Leuchtend weht die Nationalflagge vor den Rathäusern. Sie, die Aguinaldo am 16. Juni 1898 erstmals gehißt hatte, soll die Tugenden der Filipinos symbolisieren. Sie zeigt ein weißes Dreieck auf blau-rotem Grund, eine strahlende Sonne und drei leuchtende Sterne. Frieden bedeutet die Farbe Blau, Rot steht für Tapferkeit und weht im Kriegsfall denn auch oben, Weiß heißt natürlich die Reinheit. Die Sonne ist die Freiheit, und ihre acht Strahlen vertreten die acht Provinzen, die sich gegen die Spanier auflehnten. Luzon, die Visayas und Mindanao sind als drei Sterne wiedergegeben. Mit gutem Recht ist die Region der Visayas im Landeswappen integriert. Machen die vielen Inseln und Inselchen doch mehr als die Hälfte des gesamten Archipels aus. Sie liegen mitunter so dicht, daß manches noch so kleine Eiland ringsherum von Nachbarinseln umgeben ist. Die großen Brocken Panay, Negros und Cebu liegen fast parallel nebeneinander. Zusammen mit dem rundlichen Bohol bilden sie die politische Region der westlichen und zentralen Visayas. Das Inselpaar Samar und Leyte stellt die östliche Region dar. Ein Gemisch von Völkern, Sprachen und Gebräuchen ist hier zu Hause. Dörfliche Idylle und Ruhe überwiegen, aber auch provinzielle Verstädterung macht sich breit. Bittere Armut treibt viele Küsten- und Hinterlandbewohner aus der Rückständigkeit in die hektischen Ballungsräume und in andere Provinzen. Leute aus den Visayas sind überall auf den Philippinen anzutreffen. Schon durch ihre singende Sprache fallen sie auf, ihre Lebensfreude ist sprichwörtlich. Die fast fanatische Hingabe der Männer an den Hahnenkampf, die spielerische und überspielende Lässigkeit, dem Ernst des Daseins das Beste abzugewinnen, werden von Filipinos anderer Regionen teils belächelt, teils bewundert. Doch diese einladende Geisteshaltung und vielfältige geographische Zutaten haben der Visayas-Region ein
gewisses touristisches „Privileg” verschafft. Von Samar und Leyte abgesehen, liegen zumindest die zentralen und westlichen Inseln klimatisch günstig. Eine allgemein zutreffende Zweiteilung in Trokken- und Regenzeit, nur selten von Taifunen oder deren Ausläufern gestört, hält die Devisenbringer aus dem Ausland dort relativ lange vor Ort. Die nun von mehreren internationalen Luftfahrtgesellschaften eingerichteten Direktflüge zur Inseldrehscheibe Cebu bestätigen die Schwerpunktlage der Visayas. Schon der Name der Inselregion hat seinen Ursprung in der Fremde: Einwanderer aus dem Südwesten ließen sich im 13. Jh. auf den zentralphilippinischen Inseln nieder. Sie waren vor der Tyrannei der Sultane von Borneo geflohen, das im Machtbereich des indisierten Großreiches Sri Vijaya lag. Bekanntlich ist der Begriff Visayas nicht das einzige Mitbringsel der frühen Kolonisatoren, denen die lokalen Idiome die Anreicherung durch Sanskrit und Tamil verdanken.
Wie ein betagter Bumerang erscheint die Form der Inselprovinz Masbate auf der Karte. Die Nähe zu den Luzon-Provinzen Albay im Norden und Sorsogon im Nordosten hat der Insel und ihren beiden Satelliten Ticao und Burias die politische Zugehörigkeit zur Bicol-Region eingebracht, geographisch zählen sie jedoch noch zum Romblon-Archipel. Die Spanier haben Masbate schon früh, im 16. Jh., ausgekundschaftet und einige Goldadern entdeckt. Später machten ihre Galeonen auf Ticao häufig Station, bevor sie nach Mexiko in See stachen. Schließlich wurde ein Teil des Waldes von Masbate für den Schiffsbau abgeholzt, die Werften der Insel hatten in der Kolonie einen guten Ruf. Als um 1900 beim nordwestlichen Ort Aroroy ein Goldrausch losbrach, nahm die Bewohnerzahl schlagartig zu. Auch heute wird in Aroroy noch Gold abgebaut, doch die große Zeit dieses Edelmetalls ist vorbei. Man kann die Insel ohne weiteres eines der rückständigsten Gebiete der Philippinen nennen, sowohl im guten wie im abwertenden Sinn. Die unverfälschte, traditionsbewußte Lebensart auf dem Land macht die Insulaner liebenswert. Andererseits haben politische und wirtschaftliche Verhältnisse Masbate den Titel „Wilder Westen” eingebracht. Und das will etwas heißen in einem Land, das oft genug selbst so bezeichnet wird. Die Tatsache, daß auf Masbate in großem Stil Vieh gezüchtet wird, wodurch die Insel zur philippinischen Fleischkammer ge- worden ist, mag das Western-Image nur zum Teil erklären. Vielmehr haben die herrschaftlichen Voraussetzungen — die Großgrundbesitzer, Viehbarone und deren Eigenart, Meinungsverschiedenheiten ohne langes Zögern durch ihre „Beauftragten” mit dem Schießeisen regeln zu lassen — den einschlägigen Ruf gefestigt. Natürlich hat die Mehrheit der Masbaterios kaum einen Vorteil davon. Die Provinz gehört zu den konstanten Schlußlichtern auf der Skala lokaler Bruttosozialprodukte. Darin dürfte sich auch so bald nicht viel ändern. Anders als die umliegenden Inseln besitzt Masbate keine sehr anmutige Landschaft. So hübsch und grün wie die unmittelbare Umgebung der Provinzhauptstadt Masbate stellt sich das Landesinnere infolge großflächiger Abholzung im Dienst der Viehzucht schon lange nicht mehr dar. Darin ähneln manche Inselteile ebenfalls den Prärien des amerikanischen Westens, mancherorts könnte man sich jedoch schon in der Sahelzone wähnen. Hin und wieder zeigen sich Küstenstriche mit verlockenden Stränden, wie bei Mobo im Süden von Masbate oder beim Hauptstadtvorort Tanod, doch komfortable Unterkünfte oder einigermaßen bequeme Transportwege für Besucher gibt es nicht. So bleibt die Bevölkerung, vorwiegend Leute aus Luzon und den Visayas, erst einmal unter sich und lebt weiterhin von Landwirtschaft und Fischfang.
Der Mayon, mit 2462 m einer der höchsten Berge der Philippinen, wird als „Vulkan mit der perfektesten Kegelform” gepriesen. Es mag schwärmerisch übertrieben sein, doch er ist tatsächlich ein schöner Berg. Das bedeutet schließlich das Bicolano-Wort magayon: schön. Allerdings legt der malerische Riese mitunter ein ausgesprochen häßliches Verhalten an den Tag. Unmittelbar am Rand des Philippinengrabens aufragend, dort, wo sich in der Tiefe eurasische und philippinische Platte aneinanderreiben, erhält der Vulkan ständig magmatischen Druck aus der Unterwelt. Der Mayon ist einer der aktivsten und wegen der umgebenden hohen Siedlungsdichte destruktivsten Vulkane des Landes. Mit verheerenden Folgen ist er seit der ersten dokumentierten Eruption im Jahre 1616 etliche Male ausgebrochen. Die gewaltige Entladung am 1. Februar 1814 war das bislang schlimmste Ereignis in seiner „Karriere”. Mehrere Ortschaften wurden völlig zerstört, über 1200 Menschen starben. Von dem Städtchen Cagsawa blieb nur die noch sichtbare Kirchturmspitze übrig — alles andere wurde unter Schlammlawinen begraben. Die Überlebenden errichteten in der Nähe eine neue Kirche und den Ort Daraga. Die letzten großen Eruptionen fanden 1984 und 1993 statt; weitere werden zweifellos folgen. Ruhend stellt der Berg ein faszinierendes Kletterziel dar. Einfach ist der mindestens zweitägige Aufstieg allerdings nicht. Besonders in Kraternähe wird die Tour sehr schwierig und stellenweise sogar gefährlich. Die überwältigende Gipfelaussicht macht dann aber alle Mühe wieder wett. Legaspi City, nach dem ersten Generalgouverneur der Philippinen Miguel Lopez de Legazpi benannt, wurde erst 1639 gegründet. Die heutige Hauptstadt der Provinz Albay am Fuße des Mayon ist besonders wegen der reizvollen Umgebung einen Besuch wert. Echte Sehenswürdigkeiten hat die Stadt selbst nicht zu bieten, doch die Atmosphäre ist freundlich. Der städtische Markt zeigt viele der lokalen Handwerksprodukte, meist aus Abaca, und natürlich die Spezialität Bicols, die längliche Pili-Nuß. In der 1834 erbauten Kirche St. Raphael steht ein klotziger Altar aus einem behauenen Vulkanbrocken. An die schlimme Zeit unter den Japanern und die getöteten Patrioten erinnert das „Kopflose Denkmal” am Hafen. 25 km nordwestlich von Legaspi City liegen die Hoyop-Hoyopan-Tropfsteinhöhlen bei Camalig. Als Teil eines weiten Kalkfelslabyrinths haben sie außer unzähligen Fledermäusen auch eine wissenschaftliche Attraktion zu bieten: Hier wurden 1972 Knochen und Grabbeigaben gefunden, die zwischen 2000 und 4000 Jahre alt sein könnten. Im kleinen Museum bei der Kirche von Camalig sind einige Exponate zu bewundern. In dem Ort am Fuße des Mayon stehen noch einige schöne Häuser aus dem 19. Jh. Ein langer Lavastrand erstreckt sich nördlich von Legaspi City 11 km entlang der Westküste des Albay-Golfs. Am Ende liegt Santo Domingo, ein gemütliches Dorf mit kleinen Strandanlagen. Bessere Bademöglichkeiten bestehen im Nordzipfel des Golfs; sie sind per Boot erreichbar. Schwimmen kann man auch an den Stränden der vorgelagerten Inseln Cagraray, Batan und Rapu Rapu, die mit sauberem Wasser, weißem Sand, guten Tauchgründen und an den Nordküsten mit einem herrlichen Blick auf den mächtigen Mayon locken. In Tiwi, nahe der wichtigen Hafenstadt Tabaco nördlich von Legaspi City, erhebt sich ein riesiges Thermalkraftwerk. Bis zu Beginn der 80er Jahre war Tiwi ein verträumter Kurort. Die Stromerzeuger brachten zwar Leben ins Dorf, doch gleichzeitig gruben sie den heißen Quellen den Dampf ab. Die Resortbesitzer protestierten, und heute wird das Gelände künstlich bedampft. Wer’s nicht weiß, den macht’s nicht heiß — Tiwis wiedergeborene Thermalquellen locken mehr Gäste an als je zuvor. Hier sind nicht nur Heilbäder, sondern auch die Umwelt ist heil. Die Erdwärmeabfälle, vor allem Säuren, landen nicht mehr im Meer sondern wieder im Energiekreislauf.
Zurück auf der Nationalstraße, liegt an der Nordostküste Atimonan, wo die ruhige Kleinstadtatmosphäre zur Übernachtung und zum Besuch der alten Kirche einlädt. Hier verkehren Boote zur vorgelagerten, recht urwüchsigen Insel A labat. Die Weiterreise nach Osten führt an einer Mangrovenküste entlang, die Ortschaften wirken verschlafen und recht öde. Anmutiger ist Daet, Hauptstadt der Provinz Camarines Norte. Jetzt kommt endlich einer der schönsten Strände der Region in Sicht. Der 5 km außerhalb von Daet gelegene Bagasbas-Strand ist, abgesehen von Fischern, so gut wie leergefegt und bis auf eine kleine Verzehrbude ohne touristische Anlagen. Von Daet kann der Strandwanderer in einer Stunde den pittoresken Fischerort Mercedes erreichen. Wer nicht auf der vorgelagerten Insel Apuao Grande faulenzen will, kann sich kurz hinter Daet eine Lektion in Sachen Naturzerstörung holen. Der Bicol National Park offenbart, was menschlicher Unverstand mit der einst so üppigen Flora angerichtet hat. Am Eingang laden zwar Schilder zum Naturerlebnis ein, doch der Park existiert nicht mehr. Friede seiner Asche! Hunderte von verarmten Kleinbauern, teilweise von skrupellosen Lokalpolitikern angesiedelt, haben das vormals intakte Urwaldgebiet in eine schwarze Wüste verwandelt. Was noch spärlich grünt, wird zu Holzkohle verbraten. Auch die beidseitig der Straße schnell wachsenden Silberakazien können das Ödland nicht verbergen. Naga, die Hauptstadt von Camarines Sur, hat das Flair einer Provinzmetropole. Sie kann gute Hotels und Restaurants vorweisen, in Eiscaf6s und Diskos trifft man auf die gelassene Natürlichkeit, die die Bicolanos auszeichnet.
Caeeres von Extremadura-Spaniern 1575 an der Stelle der Ibalon-Siedlung Naga gegründet, zählt der Ort zu den ältesten philippinischen Städten. Doch so früh die Europäer sich hier niedergelassen hatten, so vorzeitig wurde ihnen Naga auch wieder leid. Wiederholte Aufstände der Indios zwangen die Spanier, sich schon vor der Übernahme durch die Amerikaner aus Bicol zurückzuziehen. Die 1578 erbaute San-Francisco-Kirche wurde bei einem Erdbeben 1915 bis auf einen Turm zerstört und durch ein ziemlich häßliches Gotteshaus ersetzt. An 15 Patrioten aus Naga, 1896 von den Spaniern hingerichtet, erinnert das Quinze-Martires-Monument auf dem Platz gegenüber der Kirche. Ein weiteres Bauwerk aus der Zeit, als die Franziskaner in Bicol herrschten, ist die Kathedrale von Naga. 1595 erbaut und mehrfach durch Feuer, Erdbeben und Taifune zerstört, ist sie 1890 zum vorerst letzten Mal wieder aufgebaut worden. Hoch her geht es in Naga alljährlich am dritten Wochenende im September, wenn die Flußparade zu Ehren der Jungfrau von Petiafrancia, Schutzpatronin aller Bicolaner, Stadt und Umgebung in Atem hält. Mittelpunkt des fromm-fröhlichen Festes ist ein aus Spanien stammendes, wundersames Marienbildnis. Sieben Tage lang wird gefeiert und die Ikone inbrünstigst in der Kathedrale angebetet, um dann in prächtigem Bootskorso zu ihrem angestammten Schrein am Ufer des Naga-Flusses heimzukehren. Außer dieser Attraktion locken Wasserfälle und Quellen beim östlich gelegenen Ort Panicuason oder die Höhlen im Nordwesten von Naga bei Libmanan.Bei Pili ist ein Abstecher nach Sabang am Lagonoy-Golf möglich, wo Schwertfische gefangen werden. Wer eine ausgefallene „Werft” besichtigen will, kann auf gleicher Route in Tigaon bei der deutschen Firma „Buddl-Bini” vorbeischauen. Sie stellt massenhaft Buddelschiffe für den Export her. Ein regionaler Knotenpunkt ist Inga City, die nächstgrößere Stadt auf dem Weg nach Süden. Überragt wird sie vom 1143 m hohen Vulkan Iriga, auch als Mount Asog bekannt. Die Agta, die „Negritos” von Bicol, leben an den oberen Hängen auf dem Land ihrer Vorfahren, die zu den Ureinwohnern des Landes gezählt werden. Laut neueren Forschungsergebnissen soll der jetzt „schlafende” Berg noch Anfang des 17. Jh. ein ähnlich perfekt geformter Kegelvulkan gewesen sein wie der „große Bruder” Mayon im Südosten. Vor 1650 muß dann eine mächtige Eruption die Südwesthälfte des Iriga zertrümmert und durch Aufschüttung den nahen Buhi-See gebildet haben. Nur 15 km östlich von Iriga liegt das pittoreske Gewässer, in dem ein nationaler Superlativ, „der kleinste Speisefisch der Welt”, lebt. Ob die knapp 1 cm großen Sinarapan in Zukunft dort schwimmen können, ist fraglich. Denn sie werden so erbarmungslos mit feinmaschigen Netzen verfolgt, daß nur strengste Kontrolle ihr Aussterben verhindern könnte. Der See und der hübsche Ort Buhi sind allemal einen Besuch wert. Bootsfahrten und Wanderungen zu nahen Wasserfällen bieten sich an, und im Rathaus von Buhi schwimmt ein Aquarium-Schwarm der Zwergfische seine Runden. Religöse Statuen werden gern an besonders schönen Aussichtsplätzen errichtet. So auch in Iriga City, wo der Emerald Grotto genannte Marienschrein zum Rundblick über Landschaft und die mächtigen Vulkanberge einlädt. Vom höchsten Punkt der Grotte ist bei gutem Wetter außer Mount Bulusan in Sorsogon die Kette der Bicol-Vulkane sichtbar: Iriga, Masaraga, Mayon und Malinao zur Rechten und der Isarog zur Linken — ein majestätisches Panorama.
Eine der großartigsten Landschaften der Philippinen erstreckt sich über die vier zentralen Hochlandprovinzen Benguet, Ifugao, Mountain Province und Kalinga-Apayao. Die abweisende und doch faszinierende Bergwelt der Cordillera Central entspricht so gar nicht dem Bild von den Tropeninseln. Ebenso unterscheiden sich ihre Bewohner, Nachfahren der vor rund 3000 Jahren von Festlandasien eingewanderten Protomalaien, von den Tiefland-Filipinos. Geschützt durch die Berge, konnten sich die Ibaloi, Kankanay, Bontoc, Ifugao und Kalinga lange gegen die goldsuchenden Weißen mit der schillernden Religion wehren. Erst nach 1850 hatten die Spanier Fuß fassen können bei den kriegerischen Igorot, wie die Stämme der Cordillera noch heute pauschal bezeichnet werden. Die Amerikaner wurden schneller fündig. Auch sie, vom Missionseifer getrieben, wollten die „heidnischen Kopfjäger” bekehren. Immerhin brachten sie nach ersten Gewaltaktionen neben Straßen und Hospitälern mit Hilfe ansonsten penetranter Sekten das landesweit überfällige Erziehungswesen mit. Doch die Bergvölker fühlen sich weiterhin bedroht. Auch die jetzige Obrigkeit muß sich hier in schon jahrzehntelangen Kämpfen mit Widerstandsbewegungen auseinandersetzen. Die Plünderung der Ressourcen, das Aufweichen ihrer Kultur und die Landflucht der an Entbehrung, aber nicht an Verarmung gewöhnten Menschen haben das traditionelle Mißtrauen gegenüber Manila alles andere als vermindert. Für Tiefland-Filipinos ist schon ein Besuch von Baguio City in der Provinz Benguet so etwas wie die Reise in den „Wilden Norden”. Exotisch mutet sie die Region an, auch weil es dort „sehr kalt” ist. Tatsächlich lockt die über 1500 m hoch liegende „Sommerstadt”, gerade weil in den Monaten April und Mai allein Zigtausende unter der Hitze stöhnende Manilerios die durchschnittlich 20°C kühle Ruhe in den Pinienwäldern der südlichen Cordillera suchen. Die Amerikaner machten es möglich, sie hatten zu Beginn des 20. Jh. die frühere IbaloiSiedlung Kafagway und spätere spanische Expeditionsbasis als Kurort entdeckt, zunächst nur für eigenes Personal, das über die in drei Jahren gebaute Kennon Road von Manila in Urlaub fahren konnte. Dann brachten die Gold- und Kupferminen dem Ort schnelles Wachstum, eine Militärakademie, die St. Louis- Universität mit einer Silberschmiedschule, das Zentrum philippinischer Wunderheiler und natürlich viel Tourismus — bis das Erdbeben des Jahres 1990 einen Großteil der Stadt in Trümmer legte und über 1000 Menschenleben forderte. Aber langsam erholt sich Baguio und ist bemüht, seinen Ruf als „Stadt der Pinien, Blumen und Verliebten” wieder zurückzugewinnen. Nach wie vor erfrischend ist der City Market im Stadtzentrum, wo außer Korbflechtarbeiten, Silber- und Schnitzwaren vor allem die begehrten Erdbeerprodukte reizen. Nur einige Querstraßen weiter südlich erstreckt sich der nach dem amerikanischen Stadtplaner benannte Burnham Park, der das Erdbeben leidlich überstanden hat. Europäern dürfte dort das Orchidarium mehr bieten als Bootsfahrten auf dem künstlichen See. Von hier ist es nicht weit zur Government Pack Road und zum Museum of the Mountain Provinces. Wann das beschädigte Gebäude wiedereröffnet wird, war 1992 noch unklar. Notdürftig sind die kostbaren Exponate zunächst im Camp John Hay gestapelt. Das große Erholungsgebiet der amerikanischen Armee am Südostrand von Baguio, wo General Yamashita die Kapitulation unterzeichnete, ist heute allgemein zugänglich. Nördlich vom Camp John Hay liegt der Imelda Park, der heute wieder Botanical Garden heißt und regionaltypische Häuser zeigt. Zu Fuß oder auf einem der im benachbarten Wright Park wartenden Mietpferde läßt sich der angenehme Weg zum Mansion House, ehemaliger US-Gouverneurssitz und bis 1986 Residenz philippinischer Präsidenten, zurücklegen. In der nahen Umgebung stehen etliche, im Gegensatz zu ärmeren Siedlungen unversehrt gebliebene Villen philippinischer Elitefamilien. Die „Wochenendhäuschen” der Marcos-Familie sind darunter, noch konfisziert und vernagelt. In verschlissener Stammestracht posieren Igorot-Leute. Elend und Kulturwandel zwingen sie, sich für eine Handvoll Reis als Fotomotiv zu verkaufen. Bessere Zeiten erhoffen sich auch die Massen, die sonntags zur Lourdes-Grotte auf den Mirador Hill am westlichen Stadtrand pilgern. Marias Segen und die gute Aussicht über die auf sieben Hügeln erbaute Stadt sind der Lohn nach 220 Stufen. In südwestlicher Richtung erreicht man bald die Asin Hot Springs, heiße Quellen als Badeanstalt. Ein Ausflug nach Norden führt mitten in die „Salatschüssel der Philippinen”, das für den Anbau europäischer Gemüsesorten bekannte Tal von Trinidad. In La Trinidad, der Provinzhauptstadt, kann das Benguet Museum auf die Berglandreise einstimmen. Hier zweigt auch die Straße zum Ambuklao-Stausee ab. Die atemberaubende Busfahrt in die östliche Hochland-Provinz vermittelt unvergeßliche Einblicke in enge Kurven und grandiose Schluchten. Der Ambuklao-Stausee wird vom Agno-Fluß gespeist und ist einer der Stromspender Manilas. Seinem tiefen Tal aufwärts folgt die Piste, zur Rechten ragt der Mount Pulog auf, mit 2930 m der zweithöchste Berg des Landes. Über Bokod erreicht man Kabayan — ein heiliger Ort vor etwa 500 Jahren, denn so alt sind wohl die zahlreichen Mumien, die man hauptsächlich um den Mount Timbac herum gefunden hat. Die alten Ibaloi, die ihre Toten nackt und in gekrümmter Haltung in Holzsärge betteten, konnten nicht voraussehen, daß Plünderer des 20. Jh. den Ahnen diese letzte Ehre rauben würden. Aus diesem Grund sind einige Höhlen heute verschlossen. Lokale Führer ermöglichen Wanderungen in den Berge, auf den Pulag, zu Seen und Goldminen.
Auf drei Seiten Gebirge — im Westen die Cordillera Central, im Osten die Sierra Madre und im Süden die Caraballo- Berge — und dazwischen ein langes, nach Norden offenes Tiefland: Das ist grob skizziert Cagayan Valley. Das Tal des Rio Grande de Cagayan bildet die Verbindungslinie der aneinanderhängenden Provinzen Cagayan, Isabela und Nueva Vizcaya. Obwohl durch Cagayan und Nebenflüsse sehr fruchtbar und vor Taifunen geschützt, ist die Region industrielles und touristisches Entwicklungsland. Aktiv ist hingegen die NPA, die, wie auch anderswo, für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen vorgibt. Bomben ein langweiliger Durchgangsort geworden. Sehenswert ist jedoch das Provincial Museum, das besonders mit Fundstücken aus dem Paläolithikum beeindruckt. Archäologische Laien können in der 24 km östlich der Hauptstadt gelegenen Pefiablanca Limestone Formation in den Callao-Höhlen selbst unter die Erde gehen. Mit insgesamt 192 ha Ausdehnung gelten sie als des Landes größtes „Unterwelt-System”. Noch viele Winkel der nach den hier einst nistenden Nashornvögeln (kalaw) benannten Höhlen warten auf Erkundung. Im Süden schließt sich die Provinz Isabela an, so benannt nach Königin Isabella II. von Spanien (1830-1904). Das große Territorium ist Tabakanbaugebiet und (die) „Reiskammer von Nord-Luzon”. Der früher dichte Wald ist ziemlich abgeholzt. Hauptsiedlungsgebiet, auch für viele Ilocanos, ist das mittlere Cagayan-Tal, während im Osten die unzugängliche Sierra Madre aufragt. Tumauini hat eine sehenswerte alte Kirche, doch noch interessanter ist die Dort, wo die Cordillera endlich einem zunächst schmalen Küstenstreifen Platz macht, liegt Claveria, die nördlichste Stadt auf dem Festland. Beim Entlehnen der Namen berühmter Strände hat auch Claveria mitgehalten und den Waikiki- Strand aus Hawaii übernommen. Lohnender ist ein Bootsausflug zu den Babuyan-Inseln. Drei aktive Vulkane thronen auf Babuyan und Camiguin, weiter östlich steigt direkt aus der See der Didicas empor. Die private Insel Fuga ist bei Tauchern beliebt, die sich dort nach Anmeldung in Claveria tummeln können. Eine holpriger Abschnitt der Nationalstraße 3 führt entlang der Küste über den Abulug-Fluß nach Aparri an die Mündung des Cagayan. Salcedo war hier schon 1567 gelandet, doch erst 1581 legten die Spanier im südlicheren Lallo ein Fort an. Der später vorübergehend Nueva Segovia genannte Bischofssitz steht für viele gewaltsame und doch vergebliche Vorstöße der Eroberer ins Landesinnere. Erbittert hatten die dortigen Stämme — die Ibanag sogar mit Hilfe ihrer Handelspartner aus Japan und Borneo —jahrhundertelang die fremde Macht abgelehnt.
Wo die Paseleng Bay die Nordküste in die Ausläufer der Cordillera Central drückt, beginnt die Provinz Cagayan, die die Nordostecke von Luzon und die Babuyan-Inseln einschließt. Doch der hohe Norden des Landes ist das noch nicht. Ganz „weit draußeh, in manchen Landkarten gar nicht vermerkt, liegt nämlich der Philippinen kleinste und bevölkerungsärmste Provinz: die BatanesInseln. Wo heute knapp 20.000 Menschen leben, waren spanische Mönche erst über 100 Jahre nach Errichtung der Kolonie gelandet. Es sind drei Hauptinseln und einige Landbrocken, die rund 160 km nördlich von Luzon in subtropischen Breiten liegen. So geben sie sich eigentlich eher unphilippinisch. Einmal wird hier ein den übrigen Landessprachen kaum verwandtes Idiom, das Ivatan, gesprochen. Außerdem bauen die gleichnamigen Bewohner hier dickwandige, grasgedeckte Steinhäuser, wie sie nirgendwo sonst auf dem Archipel anzutreffen sind. Das rauhe Klima, Monsune und Taifune haben Land und Leute geprägt. Auf Batan, der wichtigsten der grünen Inseln, dehnt sich sogar prächtiger Urwald um den 1008 m hohen „schlafenden” Vulkan Iriya aus. An mediterrane Orte erinnert das Hauptstädtchen Basco mit seinen engen Gassen, der Kirche aus dem 18. Jh. und den weißen Häusern mit Balkonen. Wenige Holperstraßen durchziehen die Insel. Nur ein paar Jeepneys und Motorräder verkehren zwischen ein- samen Küstendörfern. Sabtang und Itbayat, die beiden anderen bewohnten Eilande, sind noch urtümlicher. Auf Fremde kurios wirken die typischen Kopfbedeckungen der Ivatan: Gegen Regen und Sonne schützt sie die Suot, eine bis über den Rücken reichende Haube aus Naturfasern. Anspruchslos und freundlich, leben die Insulaner von Fischfang und Viehzucht. Besucher müssen das Wetter einkalkulieren. Wenn die Landebahn von Basco zugeregnet und die Sicht trübe ist, kehrt das Flugzeug um. Doch wer auf den Batanes festsitzt, wird es nicht bereuen. Kein schlechter Platz für Robinson.
Zwischen der Cordillera Central und der Küste des Südchinesischen Meeres liegt die Region llocandia, die sich aus den Provinzen La Union, Ilocos Sur und Ilocos Norte im Westen von Nord-Luzon zusammensetzt. Zwischen den beiden Ilocos-Provinzen drängt sich noch die Gebirgsprovinz Abra in Küstennähe. Ein „ungerechtes” Klima bestimmt die Lebensweise der Menschen. Zwischen November und Mai ist es mäßig heiß, aber sehr trocken. Dementsprechend bauen die Bewohner neben Reis auch Tabak, Zwiebeln, Zuckerrohr und Mais an. Dann aber beuteln besonders zwischen Juli und September wütende Taifune die Gegend und machen harte Arbeit zunichte. Viele Ilocatios — hispanisiert für „Tieflandleute” — sind im Lauf der Zeit aus der rauhen Heimat weggezogen, um im Süden und in Übersee ihr Glück zu versuchen. Mit einiger Berechtigung sagt man dem Ilocaiio oder Samtoy, wie er sich gern nennt, Fleiß, Zielstrebigkeit und Sparsamkeit nach. Was das Sparen angeht, sollen die llocatios den Schotten nahestehen, und es fehlen auch entsprechende Witze darüber nicht. Keineswegs geizig zeigen sich in Ilocandia jedoch Natur und kulturelles Erhe. Die Provinz La Union, 1854 aus dem Südteil von Ilocos Sur und dem Norden Pangasinans hervorgegangen, wird ihrer Strände wegen gepriesen. Entlang der Küste reihen sich eindrucksvolle Zeugnisse der spanischen Kolonialzeit, die hier 1572 mit der Eroberung von Juan de Salcedo begonnen hatte: wuchtige, we- gen Erdbeben und Piraten wie Festungen erbaute Kirchen und Wachttürme. Museen zeigen die bewegte Geschichte, wie das Museo Iloko im Städtchen Agoo im südlichen La Union. In der dortigen Basilika wird die „Mildtätige Madonna” verehrt, während sich Ex-Diktator Marcos im gleichnamigen Park bei Pugo, an der Strecke nach Baguio City, mit einer Riesenbüste schon zu Lebzeiten ein Denkmal in den Fels meißeln ließ. Strandresorts sind die Attraktion des Küstenortes Bauang, dessen Name einfach „Knoblauch” bedeutet, denn der gedeiht hier zuhauf. Bis zur 10 km entfernten Provinzhauptstadt San Fernando fesseln weite Strände den Blick. An den Hügeln wachsen Trauben, den lokalen Wein, den rötlichen Basi, liefert jedoch gegorener Zuckerrohrsaft. San Fernando, 1786 zu Ehren des spanischen Königs Ferdinand gegründet, ist das regionale Zentrum. Hier gewährt das Museo de la Union Einblick in lokale Kulturgeschichte, die chinesische Pagode und der taoistische Macho-Tempel ehren den chinesischen Beitrag zur Stadtentwicklung. Daß diese auch von außen bedroht wurde, bezeugen etwas weiter nördlich spanische Wachttürme bei Carlatan, San Juan und Bacnotan. Alte Handwerkstradition ist in La Union zu Hause So werden in San Juan dekorative Ton- waren hergestellt, und aus Bangar, der Grenzstadt zur Provinz Ilocos Sur, stammen handgewebte Decken. Sehens- werte Kirchen beschützen die Orte Santa Lucia, Santa Maria und Candar. Ein weiterer Wachtturm steht bei Narvacan, wo gen Nordosten die Straße zur Provinz Abra abzweigt. Diese arme Bergprovinz lebt hauptsächlich vom Tabak und vom Holz ihrer ausgedünnten Wälder. Gold und Eisenerz liegen, meist unausgebeutet, unter der Erde. Die einseitigen Besitzverhältnisse haben Teile von Abra zu Kampfzonen zwischen NPA und Militär werden lassen. Besuche touristischer Ziele — wie den heißen Quellen von Bani inmitten einer wilden Berglandschaft bei Boliney und des Kimkimay-Sees bei Pilar südlich der Provinzhauptstadt Bangued — und die Weiterreise in die Mountain Province (Seite 93) hängen von der aktuellen Lage ab. Gilt Olongapo als „amerikanischste Stadt” des Landes, so kann Ilocos Sur mit dem spanischen Pendant aufwarten. Und die Küstenstadt Vigan, 1574 von Salcedo als Ciudad Fernandina gegründet, hat in der Tat ein spanisches Ambiente, das, obwohl touristisch vernachlässigt, seinesgleichen im ganzen Land sucht. Vigans alte, dringend restaurationsbedürftige Ecken und Straßen, wie die Mena Crisologo Street im Mestizoviertel, riechen förmlich nach vestaubter Madre Espaiia. Besonders frühmorgens, wenn erste Sonnenstrahlen die verschlafen wirkenden Warenhäuser und Residenzen aufwecken und die stinkenden Tricycles, Motorradrikshaws, noch nicht herumknattern. Das „Stück Kastilien in Südostasien” ist greifbare Geschichte, in der man sogar wohnen kann. Noch mehr als in Intramuros lohnt eine Kalesa-Fahrt, dann stimmt mit dem Pferdegetrappel die Nostalgie auch akustisch wieder. Doch die Erinnerung ist nicht nur anheimelnd. In Vigan wurde im 18. Jh. Diego Silang geboren, der Anführer einer tragischen Rebellion gegen die Kolonialmacht. Nach fünfmonatigem Kampf starb er 1762 durch die Pistole eines Mestizo. Seine mutige Witwe Gabriela führte den Aufstand fort, bis sie 1763 in Vigan gehenkt wurde. Das Geburtshaus des 1872 in Manila hingerichteten Priesters Josd Burgos erinnert an ein, weiteres Opfer der Freiheitsbewegung und zeigt heute als Ayala Museum sehenswerte Details aus der Ilocano-Kultur. Die Zentren der Macht gruppieren sich rund um die Plaza Salcedo: Erzbischöfliche Residenz, Provincial Capitol und die St. Paul’s Cathedral mit ihrem eindrucksvollen Altar aus gehämmertem Silber. Praktisches gibt es an der Ecke Gomez Street und Liberation Boulevard zu bestaunen, in der Töpferei Pagburnayan, die die für Ilocandia typischen glasierten Tonkrüge herstellt. Andere sehenswerte Kirchen stehen nördlich von Vigan in San Vicente und in Magsingal, wo dem Bildnis des St. William zwei Meerjungfrauen assistieren. Das Magsingal Museum, ein ehemaliges Kloster, widmet sich den Tingguian, früheren Kopfjägern, deren Nachfahren noch heute in den Bergen östlich von Vigan leben. 3 km hinter Cabugao lohnt sich ein Ausflug zum Strand von Pugos, bevor dann nördlich von Sinait die Provinz Ilocos Norte beginnt. Juan Luna, ein berühmter Maler des 19. Jh., wurde in Badoc geboren. Das renovierte Luna House zeigt einige seiner Werke als Reproduktionen. Schöne Strände bietet Currimao. Wie im übrigen Ilocandia ist auch hier Tobacco country. Ilocos Norte ist außerdem Marcos-Land geblieben: Schon vor der Hauptstadt Laoag sind die Spuren des „Großen Ilocanos” überdeutlich. Etwas nördlich von Paoay, wo eine der sehenswertesten Erdbeben-BarockKirchen aus dem frühen 18. Jh. klotziges Äußeres mit verspielt-javanisch gehaltenem Interieur vereint, liegt der Nationalpark Lake Paoay. Im 70 m tiefen See soll der Legende nach eine vorspanische Stadt versunken sein. Heute protzt am Nordufer Malacafianti Amianan, die vormalige Residenz von/ Marcos, heute ein Museum. Batac, an der Hauptstraße nach Laoag, präsentiert das dortige Marcos-Wohnhaus Balay ti Ili dem Publikum. Und im nahen Sarrat, dem Geburtsort des Diktators, geht der Personenkult weiter: Hier kann man unter anderem das Bett bewundern, in dem Klein-Ferdinand das Licht der Welt erblickte. Der Flughafen der Provinzhauptstadt Laoag City wurde anläßlich der Hochzeit von Marcos’ Tochter Irene 1983 erweitert und das exklusive Fort Ilocandia Resort Hotel am Dünenstrand von Suba damals eigens errichtet. Interessanter als die St. Williams-Kathedrale in Laoag City ist ihr 85 m entfernter Glockenturm. Denn er ist seit dem frühen 17. Jh. geschrumpft. Kirche und „Sinking To- wer” sind wiederum massige Vertreter des „Erdbeben-Barocks”. Das Rathaus aus dem 19. Jh. und das Ilocandia Museum sind ebenfalls einen Besuch wert. Als Dank an den spanischen König Alfonso XII., der das ungerechte Tabakmonopol durch gemischten Ackerbau ablöste, wurde 1882 vor dem Provincial Capitol ein Denkmal errichtet. Eine „Katastrophenkirche” ist auch in Bacarra zu sehen. Neben dem Gotteshaus aus dem 18. Jh. steht der Glockenturm, ein guter Aussichtspunkt. Bis zum Erdbeben von 1930 war er wesentlich höher, und der Erdstoß von 1984 ließ ihn erneut zusammensacken. Bei Burgos an der Nordküste steht das Cape Bojeador Lighthouse — ein Turm, der seit 1892 sein warnendes Licht übers Meer blinkt. Bei Pagudpud locken weite Strände, für die die Bezeichnung „Riviera von Nordluzon” werben soll. Der Vergleich hinkt, denn es fehlen — zum Glück — die Touristenmassen, aber auch die Infrastruktur.
Ein besonderes Erlebnis ist die 150- km-Fahrt von Baguio auf dem Halsema Highway nach Bontoc, Hauptstadt der Mountain Province. Stellenweise auf über 2000 m windet sich die Straße rund acht Stunden durch rauhes Gelände mit aufregenden Panoramen. In der Mount Data Lodge können durchgerüttelte Reisende übernachten und sich am Kamin aufwärmen. Bontoc, eine rund 900 in hoch liegende, von Wellblech dominierte Kleinstadt ist mehr Basis als Ziel erlebnisreicher Ausflüge. Doch das Bontoc euseum ist eine Pflichtadresse im Ort. Nach drei Stunden Marsch gen Nordosten faszinieren die steinernen Reisterrassen von Malegcong, deren großartige Architektur kaum eine Steigerung findet. Zischend heiße Schwefelquellen und Goldfunde haben den Ort Mainit („heiß”) interessant gemacht; noch recht traditionell gibt sich das Dorf Guinaang, das man auf dem Rückweg nach Bontoc passiert. Sagada, westlich von Bontoc, ist bei Globetrottern zu einem zwar abgelegenen, aber bekannten Reisziel geworden. Die kühle Ruhe inmitten von Pinienwäldern und Reisterrassen, ein gutes Angebot an einfachen Unterkünften und Wanderrouten, die Tage, ja Wochen ausfüllen können — all das bildet den Reiz von Sagada. Hier lebt denn auch Eduardo Masferrn, der Fotograf, dessen Bilder aus vergangenen Jahrzehnten seine Kalingaund Bontoc-Landsleute so einfühlsam porträtieren. Dann sind da auch die geheimnisvollen Grabhöhlen, die „Hängenden Särge” im Innern der Karstberge. Aber auch hier wurden Gebeine gestohlen, Särge beschmiert, ein heiliger Ort entweiht — wie so oft in den Philippinen. Zuviele Touristen und das Mißtrauen gegenüber allen Fremden haben Bugnay, das noch Anfang der 80er Jahre recht unberührte Dorf am Chico-Fluß in der Provinz Kalinga-Apayao, verändert. Fotogebühren und Pflichtführungen bis hin zu Überfällen sind bekannt geworden. Hin und wieder kann also das Reisen in der Bergprovinz und im Kalinga-Gebiet empfindlich gestört werden. NPA, Cordillera-Freiheitsbewegung und Militär machen dem Tourismus und \ or allem den Bewohnern zu schaffen. Das umstrittene Staudammprojekt am Chico-River ist zwar aufgehalten worden, doch sicher wähnen die Kalinga sich noch lange nicht. Zu viele Bodenschätze lagern unter ihren Füßen, zu viele ihrer Bäume und Flüsse locken fremde Nutznießer an, und selbst ein toleranter Tourist ist letzlich Eindringling im Land der Ahnen. Ebenfalls auf heiligem Terrain ragen die berühmten Reisterr9sen von Banaue in der Provinz Ifugao empor. Vor rund 2000 Jahren sollen die ins Bergland geflüchteten Ifugao in über 1200 m Höhe die von ihnen als „Stufen zu den Hirnmelswelten” verehrten, von der Tourismusbehörde zum „achten Weltwunder” hochstilisierten Terrassen geformt haben. Drei Stunden dauert die Busfahrt von Bontoc ins 50 km entfernte Tal von Baflaue, das von Manila aus in einem Tag zu erreichen ist. Noch grandioser sind die mit Lehmmauern gestützten Reisterrassen in der Umgebung. In einem Amphitheater aus Reisfeldern liegt das Dorf Batad, seine kleine Kirche mit Wellblech- dach steht in kuriosem Kontrast zu der erhabenen Kulisse, die dem uralten Lebensmittel Reis errichtet wurde. Ihn beschützen weiterhin Bulul und Lumauig, zwei gute Ifugao-Geister. Mögen sie die Reisterrassen vor der Art von Fortschritt bewahren, der schon andere Weltwunder ruiniert hat.
Westlich und südwestlich der Großen Ebene und der Zambales-Berge liegen die Küstenprovinzen Bataan, Zambales und Pangasinan. Die Halbinsel Bataan hat aufgrund ihrer Rolle während des Zweiten Weltkrieges, als sie von Japa- nern und Alliierten umkämpft war, historische Bedeutung. Der „Fall von Bataan” am 9. April 1942 wird seither als Nationalfeiertag gewürdigt. Mehrere Denkmäler und Monumente, wie das 92 m hohe Kreuz auf dem Mount Samat nahe der Provinzhauptstadt Balanga, erinnern an das große Morden. Bei Mariveles und Bagac im Süden der Halbinsel begann der „Todesmarsch” von 76.000 Alliierten in die japanische Gefangenschaft. Fast ein Drittel von ihnen kam dabei um. Doch obgleich der nördliche Teil von Bataans Westküste der philippinischen Marine vorbehalten ist, hat die Provinz heute eher friedlichen Charakter. Um Mariveles ist 1970 eine Freihandelszone für die exportorientierte Industrie entstanden. Nur das 1986 eingemottete Atomkraftwerk am Napot Point bei BaEntlang der Küste und der Berge von Zambales locken gute Strände, je nördlicher von Olongapo, desto sauberer sind Sand und Wasser. Die allerdings schlaglochreiche Küstenstraße führt vorbei an vielen Buchten und vorgelagerten Inseln mit ergiebigen Tauchrevieren über Iba. der Hauptstadt von Zamhales, und Santa Cruz in die Provinz Pangasinan. Landschaftliches und historisches Wahrzeichen dieser Hochburg für Fischerei, Reis- und Salzwirtschaft — pang-asin-an heißt: „dort, wo Salz gewonnen wird” — ist der Golf von Lingayen. Mitte des 16. Jh. hatte der chinesische Pirat Limahong nach der mißglückten Einnahme Manilas hier mit 3000 Mann vergeblich versucht, einen Stützpunkt einzurichten. Noch heute ist die Tunnelruine zu sehen, durch die die Chinesen zu ihren Schiffen flohen. Eine Touristenattraktion ist der Hundred Islands National Park bei dem Städtchen Alaminos. Es sind tatsächlich fast hundert bewachsene Koralleninselchen mit kleinen Strandnischen, die sich für Rundfahrten und Robinsonaden mit Selbstverpflegung anbieten. Tauchern haben die Dynamitfischer den Spaß schon lange verdorben. Fündiger werden jedoch Liebhaber der Archäologie im nordwestlichen Ort Bolinao, wo auch die Kirche St. James aus dem Jahr 1609 zu bewundern ist. Die Exponatc i in Regional Museum bieten einen Einblick in Leben und Kultur der Philippinen zwischen dem 7. und 15. Jh. In etlichen vor Cape Bolinao und zwischen den vorgelagerten Inseln Santiago, Dewey und Silaqui gesunkenen Schiffen könnten weitere Schätze auf Entdeckung warten. Vor der Provinzhauptstadt Lingayen und Dagupan, beide im 16. Jh. von den Augustinern gegründet, liegen weite, graufarbene Strände — beliebtes Ziel von abgasgeschädigten Mannerios, die für das Weekend die Direktroute durchs Tiefland von Luzon vorziehen. Wo sich die Lingayen-Golfküste bei San Fabian nordwärts schwingt, rücken die Cordille ra-Ausläufer dicht ans Meer und bilden die südliche Grenze von Nord-Luzon.