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Eine Mechanisierung und
Intensivierung der Landwirtschaft hätte die Produktionskosten
erhöht; den zumeist in Lissabon lebenden Großgrundbesitzern
reichte der Erlös ihrer mißlich bestellten Ländereien allemal.
Im Norden dagegen war die Anschaffung von Traktoren aufgrund
der winzigen Betriebseinheiten ohnehin unrentabel.
Nach der Revolution von
1974 drängten die Landarbeiter auf eine schnelle Agrarreform.
Sie besetzten viele Latifundien und stellten die Regierung
damit vor vollendete Tatsachen. Im nachhinein wurden diese
Aktionen legitimiert. Mit Unterstützung der kommunistischen
Partei wandelte man die besetzten Gebiete in Kollektive um und
überführte sie in Staatseigentum. Eine Umverteilung zugunsten
privaten mittleren Besitzes wurde nicht vorgenommen.
Seit 1977 erfolgte eine
schrittweise, nicht immer gewaltfreie Rückgabe der Ländereien
an die vorherigen Besitzer. Die Kollektive wurden ihrer besten
Anbaugebiete und damit der Möglichkeit, rentabel zu
wirtschaften, beraubt. Die kurzfristige Tendenz einer
positiven Beschäftigungslage kehrte sich rasch um. Die
Bevölkerung, allen voran die Jungen, floh in die ökonomisch
weniger katastrophalen Küstenregionen.
Portugal kann sich nicht
selbst versorgen. Über die Hälfte der Nahrungsmittel muß
eingeführt werden. In den Kleinstbetrieben des Nordens wird
nach wie vor in erster Linie Subsistenzwirtschaft betrieben,
die Latifundien des Alentejo arbeiten auf archaischem Niveau.
Gemäß den klimatischen
Gegebenheiten herrschen im Norden Mais-, Roggen- und Weinanbau
vor, im Alentejo und Ribatejo überwiegt der Weizen, im
Tejo-Tal liegen große Reisfelder. Die Algarve ist das Zentrum
von Obst- und Gemüsekulturen. Regional ähnlich aufgeteilt ist
die Viehwirtschaft: Rinder, Pferde und Ziegen im Norden,
Schweine und Schafe im Süden.
Von einiger Bedeutung ist
außerdem die Forstwirtschaft, denn fast 40 des Landes
bestehen aus Wald. Wirtschaftlich genutzt werden vor allem
Korkeichen, deren Rinden alle sieben Jahre abgeschält und zu
Platten, Korken u. ä. verar
beitet werden, und der aus
Australien eingeführte Eukalyptusbaum, dessen schnell
wachsendes Holz in der Zelluloseindustrie begehrt ist. Das
schnelle Wachstum hat allerdings seinen Preis. Die Eukalyptus-
bäume, die in großen Monokulturen stehen, brauchen sehr viel
mehr Wasser als der natürliche Baumbewuchs. In einigen Teilen
des Landes bedroht der rapide gesunkene Grundwasserspiegel
nicht nur das ökologische Gleichgewicht, sondern auch den
Anbau von Feldfrüchten.
Industrie
Wie die Landwirtschaft
leidet auch die portugiesische Industrie unter den
Versäumnissen der Vergangenheit. Als andere europäische
Nationen im 18. Jh. in die Phase der Industrialisierung
eintraten, verließ man sich in Portugal auf einen Binnenmarkt,
den Mutterland und Kolonien bildeten. Erst im 20. Jh. wurden
unter der Diktatur Salazars Anstrengungen unternommen, in
Portugal wenigstens die wichtigsten Industrien anzusiedeln.
Immer noch von der Konkurrenz des Weltmarktes abgeschottet,
entwickelten sich überraschend schnell einige Industriezweige,
die allerdings in den Händen einiger weniger Familienclans
waren und Weltmarktanforderungen nicht entsprachen.
Die verheerenden Kosten, die seit den 60er Jahren die
Kolonialkriege verursachten, zwangen Salazar, seine
Abgrenzungspolitik aufzugeben und das Land für ausländisches
Kapital zu öffnen. Die fremden Geldgeber griffen gern zu. Denn
Portugal bot ihnen für europäische Verhältnisse sensationell
niedrige Löhne und nicht zuletzt ein ungemein günstiges
Investitionsklima, da die brutale Unterdrückung jeglicher
Oppositionsbewegung für politische Stabilität sorgte. Der
wirtschaftliche Aufschwung, der sich einstellte, erwies sich
bei näherem Hinsehen lediglich als schöne Kulisse.
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