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Religion
Die
Kopten und ihre Kirche
Die
Kopten beanspruchen für sich zu Recht, die
direkten Nachfahren der altägyptischen Bevölkerung
der Pharaonenzeit zu sein. Aus ihrem Namen
entstand das griechische aigiptios, das im
Deutschen zu
Ägypten
wurde. Mit sieben bis zehn Millionen Kopten
stellt diese christliche Gemeinde die zweitgrößte
Religionsgruppe Ägyptens.
Über
Alexandria brachte der Apostel Markus 68 n.
Chr. das Christentum nach Ägypten, wo es sich
rasch ausbreitete und den römischen
Machthabern allein deswegen mißfiel. Der Überlieferung
nach soll Kaiser Diocletian im 3. Jh.
Hunderttausende Kopten ermorden lassen haben.
Im
5. Jh. geriet die ägyptische Kirche in Streit
mit der Kirche in Byzanz (dem heutigen
Istanbul). Es ging um die sogenannte
monophysitische Lehre der ägyptischen Kirche.
Daß Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer
Gott sei, wurde im 5. Jh. von allen Kirchen
akzeptiert. Strittig war jedoch, wie man
dieses Glaubensgeheimnis
theologisch-philosophisch in Worte fassen
darf.
Die
koptisch-orthodoxe Kirche, die zu den
orientalisch-orthodoxen Kirchen gehört, zog
es vor, die Taten Jesu auf eine göttliche und
eine menschliche Natur aufzuteilen, womit die
Einheit der Person Jesu Christi aufgelöst
war. Dagegen akzeptierte die römische Kirche
die Ausdrucksweise von Papst Leo I., der die
Formel von »zwei Naturen in einer Person« prägte.
Die orientalisch-orthodoxen Kirchen — heute
die syrisch-orthodoxe, die
armenisch-apostolische, die äthiopisch-
orthodoxe und die orthodoxe Kirche Indiens —
akzeptierten diese Zweinaturenlehre des
Konzils von
Chalkedon
(451) nicht und sagten sich los. Die
Religionswissenschaft geht heute davon aus, daß
der Streit nur als Vorwand für
machtpolitische Intentionen herhalten mußte.
Bis
zur muslimischen Eroberung Ägyptens im 7. Jh.
beuteten die byzantinischen Herrscher — die
nur kurzzeitig von persischen Sassiniden abgelöst
wurden — das Land erbarmungslos aus. Im
Einfallen der muslimischen Heere 641 sehen die
Kopten die Befreiung ihres Landes von der
Tyrannei. Und tatsächlich unternahmen die
Muslime in den nächsten vier Jahrhunderten
kaum Anstrengungen, die Kopten zu bekehren.
Erst
im 11. Jh. setzte die Verfolgung der Kopten
ein — unter dem Zwang konvertierten viele.
Der Islam war nicht mehr aufzuhalten. Die
koptische Gemeinde schrumpfte zu einer
Minderheit, wenn auch zu einer bis heute unübersehbaren.
Kopten sind im allgemeinen gebildeter als die
übrigen Ägypter, bekleiden überdurchschnittlich
viele mittlere Positionen. Der Aufstieg zu den
hohen Positionen in Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft ist ihnen in Ägypten aber
verwehrt. Berühmtester Kopte ist der
ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros
Ghali.
Der
Papst der Kopten, Patriarch Shenuda III.,
residiert in Alexandria und leitet seine Kiche
mit autoritärer Hand. Widerspruch und öffentliche
Diskussionen von Gläubigen gegen päpstliche
Entscheidungen
bestraft er gelegentlich mit Exkommunikation.
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