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Auf
zwei verschiedenen Wegen, die jeder ca. drei
Stunden dauern, geht man über ein Plateau mit
antiken Wandzeichnungen hoch zu dem Tempel
(850 m), der während der 12. Dynastie
(20.-18. Jh. v. Chr.) der Göttin Hathor
geweiht wurde
und
auch Inschriften der Pharaonin Hatschepsut aus
der 18. Dynastie (16.-11. Jh. v. Chr.)
aufweist.
Die
Göttin Hathor, altägyptische Herrin ferner Länder,
des Himmels, der Freude und des Weins,
dargestellt oft mit Hörnern und Kuhohren,
wurde auch als Herrin des Türkislandes
angebetet. Der blaue und blaugrüne Türkis
gilt den Ägyptern seit jeher als besonderer
Edelstein: im pharaonischen Jenseitsglauben
galt er als Sinnbild der Erneuerung; heute ist
es im weit verbreiteten Aberglauben die Farbe,
die vor allem in der Form des Auges oder einer
offenen Hand die bösen Blicke der Neider
brechen soll.
Der
Tempel wurde in mehreren Stufen erbaut und
erweitert. Während der 12. Dynastie entstand
die Felskapelle der Hathor, im Lauf der
folgenden Jahrhunderte ließen Pharaonen neue
Räume hinzufügen; der letzte entstand gegen
Ende des Neuen Reichs unter Ramses VI. (20.
Dynastie, 12. Jh. v. Chr.).
Bemerkenswert
ist die große Anzahl von Stelen, die überzogen
sind mit Inschriften: fast buchhalterisch
genaue Berichte über diverse Expeditionen zu
den Türkis- und Kupferminen (letztere im
nahen Wadi Nasib). Der Archäologe Flin
ders
Petrie entzifferte die Texte Anfang dieses
Jahrhunderts. Darüber hinaus wies Petrie aber
auch nach, daß in dem Tempel die alten Ägypter
gemeinsam mit Semiten ihre Religion ausübten,
wodurch er belegt sah, daß die überwiegend
aus Beamten und Schreibern bestehenden
Expeditionen keine Sklaven hielten, sondern
Arbeiter aus der Umgebung anheuerten, höchstwahrscheinlich
Halbnomaden. Angesichts der nur saisonalen Präsenz
der Ägypter wäre die Organisation einer
funktionierenden Sklavenhaltung auch zu teuer
gewesen.
Einen
nicht unbeschwerlichen Ausflug vom Serabit aus
ist der Talkessel des Gebe! Fuga wert, bekannt
für eine geologische Einmaligkeit des Sinai.
Aus dem Boden wachsen in den Ausmaßen eines
kleinen Waldes, Stalagmiten nicht unähnlich,
Lavasäulen, Forest of Pillars genannt, die
zum Großteil aber bereits zerbrochen sind.
Richtung Gebel Fuga erreicht man mit einer
guten Karte, oder besser noch einem Führer
aus der Beduinensiedlung Bir Nasib, eine
Region ehemaliger Kupferminen sowie das Wadi
Baba und das Wadi Kharig; vom Forest of
Pillars aus kann man ins Wadi Feiran (s. S. 76
ff.) weiterfahren.
Ausschließlich
mit einem Führer sollte man vom Serabit el
Khadem aus die Weiterfahrt ins Wadi Mukattab
und von dort bis zum Katharinenkloster erwägen.
Die Strecke ist äußerst schwierig; man verfährt
sich sehr leicht.
Von
Abu Rudeis nach EI Tur
Von
der Küstenstraße abzweigend führt 36 km südlich
von Abu Rudeis eine gut ausgebaute Straße
durch das Wadi Feiran, von wo aus man einen
Abstecher ins Tal der Inschriften, zum
Katharinenkloster und von dort weiter an die
Ostküste unternehmen kann (s. S. 74 ff.).
Nächster
Ort an der Küstenstraße ist nach weiteren 72
km EI Tur (auch Tur Sinai genannt). Der Ort löste
im 11. Jh. Suez als Haupthafen des Sinai ab
und gelangte durch Waren und Pilger von und
nach Arabien zu Wohlstand. Hier mußten nach
Ägypten zurückkehrende Mekkapilger, oft bis
zu 25 000 Menschen am Tag, unter Quarantäne
bleiben und versorgt werden.
Heute
lebt El Tur, eine unattraktive Siedlung und
Sitz der Verwaltung des südlichen Sinai, von
der Landwirtschaft. Japan stiftete dem Ort ein
modernes Kulturzentrum, das nahe der
verfallenen Türkenfestung errichtet wurde.
Bei den Aushubarbeiten fand man Keramiken,
Ziegel- und Steinbauten aus mameluckischer
Zeit. Die örtliche Kirche gehört zum
Katharinenkloster. Obwohl der berühmte
Schutzbrief des Propheten, der die Mönche des
Klosters vor Massakern durch islamische Araber
bewahrte, auch für diese Kirche galt, wurden
im 15. Jh. von arabischen Stämmen 40
Kirchenleute ermordet, die man heute als Märtyrer
verehrt.
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