor aus der „verhexten” Isolation lösen will. Historisch bedeutsam ist des Landes größte, älteste Klosterschule aus dem Jahr 1891 in Lazi, wo noch heute auf knarrenden Dielen die Leviten gelesen werden. Wer jedoch dem geheimnisvollen Naturglauben der Siquijodnons auf die Schliche kommen will, sollte während der Karwoche nach San Antonio ins bergige Innere reisen. Dort treffen sich dann die Munanambals und brauen aus Pflanzen und Insekten das Elexier für das nächste „zauberhafte” Jahr. Auch auf dem Krokodilsberg im Hinterland von Lazi kommt man in einer sommerlichen Vollmondnacht „zu Potte”, wenn beim Hexenfest die Dörfler wie Spukgestalten um den großen Medizinkessel tanzen.

Nov 10

Mit rund 8000 qkm steht Leyte auf Platz acht der philippinischen Inselgrößenordnung. Zur Nationalgeschichte hat sie stets wichtige Daten beigesteuert. Anfang April 1521 ließ Ferdinand Magellan auf dem südlich vorgelagerten Eiland Limasawa die erste katholische Messe auf philippinischem Boden lesen. Einem anderen Ferdinand wurde auf Leyte einige Jahrhunderte später seine Imelda geboren. 1944 watete General Douglas Mac-Arthur an der Ostküste an Land, um sein Versprechen einzulösen, die Japaner zu verjagen. 1991 forderte die Flutkatastrophe von Ormoc mindestens 7000 Menschenleben und machte dem Land und der Welt deutlich, daß der Raubbau an den philippinischen Wäldern endlich ein Ende haben muß. Reich an Geschichte, aber arm an Existenzgrundlagen ist die Insel für die meisten der über 2 Millionen Leytenos. Denn das Innere ist von einem kaum erschlossenen Gebirge durchzogen, das den Großteil der Bevölkerung an die Küsten zwingt. Die Kopraproduktion ist ihr Haupterwerb, neben Holzwirtschaft und Fischfang. Zwei Sprachgruppen teilen die Bewohner von Leyte: Im Nordosten und Osten wird, wie auch auf Samar, Waray-waray, im Süden und Westen Cebuana, die Sprache der westlichen Nachbarinsel gesprochen.
Hauptstadt und Wirtschaftszentrum ist Tacloban im Nordosten. Ein Besuch im betriebsamen Hafen lohnt sich ebenso wie ein Bummel über den Markt. Gute Hotels und Restaurants machen einen längeren Aufenthalt angenehm, und auch abends ist in Tacloban etwas los. Auf dem vorgelagerten Eiland Dio steht das einstige Gästehaus der Marcos-Familie, eines von vielen, die überall im Land errichtet wurden, und möglicherweise das protzigste. Ab 1986 wurde hier lange und vergeblich nach einem Schatz gewühlt, den der Diktator vergraben haben soll. Jetzt steht das ominöse Haus auch dem gemeinen Volk zur Besichtigung offen. Die Ostküste südlich von Tacloban ist wenig interessant. In Palo gehen markige Krieger an Land: Die bronzene MacArthur-Gruppe — von seichtem Meerwasser umspült — erinnert an den Beginn des blutigen Kampfes um die Philippinen. Der Ort Tolosa, wo die frühere First Lady Imelda in ihre Glitzerwelt geboren wurde, ist ein eher fades Nest. Bei Dulag kann man zur einer Erkundung des Landesinneren aufbrechen. Bis zum Ort Burauen fahren Autos, dann folgen bis Ormoc City an der Westküste circa 40 km Fußpfad unterhalb des 1349 m hohen Mount Lobi. Die Route führt durch den Leyte National Park. Vorbei an den malerischen Seen Mahagnao, Casudsuran und Imelda führt der sogenannte Leyte Trail, den 1981 eine australische Gesellschaft zur Tourismusförderung initiiert hat. Hauptsächlich diente er jedoch als Kopie des Ho-Tschi-Minh-Pfades, den NPA-Kriegern als Versorgungsweg. Ob das Gelände sicher ist, sollte beim Department of Tourism in Tacloban bekannt sein. Nichstdestotrotz: Die Leute von Leyte gehören zu den freundlichsten Einwohnern der Philippinen! Etwa 20 km südlich von Dulag drängen bei Abuyog Steilküsten die NordSüd-Fernstraße durch Leyte vom Ufer ins bergige Innere der Insel ab. Bei Sogod gabelt sie sich. Die Ostabzweigung endet an der imposanten Hochbrücke nach Liloan auf der Insel Panoan. Fährt man bei Sogod jedoch westlich der Sogod Bay weiter, errreicht man in Padre Burgos die Südspitze Leytes. Wer dann wieder auf Magellans Spuren wandeln will, kann sich von hier zur Insel Limasawa übersetzen lassen und darüber meditieren, wie sehr der erste Insel-Gottesdienst Magellans das religiöse Schicksal des ganzen Archipels beeinflußt hat. An der Westküste gibt es in Maasin, der Hauptstadt der Provinz Süd-Leyte, sowie in Hilongos und Baybay spanische Kirchen zu bewundern. Die nächste große Küstenstadt ist das unglückselige Ormoc City im nördlichen Leyte. Zwar geht es hier wieder normal zu, doch die Sintflut von 1991 wird noch lange nachwirken. Erstmals sucht man — vorbildlich in den Philippinen — nach einem ökologisch Schuldigen. Fraglich ist nur, ob er je gefunden wird. Im Norden prägt zunächst die bäuerliche Insel Biliran, eine Provinz von Leyte, das Landschaftsbild. Die schmale Passage überspannt eine Brücke. Der 1187 m hohe Mount Biliran, ein erloschener Vulkan, ist ein schnell erreichtes Ziel, wenn nicht gerade NPA-Rebellen den Berg für sich beanspruchen. Ansonsten lohnt sich ein Besuch an der romantischen Bucht bei Almeria.

Nov 9

Samar, die drittgrößte Insel der Philippinen, war das erste feste Stück Land in Asien, das der Ausguck von Magellans Flotte 1521 ausrufen konnte. Dem Grundsatz getreu, erst einmal kleinere Eilande vorsichtig auszuspähen, segelten die Europäer jedoch an Samar vorbei und steuerten die der Südküste vorgelagerte Insel Humunu, heute Homonhon, an. Magellan erschienen die Küsten von Samar wohl zu unwirtlich, um dort vor Anker zu gehen. Viel scheint sich daran bis heute nicht geändert zu haben. Trotz reicher Bodenschätze und riesiger Waldgebiete, die bis zu Beginn des Jahrhunderts noch fast die ganze Insel bedeckten, und trotz einer fischreichen See ist Samar eine der ärmsten Regionen der Philippinen. Die Insel, von Südluzon durch die tückische San-Bernardino-Straße getrennt und im n Süden mit Leyte durch die 2 km lange San-Juanico-Brücke verbunden, ist mit rund 2 Millionen Einwohner sehr schwach bevölkert. Samar ist unterteilt in die drei Provinzen Ost-, West- und Nordsamar. Rund 180 kleine Inseln gehören ebenfalls dazu. Tourismus ist ziemlich unbekannt, mit Superstränden kann die Insel nicht locken, und außerhalb der betonierten Hauptstraße entlang der Westküste bis hinüber nach Leyte hat sich am Verkehrssystem seit Magellans Zeiten wenig geändert. Neben der exponierten Lage im Taifungürtel bekommt Samar bis auf die Monate Mai und Juni viel Regen mit. Entsprechend gestaltet sich dann auch das Reisen: schlammig. Zudem sind, insbesondere im Innern und an der Ostküste, die Guerilleros der NPA recht aktiv — mit der einzige Anlaß, in lokalen Medien etwas über Samar zu erfahren. Dennoch, der spröde Charme der Insel kann auf Reisende wirken, die nicht gerade Luxusresorts und Sensationen erwarten. Die tosende Brandung der Ostküste, die noch dichten Urwälder im Hinterland, die schönen Tauchreviere im Süden — es gibt so einiges zu entdecken. Wer auf dem Land- bzw. Seeweg anreist, landet gewöhnlich mit der Autofähre von Matnog auf Süd-Luzon in San Isidro oder Allen im Nordwesten Samars. Die drei größten Städte, Catarman im Norden, Calbayog und Catbalogan im Westen, sind wenig einladend, stellen aber günstige Exkursionsbasen dar. Vor der Westküste liegen die vielen Inselchen in der Samar-See. Hier könnte noch mancher Geheimtip auf Erkundung warten. Im Zentrum des urwüchsigen Nordostens liegt an einer malerischen Bucht der Ort Palapag, wo früher spanische Galeonenfahrer nach stürmischer Pazifikreise erst einmal verschnaufen konnten. Der Südosten entspricht schon eher dem Klischee einer Tropeninsel, und das sollte Samar, direkt am Rand der Südsee, doch eigentlich sein. Das Küstenstädtchen Borongan, über eine neue Straße mit dem Highway im Westen verbunden, bietet eine saubere Badebucht und vorgelagerte Inseln, die zu Robinsonaden verleiten. Vereinzelt machen hier auch die Mangroven, die weite Küstenstriche Samars in unzugängliches Sumpfland verwandeln, mächtigen Saumriffen und stillen Lagunen Platz. Vollends pazifisch wird es dann auf der schmalen (Halb-)Insel, die sich südlich des hübschen Ortes Guivan, einem Wurmfortsatz ähnlich und über niedrige Brücken ans Festland gekoppelt, in den Ozean hineinstreckt. Gefährliche, von der hohen Brandung umspülte Riffe wechseln sich ab mit ruhigen Strandpartien. Taucher sind fast die einzigen Menschen auf der Caliocan-Insel, wo sie unter Lebensgefahr goldfarbene Kauri-Schnecken aus der See herausholen. Diese „Blaue Mauritius” für Muschelsammler kann mit ihrem Wert den Finder, falls er wieder heil aus kochender Brandung und reißender Strömung auftaucht, ganz nett entschädigen. Von Guivan ist auch die Homonhon- Insel erreichbar. Dort knirscht selbst der Sand gewissermaßen historisch, und alles wirkt noch wie im März 1521, als Magellan hier seinen Fuß auf den Strand setzte. Auf halbem Wege dorthin liegen herrliche Riffe mitten auf hoher See. Weniger abwechslunsgreich ist der Rest von Samars Südküste. In Balangiga müßte den Besucher der freundliche Empfang eigentlich verwundern. Denn hier war der Schauplatz des berüchtigten „Massakers von Balangiga”, das 1901 amerikanische Soldaten anrichteten. Als Rache dafür, daß ein Teil der Bewohner ihre Garnisonsbesatzung überfallen und zur Hälfte niedergemacht hatte, brachten die Kolonialherren 10.000 Filipinos aus der Ortschaft um und terrorisierten Balangiga zwei Jahre lang. Immerhin wurde der verantwortliche General Smith zum Ruhestand verurteilt, nachdem in den USA die Öffentlichkeit protestiert hatte. Eine Gedenktafel erinnert an das brutale Geschehen, das so manches Vietnam- Greuel vorweggenommen zu hat.Der südöstliche Ort Basey ist Ausgangspunkt für die Flußexpeditionen zum Sohoton National Park. Das beeindruckende Tropfsteinhöhlen-System ist zu Samars erstem Touristenziel geworden. Nach etwa fünf Stunden Flußfahrt und kurzem Fußmarsch erreicht man die Sohoton-Höhlen, deren Formationen zu den schönsten im ganzen Land gehören. Leider hat die Insel Samar nicht viel von dieser Attraktion. Die meisten Höhlenbesucher reisen aus dem nahen Tacloban auf Leyte an und geben ihr Geld auch dort aus. Doch die Samaretios sind dergleichen gewöhnt. Immer waren es andere, die sich mit vollen Händen bedienten. Zu Marcos’ Zeiten war Samar wie ein Kuchen zur Ausbeutung der Naturschätze aufgeteilt worden. Ein gutes Geschäft, nur auf der Insel schlug sich davon nichts nieder. Stattdessen suchen Samar jährlich die Taifune heim, die Geburtenrate schwappt über. Die Armen wandern aus, bis nach Manila, wo sie noch ärmer werden. Keine rosige Zukunft für die drittgrößte Insel der Philippinen.

Nov 8

Leuchtend weht die Nationalflagge vor den Rathäusern. Sie, die Aguinaldo am 16. Juni 1898 erstmals gehißt hatte, soll die Tugenden der Filipinos symbolisieren. Sie zeigt ein weißes Dreieck auf blau-rotem Grund, eine strahlende Sonne und drei leuchtende Sterne. Frieden bedeutet die Farbe Blau, Rot steht für Tapferkeit und weht im Kriegsfall denn auch oben, Weiß heißt natürlich die Reinheit. Die Sonne ist die Freiheit, und ihre acht Strahlen vertreten die acht Provinzen, die sich gegen die Spanier auflehnten. Luzon, die Visayas und Mindanao sind als drei Sterne wiedergegeben. Mit gutem Recht ist die Region der Visayas im Landeswappen integriert. Machen die vielen Inseln und Inselchen doch mehr als die Hälfte des gesamten Archipels aus. Sie liegen mitunter so dicht, daß manches noch so kleine Eiland ringsherum von Nachbarinseln umgeben ist. Die großen Brocken Panay, Negros und Cebu liegen fast parallel nebeneinander. Zusammen mit dem rundlichen Bohol bilden sie die politische Region der westlichen und zentralen Visayas. Das Inselpaar Samar und Leyte stellt die östliche Region dar. Ein Gemisch von Völkern, Sprachen und Gebräuchen ist hier zu Hause. Dörfliche Idylle und Ruhe überwiegen, aber auch provinzielle Verstädterung macht sich breit. Bittere Armut treibt viele Küsten- und Hinterlandbewohner aus der Rückständigkeit in die hektischen Ballungsräume und in andere Provinzen. Leute aus den Visayas sind überall auf den Philippinen anzutreffen. Schon durch ihre singende Sprache fallen sie auf, ihre Lebensfreude ist sprichwörtlich. Die fast fanatische Hingabe der Männer an den Hahnenkampf, die spielerische und überspielende Lässigkeit, dem Ernst des Daseins das Beste abzugewinnen, werden von Filipinos anderer Regionen teils belächelt, teils bewundert. Doch diese einladende Geisteshaltung und vielfältige geographische Zutaten haben der Visayas-Region ein
gewisses touristisches „Privileg” verschafft. Von Samar und Leyte abgesehen, liegen zumindest die zentralen und westlichen Inseln klimatisch günstig. Eine allgemein zutreffende Zweiteilung in Trokken- und Regenzeit, nur selten von Taifunen oder deren Ausläufern gestört, hält die Devisenbringer aus dem Ausland dort relativ lange vor Ort. Die nun von mehreren internationalen Luftfahrtgesellschaften eingerichteten Direktflüge zur Inseldrehscheibe Cebu bestätigen die Schwerpunktlage der Visayas. Schon der Name der Inselregion hat seinen Ursprung in der Fremde: Einwanderer aus dem Südwesten ließen sich im 13. Jh. auf den zentralphilippinischen Inseln nieder. Sie waren vor der Tyrannei der Sultane von Borneo geflohen, das im Machtbereich des indisierten Großreiches Sri Vijaya lag. Bekanntlich ist der Begriff Visayas nicht das einzige Mitbringsel der frühen Kolonisatoren, denen die lokalen Idiome die Anreicherung durch Sanskrit und Tamil verdanken.

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