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Falls
die Kapelle betreten werden darf, dann nur
ohne Schuhe, wie der Herr in Exodus 3,5 Moses
befiehlt: »Und er sprach: Tritt nicht näher
heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen,
denn die Stätte, auf der du stehst, ist
heiliger Boden!«
Von
hier geht man den Weg durch die Basilika zurück,
an der Mosesquelle und am Klostereingang
vorbei und stößt am Ende der Gasse auf den
von einer Mauer geschützten brennenden
Dornbusch, eine Art, die auf dem Sinai
insgesamt nur zwölfmal von Botanikern geortet
wurde (nach Auskunft der Mönche scheiterten
auch alle Versuche, selbst von Botanikern,
Able
ger
dieses syrischen Blasenstrauches anderswo als
hier zum Gedeihen zu bringen).
Der
Glockenturm, ein Zarengeschenk aus dem 19.
Jh., besitzt zehn Metallglocken sowie eine aus
Holz, die allmorgendlich geschlagen wird, während
die Metallglocken nur an Fest- und Sonntagen
zu hören sind. Neben dem Turm liegt die
Moschee, die, so schließen Archäologen aus
der Grundstruktur, ein umgebautes Gästehaus
ist und im 11. Jh. zur Besänftigung des
vandalierenden Kalifen und Christenfeindes Al
Hakim erbaut worden war. Das 10 m hohe
Minarett ist niedriger als der Glockenturm;
den Schlüssel für die Moschee haben die Mönche
den Beduinen des Mosesbergs anvertraut.
Nur
auserwählten Fachbesuchern ist die Bibliothek
südlich der Basilika zugänglich. Sie
beinhaltet rund 2000 in zwölf Sprachen (u. a.
Griechisch, Syrisch, Armenisch, Arabisch,
Polnisch) verfaßte Bücher und Manuskripte
vom 3. bis zum 19. Jh. Zu dieser größten
Handschriftensammlung (3500 Bände) nach der
des Vatikans zählen einer der ältesten
Bibeltexte, der Codex Syriaticus (2. Jh.) und
der nicht minder bedeutende Codex Sinaiticus
(4. Jh.), und letzterer ist wiederum eng
verbunden mit der Geschichte des Leipziger
Theologen Friedrich Konstantin von Tischendorf
.
Die
Bibliothek des Klosters darf man sich nicht
vorstellen wie jenes Labyrinth des versteckten
Wissens aus »Der Name der Rose«. Das Anfang
der 50er Jahre erbaute Gebäude an der Südwestmauer,
das zudem noch eine lkonengalerie und das
Refektorium der Mönche beherbergt, ist ein
feuersicheres, nicht gerade geräumiges, aber
funktionales Haus, kaum geeignet für große
Besucherströme.
Die
Sammlung umfaßt Schriftrollen, manche mehrere
Meter lang, Pergamente und Bücher aus der
Zeit nach der Entstehung der Buch druckerkunst
im 15. Jh., die sich mit religiösen,
liturgischen, natur- und
geisteswissenschaftlichen sowie mit
historischen Themen befassen. Berühmt wurde
schon vor dem Codex Sinaiticus der Codex
Syriacus, die allererste Bibelübersetzung überhaupt
aus dem 5. Jh., die aus dem ursprünglichen
Pergament entfernt wurde, um es neuerlich zu
benutzen. Der Text ist deshalb teilweise mit
dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen.
Ein
anderer Schatz der Bibliothek ist das Traktat
des Abtes Klimakos aus dem 12. Jh., das sich
mit der Himmelsleiter beschäftigt (s. S. 86).
Das in 30 Kapitel unterteilte Buch gibt einen
aufschlußreichen Ein
blick
in das Klosterleben, da sich der Autor nicht
nur allgemein mit den 30 Tugenden, die in den
Himmel führen, und den Versuchungen, die das
verhindern können, beschäftigt, sondern sich
sehr explizit zur mönchischen Lebensweise äußert:
wie man beispielsweise andächtig beten und
Ikonen verehren sollte, wie ein Mönch sich in
der Öffentlichkeit zu benehmen habe (leider
keine Pflichtlektüre für die heutigen Mönche).
Den
größten Schatz des Katharinenklosters repräsentiert
aber die lkonengalerie, die ebenfalls nicht
zugänglich ist und deren unermeßlichen
Reichtum an wertvollen Unikaten man nicht
einmal erahnen kann, wenn man die kleine
lkonenauswahl in der Basilika gesehen hat.
Außerhalb
des Klosters liegt der Garten, der von einer
Bergquelle mit ausreichend Wasser versorgt
wird. Die Erde, auf der hier Oliven,
Aprikosen, Orangen und Gemüse für die Mönche
gedeihen, holten schon vor Generationen die
Glaubensbrüder selbst aus fruchtbaren
Gegenden des Sinai. Ein unterirdischer Tunnel,
der blockiert ist, verbindet den Garten mit
dem Klosterinneren.
Als zentrales Gebäude lohnt die Kapelle des Tryphon,
die als Gebeinhaus dient, den Besuch. Da rund
um das Kloster felsiger Steinboden das Anlegen
von Gräbern unmöglich macht, werden in der
Kapelle die Skelette der verstorbenen Mönche
aufbewahrt.
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