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Man sagt ihm nach, daß er nie ein Glas Wein ausgeschlagen und auch den Umgang mit leichten Mädchen nicht gescheut habe. Wegen Spielschulden sei er gelegentlich auf der Flucht gewesen, und um eine Schlägerei konnte er nur schwer einen Bogen machen. Den schmerzlichen Verlust eines Auges schreiben manche heroischen Taten in einer Schlacht bei Ceuta zu, andere wiederum sehen die Ursache in einer wüsten Kneipenprügelei. Sagenhaft ist es auch, daß er auf dem Weg nach

Goa im Mekong-Delta Schiffbruch erlitten habe und mit einer Hand schwimmend, mit der anderen Hand sein Lusiadenmanuskript aus dem zerstörerischen Wasser haltend schließlich das rettende Ufer erreicht habe. Kurz, eine Biographie des Dichters wäre heute ein Bestseller.

Fernäo Mendes Pinto hat seine Autobiographie geschrieben. Sie erzählt vor allem von den 21 Jahren (1537-1558), die er für eine Weltreise nutzte. Dem Reisenden Pinto widerfuhren die unglaublichsten Dinge, die er alle wundersamer- weise überlebte. Nachzulesen in einem der ersten abenteuerlichen Reiseberichte der Weltliteratur, den »Peregrinacem de Fernäo Mendes Pinto«.

Gil Vicente (ca. 1470-1536) besaß ein sehr feines Gespür für die Gesellschaft, in der er lebte. Er schrieb Komödien, in denen er sich satirisch mit seinen Mitmenschen aller Stände auseinandersetzte, deren Leben er zu präzisen Karikaturen verarbeitete. Vicente gilt als der eigentliche Begründer des portugiesischen Theaters. Anders als Camöes wurde er schon zu Lebzeiten berühmt; seine Stücke spielte man in vielen Ländern Europas.

Die Inquisition (1536-1821) zwängte die Literatur in ein Korsett aus Gesinnungsschnüffelei und Zensur. Nur wenige wagten angesichts drakonischer Strafen, sich kritisch zu Fragen der Zeit zu äußern. Einer von ihnen war der Jesuitenpater Antönio Vieira (1608— 1697). In seinen Predigten (sermöes) rief er zur Unterstützung der Unterdrückten und Rechtlosen, wie der Juden und — er lebte lange Jahre in Brasilien — der brasilianischen Indios auf. Seine Unerschrockenheit honorierte die Inquisition mit einigen Jahren Kerkerhaft.

Die Dichter der Romantik, wie Almeida Garrett (1799-1854) und Alexandre Herculano (1810-1877), waren zugleich Politiker und Verfechter des Liberalismus. Garrett machte sich einen Namen als Romancier (»Reisen in meiner Heimat»), als Erneuerer des Theaters und als Begründer des Historischen Romans in Portugal.

Ea de Queiros (1845-1900) gilt als der bedeutendste portugiesische

 

Romancier. Seine Werke sind ein kritisches Spiegelbild der Gesellschaft im ausgehenden 19. Jh. Das schwächliche Bürgertum wird in de Queiros' Romanen in all seinen dekadenten Gewohnheiten schonungslos entlarvt.

Der wohl bekannteste Vertreter portugiesischer Literatur des 20. Jh. ist Fernando Pessoa (1888-1935). In seinem erst 1982 publizierten »Buch der Unruhe« brilliert Pessoa durch eine filigrane psychologische Beobachtungsgabe. Er problematisiert in seinen Werken die gegeneinander kämpfenden Kräfte der Persönlichkeit. Diese Zersplitterung charakterisiert auch den Menschen Pessoa: Er schrieb unter vier verschiedenen Pseudonymen, die er jeweils mit einer detaillierten Biographie ausstattete.

Musik

Volksmusik in ihrer authentischen Form trifft man in Portugal nur noch in den abgelegenen Gebieten des Landesinneren an (mit Ausnahme des Fado). Sie ist ein Spiegelbild der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bevölkerung, der Landschaft und der Geschichte. Sie präsentiert sich ebenso unterschiedlich wie die einzelnen Regionen des Landes beschaffen sind.

Im abgelegenen Träs-os-Mont& findet man noch immer starke keltisee Einflüsse in der Musik. Die Instrumente der traditionellen Volksmusik sind die gleichen wie etwa in Schottland oder in der Bretagne: Dudelsack (gaita), Flöte (flauta) und Trommel (caixa). Mit der Landschaft werden im Minho auch die Töne weicher und harmonischer. Hier werden vor allem Saiteninstrumente gespielt: der cavaguinho, eine Ukulelenart, und die viola braguesa.

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