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Spät,
nämlich erst in der Mitte des 16. Jh., setzte sich die
Renaissance in Portugal durch. Die Zeit der manuelinischen
Phantasie war vorüber. Die klare Geometrie griechischer und
römischer Stilelemente prägt besonders das Bild Evoras. Die
Igreja da Graca, die Kirche Santo Antäo, die Universität
und der
Aquädukt machten üvora zur Renaissance-Hauptstadt des Landes.
Der Kreuzgang des Christusritter-Klosters in Tomar ist ein
weiteres bedeutendes Werk der portugiesischen Renaissance.
Von der
Spätrenaissance an bestimmten ausländische Baumeister die
portugiesische Architektur. Felipe Terzi importierte kühle
Strenge aus Italien und ließ sie in Coimbra, Tomar und
Lissabon zu Stein werden. Hervorzuheben ist die Igreja Säo
Vicente da Fora, deren weiße Türme sich über der Altstadt
Lissabons erheben. Mehrfarbiger Marmor betont die erhabene
Nüchternheit ihres Inneren.
Im
Zeitalter des Barock (17.18. Jh.) erlaubten brasilianische
Goldfunde die Inangriffnahme verschwenderischer Großprojekte,
allen voran das Kloster Mafra, das nach Plänen des Deutschen
Johann Friedrich Ludwig auf einer Fläche von 40 000 m2 (!)
errichtet wurde. Es waren ebensoviel Arbeiter wie Quadratmeter
nötig, um diesen Mehrzweckbau (Kloster, Kirche und Palast der
Bragaricas) in 13 Jahren (1717-1730) fertigzustellen. Ein
weiteres imposantes Werk des Barock ist die wunderschöne
Universitätsbibliothek von Coimbra.
Der
prächtigste Bau des Rokoko entstand ebenfalls maßgeblich unter
ausländischer Beteiligung. Der Franzose Jean Baptiste Robillon
war neben Vicente de Oliveira mit den Plänen für das
>portugiesische Versailles>, den Königspalast von Queluz,
betraut.
Nach dem
Erdbeben von 1755 setzte sich unter dem Marquös de Pombal der
nüchterne und funktionalere Klassizismus durch. Die neuen,
breiten, rechtwinklig angelegten Straßenzüge der Lissabonner
Baixa atmen den frischen Wind der Aufklärung. Imposante
Beispiele des Klassizismus sind weiterhin der (unvollendete)
Ajuda-Palast in Belöm und das Teatro Dona Maria II. am
Lissabonner Rossio-Platz.
Das 19.
Jh. bringt. den Historismus mit seiner Stilvielfalt und
Mischung etlicher Vorbilder. Sensationell ist der Pena-Palast
in Sintra, der nahezu alle Baustile von Orient und Okzident zu
einem wahren Märchenschloß vereint. Neomanuelinisch ist die
Fassade des Rossio-Bahnhofs in Lissabon, der mit seinen beiden
hufeisenförmigen Hauptportalen und einer Vielzahl von Türmchen
verspielt-exotisch wirkt. Im neomaurischen Stil zeigt sich die
Stierkampfarena Campo Pequeno, ebenfalls in Lissabon.
Die Ära
Salazar >bescherte> besonders der Hauptstadt einige
Monumentalbauten: das gigantische Padräo dos Descobrimentos
(Entdeckerdenkmal) in Belöm als Sinnbild unvergänglicher Größe
Portugals, die Tejo-Brücke und die Brücke über den Douro in
Porto sowie die riesige Christus-Statue auf der Südseite des
Tejo.
Lissabons
Postmoderne verkörpern die verglasten Einkaufstürme von
Amoreiras und das monumentale Centro Cultural de Belöm und
seit 1998 der EXPO-Komplex.
Sagres
Fast
trotzig kauern die niedrigen Häuser auf dem vom Wind
zerzausten Hochplateau über dem Atlantik. Wenig deutet heute
darauf hin, daß die sturmumtoste, von Felsbrocken übersäte
Küstenlandschaft einst Ausgangspunkt für die Entdeckung der
Kontinente und der Begründung eines weltumspannenden
Kolonialreiches war.
Die
Schroffheit und Einsamkeit der Gegend und die Lage am
südwestlichsten Zipfel Europas, der allerletzten Station vor
dem Unbekannten, der unerforschten Weite der Ozeane,
veranlaßten Heinrich den Seefahrer, im 15. Jh. hier eine
Seefahrerschule zu gründen, die Nautik, Geographie und
Schiffbau revolutionieren sollte.
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