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Als Gründe
werden das Sinken von Dollarkurs und Ölpreis und die
Milliardenmittel aus der EG-Kasse genannt. Die Regierung
bemüht sich weiter um ausländisches Kapital und verweist auf
die niedrigen Löhne im Land. In Portugal koste eine
Arbeitsstunde knapp 2 US-$, in Deutschland dagegen fast 14
US-$. Darüber hinaus stellt Ministerpräsident Silva im August
in einer Regierungserklärung die teilweise Reprivatisierung
verstaatlichter Betriebe sowie eine entsprechende
Verfassungsreform in Aussicht.
Im Januar
1988 bekanntgegebene Wirtschaftsranddaten deuten auf eine
weitere Verbesserung der Konjunkturlage hin. Das BIP wuchs um
4,7 %, die Arbeitslosigkeit sank auf 8 %, die Inflation auf
9,5 %.
Im
April/Mai 1989 verwirklicht Silva seine Ankündigungen von
1987: In der Verfassung werden die Artikel gestrichen, die das
Ziel einer klassenlosen Gesellschaft, die Unumkehrbarkeit von
Verstaatlichungen und Agrarreform festschrieben. Gleichzeitig
werden die ersten verstaatlichten Firmen zum Verkauf
angeboten, darunter eine Bank, eine Versicherung, ein
Chemiekonzern und eine Brauerei. Im Juli bestätigt die OECD
ein weiteres Mal den portugiesischen Wirtschaftskurs. In
diesem Jahr beträgt das Wirtschaftswachstum 4 0/0; die
Arbeitslosigkeit sinkt auf nie gekannte 5,8 %. 1990 weist das
BIP mit einer Steigerungsrate von 5 % den europäischen
Spitzenwert aus. Angesichts weltweiter Konjunkturprobleme ging
das Wirtschaftswachstum auf 1% zurück, um in den folgenden
Jahren gleich wieder beständig auf über 3,3% zu klettern.
Seit 1974
ist es Portugal gelungen, nach einer 48jährigen Diktatur und
trotz aller Wirren der ersten nachrevolutionären Jahre eine
funktionierende Demokratie aufzubauen, wenn auch die
Kurzlebigkeit der Regierungen zur Wahlmüdigkeit in der
Bevölkerung geführt hat. Auch wirtschaftlich scheint man — wie
die Strukturdaten zeigen — auf dem richtigen Weg zu sein.
Übersehen
kann man dabei allerdings nicht, daß Portugal immer noch das
ärmste Land der Gemeinschaft ist und daß alle wirtschaftlichen
Erfolge zu Lasten einer gleichmäßigen Entwicklung er-
reicht
wurden. Nach wie vor prägen große Unterschiede zwischen
Küstenregion und Landesinnerem, mit einer dramatischen
Binnenmigration als Folge, das Bild der portugiesischen
Wirtschaft.
Blickpunkt
Algarve
Die
Gewichtung der einzelnen Wirtschaftszweige an der Algarve hat
sich seit Mitte der 60er Jahre grundlegend verändert. Bis dato
waren nahezu alle Algarvios in Landwirtschaft und Fischerei
tätig. Heute ist mehr als die Hälfte im tertiären Sektor, vor
allem im Hotel- und Gaststättengewerbe beschäftigt.
Diktator
Salazar setzte auf einen — zunächst vorsichtigen — Ausbau des
Tourismus, um die leeren Staatskassen mit Devisen zu füllen.
3000 Sonnenstunden im Jahr und eine der schönsten
Küstenlandschaften überhaupt waren schlagende Argumente für
erholungssuchende Nord- und Mitteleuropäer. Was als
Luxusfremdenverkehr für die Oberschicht des europäischen
Auslandes, England allen voran, begann, entwickelte sich nach
der Eröffnung des internationalen Flughafens von Faro (1965)
schnell zu einem boomenden Massentourismus. Die attraktivsten
Küstenstriche wurden flächendeckend mit modernen
Appartementanlagen und mondänen Villensiedlungen erschlossen.
Die
Tatsache, daß vor allem Beherbergungsbetriebe der gehobenen
Kategorien angesiedelt wurden, verursachte einen sprunghaften
Preisanstieg, der sich auch auf Güter des Grundbedarfs
erstreckte. Als Folge war die Algarve nicht nur für den
Durchschnittsportugiesen als Urlaubsgebiet unerschwinglich
geworden, auch viele Algarvios mußten ein rapides Absinken
ihres ohnehin bescheidenen Lebensstandards verkraften. Während
sich die Algarve bis in die 60er Jahre durch eine homogene
Einkommensstruktur ausgezeichnet hatte, entstand nun eine
Zweiklassengesellschaft: bescheidener Wohlstand bei denjenigen,
die im Tourismus oder im schnell wachsenden Baugewerbe eine
Anstellung gefunden hatten, und Verschärfung der Armut bei
Fischern und Bauern.
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