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    Ägypten

 

   

Sitten und Gebräuche

Nomaden ziehen umher, nicht etwa weil es in ihrem Blut oder ihrer Genetik liegt, sondern weil sie in Gebieten zuhause sind, wo sie an einem festen Platz nicht überleben könnten. Ihre Habe können die Beduinen, die meist in Zelten leben, in weniger als einer halben Stunde auf ein oder zwei Kamele packen. Ihr Dach über dem Kopf ist der Himmel der Wüste, vor dessen sengender Sonne das Zelt schützt.

In das Beduinenzelt selbst wird der Fremde so gut wie nie eingeladen, man sitzt davor im schattigen Freien, wo sich das Leben abspielt. Männer und Frauen leben bis zu ihrer Heirat mit den Eltern im Zelt; erst danach ziehen sie in ihr eigenes Zelt, dessen Eingang oft nach Mekka ausgerichtet ist. Bei heißem Wetter werden die Seitenwände hochgerollt, so daß das Dach als reiner Sonnenschutz fungiert.

Das Zelt einer Familie mit Kindern teilt sich — getrennt durch Vorhänge — in den Männer- und den Frauenbereich auf. Zur Domäne der Männer gehört der Kaffeeplatz mit den Matratzen; zum Areal der Frauen, das mindestens doppelt so groß wie das der Männer ist, zählen der Schlafbereich für die Erwachsenen und die Kinder, ein mit Teppichen und Decken ausgelegter Aufenthaltsort, die Ecke mit dem Geschirr und den Wasserkrügen.

Früher bestanden die Zelte mit Grundflächen von 100 m2 und mehr meist aus schwarz gefärbtem Kamelhaar. Das Naturgarn wird heute oft durch Plastikplanen und feste Stoffe ersetzt. An Plätzen, zu denen man regelmäßig zurückkehrt, wird ab und an auch eine Lehmhütte errichtet; die häßlichen modernen Fertigbetonbauten, die man heute vermehrt sieht, sind von der Regierung aufgezwungene >Geschenke< und dienen meist als Schulen, gelegentlich als Lagerhallen.

Die Aufteilung des Zelts spiegelt die Hauptaufgaben der Frau deutlich wider: sie ist für Kinder und Küche (inklusive Beschaffung des Brennholzes) verantwortlich; darüber hinaus betreut die Frau das Vieh der Familie und holt vom Brunnen, wo sie auch wäscht, das Wasser. In größeren Beduinensiedlungen haben Frauen, um kompromittierende Begegnungen mit fremden Männern zu vermeiden, sogar ihre eigenen Wege, die nur sie benutzen dürfen, während die Männer sich auf anderen Pfaden durch das Dorf zu bewegen haben. Frauen tragen immer die tarha, einen schmuckvollen Überwurf, der Mund und Nase verdeckt und nur innerhalb der Familie gelüftet wird. Die Stämme unterteilen sich in die verschiedenen Familien, die Clans; die Struktur ist streng patriarchalisch. Jeder Clan hat einen omda, ein Familienoberhaupt, und dem Stamm steht der sheikh als Oberhaupt vor, eine Art Bürgermeister und oberster Richter, der

eine Schlüsselrolle in den Beziehungen des Stammes nach außen spielt: er ist Bindeglied zur offiziellen ägyptischen Verwaltung, die auf dem Sinai weit weniger zu sagen und zu regieren hat, als ihr lieb ist, und der Sheikh überwacht die Beziehungen seiner Clans zu Nicht-Beduinen, was sich an einem Beispiel aus dem Alltag veranschaulichen läßt.

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