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    Portugal & Algarve

 

   

Zwischen Europa und Afrika Reist man über die monotonen Weiten des Alentejo in die Algarve ein und überquert die dichten Wälder der Serra de Monchique, wähnt man sich eher im nordafrikanischen Maghreb als in Portugal. In einer sanften Gartenlandschaft mit gepflegten Obstplantagen gedeihen Feigen, Zitrusfrüchte, Johannisbrot und Mandeln. Flache, weißgekälkte Häuser mit den hohen, minarettartigen Schornsteinen schimmern durch die Baumreihen, dunkelhäutige, eher kleinwüchsige Menschen sitzen in ihren Schatten. Die Szenerie könnte dem marokkanischen Rif entnommen worden sein.

So ganz trügt der Schein nicht, denn über viele Jahrhunderte war die Region dem afrikanischen Kontinent wirtschaftlich, klimatisch, historisch und selbst geographisch näher als dem übrigen Portugal. Die Sonderstellung der Algarve erkannten auch die portugiesischen Könige. Bis ins 20. Jh. nannten sie sich »König von Portugal und der Algarve«.

Geographisch war die Algarve, besonders in Zeiten primitiver Verkehrsmittel, eine abgeschiedene Region. Im Norden erstrecken sich in Ostwestrichtung die Serra de Monchique (bis 902 m) und die Serra do Caldeiräo (bis 577 m); sie erschwerten den Zugang zur südlich-

 

sten Provinz Portugals. Im Osten bildet der weite Rio Guadiana ein natürliches Hindernis, im Süden und Westen grenzt die Algarve an den Atlantik. Bevor moderne Verkehrsmittel Südportugal erschlossen, erreichte man die Algarve am einfachsten auf dem Seeweg. Die islamischen Araber wagten 711 den kurzen Sprung über die Straße

von Gibraltar und blieben fünf Jahrhunderte lang. Ihnen verdankt die Region viel von ihrem heutigen Erscheinungsbild. Und ihren Namen. AI-Gharb bedeutet auf Arabisch >Westen< und zeigt an, in welcher Himmelsrichtung, von Damaskus, der Metropole des Omayyadenreiches, aus gesehen, die Algarve lag.

Grob läßt sich die Algarve in zwei geographische Gebiete aufteilen. Im Norden erheben sich die Schieferberge der Serra do Caldel. räo und das Eruptivgestein der Serra de Monchique. Südlich davon ziehen sich Kalkhügel bis zur Küste. Die Küste selbst wird von ihrem westlichsten Punkt, dem Cabo de Säo Vicente, bis nach Faro von 20-60 m hohen Steilwänden mit Sandbuchten und vorgelagerten Felsformationen gebildet; ab Faro bis zum Rio Guadiana fällt die Küste flach ins Meer ab. Schier endlose Sandstrände, teilweise auf Nehrungen, durch Marschen und Lagunen vom Festland getrennt, charakterisieren diesen östlichen Abschnitt. Sotavento nennen die Portugiesen diese Küste, Land im Lee des (West-)Windes. Die Felsalgarve im Westen heißt Barlavento, Land auf der Luvseite.

So widrig dem Reisenden vergangener Jahrhunderte die nördlichen Gebirgszüge erschienen, so vorteilhaft sind sie für das Klima der Algarve. Die Serras bilden als Wetterscheide eine unüberwindbare Hürde für kalte Luftströme aus dem Norden. Das Klima der Region ist mediterran mit milden Wintern — Ende Januar beginnt bereits die Mandelblüte — und warmen, trockenen Sommern. Regen fällt nur im Winter. Die Vegetation ist subtropisch; Obst und Gemüse wird angebaut, in geschützten Lagen gedeihen sogar tropische Nutzpflanzen wie Bananen und Zuckerrohr.

 

Geographie und Klima

Mit 92 000 km2 (einschließlich der Azoren und Madeira) nimmt Portugal nur etwa ein Viertel der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ein, ist aber dreimal so groß wie Belgien. Das Festland erstreckt sich über das Gebiet zwischen 37° und 42° nördlicher Breite im Westen der Iberischen Halbinsel, an der Portugal einen Anteil von gerade 15 % hält. In Nord-Süd-Richtung lassen sich höchstens 560 km (Luftlinie) zurücklegen, zwischen Atlantik und Spanien sind es maximal

220 km. Die geschichtsträchtige Grenze zu Spanien mißt stolze 1215 km. Die 830 km der Atlantikküste haben Portugals Platz in der Weltgeschichte ebenso bestimmt wie die relative Abgeschlossenheit durch die Gebirgszüge des Nordens und des Westens. Zwei geographische Punkte markieren die Randlage Portugals besonders deutlich.

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