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    Ägypten

 

   

Politik auf ägyptisch

Das Rote Meer — Ägyptens strategische Küste

Am Roten Meer gab es durch die Jahrhunderte für Ägypter, Römer und andere Herrscher immer drei Interessen. Über die Häfen konnte Außenhandel betrieben werden, oder andersherum, über das Rote Meer ließ sich, wie es die Engländer im Zweiten Weltkrieg demonstrierten, über Port Safaga der Nachschub für die Truppen in Nordafrika sichern. Das andere Interesse galt von Frühzeiten an den Granitsteinbrüchen von Mons Claudianus und Mons Porphyrites, die das Material für Statuen ebenso im pharaonischen Ägypten hergaben wie um die Zeitenwende unter den Römern. Ebenfalls von Interesse waren, solange es etwas zu fördern gab, die Goldminen, die heute so ausgebeutet sind, daß nicht einmal mehr die verwegensten Goldgräber auf die Idee kämen, am Roten Meer zu schürfen.

Wenn das Rote Meer in diesem Jahrhundert dennoch Aufmerksamkeit auf sich zog, dann waren und sind es Expeditionen internationaler Ölfirmen, die sehr ergiebige Bohrstellen fanden und noch immer neue finden. Seit dem ersten israelisch-arabischen Krieg 1948/49 und den darauffolgenden Konflikten mit Israel galt das Rote Meer als immerwährend potentielles Frontgebiet, das zum Schutz vor Invasio

nen komplett vermint wurde — und dies viele Jahre über den Friedensschluß mit Israel (1979) hinaus blieb.

Erst Mitte der 80er Jahre waren die ägyptischen Militärs dazu zu bewegen, an Orten wie Hurghada, dessen Flughafen lange als Militärbasis diente, die Entwicklung des Massentourismus zu dulden. An gesperrten Stränden und Wüstenabschnitten liegen noch heute scharfe Minen, da zahllose Sprengkörper im Sand vergraben wurden.

Die Gouvernorate Sinai und Rotes Meer

Politisch sind der Sinai (Hauptstädte: El Arish und El Tur) und das Gouvernorat Rotes Meer (Hauptstadt: Hurghada) zwei der größten und militärisch sowie wirtschaftlich wichtigen Provinzen (Verwaltungsbezirke) der Al-Gumhurrija al-Arabija al-Misrija, der Arabischen Volksrepublik Ägypten, wie der offizielle Name des Landes seit 1971 lautet. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein präsidial bestimmter, zentralistischer Staat.

Der Staatspräsident heißt, seit der Ermordung Anwar el Sadats im Oktober 1981, Mohammed Hosni Mubarak. Er ist der starke Mann im Land und bestimmt den politischen Kurs, ernennt den Premierminister, die Minister, die Gouverneure und eventuell einen Vizepräsidenten (Mubarak hat keinen Stellvertreter). Der Präsident verkündet Gesetze,

erläßt Dekrete und schließt Verträge. Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist er befugt, mit Billigung des Abgeordnetenhauses den Krieg zu erklären. Der Präsident wird alle sechs Jahre vom Abgeordnetenhaus gewählt; zwei Amtsperioden sind möglich. Mubarak regiert auf der Grundlage eines kurzfristig beschlossenen parlamentarischen Sondergesetzes zum drittenmal. Ägyptens Präsidenten, so zeigt es die diesbezüglich kurze Geschichte, scheinen wegen ihrer Unersetzbarkeit gezwungen zu sein, im Amt zu sterben — sei es eines natürlichen Todes wie Nasser oder eines unnatürlichen wie Sadat.

Wirtschaft und Tourismus

Ägypten zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: das jährliche Pro- Kopf-Einkommen liegt bei 625 US-$. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 20 %, die Inflationsrate bewegt sich offiziell bei knapp unter 10 %. Die Auslandsschulden belaufen sich nach etlichen internationalen Schuldenerlässen auf über 30 Mrd. US-$ (bei einem Etat von über 22 Mrd. US-$ und Ausgaben von über 24 Mrd. US-$). Neben Israel gehört Ägypten zu den größten Empfängern amerikanischer Wirtschaftshilfe (2,1 Mrd. US-$/Jahr). Deutschland steuert weitere 220 Mio. DM jährlich bei.

Ägypten lebte nicht immer auf Pump. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Land noch potenter Kreditgeber. England stand damals mit 525 Mio. Pfund Sterling beim Königreich Ägypten in der Kreide. Nach Nassers unheilvoller arabisch- sozialistischer Regierung übernahm Sadat das Land mit 1,3 Mrd. US-$ Schulden, die sich bei Amtsantritt Mubaraks bereits auf 22 Mrd. summiert hatten. Mubarak verwaltet nun schon über 40 Mrd. US-$ Defizit (Auslands- und Inlandsschulden). Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank verlangen von Ägypten zügige Wirtschaftsreformen mit Privatisierung verstaatlichter Betriebe.

Doch angesichts der stetig wachsenden Bevölkerung kommt ein Teil der Reformen über den guten Vorsatz nicht hinaus. So werden seit Jahren etwa 55 bis 65 % der Lebensmittel für jährlich über 4 Mrd. US-$ importiert; Getreide stammt zu 70 `)/. aus dem Ausland. Die ägyptische Hausfrau kauft oft Orangen aus Florida, weil die ägyptischen Früchte aus dem Niltal der Devisen wegen exportiert werden. Die Handelsbilanz weist ein durchschnittliches Minus von 6 Mrd. US-$ auf.

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