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    Ägypten

 

   

Junge Leute, Rucksackreisende, Pauschaltouristen, die mit dem Bus kamen, Sinai-Traveller, die mit dem Jeep quer durch die Wüste angefahren kamen — und viele, viele alte Leute, Gläubige aus allen Ländern, die sich, so betagt sie auch sein mögen, diesen Weg zu gehen ein Leben lang gewünscht haben — so wie sich andere in Jerusalem auf dem kurzen Kreuzweg Jesu, der Via Dolorosa, mit schweren Kruzifixen selbst geißeln. Wer viele der alten Menschen sieht, vor allem im letzten Drittel des Weges, wie sie sich keuchend und mit hochrotem Kopf die unregelmäßigen Steinstufen — nicht viel mehr als zurechtgelegte Felsblöcke — hochquälen, wer sieht, wie manche am Ende ihrer Kräfte kurz vor dem Ziel aufgeben müs-

sen, wer das gesehen hat, der fragt sich, ob niemand diese Menschen vor der kolossalen Anstrengung gewarnt hat und wie viele hier oben wohl schon kollabiert sind, ohne daß man je davon erfahren hat. Die Beduinen jedenfalls sagen, sie würden regelmäßig halbtote Pilger vom Berg holen.

Den Mosesberg, der einen grandiosen Blick über den Sinai bietet, kann ein guter, zügiger Bergwanderer in rund drei Stunden besteigen. Wer, wie die meisten Besucher, wegen der schon früh am Tag sehr hohen Temperaturen in der Nacht zu dem Marsch aufbricht, verpaßt natürlich viel von der wunderbaren Landschaft (von November bis März kann man die Tour auch bei frühem Tageslicht begin

nen, ohne die Mittagshitze fürchten zu müssen).

Nahe dem Kloster führt der Schotterweg in Serpentinen auf den 2285 m hohen Berg. Vor dem letzten, steilen Stück lädt ein Plateau mit einer großen Zypresse zur Rast ein. Hier soll der Herr Elias erschienen sein, und hier sollen sich zwei Höhlen befunden haben. In der einen versteckte sich Elias vor den Israeliten, die ihn töten wollten; in der zweiten Grotte soll er sich verborgen haben, nachdem er die Priester, die dem heidnischen Gott Baal dienten, ermordet hatte. Eine verlassene Kapelle erinnert an den Propheten. Vor der Mosesstiege soll nach einer anderen Überlieferung der heilige Stefan Pilgern die Beichte abgenommen haben, ehe er ihnen die Absolution erteilte und sie das Tor des Glaubens passieren ließ: barfuß, so wie auch Moses barfuß vor dem Herrn gestanden hat.

Vom Mittelplateau führen nun die anstrengenden Stufen zum Gipfel. Kurz unterhalb des Gipfels liegt ein kleines Plateau; ein Stein trägt einen Abdruck, von dem der beduinische Volksglaube sagt, es sei der Fußabdruck eines Kamels des Propheten und stehe in Verbindung mit Mohammeds Nachtreise in den Himmel (nach offizieller Auslegung islamischer Geschichte fand diese wunderbare Reise mit dem Pferd Al Buraq allerdings in Jerusalem statt, das deswegen nach Mekka und Medina auch drittheiligster Ort der Muslime ist).

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