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Moses
betete am heutigen Gebel Tahuna; am Fuß des
Berges erinnert eine verfallene Kirche an die
biblische Schlacht.
Ausgrabungen
förderten im Wadi Feiran, das in der Vorzeit
ein Seebecken gewesen war, zahlreiche Relikte
zutage, die eine frühe christliche Besiedlung
belegen; in unzähligen Höhlen der Berge
wollten Eremiten in Massen->Einsiedeleien>
nahe dem Berg Horeb (gemeint war der Gebel
Serbal), den sie hier vermuteten, Askese üben.
Als Berg Horeb, der Ort der Gesetzgebung, wird
heute der Berg Sinai (Gebel Musa) am
Katharinenkloster verehrt. Über byzantinische
und römische Zeit hinaus war das Wadi Fei-
ran ein spirituelles Zentrum der Christenheit,
sogar einen Bischofs- sitz gab es zeitweise in
der befestigten Siedlung. Der Bischof von
Feiran unterstand einerseits dem Patriarchen
von Jerusalem, andererseits galt er als
Schutzherr des Katharinenklosters. Als das
Katharinenkloster sich nach einem
Grundsatzstreit lossagte, war der Untergang
der Christengemeinschaft Wadi Feirans
besiegelt. Kunstvolle und erhaltenswerte
Architekturelemente der Kirchen wurden zum
Katharinenkloster gebracht und dort in
Neubauten integriert. Erhalten ist bis heute
ein Nonnenkloster, das dem Katharinenkloster
untersteht. Es wird von einem Dutzend
Ordensfrauen bewohnt, die Besucher willkommen
heißen, solange diese nicht fotografieren
wollen. Ein neues Kloster mit vorerst nur
einer Nonne wurde in den letzten Jahren
aufgebaut.
Fast
unmerklich geht das Wadi Feiran mit dem
kleinen lebhaften Beduinenort nach einer natürlichen
Verengung in das Wadi el Sheikh über, das mit
dem gleichen Reichtum an Palmen, Gärten und
Tamarisken gesegnet ist. Von hier führt die
Straße über den WatiaPaß zum
Katharinenkloster. Zu diesem historischen Höhepunkt
des Sinai weisen aus allen anderen Richtungen
Schilder den Weg.
St.
Katharina: Das älteste Kloster der
Christenheit
Die
Anfahrt gehört — von Osten ebenso wie von
Westen — zu den schönsten Strecken des
ganzen Sinai. Die Straße schlängelt sich
entlang der Bergzüge sanft auf und ab, und plötzlich
wird am Ende einer langen Geraden der Blick
frei auf den Talkessel, wo in 1570 m Höhe
einst Moses und die Israeliten ihr Lager
aufgeschlagen haben sollen, nahe den beiden
Bergen, die heute Moses- und Katharinenberg
heißen.
Aber
der Pilger sei gewarnt: Er ist im
Katharinenkloster nicht sehr willkommen; das
große Wallfahrtserlebnis muß jeder für sich
im Kopf und im Herzen erleben. Die Mönche,
die sich hier zuallerletzt oder überhaupt
nicht als Seelsorger verstehen, tun für
Pilger nichts von all dem, was man von
Wallfahrtsorten sonst kennt. Nicht einmal
Messen werden regelmäßig zelebriert
(andererseits gibt es, zum Glück, auch keinen
Devotionalienhandel mit rauschebärtigen
Mosesfiguren oder brennenden Dornbüschen aus
Plastik).
Der
Gedanke, daß ein geschichtsträchtiges
Kloster, dessen Besuch für viele Pilger die
Verwirklichung eines Lebenstraums war, nicht
nur Eigentum weniger Mönche ist, sondern
allgemein christliches Kulturgut, stößt hier
auf Achselzucken. Dennoch: Auch das wenige,
das es zu besichtigen gibt, lohnt einen Besuch
des Klosters.
Vom
Parkplatz aus führt ein sanft ansteigender
Schotterweg in knapp zehn Minuten zum Plateau
des Klosters. An einem der Stände nahe der
Touristenpolizei verkauft ein Beduine kleine
Glasfläschchen, die mit dunklen Extrakten gefüllt
sind. Es sind Kräutersäfte, die im Ort St.
Katharina ein Beduine namens Dr. Ahmed
zusammenbraut. Die verschiedenen Flüssigkeiten
versprechen Linderung bei Husten, Kopfweh,
Verstopfung, Bauchweh, Rheuma, Nierenschmerzen
und zu niederem oder zu hohem Blutdruck. Viele
Anhänger homöopa
thischer
Medizin schwören auf die prompte Wirkung
dieser Kräutermischungen vom
Katharinenkloster.
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