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Die
hier lebenden Mönche, die ursprünglich aus
vielen verschiedenen Ländern stammten, sind
heute ausschließlich Griechen, Syrer und
Armenier. Ihre sprichwörtliche
Unfreundlichkeit gegenüber den touristischen
Besuchern, denen sie 15 Stunden pro Woche das
Kloster zugänglich machen müssen,
entspringt, wenn man es sehr positiv deuten
will, der Loyalität der Brüder ihrem Konvent
gegenüber, den sie nicht zu einer museumsähnlichen
Schaustätte degradiert sehen wollen, mit sich
selbst als Mönchsdarsteller.
Der
gemeinsame Tag der gläubigen Männer beginnt
um 4 Uhr früh und endet gegen 5 Uhr
nachmittags. Die Arbeiten werden je nach
Geschick verteilt, breiten Raum nimmt die Lektüre
spiritueller Texte ein. Einige Mönche
bewirtschaften den klostereigenen Obst- und
Gemüsegarten.
Der
Schutzbrief des Propheten Mohammed
Das
7. Jh. bescherte der Welt die dritte und jüngste
Offenbarungsreligion, den Islam. Ägypten
wurde 640 auf friedliche Weise islamisiert,
und das Kloster war plötzlich so etwas wie
ein vorgeschobener Posten der Christenheit.
Dennoch konnte es sich, wie eine Überlieferung
besagt, sicher fühlen: 15 Jahre bevor sich
der Islam über ganz Arabien auszubreiten
begann, war der Prophet Mohammed als Reisender
im Kloster zu Gast und von den Mönchen höchst
zuvorkommend behandelt worden. Da der frühe
Islam außerdem ausdrücklich auf
Zwangsmissionierung und -bekehrung Andersgläubiger
verzichtete, stellte der Prophet einer
Abordnung von Brüdern, die ihn in Mekka
aufsuchte, ein Schutzschreiben für das
Kloster aus. Besiegelt mit seinem Handabdruck
sicherte er ausdrücklich den Erhalt der
geistlichen Stätte und die Glaubensfreiheit
der Mönche zu (eine Kopie dieses Dokuments
findet man am Eingang des Klosters rechterhand
der Stufen des Gewölbes).
Während
die Mönche noch heute auf die Echtheit des
Briefes
pochen, spricht die Wissenschaft von einer
gekonnten Fälschung aus Mönchshand. Dagegen
spricht wiederum Sure 95 des Koran, in welcher
der Prophet einleitend »beim Feigenbaum und
dem Ölbaum und dem Berg Sinai und diesem
sicheren Gebiet« schwört. Wie auch immer —
der Brief verfehlte seine Wirkung nicht: ein
ägyptischer Herrscher nach dem anderen
erneuerte den Schutzbrief für das Kloster,
das etwa hundert derartige Dokumente besitzt
(1517, als ottomanische Truppen den Sinai
besetzten, überbrachten diese das
>Original< des Mohammedbriefes dem
Sultan in Istanbul als Geschenk und hinterließen
dem Kloster nur die bis heute erhaltene
Kopie).
Mohammeds
Brief sollte noch öfter seine Wirkung haben:
den berserkernden Kalifen Al Hakim hielt er
Anfang des 11. Jhs. davon ab, das Kloster zu
zerstören. Um die nach Christenblut dürstenden
Soldaten ein wenig zu besänftigen, richteten
die pragmatisch denkenden Mönche auf
Verlangen sogar eine Moschee in dem Kloster
ein — mit weithin sichtbarem Minarett. Als
christliches Kloster in einem islamischen Land
verfolgten die Mönche durch die Jahrhunderte
seit der Islamisierung eine geschickte und
ausgewogene Politik der weitgehenden
Nicht-Verbrüderung mit wem auch immer;
gleichzeitig verstand sich das Kloster als
Begegnungsstätte für Christen aller auch
noch so verfeindeten Konfessionen. Balduin I.,
dem ersten
Kreuzfahrerkönig
von Jerusalem, redeten die Mönche 1117 den
Besuch des Klosters aus, obwohl gerade unter
den Kreuzfahrern in Europa der Katharinenkult
damals seinen Höhepunkt erlebte.
Die
Eroberung Ägyptens 1517 durch die Türken stärkte
dank der klugen Politik der Mönche, das
Gedenken an den Schutzbrief des Propheten
hochzuhalten, ebenfalls das Kloster, über
dessen Zustand Pilger in den folgenden
Jahrhunderten höchst unterschiedliche
Berichte gaben. Ein Problem war allerdings
auch mit zusätzlichen päpstlichen
Schutzbriefen, die es sowohl von der
katholischen als auch der orthodoxen Kirche
gab, nicht zu lösen, sondern nur mit
Befestigung und Verbarrikadierung: die
andauernden Überfälle von Beduinen.
Zeitweise
sollen bis zu 400 Mönche in dem Kloster
gelebt haben, sogar römisch-katholische.
Finanzieren konnte sich die Gemeinschaft durch
Schenkungen von Ländereien auf Kreta, auf
Zypern, in der Türkei, in Rumänien und Rußland,
die sie jedoch im 19. Jh. allesamt verlor.
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