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Mit einem
Bruttosozialprodukt (BSP) von knapp 10 000 US $ pro Kopf liegt
Portugal deutlich hinter den meisten übrigen EU-Staaten zurück
(zum Vergleich: Deutschland knapp 28 000 US $, Frankreich ca.
25 000 US $, Spanien knapp 15 000 US $). Es ist nach
Griechenland (ca. 8000 US $) das zweitärmste Land der
Gemeinschaft.
Die
chronische Schwäche der portugiesischen Wirtschaft hat ihre
Ursache in der wechselvollen Geschichte des Landes. Seit der
Gründung der ersten außereuropäischen Handelsstützpunkte im
15. Jh. bis zum Verlust der überseeischen Besitzungen 1974
hatte Portugal stets — wenn auch mit wechselndem Wohlstand —
von seinen Kolonien gelebt. Während die immensen Erlöse aus
Gewürz- und Sklavenhandel zunächst fast ausschließlich nach
Lissabon flossen und in prächtige Paläste wanderten oder ganz
einfach verpraßt wurden, besiegelte 1703 der Methuen-Vertrag
endgültig die wirtschaftliche Abhängigkeit von England. Vor
allem das brasilianische Gold sah Lissabon nur noch während
einer Stippvisite auf dem Weg nach London.
Portugal
fühlte sich nie veranlaßt, im eigenen Land größere
Investitionen zu tätigen. Notwendige Rohstoffe wurden billig
aus den Kolonialländern importiert, die wiederum — abgeschirmt
durch hohe Schutzzölle — Großabnehmer portugiesischer
Fertigprodukte waren, die auf dem Weltmarkt nicht
konkurrenzfähig gewesen wären. Vor dem Hintergrund dieser
ökonomischen >Symbiose< dämmerte die Industrialisierung
Portugals bis in die 60er Jahre des 20. Jh. vor sich hin.
Die Kosten
der Kolonialkriege hatten Anfang der 70er Jahre das
Staatssäckel bereits geleert; nach der >Nelkenrevolution<
drängten noch 700 000 Retornados ins Land, dazu kamen die
Folgen der Ölkrise: Das Land war so gut wie bankrott.
Die
Revolution von 1974 warf die Frage auf, was nun mit den großen
Industriebetrieben und Banken zu tun sei, die während der
Diktatur Salazars von einer Günstlingswirtschaft vereinnahmt
wurden. Da ein Unternehmertum in entsprechendem Maßstab
fehlte,mußte der Staat in die Bresche springen. Die folgenden
Verstaatlichungen und das unruhige soziale Klima veranlaßten
aber ausländische Investoren, die unter Salazar beste
Bedingungen (Streik- und
Organisationsverbot) vorgefunden hatten, sich jetzt aus
Portugal zurückzuziehen. Die politische Instabilität
verhinderte zudem effektive ökonomische Planungen. Leitende
Positionen in Wirtschaftsbetrieben wurden eher unter
politischen Gesichtspunkten als nach Kompetenzkriterien
vergeben. Die wirtschaftliche Lage verschärfte sich Mitte der
80er Jahre und zeigte erst nach dem EG-Beitritt im Jahr 1986
Anzeichen einer Besserung .
In
Portugal sind noch etwa 12 der Bevölkerung in der großenteils
archaischen Landwirtschaft (5 % des Bruttosozialproduktes/BSP)
beschäftigt. Die übrigen Arbeiter und Angestellten verteilen
sich etwa zur Hälfte auf Industrie (38 % des BSP) und
Dienstleistungen (56 % des BSP).
Landwirtschaft und Viehzucht
Kleinstgrundbesitz im Norden und Großgrundbesitz in den Weiten
von Alentejo und Ribatejo teilen die portugiesische
Landwirtschaft in zwei Extreme. Gemeinsam ist ihnen die
eklatante Rückständigkeit. Die Vernachlässigung der
Landwirtschaft, der unproduktivsten in
Europa, hat eine lange Tradition. Nach der
allmählichen Vertreibung der Mauren im 12. und 13. ih.
verteilte der Hof als Gunstbeweis große Latifundien im
Alentejo an den Adel und schuf damit die Basis für eine heute
noch bestehende Agrarstruktur. Nie zeigten die
Großgrundbesitzer ein Interesse an der Erhöhung der
Produktivität auf ihren Ländereien. Im Gegenteil: Extensive
Nutzung als Weideland oder durch Korkeichen und Olivenhaine
war die Regel, weite Landstriche lagen brach. Den
Landarbeitern brachte dieses System nur saisonale
Beschäftigung, die Löhne konnten niedrig gehalten werden.
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