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    Portugal & Algarve

 

   

Die Investoren transferierten den Großteil der in Portugal erwirtschafteten Industrieprofite in die Ursprungsländer zurück, und die Kolonialkriege schufen zwar eine rege Nachfrage in der Metallindustrie, fraßen aber gleichzeitig bis zu 40 % des Staatshaushaltes.

Nach der Revölution und dem Fortfall der Kolonien mußte sich das an Bodenschätzen arme Portugal auf dem teuren Weltmarkt mit den Rohstoffen eindecken, die zuvor die Überseegebiete geliefert hatten. Das Ausland zog sich aufgrund der unübersichtlichen politischen Lage aus der portugiesischen Industrie zurück. Alle großindustriellen Produktionsstätten gingen in Staatsbesitz über. In den 80er Jahren nahmen die Fremdinvestitionen wieder zu. Besonders die Maschinenbauindustrie und die Produktion optischer, elektrischer und elektronischer Geräte kamen in den Genuß des neuen Kapitalflusses. Außerdem zogen arbeitsintensive Betriebe wie Schuh- und Textilindustrie aufgrund des niedrigen Lohnniveaus einen Großteil der Investitionen auf sich. Aber wieder tragen der Kapitalabfluß ins Ausland und die Rohstoffimporte wesentlich zu Handelsbilanzdefiziten in DM-Milliardenhöhe bei.

Die Industrie ist mit gut einem Drittel am Bruttoinlandsprodukt beteiligt, ebensogroß ist der Anteil der hier Beschäftigten. Metallindustrie und Maschinenbau machen etwa ein Viertel der industriell produzierten Werte aus, gefolgt von der Bekleidungs- und Schuhindustrie (21 %), Petrochemie (14 %)

und der Nahrungsmittelproduktion (12 %).

Der Bauboom in den Großstädten und an der Algarve hat die Baustoff- und Glasindustrie zu einem weiteren wichtigen Produktionszweig werden lassen. Die meisten industriellen Großbetriebe, die sich noch immer in staatlichem Besitz befinden, sind in den Ballungsräumen von Lissabon und Porto angesiedelt, mittlere Betriebe finden sich vor allem in den Küstenregionen; an der Algarve floriert in Portimäo und Vila Real de Santo Antönio die Fischkonservenindustrie.

Fischerei

Vor Portugals 830 km langer Küstenlinie liegen die vielleicht ergiebigsten Fischgründe Europas. Daß dennoch nur etwa 1 % der Erwerbstätigen in der Fischerei etwa 2,5 % des Bruttosozialproduktes erwirtschaften, hat seinen Grund vor allem in der völlig veralteten Struktur des Fischfangs . Den größten Anteil am täglichen Fang machen Sardinen aus, die auch Grundlage für die Fischkonservenindustrie sind.

Die Malaise der portugiesischen Fischerei zeigt sich nicht zuletzt darin, daß nur der Sardinenfang ausreicht, die Inlandsnachfrage zu befriedigen; weitere Fischarten müssen zusätzlich importiert werden. Diese Entwicklung schlägt sich auch am Markt nieder: Außer Sardinen

wird Fisch in Portugal zu höheren Preisen gehandelt als Fleisch.

Die Beschäftigungs- und Ertragslage in der portugiesischen Fischerei ist rückläufig. Für die Zukunft wird ein weiterer Rückgang befürchtet, nicht zuletzt auch wegen zunehmender Umweltschäden, die durch die Abwässer der großen Industrieansiedlungen (insbesondere der chemischen Industrie) in den Ballungsräumen Porto und Lissabon entstehen, die zum Teil ungeklärt ins Meer gelangen.

Tourismus

Portugal ist ein sehr vielschichtiges Urlaubsland mit zahlreichen landschaftlichen und kulturellen Höhepunkten. Die Tourismusindustrie beschränkt sich allerdings auf drei regionale Schwerpunkte, die ständig ausgebaut werden: Die Algarve verbucht allein die Hälfte aller Urlaubsübernachtungen, ein weiteres Viertel entfällt auf Lissabon mit seinen Badeorten Estoril und Cascais und etwa 15 % auf die Atlantikinseln. Den Rest teilen sich im Norden die Costa Verde mit Porto, die Costa de Prata mit Coimbra und die südlich von Lissabon gelegene Costa Azul. Das Landesinnere bleibt einer verschwindend kleinen Zahl von Individualreisenden vorbehalten, die dort nahezu unverfälschte Ortschaften vorfinden. Obwohl die Städte Batalha, Coimbra, Evora, Fätima, Obidos und Tomar sich mit ihren vielen historischen Baudenkmälern und jahrhundertealtem kulturellem Erbe geradezu für einen >Bildungsurlaub< aufdrängen, werden sie von fast allen Reiseveranstaltern ignoriert.

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