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    Ägypten

 

   

Im Nationalpark Ras Mohammed

Vom Ort El Tur bis zum nächsten wichtigen Haltepunkt an der Südspitze des Sinai sind es 96 km auf der Küstenstraße, die mehr und mehr von den rötlich schimmernden Bergen dominiert wird, bis eine neuerdings ausgeschilderte Straße nach rechts in den Nationalpark Ras Mohammed führt.

Das Meer wird zur Südspitze des Sinai hin zunehmend sauberer, auch der Korallenwuchs nimmt mit jedem Kilometer Entfernung von der Schiffahrtsstraße im Golf von Suez wieder zu. Ein monumentales Einfahrtstor, dessen ungewöhnliche Architektur aneinanderlehnender Steinkolosse sich wohl am britischen Stonehenge orientiert, markiert den Beginn des Parks.

Plätze mit einem derart reichen Unterwasserleben wie Ras Mohammed gibt es nicht viele auf der Erde. Ein Besuch ist ein Muß für jeden Sinaibesucher, egal ob Taucher, Schnorchler oder einfach Na-

turfreund. Die kleine, nur etwas über 3 km lange Halbinsel Ras Mohammed (insgesamt hat der Park 400 km') wurde am Tag der Umwelt am 5. Juni 1983 als Kernstück des »Ras Mohammed Marine National Park Project« am südlichsten Zipfel der Sinaihalbinsel eröffnet. Die Europäische Gemeinschaft förderte das Projekt mit 1,5 Mio. DM; umgerechnet 2,5 Mio. DM zahlte Ägypten in den Anfangsetat. Jährlich besuchen rund 150 000 Urlauber den Park.

Eine markante Bucht teilt das Kap Ras Mohammed in zwei Teile. Zwei tiefe Risse formen die westliche Hälfte; der südöstlichen Hälfte ist eine kleine Sandinsel vorgelagert. Ras Mohammed ist kein Kap, sondern ein teils von Geröll überschüttetes Riff, das von vulkanischen Kräften über die Wasseroberfläche hinausgehoben wurde. Dementsprechend steil, meist fast senkrecht, fallen die Ränder bis in 80 m Tiefe ab.

Der höchste Punkt Ras Mohammeds liegt 65 m über dem Meer: Hier bietet das Shark Observatory mit drei Terrassen Aussicht auf die Shark Observatory Bay und das Meer, in dem Taucher das dichte, bunte Unterwasserleben näher erfahren können als irgendwo sonst. Barrakudas, Trompetenfische, Napoleonfische und sogar kleine Haie und Delphine kann man hier sehen (es gibt ein gutes Fernrohr).

Rund um das Ras existieren rund 150 Korallenarten, die zwischen 75 000 und 20 Mio. Jahre alt sind.

In den Gewässern um die Landzunge leben Tausende Fischarten, die sowohl von der Suezschiffahrt als auch von den Tauchern bedroht sind. Tanker verklappen Öl und entledigen sich des Mülls, Matrosen der Taucherschiffe warfen lange Zeit Anker, die jedesmal ein Stück Riff zerstörten. Kurzum: Das Ökosystem ist schwer belastet. Der Park versucht zu retten und zu erhalten, was noch erhalten werden kann.

Herzstück des Nationalparks ist ein Informationszentrum, in dem Filme vorgeführt und Diavorträge gehalten werden. Vom Gebäude aus führt ein 85 m langer Steg als Lehrpfad über das Wasser. Gut markierte Pfade zeigen dem Besucher an Land das Zusammenwirken eines Ökosystems, das aus Wüste, Küste, Korallen und Seetieren besteht und erst durch den Menschen empfindlich gestört wurde, heute gar in seiner Existenz bedroht ist.

Neben der Erhaltung des Riffs hat der Naturschutzpark noch eine andere Funktion: er dient Meeresbiologen zur Forschung, und die Beduinen werden gelehrt, wie sie umweltgerecht ihr ureigenes Gebiet bewohnen können, das teilweise von äußeren Einflüssen zerstört wurde, für die sie selbst nicht verantwortlich sind.

Der frankokanadische Meeresbiologe und Leiter des Projekts Michael Pearson erreichte im Lauf der Jahre, daß das Gelände des Parks von 97 auf 400 km' ausge

dehnt wurde. Ein Regierungserlaß erteilt den Parkaufsehern, den Rangers, die Vollmacht, Umweltsünder notfalls zu verhaften. Ein weiterer Nationalpark entstand 40 km nördlich von Ras Mohammed im Mangrovengebiet von Nabq .

Der Park (geöffnet von morgens bis Sonnenuntergang, 20 LE Eintritt) ist an Wochenenden alles andere als ein Platz der Einsamkeit; empfehlenswerter ist ein Besuch montags bis donnerstags. Es dürfen, leider nötig zu sagen, weder Fische harpuniert noch irgendwelche Korallen oder Muscheln mitgenommen werden.

Richtung Norden verläßt man auf der Küstenstraße das Gebiet von Ras Mohammed und erreicht nach 27 km den Ort, mit dem die israelischen Besatzer 1968 in Form einer einfachen Feriensiedlung den Grundstein für den boomenden Sinaitourismus legten.

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