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Über die
Qualität der romanischen Plastik in Istrien und Dalmatien
geben Skulptur nur noch wenige erhaltene Stücke Auskunft, u.
a. die beiden Heiligenfiguren an der
Fassade eines Renaissancegebäudes in Poreö, das nach diesen
Plastiken den Namen 'Haus der zwei Heiligen' erhielt. Aus der
ersten Hälfte des 13. Jh.s stammen zwei herausragende Werke
der Bildschnitzer bzw.. Bildhauerkunst: die von Meister Buvina
aus Holz gearbeiteten Tür Romanik, Skulptur Blätter am Dom in
Split und das figurenreiche, bereits am Übergang zur
Gotik
stehende Portal der Kathedrale in Trogir, geschaffen von dem
dalmatinischen Künstler namens Meister Radovan. Die Tür von
Buvina stellt allein schon wegen des Materials eine Rarität
dar, denn die meisten Türen in jener Zeit waren aus Bronze.
Interessant ist auch, daß Buvina sowohl aus westlichen als
auch aus östlichen Bildquellen geschöpft und diese
eigenständig uminterpretiert und ergänzt hat. Auch Meister
Radovan betritt künstlerisches Neuland, indem er die
heilsgeschichtlichen Szenen am Portal der Kathedrale von
Trogir mit realistischen Details anreichert und seinen Figuren
menschliche Züge verleiht. Ebenfalls aus der Werkstatt
Radovans stammen die lebensgroßen Figuren von Adam und Eva
zuseiten des Por-
tals, die
für die besagte Zeit in Dalmatien einzigartig sind.
Malerei
Die Malerei ist in der Epoche der Romanik in Dalmatien bereits
in verschiedenen Gattungen ausgeformt. Neben der Wandmalerei
(St. Michael bei Ston, 11. Jh.; Sv. KrS'evan in Zadar, 12./13.
Jh.) wurde auch die Tafelmalerei (z. B. "Muttergottes von Hvar"
in der Kathedrale von Hvar) und die Buchmalerei gepflegt
(Evangeliar aus Aibenik; Biblia sacra im Dominikanerkloster in
Dubrovnik, 11. Jh.).
Gotik (13.
— 15. Jahrhundert)
Im 13. Jh.
tauchten auch in Istrien und Dalmatien die Prediger- oder
Bettelorden auf. Im Unterschied zu den bereits bestehenden
abendländischen Mönchsgemeinschaften sahen sie ihre
Hauptaufgabe nicht mehr im asketischen Rückzug, sondern in der
Begegnung mit dem Volk, in der Armen- und Krankenfürsorge
sowie in der Predigt. Der Standort der Klöster verlagerte sich
somit vom Land in die Stadt. In der Regel errichteten die
Orden ihre Niederlassungen an der Stadtmauer. In Dubrovnik
beispielsweise stehen sowohl das Dominikaner- wie auch das
Franziskanerkloster in unmittelbarer Nähe der großen
Stadttore. Dem Armutsideal der Orden entsprachen auch die
Klosterkirchen, die meist als schlichte, ein- oder
mehrschiffige Hallen angelegt waren. Beispiele für diesen
neuen Bautyp sind neben der Dominikanerkirche in Dubrovnik die
Franziskanerkirchen in Koper, Piran und Pula. Freude am
Bauschmuck manifestiert sich dagegen im Kreuzgang des
Franziskanerklosters von Dubrovnik, den Meister Mihoje Brajkov
aus Bar um 1330 mit filigranen Doppelsäulchen und
feingeschnitzten Kapitellen ausstattete.
In weiten
Teilen Dalmatiens war das 14. und 15. Jh. das Zeitalter des
aufblühenden (See-)Handels, auch die Blütezeit der
Ritterkultur, die Epoche eines großen materiellen und
geistigen Reichtums. Die Städte wuchsen nicht mehr planlos,
sondern wurden nach wohlüberlegten Kriterien ausgebaut. Die
mittelalterlichen Strukturen sind heute noch gut erkennbar in
Rab, Trogir, Ston und vor allem in Dubrovnik. In der
süddalmatinischen Metropole waren viele Bereiche des
öffentlichen Lebens und natürlich auch die Bautätigkeit
(öffentliche Flächen, Balkone, Treppenhäuser) streng
reglementiert. Eng verzahnt mit dem Ausbau der Städte ist das
Aufkommen einer Festungsarchitektur, die die Bewohner vor
unerwünschten Eindringlingen schützen sollte. Reste der
einstigen Befestigungsanlagen gibt es an vielen Stellen noch
zu sehen, u. a. in Piran (mit den für Norditalien typischen
Zinnen), in Hum, Roö, Bale, Motovun, Zadar und Split.
Ein
bedeutendes Werk der Gold- und Silberschmiedekunst belegt
anschaulich, daß die bahnbrechenden Neuerungen der
europäischen Kunst auch in Dalmatien aufgegriffen und
weiterentwickelt wurden. Die Rede ist vom vergoldeten
Sarkophag des hl. Simeon in Zadar (1370). An den Seiten dieses
kostbaren Schreins werden neben Legenden aus dem Leben des
Heiligen auch zeitgenössische Ereignisse wie beispielsweise
der Einzug König Ludwigs in Zadar 1368 geschildert. Im
Unterschied zu früheren Darstellungen wird das Geschehen in
einen architektonisch abgegrenzten, klar definierten Bildraum
gestellt und die Figuren, die durch Gestik und Mimik Gotik,
Gold- und miteinander kommunizieren, werden durch ihre
Kleidung als Zeitgenossen Silberschmiede ausgewiesen.
Im
Unterschied zur Architektur und Bildhauerei sind aus der
Malerei nicht sehr viele Werke aus dieser Zeit erhalten
geblieben. Eine Reihe von Gemälden ist aus venezianischen
Werkstätten importiert worden oder wird fahrenden Künstlern
zugeordnet, so die Altartafeln von Paolo Veneziano in Krk, Rab,
Zadar und Trogir. Ein Meisterwerk dieses Künstlers ist die
großformatige Kreuzigungsszene in der Dominikanerkirche von
Dubrovnik. Den höfischen Stil der internationalen Gotik um
1400 vertritt der einheimische Künstler Bla2 Jurjev Trogiranin,
dessen Werke u. a. in Korgula bewundert werden können.
Besonders in Istrien sind aus dem 15. Jh. zahlreiche Fresken
von hohem Wert erhalten: in Pazin, Lovran, Zminj, Beram oder
Hrastovlje (Slowenien). Darunter sind auch einige
sozialkritische und moralisierende Zyklen mit Motiven wie dem
Totentanz oder dem Glücksrad, die mitunter eine volkstümliche
Ausgestaltung erfahren haben. Ein bekannter Meister jener Zeit
war auch Ivan aus Kastav (bei Rijeka).
Für die
nationale Geschichte der Kroaten von besonderem Interesse sind
die Breviare und Codices aus dieser Zeit, die in der
kunstvollen glagolitischen Schrift abgefaßt wurden, so etwa
das Novak-Missale sowie die Handschriften aus Drague, Hum und
Beram. Ein charakteristisches Beispiel für die europäische
Ritterkultur des Trecento ist das ebenfalls in glagolitischer
Schrift verfaßte, heute in Konstantinopel befindliche Missale
von Hrvoje Vuköiö Hrvatinid, dem Banus von Bosnien und Herzog
von Split. All diese Werke der Schriftkultur verweisen nicht
nur auf die beginnenden humanistischen Bestrebungen am
Übergang zur Renaissance, sondern auch auf das hohe Niveau der
Literatur und Buchdruckerkunst in der Region.
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