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Um
Mitternacht erwacht das Sharm der Nachtschwärmer
zum Leben. Im Cactus, im Bus Stop und im The
Spot kontrollieren Türsteher Gesichter. Oder
tun zumindest so, denn abgewiesen soll in
Sharm eigentlich niemand werden, außer
vielleicht alleinreisende Männer, die nicht
so gerne gesehen sind. Bei harten Beats und
softem Schmuserock, bei Funk und Reggae
verliert sich hier die Nacht im Sonnenaufgang,
bis die letzten Paare aus den Diskos in ihre
Hotels zurücktrotten.
Der
neue Tag hat begonnen. Die Yachten laufen aus
und sammeln die Heerscharen von Tauchern ein,
die fliegenden Händler bieten deutsche und
italienische Zeitungen auf der Promenade feil
— Charme ä la Sharm.
Durch
den Zentralsinai
Diese
landschaftlich schönste Route in ganz Ägypten
sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.
Zunächst lohnt ein Besuch im Tal der
Inschriften, wo es sogar ein Pharao nicht
lassen konnte und sich mit einem Graffito
verewigte. Eine Augenweide ist das satt blühende
Wadi Feiran. Von hier ab bewegt man sich auf
den Spuren Moses' und der Israeliten, die zum
faszinierenden Katharinenkloster und zum
Mosesberg führen. Die Weiterfahrt führt,
vorbei an der Blauen Wüste, an die Ostküste.
Von
Abu Rudeis ins Tal der Inschriften
Von
der Küstenhauptstraße im westlichen Sinai
zweigt 36 km südlich von Abu Rudeis eine »St.
Catherine« beschilderte Straße (Tankstelle)
nach links in den Zentralsinai ab. Man kann
auf ihr mit normalem Pkw über das
Katharinenkloster bis an die Ostküste fahren.
Hat
man nach der Abzweigung die Ebene von El Qa'a
durchquert, befindet man sich bereits im Fei-
ran, dem größten Wadi des Sinai. Die Straße
windet sich langsam in den Zentralsinai hoch,
dessen Natur und Schönheit nur mehr mit dem
kitschigsten aller Wörter zu beschreiben
sind: wildromantisch.
22
km von der Küstenstraße entfernt lohnt sich,
auf einem auch für Pkws ohne Allradantrieb
befahrba
ren
Weg, kurz vor dem Beginn der eigentlichen Oase
Feiran ein Abstecher Richtung Norden ins Wadi
Mukattab, das Tal der Inschriften (der Weg ist
kompliziert; ein Beduine als Führer sei
empfohlen).
Im
Wadi Mukattab
Nirgends
auf dem Sinai findet man mehr antike Graffiti
als in dieser Region, zum Teil sind die
Inschriften allerdings sehr verwittert und
leider oft ergänzt von närrischen und überflüssigen
Gravuren späterer Reisender (bis in allerjüngste
Zeit).
Nach
6 km ab Feiran (man hält sich auf der linken
Seite des Wadis) sieht man die ersten
Inschriften, die sich über gut 2 km an den
Felswänden verteilen. Sie stammen zum Großteil
aus der Zeit der Nabatäer (2./3. jh. v.
Chr.), die von Petra aus
den
Handel im Norden Arabiens kontrollierten.
Diese Graffiti sind aber noch nicht die ältesten
zu findenden. Aus der 3. Dynastie um 2600 v.
Chr. datiert eine von Pharao Semerchet
stammende Inschrift (an der Gebel Maghara-Mine),
die seinen siegreichen Kampf gegen beduinische
Räuber und Wegelagerer dokumentiert. Der
Pharao steht neben einem hohen Würdenträger,
der als »königlicher Kommandeur« tituliert
wird. Bis in die byzantinische Zeit reichen
die antiken in Stein geritzten Zeichnungen
sowie Kurzkommentare in Hieroglyphen, in Nabatäisch,
Hebräisch und Griechisch zurück.
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