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Besonders
im Süden des Landes trifft man vereinzelt auf Roma und Sinti,
die mit ihren Pferde- und Maultiergespannen draußen vor den
Ortschaften campieren. Religion
Unter den
Glaubensgemeinschaften Portugals dominiert eindeutig die
römisch-katholische Kirche mit einem Anteil von über 94 % der
Bevölkerung. Dazu gesellen sich 38 000 Protestanten und eine
geringe Anzahl von praktizierenden Moslems und Juden.
Hinsichtlich eines praktizierten Katholizismus herrschen
eklatante regionale Unterschiede. Im Norden des Landes sind
die Einflüsse der Kirche viel deutlicher zu spüren als im
teilweise antiklerikalen Süden. Besonders im Alentejo und
natürlich in den Großstädten Lissabon und Porto steht man dem
Klerus zurückhaltend, ablehnend, manchmal sogar feindlich
gegenüber.
Die
unterschiedlichen Einstellungen zur Kirche haben historische,
aber auch wirtschaftliche Gründe. Nordportugal war bereits
Mitte des 9. Jh. wieder in christlicher Hand, dagegen
behaupteten sich die moslemischen Mauren im Süden bis ins 13.
Jh. Während der Reconquista erhielten die Ritterorden große
Ländereien vom Staat, die den Grundstein zum Großgrundbesitz
der Kirche legen sollten. Die Besitzstruktur spiegelte schon
bald das unterschiedliche Verhältnis zur Kirche wider. Der
Kleinstgrundbesitz im Norden war verbunden mit überschaubaren
Kirchengemeinden. Im Süden gab sich die Kirche auf ihren
Latifundien anonym — und reich. Bis 1750 verstand sie es immer
wieder, sich gegenüber den Interessen absoluter Herrscher
einerseits und einem erstarkenden Bürgertum andererseits zu
behaupten.
Im
Zeitalter der Aufklärung war es dann der Marques de Pombal,
der die Macht der Kirche erheblich beschnitt. 1750 reformierte
er die allmächtige Inquisition; neun Jahre später vertrieb er
den Jesuitenorden, der bis dato das gesamte Erziehungssystem
beherrscht hatte. 1821 wird die Inquisition endgültig
abgeschafft.
Im
Bürgerkrieg 1832-1834 stellte sich die Kirche auf die Seite
des absolutistischen Miguel. Nach dem Sieg der Liberalen 1834
hatte sie die Zeche dafür zu zahlen. Religiöse Orden wurden
verboten und der Kirchenbesitz versteigert. Nach er-
neuter
Wiederzulassung der Orden in den 50er Jahren mußte die Kirche,
mit der Ausrufung der Republik 1910, den nächsten Schlag
einstecken. Alle Orden wurden des Landes verwiesen, Staat und
Kirche getrennt, der Religionsunterricht abgeschafft und ein
Gesetz zur Ehescheidung verabschiedet.
Zu Zeiten
der Republik nicht eben verwöhnt, atmeten die Kirchenfürsten
schließlich auf, als der in einem Priesterseminar erzogene
Diktator Salazar die Macht im Lande übernahm. Salazars
Faschismus konnte sich ihrer stillschweigenden Duldung sicher
sein. Ausgerechnet der Kirchensender Radio Renascena war es
aber, der den Anstoß zum Sturz der Diktatur gab. Er strahlte
mit dem Lied »Grändola, Vila Morena« das Signal für den
Militärputsch am 25. April 1975 aus . Das neue Regime und die
Kirche arrangierten sich.
Amtskirche
und Volksglaube sind zweierlei in Portugal. Besonders in den
östlichen Landesteilen mit einer hohen Analphabetenquote haben
sich zahlreiche >heidnische< Riten erhalten, von besonderer
Bedeutung ist die Heiligenverehrung.
Die
Säkularisierung hat dazu geführt, daß der Staat keine
Kirchensteuer einzieht. Portugiesische Geistliche erhalten ihr
Einkommen direkt von ihren Gemeinden in form von Spenden oder
Gebühren für I eier lichkeiten wie Hochzeilen und
Beerdigungen.
Nein, auf taube Ohren stößt Luis Vaz de Camöes (um 1524-1580)
heute nicht mehr. In jeder Stadt, in jedem Ort ist ein Platz
oder eine Straße nach dem Dichter des portugiesischen
Nationalepos »Os Lusiadas« (Die Lusiaden) benannt. Vasco da
Gamas Reise nach Indien war ihm Anlaß, die Leistungen der
Entdeckungsreisenden in einer lyrischen Heldensage als
historische Großtat gebührend zu würdigen. Die Erinnerung an
Portugals einstige Größe ist so eng mit Camöes' Lusiaden
verbunden, daß man diesem gern seinen etwas lockeren
Leberlswandel verzeiht.
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