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    Ägypten

 

   

Namensgeberin des Klosters ist ein Mädchen aus Alexandria, das Anfang des 4. Jhs. während der Christenverfolgung den Märtyrertod starb und lange Zeit eine der populärsten Heiligen war. Katharina wird in der Überlieferung als klug, schön und belesen beschrieben, ein Mädchen aus bestem Hause. In ihrer Glaubensfestigkeit versuchte sie sogar Kaiser Maximanus von der Götzenverehrung und seinem heidnischen Glauben abzubringen — ihr Todesurteil. Bei der öffentlichen Enthauptung floß aber nicht Blut, so wurde erzählt, sondern Milch aus ihrem Körper. Ein Stück der Marmorsäule, an die Katharina gebunden gewesen sein soll, findet sich in der heutigen Kapelle.

Der Legende nach brachten Engel den Leichnam Katharinas auf den Gipfel des Berges, der später ebenfalls nach ihr benannt wurde. Er ist der höchste Berg Ägyptens und liegt südlich des Mosesbergs. Dort fanden Mönche den Leichnam und errichteten eigens für die von ihren Häschern geköpfte junge Frau eine Kapelle. Erst im 10. Jh. jedoch wurde das Kloster, das bis dahin der Gottesmutter geweiht war, offiziell in Katharinenkloster umbenannt.

Die Geschichte der Mönche in den Bergen des Sinai hängt, wie die Geschichte Katharinas, die übrigens historisch nicht belegt ist, eng mit der Ausbreitung des Christentums zusammen, das der Heilige Markus nach Ägypten getragen hatte. Viele Anhänger der jungen Religion hatten sich — wie Antonius in der Arabischen Wüste — in die Einsamkeit zurückgezogen, um nur für Gott in Askese zu leben. So kamen die ersten Eremiten bereits um 300 hier am Berg Sinai, dem Mosesberg, zusammen.

Der zum Christentum konvertierte Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena, die 327 zur Stelle des brennenden Dornbusches gepilgert waren — im Jahr 330 stiftete Kaiser Konstantins Mutter Helena am Fuß des Berges Sinai eine der Gottesmutter geweihte Kapelle — lösten mit ihrer Reise auf den Sinai eine wahre Pilgerwelle unter der Aristokratie des byzantinischen Reiches aus, und eine Reihe von Geistlichen blieb gar für immer, um auf dem Berg unter härtesten Bedingungen als Eremiten zu leben. Für Räuber und Wegelagerer waren die Pilger ebenso wie die Mönche leichte Opfer; eine Reihe von Reisenden, die entkamen, beschrieben solche Überfälle.

Erst im 6. Jh. wurde eine schützende Befestigung errichtet — auf Anweisung Kaiser Justinians, auch Erbauer der Hagia Sophia, der im Jahr 530 außerdem den Bau einer großen Basilika befahl (sein Name und der des Architekten sind in den

 

Holzverstrebungen des Hauptschiffes eingeritzt). Heute gleicht die christliche Stätte, die seit jeher wertvolle Sammlungen von Ikonen und Manuskripten beherbergt, mit ihrer 15 m hohen Granitmauer von weitem eher einer Festung denn einem Kloster.

Das Gotteshaus gehört nicht zur koptischen Kirche Ägyptens, sondern zur griechisch-orthodoxen (Griechenlands) und stellt das älteste, ununterbrochen von Mönchen bewohnte Kloster der Christenheit überhaupt dar. Innerhalb der griechisch-orthodoxen Kirche genießt es allein schon aus geographischen Gründen größte Unabhängigkeit, die sich in der Wahl des Erzbischofs von St. Katharina und dem Berg Sinai, des kleinsten Bistums der Welt, manifestiert. Der Bischof, zugleich auch Abt, wird geweiht vom Patriarchen von Jerusalem, einem ökumenischen Patriarchen der griechisch-orthodoxen Kirche Griechenlands und den Bischöfen von Alexandria, Konstantinopel, Rom und Moskau.

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