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Der
Koran allein erlaubt aber aufgrund seiner
vielen widerstreitenden Aussagen noch keine
eindeutige Auslegung. Diese wird erst eini
germaßen
möglich durch die sunna. Sie umfaßt den
Koran und die hadith, ursprünglich hauptsächlich
mündlich überlieferte Sprüche und
Auslegungen Mohammeds zum Koran, sowie die
dokumentierte Lebenspraxis des Propheten,
wobei nach gesicherten, glaubhaften und
unglaubhaften Hadith unterschieden wird.
Dieser
Lebenspraxis eifern die Sunniten nach. Als
oberste Instanz in Fragen der Auslegung wird
von vielen Sunniten die AI-Azhar-Universitätsmoschee
in Kairo angesehen, deren Entscheidungen
aufgrund eines Zwei-Kammer-Systems aber häufig
widersprüchlich sind.
Die
Minderheit der schiitischen Muslime hingegen
betrachtet religiöse Gelehrte als weitere
Quelle der Willensauslegung Allahs, wie es z.
B. im Iran des verstorbenen Ajatollahs
Khomeini und seiner Nachfolger Praxis war.
Der
Koran, die jüngste der drei Offenbarungen,
stellt ein unnachahmbares Meisterwerk
arabischer Prosa dar, dem schon Johann
Wolfgang von Goethe im West-östlichen Divan
(1819) seine kritische Bewunderung zollte: »Und
so wiederholt sich der Koran Sure für Sure
[..1. Nähere Bestimmungen des Gebotenen und
Verbotenen, fabelhafte Geschichten jüdischer
und christlicher Religion 1...] bilden den Körper
dieses Buches, das uns, so oft wir auch daran
gehen, immer von neuem anwidert, dann aber
anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende
Verehrung abnötigt.«
In
den meisten arabischen Ländern ist zum Ende
des 20. Jhs. eine friedliche Renaissance des
Islams zu beobachten. Eine gegenläufige Strömung
ist allerdings der militante Fundamentalismus,
der häufig zur Mobilisierung der Massen und
zum zweck der Motivierung der Kämpfer den
dschihad ausruft, was mit >Heiliger
Krieg< ziemlich unzutreffend übersetzt
ist. Dschihad, arabisch für >Bemühung>,
meint das Bestreben, Gottes Wort zu folgen,
ein guter Mensch zu sein. Vorrangiges Ziel des
Dschihad ist nicht die Missionierung Ungläubiger,
sondern die territoriale Ausdehnung der
islamischen Gesellschaftsordnung, die von
Andersgläubigen Unterwerfung fordert, deren
Glauben im Idealfall aber toleriert. Die
islamische Glaubensgemeinschaft ist zum
Dschihad verpflichtet. Die militante
Komponente steht nicht an erster Stelle,
jedoch offenbart sich hier eine Schwäche des
Islam und aller Offenbarungsreligionen, die
sich für radikale Ziele in jede Richtung
interpretieren, für politische Ziele bequem
instrumentalisieren lassen, wie das aus dem
Christentum und dem Judentum ebenso bekannt
ist.
Reform-
und Modernisierungsversuche des Islam gab es
zuhauf. Doch die überwältigende Mehrheit —
Anhänger der sogenannten reinen Lehre —
hielt und hält am Überbrachten fest,
verschließt sich Veränderungen und
Anpassungen an moderne Gesellschaftsstrukturen
und globale Entwicklungen.
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