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Ein paar
Gehminuten bergauf verbirgt sich hinter einer schlichten
Fassade ein prall gefülltes sakrales Schmuckkästchen, die
Igreja de Säo Roque. Nur das Portal der einschiffigen
Renaissance-Kirche hat das Erdbeben von 1 755 nicht
überstanden. Unversehrt geblieben sind ihre einzigartigen
Kunstschätze. Perfekte illusionistische Malerei auf der ebenen
Holzdecke täuscht dem Auge eine sanfte Wölbung vor. Bei der
Ausstattung der Kirche wurde an nichts gespart.
Holzschnitzereien, Marmor, Azulejos und Gemälde bedecken jeden
Winkel. Dennoch erscheint all das ärmlich im Vergleich zur
vierten Seitenkapelle links, der Capela de Säo Joäo Baptista
(Johannes der Täufer). Als König Joäo V. 1742 die Kapelle in
Italien in Auftrag gab, hat er nicht auf den Escudo geschaut.
Nur die wertvollsten Materialien sollten die italienischen
Barockmeister verwenden. Und was schließlich zerlegt auf drei
Schiffen in Lissabon eintraf, war nicht nur von Papst Benedikt
XIV. persönlich gesegnet, es übertraf an Kostbarkeit alle
Erwartungen. Aus Marmor, Lapislazuli, Amethyst, Elfenbein und
Alabaster waren Säulen und Skulpturen gearbeitet und dort, wo
es nötig schien, hatte man sie gar mit Gold, Silber oder
Bronze verkleidet. Ein weiteres Meisterstück der Italiener
besteht wohl darin, daß die Kapelle, trotz aller Pracht und
Detailvielfalt, nicht verwirrend und erdrückend wirkt, sondern
ruhig und harmonisch. Neben der Kirche ist das Museu de Arte
Sacra untergebracht, mit einer kleinen aber feinen Sammlung
sakraler Kunst des Barock.
Bergab
über die Rua Nova da Trindade gelangt man zum Largo do Chiado
und damit in eine stilvolle und schicke Einkaufsgegend.
Wenn Sie
noch Lust auf ein letztes Stück Kultur haben, schauen Sie auf
den Spielplan des Säo Carlos Opernhauses (wo während der
Spielzeit von November bis Juni zahlreiche Operngrößen
gastieren), zwei Minuten bergab. Wenn nicht, bummeln sie durch
die Rua Garrett, vorbei an Geschäften und Boutiquen, und
lassen den Nachmittag vielleicht im traditionsreichen Cafe A
Brasileira unter einer alten Holzdecke und inmitten von
Spiegelwänden ausklingen.
Zweiter
Tag
Von der
Praca da Figuera fährt die neue ultramoderne El&trico (15) zum
Tejo nach Belem. Schneller geht es mit dem Vorortzug in
Richtung Cascais ab dem Bahnhof Cais do Sodr. Achten Sie auf
das Schild Paragem em todas as esta0es (hält auf allen
Bahnhöfen). Schräg gegenüber des Bahnhofs offerieren die
Markthallen ein schier unglaubliches Angebot an Fisch,
Fleisch, lebendem Geflügel, Gemüse und Korbwaren. Auch die
Flüctricos halten am Cais do Sodr, so daß man hier seine Fahrt
für einen Marktbummel unterbrechen kann.
Eine Fahrt
nach Belem ist eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit,
als Portugal die reichste Nation Europas war. Eine
überwältigende Vorstellung vom Glanz und Reichtum dieser Jahre
vermittelt das bedeutendste Kunstwerk Lissabons, das prächtige
Mosteiro dos deckungsreisenden, die Spezereien, Gold und
Elfenbein nach Bel&n brachten, hatte derartig
verschwenderische Verzierungen möglich gemacht. Ihre
Erlebnisse und Eindrücke waren den Künstlern Grundlage und
Inspiration für Skulpturen und Reliefs .
Auch der
Ursprung des Klosters steht in unmittelbarem Zusammenhang mit
einem der ganz großen Entdecker, mit Vasco da Gama. Der soll
nämlich in einer kleinen Kapelle, an der Stelle des heutigen
Klosters, am Abend vor seiner Abreise nach Indien um günstige
Winde gebeten haben. König Manuel 1. gelobte seinerseits,
ebendort ein Kloster zu errichten, falls die Mission von
Erfolg gekrönt sein sollte. Heute ruhen sie beide in der
Hauptkirche, der Seefahrer und sein König. Am Westportal liegt
Vasco
da Gama in einem reich geschmückten Sarkophag
beigesetzt, daneben steht der des gefeierten LusiadenDichters
Luis de Camöes. Jener ist allerdings leer, denn Camöes fand
bei einer Pestepidemie den Tod, und so wurde sein Leichnam
verbrannt. Im Chor stehen die Sarkophage von König Manuel 1.
und Joäo III., im Querschiff die von Dom Sebastiäo und dem
Kardinal- König Henrique
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