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    Kroatien - Istrien & Dalmatinische Küste

 

   

Renaissance (15. — 16. Jahrhundert)

Im Zeitalter der Renaissance nahm die Bautätigkeit an der östlichen Adriaküste weiter zu. Aus den Städten, allen voran dem unabhängigen Ragusa (Dubrovnik), wurden florierende Handelsmetropolen. Ganze Stadtviertel, ja sogar Städte wurden auf dem Reißbrett entworfen und in einem Guß hochgezogen — Pag oder Koräula sind die besterhaltenen Beispiele. Sowohl fremde als auch einheimische Baumeister und Steinmetzen waren beteiligt. Rektorenpaläste, Rathäuser und öffentliche Loggien entstanden sogar in entlegenen Inselorten. Ältere Paläste und Kirchen aus romanischer Zeit wurden im Stil der Renaissance erneuert. Der Beginn dieser Epoche wird an der östlichen Adriaküste gemeinhin ins Jahr 1440 datiert, in die Zeit also, in welcher Juraj Dalmatinac (- ¦ Berühmte Persönlichkeiten) mit dem Bau der Kathedrale in Aibenik begann, d. h. rund 10 bis 20 Jahre nachdem in Italien die 'Schlüsselwerke' der beginnenden Renaissance geschaffen wurden - Donatellos frühe Skulpturen, Brunelleschis Domkuppeln und Massacios Wandmalereien in Florenz.

Besonders anschaulich wird der neue Stil in der Kathedrale von Aibenik, dort widerum vor allem an der zentralen Kuppel, bei der Taufkapelle und an der Bauplastik (Porträtköpfe an den Chorapsiden). Nicht nur formale, auch technische Innovationen (Fertigbauteile für die Wölbung der Kuppel und der Seitenschiffe) kamen beim Bau dieser Kirche zum Tragen. Neben Dalmatinac, dem überragenden Baumeister Dalmatiens jener Epoche, war auch Niccolo Fiorentino (Nikola Firentinac) am Domneubau von Aibenik beteiligt. Zusammen mit Andrija Aleäi entwarf er 1468 die an den Dom von Trogir angebaute Grabkappelle des Bischofs Johannes (Ursini), die zu den schönsten Arbeiten der dalmatinischen Renaissance zählt.

Unter den Profanbauten des 15. und 16. Jh.s müssen vor allem der Rektorenpalast und der Sponza-Palast in Dubrovnik genannt werden. Charakteristisch für beide Gebäude und für viele andere Bauwerke aus dieser Zeit ist der `Stilmix' aus gotischen Elementen (Zwillingsfenster im ersten Obergeschoß) und Renaissanceformen (Erdgeschoßarkaden). Beim Rektorenpalast brachte der italienische Baumeister Michelozzo Michelozzi die 'moderneren' Renaissanceformen ins Spiel. Michelozzi erneuerte in den sechziger Jahren des 15. Jahrhunderts auch die mittelalterlichen Mauern und Türme der Stadtrepublik und lieferte die Pläne für den wuchtigen MireetaTurm in der Nordwestecke der Altstadt.

Eine verbreitete Bauaufgabe war im 16. Jh. die Patriziervilla. Beispiele für diesen Bautyp finden sich vor allem in der Umgebung von Dubrovnik und auf den süddalmatinischen Inseln, so auf Hvar, wo sich der Renaissancedichter Hektoroviö eine ländliche Villa mit Garten und Fischteich bauen ließ. Auch auf den Elaphitischen Inseln, einem beliebten Sommerrefugium der vornehmen Dubrovniker, blieben einige Renaissancevillen erhalten.

Der Bau von Befestigungsanlagen entwickelte sich in Anbetracht der Türkengefahr für beinahe jede dalmatinische Stadt zu einer vordringlichen Aufgabe. Das größte Projekt dieser Art ist die Festungsstadt Karlovac im Binnenland, jedoch stammen z. B. auch die sogenannten sieben Kastelle zwischen Split und Trogir aus dieser Zeit.

Dubrovnik war im 16. Jh. ein Zentrum des Humanismus und der Künste. So verwundert es nicht, daß der wichtigste Beitrag zur dalmatinischen Malerei der Renaissance von Künstlern aus der Stadtrepublik erbracht wurde. Besondere Erwähnung verdienen die großen Flügelaltäre von Nikola ' Boiidareviä und Mihajlo Hamziö sowie auch die Wandmalereien in einigen Sommerresidenzen in und nahe Dubrovnik - häufig mit allegorischem und mythologischem Inhalt. Im 16. Jh. wirken an der Küste auch viele Künstler aus Italien; darunter sind so bekannte Namen wie Girolamo da Santacroce, Giovanni Bellini, Vittore Carpaccio, Tizian, Paolo Veronese, Tintoretto, Palma der Ältere und Palma der Jüngere. Umgekehrt arbeiten zur selben Zeit auch einzelne südslawische Künstler (schiavoni genannt) in Italien, etwa Juraj öulinoviä, Andrija Meduliö und Julio Kloviä.

Barock und Rokoko (17. - 18. Jahrhundert)

Im Zeitalter des Barock erlebt das Küstengebiet eine Phase des kulturellen Niedergangs, während es im Norden und Nordosten, im Landesinneren des heutigen Slowenien und Kroatien, zu einem Aufschwung kommt. Der Grund liegt nicht zuletzt im allmählichen Rückzug der Türken aus diesen Gebieten. Auch an der Küste ist die Entwicklung nicht völlig einheitlich. Am schmalen Küstensaum bleibt der venezianische Einfluß erhalten, im Hinterland (z. B. in Istrien) setzt sich wie auch im entfernteren Binnenland immer mehr der österreichisch-mitteleuropäische Einfluß durch (siehe die Barockstädte Ljubljana in Slowenien oder Varaklin und Vukovar in Kroatien).

Es sind weniger die aufsehenerregenden Neubauten, die das Bild des 17. Jh.s prägen, als vielmehr die zahlreichen Umbauten und Erneuerungen älterer Kirchen im Stil des Barock. Viele gotische Gotteshäuser wurden durch Kapellen erweitert und mit barocken Altären ausgestattet - so etwa die Kirchen in Rab, äibenik, Korbula oder Dubrovnik.

Hervorheben muß man die großen jesuitischen Bauvorhaben in Rijeka. Die zuvor eher unbedeutende Stadt wurde durch das Zusammenspiel politischer und ökonomischer Gegebenheiten, vor allem aber durch das gesteigerte Interesse des Wiener Hofs zu einem neuen Handels- und Verkehrszentrum an der Adriaküste ausgebaut. Dies schlug sich auch in den Sakralbauten der Stadt nieder. Besondere Bedeutung kommt der Kirche Sv. Vid (St. Veit 1638-1659) zu, einem monumentalen Zentralbau, der an die wenige Jahre zuvor errichtete Zentralkuppelkirche Santa Maria della Salute in Venedig erinnert. In den folgenden Jahren wurden in Rijeka noch weitere jesuitische Bauten ausgeführt, darunter ein Kollegium, ein Seminar und mehrere Kirchen.

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