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Allerdings:
Die frisch Verstorbenen werden für etwas mehr
als ein Jahr auf einem 4 x 2 m großen
Durchgangsfriedhof neben der Kapelle in der
Erde begraben, bis ihre Leichname skelettiert
sind. Danach werden die Skelette in die
Kapelle umgebettet, wobei das Wort umgebettet
eher übertrieben pietätvoll klingt. Wie sich
jeder Besucher mit einem Blick durch die
Gittertür vergewissern kann, herrscht in dem
Gebein- haus eine eigene, dem Klosterleben
entsprechende hierarchische Ordnung für die
Ewigkeit: Die Knochen werden auf einen Haufen
geschichtet, die Schädel auf einen anderen
— soweit es sich um einfache Mönche
handelt. Aber auch nach ihrem Ableben sind
nicht alle Bewohner des Klosters gleich. Märtyrer
und Bischöfe werden etwas pietätvoller in
Holzkästen in bestimmten Nischen der Kapelle
zur letzten Ruhe gebettet. Eine ungewöhnliche
Prozedur wiederfuhr einem Eremit und Heiligen
namens Stephanos, gestorben 580: Er wurde
lange Zeit auf einem Stuhl sitzend, bekleidet
und eine violette Kappe auf dem Schädel
tragend, zur Schau gestellt. Diese makabre
Sehenswürdigkeit wurde mittlerweile entfernt.
Um
einen Eindruck von der Größe des Klosters zu
bekommen, lohnt es sich, nach der Besichtigung
ein wenig gegenüber dem Klostereingang am
Berg hochzuklettern und zu verweilen; schon
aus geringer Höhe hat man einen guten
Einblick in die Anlage. Wo Moses die Zehn
Gebote empfing — Der Gebel Musa
Der
2285 m hohe Mosesberg (Berg Sinai) gilt nicht
nur Christen als heilig, sondern auch den
beiden anderen Offenbarungsreligionen, Islam
und Judentum. Was geschah hier nach dem Auszug
der Israeliten wirklich? Und: Wo geschah was?
Die Bibelforschung versucht, ohne absehbares
Ende, zu klären, wo Schlüsselereignisse der
Bibel wirklich stattfanden. Auf dem Berg Sinai
gab Gott, so die Überlieferung, Moses die
Zehn Gebote (s. S. 94 f.).
Vom
Berg Horeb spricht das Alte Testament. Ob
damit aber der Berg Sinai oder der Gebel
Serbal nahe der Oase Feiran gemeint war, ist
nicht durch Fakten belegbar. Für den Berg
Sinai spricht vor allem die frühe Anwesenheit
der Einsiedlermönche an diesem Berg, möglicherweise
hatten sie genauere Hinweise aus alten
Schriften, die inzwischen verlorengegangen
sein könnten. Im Arabischen wird der
Mosesberg Gebel Musa, oft auch Gebel Iti
genannt, der Berg, an dem man sich verliert
— wie sich die Israeliten verloren, als sie
um das Goldene Kalb tanzten, während Moses
den Dekalog empfing.
Es
ist früher Morgen am Fuß des Berges Sinai,
kurz nach zwei Uhr. In dem einfachen
Matratzencamp, das Beduinen hier betreiben,
erwacht das Leben. Dutzende Touristen und
Pilger, die am Vorabend angereist sind,
trinken ein Glas starken Tee und versuchen,
ihre Müdigkeit abzuschütteln. Sie haben eine
anstrengende Tour vor sich.
Ein
Schotterweg führt von dem Camp zum großen
Sammelplatz, wo bereits Kameltreiber mit ihren
Tieren darauf warten, daß sie aus der
Richtung des Camps die ersten Kegel von
Taschenlampen näherkommen sehen. Mindestens
50 LE werden sie dafür verlangen, daß all
die Leute, die keine große Wanderlust verspüren,
etwa zwei Drittel des Weges Sikket el Basha
hoch zum Gipfel mehr oder minder bequem auf
dem Rücken eines Kamels zurücklegen können.
(Ein anderer, äußerst anstrengender Weg
namens
Sikket Saydna Musa führt hinter dem Kloster
zum Mittelplateau: die Mosesstiege, die sich
allenfalls für geübte Berggeher empfiehlt.)
Die Gruppen, die den gleichen Berg besteigen wollen,
auf den Moses mit weit über 80 Jahren
geklettert sein soll, sind bunt gemischt:
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