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    Kroatien - Istrien & Dalmatinische Küste

 

   

Die slowenische und die kroatische Sprache gehören zur Gruppe der südslawischen Sprachen. Neben dem slawischen Wortbestand zeigen das Kroatische und das Slowenische Lehnwörter aus der deutschen, italienischen, ungarischen, griechischen und türkischen Sprache. Die kroatische Sprache wird erst in jüngerer Zeit wieder als eigenständige Sprache gesehen und definiert. Noch in Titos Jugoslawien sprach man vom Serbokroatischen. Diese gemeinsame Schriftsprache, die das Serbische und Kroatische nicht zuletzt aus politischen Gründen bewußt zusammenführte, war im 19. Jh. von dem Serben Vuk Karadzic und einem Kreis kroatischer Schriftsteller um Ljudevit Gaj, die für einen gemeinsamen Staat aller Südslawen eintraten, geschaffen worden. Heute werden die Unterschiede, wiederum vor allem aus politischen Gründen, betont: Sie sind erkennbar im Wortbestand, z. T. im Satzbau und natürlich vor allem in der Schrift: Das Kroatische wird in lateinischer Schrift, das Serbische in kyrillischen Lettern geschrieben.

Die kroatische Literatur war jahrhundertelang eine Literatur der Regionen. Weitgehend unabhängig voneinander wurden etwa in Dalmatien und im Inneren des Landes unterschiedliche Dialekte gepflegt. Den Beginn der kroatischen Literatur markiert eine spezifische kirchenslawische Übersetzungsliteratur in glagolitischer Schrift mit zahlreichen volkssprachlichen Elementen, deren älteste Schriftdenkmäler ins 10. Jh. datieren. Ein weiterer Höhepunkt der kroatischen Literatur ist das 15. und 16. Jh., die Zeit der Renaissancedichter, die sich volkssprachlicher Elemente bedienten: Dfore Driiö, Dominko Zlatari6, Petar Hektorovi6 Berühmte Persönlichkeiten) oder Mahn DrZin. Als bedeutendster Schriftsteller gilt Ivan Gunduliä (-> Berühmte Persönlichkeiten), der im 17. Jh. vor allem Dramen und Epen verfaßte. Die Zentren der kroatischen Literatur waren zu jener Zeit Dubrovnik, Split, Zadar und Hvar. Als Vertreter der literarischen Volksdichtung ragt Andrija (-¦ Berühmte Persönlichkeiten) mit seinen Heldenlied- Nachahmungen im 18. Jh. heraus.

 

Zu den bekanntesten Schriftstellern des 19. und 20. Jh.s zählen der dem Realismus verpflichtete August $enoa, der Schöpfer des kroatischen Romans und Verfasser historischer Prosa (ähnlich den sogenannten deutschen Professoren-Romanen), der Kritiker und Essayist Gustav Mato§, der Lyriker und Prosaist Vladimir Nazor (-> Berühmte Persönlichkeiten) und natürlich Miroslav KrleZa (1893-1981), der Thomas Mann Kroatiens. Das Lebenswerk des Lyrikers, Dramatikers, Erzählers und Essayisten hat Weltrang.

Das älteste Sprachdenkmal der slowenischen Sprache sind die in lateinischer Schrift um das Jahr 1000 verfaßten 'Freisinger Denkmäler', die zwei Beichtformeln und eine Beichtpredigt von literarischem Wert enthalten. Die slowenische Schriftsprache entwickelte sich jedoch erst zur Zeit der Reformation und wurde im 16. Jh. von den Gelehrten Primoz Trubar, Adam Bohoric und Jurij Dalmatin geschaffen. Ihre erste literarische Blüte erfuhr sie im Werk des großen Nationaldichters und Romantikers France Preäeren (1800-1849), der auch als Schöpfer der modernen slowenischen Dichtersprache gilt. Neben Preäeren, nach dem viele Plätze und Straßen in Slowenien benannt sind, muß noch Ivan Cankar (1876-1918) erwähnt werden. Cankar veröffentlichte zu Beginn dieses Jahrhunderts zahlreiche Romane und Erzählungen, die ebenso stilbildend wirkten wie das Werk von Preäeren im 19. Jahrhundert.

Volkskunst und Folklore

Tänze und Ritterspiele, Volkstrachten und Spitzendecken, ein eigenwilliger Filigranschmuck, der übrigens manchmal orientalische Einflüsse verrät, und eigentümliche Musikinstrumente, wie zum Beispiel der Dudelsack - an der kroatischen Küste gibt es noch eine reiche Volkskultur und viele alte Bräuche, auf die man sich gerade in der jüngeren Vergangenheit - nicht zuletzt natürlich zur Ankurbelung des Tourismus - wieder gerne besinnt.

Besonders hervorheben muß man die Tänze, die auf manchen Inseln noch recht intensiv gepflegt werden. Einige dieser Tänze gehen auf Fasnachtsspiele und Volksstücke zurück und werden auch heute noch, vor allem in der Sommersaison, häufig aufgeführt. Bei den meisten Stücken oder Tänzen kann man unschwer den historischen Bezug entdecken. Der Schwerttanz moreäka von der Insel Koröula beispielsweise hat seine historischen Wurzeln in einer Schlacht gegen die in türkischen Diensten stehenden Araber bzw. Sarazenen. Der Tanz setzt sich aus sieben Fechtfiguren zusammen, die von Tänzern in roten und schwarzen Kostümen vorgeführt werden. Die schwarz gekleideten Tänzer verkörpern das türkische Heer unter

seinem Anführer Molo. Sie haben Bula, die Braut des rotgewandeten Königs Osman entführt, weil Moro sich in Bula verliebt hat. Der Kampf zwischen den beiden Parteien endet mit der Niederlage Moros, Bula darf zu König Osman zurückkehren. Ebenfalls auf Koröula beheimatet ist die kumpanija, ein Säbeltanz mit 18 Figuren, der von zweistimmigen Gesängen, Dudelsack und Trommeln begleitet wird.

Die Faschingstradition ist auch im dalmatinischen Küstenland, vor allem in der Kvarner Bucht, noch in einigen Orten lebendig. Ähnlich wie in der alemannischen Fastnacht gibt es Verkleidete und Maskenträger, magkare oder auch grabulje genannt. Eine Hochburg des Faschings ist das Städtchen Kastav bei Rijeka. Bei Poklade oder Mesopust (dt.: Fasching bzw. Karneval) wird am Schluß eines Schauspiels ein Puppe verbrannt und dadurch symbolisch der Winter oder das Böse 'ausgetrieben'. Auf der Insel Lastovo ist diese Figur mit einem türkischen Gewand bekleidet und im Gesicht schwarz bemalt.

Bei der Volksmusik fallen in Dalmatien nicht selten die türkisch-osmanischen Anklänge auf. Das ist keine Besonderheit im Südosten Europas und auch bei vielen serbischen, mazedonischen, griechischen oder bulgarischen Weisen zu beobachten. Typische Instrumente der kroatischen Volksmusik sind die einer Gitarre vergleichbare tamburica, der Dudelsack gajde sowie kavala, eine 60 bis 85 cm lange Flöte mit einem angenehmen Timbre, und tupan genannte Trommeln. Nur im Bereich der Kvarner Bucht gibt es die sopila, eine Art Oboe, die in Istrien rolenice heißt. Vor allem im dalmatinischen Hinterland wird die ganga gepflegt, ein Chorgesang, bei dem eine Stimme beginnt und die anderen nach und nach mit einstimmen. Bei der klapa, an der dalmatinischen Küste verbreitet, singen nur Männer.

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