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    Portugal & Algarve

 

   

Teilweise fertiggestellt, teilweise im Bau und zum Teil noch geplant ist die Autobahn zwischen Setübal und Braga, die die Infrastruktur verbessern soll. Dadurch wird immer mehr Industrie in die Küstenregionen gelockt. Das Landesinnere kommt dagegen nicht in den Genuß von Straßenbaumaßnahmen und bleibt ökonomisch uninteressant. Auch die neue Algarve-Autobahn in der touristisch bestens erschlossenen Region zwischen Albufeira und dem spanischen Ayamonte unterstützt die Tendenz infrastrukturellen Ausbaus ohnehin überdurchschnittlich entwickelter Gebiete.

Die Bahnverbindungen sind lükkenhaft und langsam, mit Ausnahme der durchgehend elektrifizierten Strecke Lissabon—Porto. Ganze Teile des Landes werden von der Bahn nicht erschlossen. Viele Bahnhöfe liegen kilometerweit von den Orten entfernt und müssen umständlich mit dem Bus angefahren werden. Der Komfort des überalterten Materials läßt auf vielen Strecken zu wünschen übrig. Unterschiedliche Spurweiten behindern den Güterverkehr auf der Schiene.

Die aktuelle wirtschaftspolitische Situation

Seit der Revolution von 1974 haben sich Politik und Wirtschaft Portugals stark gewandelt. Nach dem anfänglichen Chaos der ersten Jahre, die durch einen Mangel an politischer Stabilität und das Fehlen eines umfassenden ökonomischen Konzeptes geprägt waren, hat sich seit dem EG-Beitritt Portugals (am 1. 11. 1993 wurde aus der EG die Europäische Union/EU) vieles zum Besseren gewendet. Bis dahin war als einzig erkennbare Linie in der Wirtschaftspolitik der Wille aller zehn (!) Regierungen zwischen 1976 und 1986 auszumachen, die in den ersten nachrevolutionären Jahren beschlossenen Verstaatlichungen und die Agrarreform abzuschwächen oder rückgängig zu machen.

Wegweisende Maßnahmen leitet die portugiesische Regierung 1982 ein. Mitte des Jahres werden der Revolutionsrat abgeschafft und die Bedingungen für ausländische Investoren verbessert. Gleichwohl gibt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in einem Gutachten zum Ausdruck, daß auch in den nächsten beiden Jahren mit keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu rechnen sei. 1983 muß das Land gar einen Nothaushalt verabschieden, der ein Loch von 3,8 Mrd. DM vorsieht. Gleichzeitig werden dramatische Steuererhöhungen und die Aufnahme von Auslandsanleihen beschlossen. Am 6. Juli verabschiedet das Parlament ein Gesetz zur Stärkung der Privatwirtschaft. Zwar werden noch keine Reprivatisierungen zugelassen, immerhin aber die Gründung privater Banken, Versicherungen sowie von Düngemittel- und Zementwerken. Angesichts dieser Maßnahmen gewährt der IWF einen Aufbaukredit über 40 Mrd. US-$.

Am 10. Januar 1985 wird der Haushalt 1985 gebilligt. Das Rekorddefizit von mehr als 6 Mrd. DM macht deutlich, daß die portugiesische Wirtschaft immer noch am Boden ist. Vor allem teure Kredite haben zu diesem Minus beigetragen. Im Mai 1985 distanziert sich die Regierung weiter von den Zielen der Revolution, die laut Verfassung eine sozialistische Gesellschaft anstrebt: Ministerpräsident Märio Soares erklärt anläßlich der Eröffnung der ersten Privatbank in Porto, die Verstaatlichung von Banken und Großunternehmen sei ein schwerer Schlag für die portugiesische Wirtschaft gewesen. Am 10. Juli verabschiedet das Parlament das Abkommen über den EG-Beitritt. Nur die Kommunistische Partei stimmt mit Nein.

Am 6. Oktober lösen die Sozialdemokraten die Sozialisten als stärkste Partei ab. Der neue Ministerpräsident Anfbal Cavaco Silva macht den Wirtschaftsaufschwung zum Staatsziel Nr. 1. Als Sofortmaßnahme kündigt er heftige Preiserhöhungen für Güter des Grundbedarfs wie Brot, Milch, Strom und Wasser an. Um Unruhen zu vermeiden, werden am 1. Januar 1986 die Mindestlöhne in der Industrie um 17 % auf 350 DM angehoben, in der Landwirtsthaft auf 310 DM. Im gleichen Monat sagt die EG eine jährliche Unterstützung von rund 2,2 Mrd. DM zu. Die Opposition zwingt die Regierung im April zur Rücknahme der Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel.

Im Juli 1986 veröffentlichte Wirtschaftsdaten zeigen, daß sich die Konjunktur — erstmals seit der Revolution — in einem deutlichen Aufwind befindet.

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