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Die
Cholera (gr.: Gallenbrechdurchfall) ist eine schwere, bakterielle
Infektionskrankheit, die vorwiegend den Dünndarm befällt. Sie kann extremen
Durchfall und starkes Erbrechen verursachen, was zu einer schnellen
Austrocknung (Exsikkose) mit Elektrolytverlust führen kann. Obwohl die
meisten Infektionen asymptomatisch verlaufen (etwa 85 %), beträgt die
Letalität bei Ausbruch der Krankheit unbehandelt zwischen 20 und 70 %.
Symptome und Beschwerden: Nach einer Inkubationszeit von 2-3 Tagen verläuft
Cholera meist in drei Stadien:
Stadium mit Brechdurchfall mit häufig dünnflüssigem Stuhl, oft mit
Schleimflocken durchsetzt („Reiswasserstuhl“) und selten mit Schmerzen im
Bauch.
Stadium des Flüssigkeitsmangels (Exsikkose). Dabei kommt es zu
Untertemperatur und zu einem auffälligen Gesichtsausdruck mit spitzer Nase,
eingefallenen Wangen und stehenden Hautfalten.
Stadium der allgemeinen Körperreaktion mit Fieber, Benommenheit,
Verwirrtheit, Koma und Hautausschlag. Komplikationen wie zum Beispiel eine
Lungenentzündung, eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse und eine Sepsis
können hinzukommen.
Menschen mit der Blutgruppe O sind besonders gefährdet, solche mit der
Blutgruppe AB am wenigsten.
Diagnose: Die Diagnose geschieht anhand der typischen Beschwerden, die bei
einer Person in einem Gebiet mit bekannter Choleragefahr auftreten und
anhand des bakteriologischen Erregernachweises im Stuhl oder in Erbrochenem.
Die Anzucht geschieht in sog. Peptonwasser bei pH 9.
Ursachen: Cholerabakterien im Elektronenmikroskop.
Cholerabakterium O395 wt Wild Type im Elektronenmikroskop.Die Cholera wird
durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst, dessen Toxin (Choleratoxin
genannt) zu starkem, reiswasserartigem Durchfall mit großem
Flüssigkeitsverlust führt (bis zu 25 Liter am Tag). Der Erreger wurde
erstmals von Filippo Pacini 1854 als gekrümmtes, kommaförmiges und
hochbewegliches Bakterium beschrieben.
John Snow erkannte ebenfalls 1854, dass die herrschende Cholera in London
nicht durch Dünste (Miasmen) verbreitet wurde, wie seinerzeit allgemein
angenommen wurde.
Robert Koch hat 1883 zusammen mit Fischer und Georg Gaffky (1850–1918) in
Ägypten den Erreger aus dem Darm von verstorbenen Patienten in Reinkultur
angezüchtet.
Cholera tritt häufig in armen Ländern auf, in denen Trinkwasser- und
Abwassersysteme nicht voneinander getrennt sind.
Cholera wird in der Regel durch Trinkwasser verursacht, welches mit
Choleraerregern verunreinigt ist. Choleraerreger finden sich vor allem in
Fäkalien, sowie in Fluss- und Meerwasser, welches mit Fäkalien belastet ist.
Außerdem können Fische und andere Nahrungsmittel aus Flüssen und dem Meer
mit Choleraerregern verunreinigt sein.
In den Industrieländern ist meist eine ausreichende und hygienisch
einwandfreie Versorgung der Bevölkerung gewährleistet, so dass Cholerafälle
selten sind. In den Entwicklungsländern ist die Cholera eine weit
verbreitete und gefährliche Krankheit.
Der letzte größere Choleraausbruch in Deutschland war in Hamburg im Jahr
1892. Die Krankheit kann epidemisch auftreten und ist in Deutschland
meldepflichtig.
Geschichte: Eine Krankheit, die nach heutigem Dafürhalten möglicherweise die
Cholera war, wurde seit etwa 600 v. Chr. im Gangestal in Indien beobachtet.
Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert breitete sich die Seuche von Indien
kommend nach Westen aus. Um 1830 brachten die gegen den polnischen Aufstand
herangerufenen russischen Truppen von der indischen Grenze die Krankheit
erstmals nach Europa (Tod von Gneisenau, Clausewitz, Hegel u. v. a.). Binnen
weniger Jahre wurden fast alle europäischen Länder von verheerenden
Seuchenwellen heimgesucht. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es große
Cholera-Epidemien in London. Durch den Bau eines großen Abwassernetzes unter
Joseph Bazalgette konnten sie beendet werden. Tragische Figur dieser
Epidemien in London ist der Arzt John Snow, der bereits 1854 die Übertragung
der Cholera über verschmutztes Trinkwasser entdeckte, dessen Theorien sich
aber nur langsam durchsetzen konnten. Im gleichen Jahr entdeckte Filippo
Pacini in Florenz im Darminhalt mehrerer Choleraopfer große Zahlen an
Bakterien (Vibrionen), die er für die Erreger der Seuche hielt. Auch er
konnte sich aber mit seiner Auffassung nicht durchsetzen.
Im Krimkrieg (1853 bis 1856) kamen auf beiden Seiten mehr Soldaten durch die
Cholera um als in Kampfhandlungen. So starben u. a. der britische
Oberbefehlshaber Lord Raglan und der Befehlshaber der französischen Flotte
Armand Joseph Bruat daran.
Um 1892 grassierte die Cholera in Afghanistan und gelangte nach Russland. In
Hamburg kam es in diesem Jahr zur großen Choleraepidemie von 1892. Robert
Koch, der als Entdecker des Cholera-Erregers gilt, vermutete, dass russische
Amerika-Auswanderer sie mit in die deutsche Hafenstadt gebracht hätten. Es
gibt jedoch starke Zweifel an dieser Hypothese, da die ersten Cholerafälle
unter Einheimischen entdeckt wurden. Durch die fehlende Aufklärung der
Bevölkerung und zu wenig Kläranlagen wurde der Ausbruch des Erregers
begünstigt. Allein in Hamburg starben mehr als 8600 Personen.
Die letzte größere Choleraepidemie weltweit breitete sich in Peru 1991 aus.
Am 9. Februar rief die peruanische Regierung den nationalen Notstand aus,
trotzdem trat die Epidemie auch in Ecuador, Kolumbien, Mexiko und Nicaragua
auf. Von den rund 400.000 damals in Südamerika Erkrankten starben
schätzungsweise 12.000.
Die Cholera-Epidemien mit den Massenerkrankungen und Massentoten forderten
von den betroffenen Behörden immer wieder innovative Organisationsformen. So
brachte die Cholera-Epidemie von 1830 in den betroffenen Städten
Mittel-Osteuropas die neue Erscheinung der „Cholera-Zeitungen“ hervor, in
denen die getroffenen Maßnahmen verkündet wurden. Sie enthielten auch lange
Namenslisten der an Cholera Erkrankten und Verstorbenen.
Behandlung: Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der ausreichende Ersatz
von Flüssigkeit, Zucker und Salzen. Dieser Ersatz erfolgt am besten
intravenös, da so der entzündete Magen-Darm-Trakt umgangen wird. In Ländern
der Dritten Welt wird aber auch der orale Flüssigkeitsersatz einfach und
erfolgreich praktiziert.
Die WHO empfiehlt eine oral zu verabreichende Salz- und Glukoselösung in
Wasser, die aus folgenden Komponenten besteht:
Glukose (Traubenzucker) 20 g/l
Natriumbikarbonat 2,5 g/l
Natriumchlorid (Kochsalz) 3,5 g/l
Kaliumchlorid 1,5 g/l
Die optimale Mischung enthält die Lösung 'ORS' (Oral Rehydration Solution),
die es als Fertigpulver zu kaufen gibt. Ein Antibiotikum vom
Fluorchinolonetyp, z. B. Ciprofloxacin ist bei schweren Verläufen
empfehlenswert. Verkürzt jedoch v. a. die Zeit der Infektiosität, selten den
Krankheitsverlauf. Eine Untersuchung in Bangladesh konnte kürzlich zeigen,
dass eine Einmalgabe des besser verträglichen Antibiotikums Azithromyzin
wirksamer war als Ciprofloxacin. Mit diesen Maßnahmen kann die
Sterblichkeitsrate von 60 % auf unter 1 % gesenkt werden. Zur Vorbeugung
empfiehlt sich vor allem die Einhaltung hoher hygienischer Standards, vor
allem die Bereitstellung hygienisch einwandfreien Trinkwassers. Auch eine
Impfung ist möglich, wird allerdings im allgemeinen nicht empfohlen. Neuere
Entwicklungen (Schluckimpfung) sind wirksamer und verträglicher und schützen
auch zu einem gewissen Grad vor dem klassischen Reisedurchfall. Die frühere
intramuskuläre Impfung ist als veraltet und wirkungslos zu beurteilen.
Quelle: Wikipedia - Die freie
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