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Im
Altertum schickten die Pharaonen Expeditionen
auf den Sinai, um Türkise und Kupfer
abzubauen. Die Vorkommen von Mineralien und
Kohle lohnen den Abbau aus wirtschaftlichen Gründen
nicht; allerdings wird im Golf von Suez und südlich
davon soviel Öl gefördert, daß Ägypten
damit etwa ein Viertel seiner Staatseinnahmen
bestreitet. Westlich der das Rote Meer säumenden
Küstengebirge finden sich große Vorkommen
von Phosphaten, Eisenerz, Porzellanerde
(Kaolin), Blei und Asbest, die industriell
geschürft werden. Die Goldminen, die hier in
der Antike betrieben wurden, lohnen heute
keinen Abbau mehr. Bergbau und Industrie
erwirtschaften zusammen nur 18 des
Bruttoinlandsprodukts.
Erst
moderne Technik macht heute den Sinai und die
Rotmeerküste zu dem, was sie für Massen von
Menschen mangels Infrastruktur nie waren:
bewohnbar. Heute wird mit Hilfe von Pipelines
und Tankern das überlebensnotwendige Wasser
herangeschafft. Täglich bringen Dutzende Lkws
aus dem Nildelta die Lebensmittel, die auf dem
Sinai und am Roten Meer niemals gedeihen oder
produziert werden könnten. Landwirtschaft und
Nahrungsproduktion auf dem Sinai hinken den
Bedürfnissen noch weit hinterher. Zum Teil
wird wertvolles Kulturland für den Hanfanbau
verwendet. Priorität hat die Bodengewinnung
durch Urbarmachung von Wüste. Bis Ende des
21. Jhs. soll das Kulturland Ägyptens —
bislang nur 4 % der Gesamtfläche — um 30
vergrößert werden. Die Erträge in der
Landwirtschaft liegen volkswirtschaftlich
gesehen noch hinter denen in Bergbau und
Industrie.
Geprägt
ist die ägyptische Wirtschaft durch den
Dienstleistungssektor, dessen Anteil am
Bruttoinlandsprodukt 37 % beträgt. Einen
zunehmend größeren Beitrag zum sich noch
langsam entwickelnden Aufschwung sollen der
Sinai und die Region Rotes Meer leisten. Beide
haben als natürliches Kapital ganzjährigen
Sonnenschein, ideale Voraussetzung für
Tourismus zu jeder Jahreszeit.
Schon
heute bringen die mehr als 4 Mio. Touristen
mit 24 Mio. Übernachtungen jährliche
Einnahmen von über 3 Mrd. US-$ (Haushaltsjahr
1996/97). Diese Spitzeneinnahmen, von 1991 bis
1996/97 bei leicht steigender Tendenz etwa
gleich, sagen — bei kräftiger Zunahme der
Zahl der Ägyptenurlauber — einiges aus über
das sich wandelnde Profil des Reisenden: die
neu dazugekommene Klientel ließ sich oft
durch Dumping-Angebote anlocken und reiste mit
kleinerem Urlaubsbudget an.
Bis
zur Jahrtausendwende soll sich die Zahl der
Touristen nach der vielfach als traumtänzerisch
kritisierten Vorstellung der Regierung auf 8
Mio. jährlich verdoppelt haben. Mit
Studientouristen alleine aber lassen sich
keine nennenswerten Zugewinne mehr machen.
Doch der ausgewiesen starke Trend, den
Studienurlaub mit einem Badeurlaub zu verknüpfen
oder einzig der Sonne und des Meeres wegen
anzureisen, ohne auch nur ein einziges
pharaonisches Monument zu besichtigen, läßt
Ägyptens Tourismusminister hoffen.
Nach
vier Krisenjahren, ausgelöst durch den
Golfkrieg und den anschließenden
fundamentalistischen Terror gegen Touristen,
begann sich der Reisemarkt 1996 zu erholen.
Die wichtigsten Herkunftsländer sind
Deutschland (mit knapp 400 000 Urlaubern, das
sind 12 % der Ägyptenreisenden, die größte
Gruppe), Italien und USA. Ägypten als
Destination entdeckten neuerdings auch
Reisende aus Japan und den ehemaligen
Ostblockstaaten.
Sinai
und Rotes Meer sollen sich schon zu Beginn des
nächsten Jahrhunderts in eine viele hundert
Kilometer lange Ferienanlage verwandeln. Die
Grundstücke mit Meerzugang sind bereits zu 97
% an Investoren verkauft oder zumindest mit
Optionen belegt. Spätestens bis zum Jahr 2000
sollen allein in Sharm el Sheikh über 30 000
Touristenbetten bereitstehen; schon bei 8000
Hotelbetten im Jahr 1997 mußten Lkws und
Tankschiffe den Hotels — trotz einer großen
Meerwasser-Entsalzungsanlage in Sharm el
Sheikh — Trinkwasser zum Kubik-
meterpreis
von 5 US-$ zuliefern.
Das Hoffen auf den großen Devisenregen durch einen
anhaltenden Urlauber-Boom wird verständlich,
wenn man die wirtschaftliche Lage Ägyptens
betrachtet, die einem auf dem Sinai oder am
Roten Meer nicht bewußt werden kann — hier
tritt der Ägypter beinahe nur mehr in Gestalt
von Bedienungspersonal in Erscheinung. Armut,
wie sie den Rest des Landes prägt, gibt es
hier kaum.
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